Hallo, Freunde (hallo, Ilja!).
Vielleicht eignet sich dieses Thema für eine FAQ. Ich schreibsele mal einfach was zusammen …
Wie kommt ein Gitarren- Akkord zustande?
Grundsätzlich sind die sogenannten „normalen“ Akkorde (Dur und Moll) als Dreiklänge aufgebaut. Das heißt, wenn man die einzelnen leeren und gegriffenen Saiten nach den entstehenden Tönen benennt, sind nur drei unterschiedliche Töne vorhanden.
Beispiel : Die leeren Saiten der Gitarre sind von oben nach unten (so, wie Du daraufguckst) E-A-D-G-H-E gestimmt. Das sind also fünf verschiedene Töne. Einen Dreiklang erreichen wir, indem wir z.B. die A- und D-Saite im 2. Bund greifen. Die Töne der sechs Saiten sind dann, in der gleichen Reihenfolge wie oben, E-H-E-G-H-E. Es
sind also nur noch die drei Töne E,H und G vertreten, sprich, wir aben einen Dreiklang, in diesem Falle E-moll, abgekürzt Em oder - in der „deutschen“ Notierung klein e. So funktioniert das bei „reinen“ Dur- und Moll- Akkorden immer. Übrigens wird das Griffbild, wenn es - wie hier - nicht gezeichnet wird, auch oft mit Zahlen dargestellt, in unserem Beispiel 022000. Das heißt : (dicke) E-Saite leer, A-Saite
2. Bund, D-Saite 2. Bund, G-, H- und E-Saite leer.
Was unterscheidet Dur von Moll?
Der Moll- Dreiklang baut sich aus dem Grundton, der kleinen Terz des Grundtones und der Quinte auf. Der
Beispiel-Akkord von oben aus E, G und H - das ist also der Grundton E sowie drei Halbtöne darüber das G
und wieder vier Halbtöne darüber das H.
Der Dur- Dreiklang unterscheidet sich nur in der zweiten Stufe der vorkommenden Töne : Anstatt der kleinen
Terz des Grundtons wird die große Terz gegriffen. Es ist also nur ein Ton des obigen Akkordes unterschiedlich,
das G wird zum Gis (G#). Wenn wir also statt E-Moll E-Dur spielen wollen, wird zusätzlich die G-Saite im
- Bund gegriffen (Griffbild 022100). Wir haben dann die Tonreihe E-H-E-G#-H-E, sprich : E-Dur, geschrieben E.
Der Power- Akkord
Der Power- Akkord besteht aus dem Dur- Akkord, der zum Zweiklang reduziert wird. Der zweite Ton der Tonreihe
von oben fällt flach, wir brauchen nur den Grundton und die Quinte. In unserem Beispiel ist das E und H.
Wir kriegen also den Power- Akkord für E- Dur (beispielsweise), indem wir die A-Saite im 2. Bund greifen
und nur die E- und A- Saite anschlagen. Hört sich sehr rockig an, oder? Es soll dem Vernehmen nach Bands
geben, die nur von Power- Akkorden leben 
Septim- Akkorde und andere unhygienische Dinge
Wenn Du in ein Buch mit Liedbegeitungen guckst, wird Dir früher oder später so etwas wie „E7“ begegnen.
Manchmal steht da auch „E6“ oder gar „E9“ oder „Emaj7“. Was ist denn dieses? Das ist der Dur- Dreiklang von
oben, nur um einen vierten Ton erweitert; wir haben hier also einen Vierklang.
Fangen wir mit dem „E7“ an : Das ist der E-Dur- Dreiklang mit einer zusätzlichen kleinen Septime. Die kleine
Septime ist zwei Halbtöne niedriger (oder 10 höher) als der Grundton. Wir brauchen also zusätzlich zum Onkel
E-Dur noch ein D. Das erreichen wir auf zwei Arten : „Für Fingerlose und Faule“ lassen wir einfach die D-Saite
leer und greifen 020100. Das ist durchaus ein vollwertiger Septim- Akkord von E. „Septimiger“ klingt es aber,
wenn wir den kleinen Finger damit beauftragen, die H- Saite im 3. Bund zu greifen, also 022130. In beiden
Griffbildern (bitte ausprobieren!) haben wir die vier Töne E,G#,H und D.
Die zweite Version des Septimakkordes hat den Vorteil, dass Du recht einfach zum Sextakkord kommst (das ist
der Dur- Dreiklang, erweitert um die sechste Stufe der Tonleiter (9 Halbtöne über oder 3 unter dem Grundton)).
