Hi zusammen,
ich brauche mal eure ehrliche Meinung zu Bekannten von mir (ein Ehepaar). Die beiden stecken ausländerrechtlich tief in der Klemme, ignorieren das aber komplett. Das Amt hat im Januar schon eine fette Warnung geschickt (Brief siehe Anhang). Die Story:
Beide sind im Mai 2025 aus Türkei eingereist, um hier den Lkw-Führerschein (Klasse C/CE) zu machen und als Kraftfahrer zu arbeiten (§ 19c / § 24a BeschV).
Jetzt, über ein Jahr später, sieht die Realität so aus:
Er: Fährt die ganze Zeit nur Vollzeit Sprinter (Paketdienst, Klasse B). Er hat mit dem Lkw-Schein noch keine einzige Fahrstunde gemacht. Ausrede: Der Chef gibt ihm kein frei und er hat keine Zeit für die Fahrschule.
Sie: Hat den Deutschkurs nach einem Monat abgebrochen, weil zu schwer. Sie hat nicht mal den normalen Autoführerschein und spricht kaum Deutsch. Lkw-Theorie ist also völlig utopisch.
Das Amt: Hat im Januar schon wegen „Zweckverfehlung“ geschrieben. Jetzt mussten sie so ein Kontroll-Papier („Zusatzblatt C“) abgeben – natürlich komplett leer, weil ja null Fortschritt da ist.
Ein privater Berater erzählt ihnen jetzt, sie bekämen „6 Monate Frist als Ausnahme“. Mein Mann glaubt auch fest daran: „Wir arbeiten doch und zahlen Steuern, das Amt verlängert das Visum sowieso.“
Ich finde den Brief vom Januar aber mehr als eindeutig. Schaut euch den mal an – da steht doch eigentlich schon alles drin, oder? Meine Fragen an euch:
Glaubt ihr echt, die Behörde gibt hier noch mal aus Kulanz Zeit, wenn über ein Jahr lang absolut gar nichts für den Lkw-Schein getan wurde?
Wird denen das Visum jetzt eiskalt abgelehnt, weil auch die Sprachkurse abgebrochen wurden? (Der Wechsel in den Ehegattennachzug wurde ja wegen fehlendem A1 auch schon abgelehnt).
Reicht es dem Amt wirklich, dass sie „irgendwas arbeiten“ (Paketdienst), um so ein spezielles Lkw-Visum zu behalten?
Oder ist der Zug abgefahren und die Abschiebung / Ausreiseaufforderung droht jetzt jeden Tag?
Danke für eure Einschätzungen!
Meine Frau und ich haben uns mehrfach massiv engagiert, um Menschen zu ermöglichen, hier eine Existenz aufzubauen. Das hat von solider wirtschaftlicher Situation bis hin zu ordentlicher Karriere überwiegend gut funktioniert. Aber dann gibt es auch die Fälle, die einen sprachlos zurücklassen. Diese Kombination aus Dummheit, Faulheit und Ignoranz wird - hoffentlich - kurzfristig dazu führen, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden, gegen die rechtlich angesichts des vorliegenden Schreibens auch nichts spricht.
Es ist absolut verständlich, dass Sie und Ihre Frau an einem Punkt angekommen sind, an dem die Hilfsbereitschaft in pure Frustration und Wut umschlägt.