Dazu nimmst Du einfach den Finger vom 3. in den zweiten Bund der H- Saite (Griffbild 022120, Tonreihe
E-H-E-G#-C#-E). Wenn Du E-Dur sowie E6 und E7 kannst, kannst Du schon das Intro zu „Born to be wild“ … 
E9 - der Nonakkord vom Onkel E-Dur - bekommt ein Fis (F#) zur normalen Tonreihe hinzu (F# steht neun Stufen
über dem Grundton E). Das greifst Du auf der dünnen E- Saite im 2. Bund und erhältst das Griffbild 022102
(Tonreihe E-H-E-G#-H-F#). Klingt ein bisschen schräg, soll es auch und wird im Jazz häufig verwendet.
Akkorde wie Em7 werden genauso gebildet wie die Dur- Septimakkorde. Em7 bekommt der geplagte Leser - bitte
ausprobieren! - mit 022030 oder 020000. Die Tonreihe ist die gleiche wie in Dur, bis auf die kleine Terz statt
der großen, siehe oben.
Dummerweise gibt es aber auch noch Schweinereien wie „Emaj7“ (manchmal steht da auch „Ej7“, ist aber dasselbe
gemeint). Hier wird im Unterschied zu E7 nicht die kleine, sondern die große Septime von E mitgespielt. Jetzt
hat Houston ein Problem : Wie kriegen wir ein D# in den E-Dur von oben? Das Griffbild 022140 ist nicht so
richtig einfach … leichter zu greifen ist 021100, erfordert aber ein Umgreifen von E-Dur her (oder die Finger
gehen über Kreuz *örg*).
Ein „E11“ oder „E13“ oder „Emaj9“, der Herr bewahre mich vor ähnlichem Ungefähr … Nein, so schlimm ist es auch
wieder nicht. Nur muss man eben abzählen, welcher Ton jeweils dazu muss. Dazu die Tonreihe für E-Dur :
E-F#-G#-A-H-C#-E ist die Tonleiter für E- Dur; E ist also die 1., aber auch die 8. Stufe der Tonleiter; das geht,
wie wir in Nordhessen zu sagen pflegen, als so weiter. Der „E11“ könnte genauso gut „E3“ heißen, nur schreibt das
kein Mensch so. Basteln wir also ein G# (3. Stufe/11. Stufe) zu unserem E-Dur, dann bekommen wir das Griffbild
022104 für E11. Basteln wir ein H dazu (5. Stufe/ 13. Stufe), dann haben wir 022100? Nanu? Das ist ja wieder
E-Dur? Stimmt schon; da die 13. Stufe identisch mit der Quinte ist, passt das. Es ist aber mit „E13“ etwas Anderes
gemeint, nämlich eine zusätzliche Quinte zur Veränderung des Grunddreiklanges. Wir müssen uns also ein weiteres
H (Quinte von E) dazubasteln. Und da ist dann Schluss mit lustig, denn 022107 möchte ich erst mal sehen … für
diesen Akkord müssen wir uns die Töne woanders zusammensuchen.
Die Four-String- und Five-String- Technik
Jazzer und andere Ganoven *eg* erwarten von ihren Gitarristen, dass sie recht oft Vier- (und Fünf) klänge spielen.
Weil, wie oben gesehen, das „Ummodeln“ der Feld-, Wald- und Wiesengriffe seine Grenzen hat, muss sich der jazzbe-
flissene Gitarrist seine Griffe selbst bauen. Meist spielt er den Vierklang dann auch nur auf vier Saiten und
dämpft die nicht benötigten einfach ab. Damit steht ihm aber für seine Spielerei wirklich das gesamte Griffbrett
der Gitarre zur Verfügung. Stellen wir dem/der Guten mal die Aufgabe, einen richtig jazzigen Übelakkord zu greifen?
Sagen wir mal, es soll ein E9/13 sein. Dann wird sich Onkel oder Tante Jazzer folgendes zurechtlegen : Ich brauche
einen E- Dur, bestehend aus E,G# und H. Dann die None, also F#, und die Tridezime, was ein weiteres H ist. Hier
geht die Mühle anders herum : Ein H und noch ein H schreit nach der E- Saite im 7. Bund; ein F# - wie praktisch! -
liefert die H- Saite im 7. Bund; ein E ist die A-Saite im 7. Bund. Fehlt noch G#, wofür die D- und G-Saite zur
Verfügung stehen. Die G- Saite scheidet mangels Erreichbarkeit des G# aus, was unweigerlich die D- Saite in
Aktion treten lässt (6.Bund). So, nun sind alle Töne des Fünfklanges E9/13 beisammen, und wir haben das Griffbild
776?77. Das Fragezeichen ist die unbeschäftigte G- Saite, diese wird abgedämpft, Griffbild 776x77. Mangels Fingern
wird aus dem ganzen Salat ein Mischmasch aus Klein-Barrée und „normal“. Nicht einfach, nichts für Anfänger, und vielleicht
eine Erklärung für die geschrumpfte Popularität des Jazz 
So, jetzt bitten wir eine freundliche, geschulte Person, unsere Finger wieder auseinander zu knoten, und winken
freundlich dem diesen Sums verzapft habenden
kw

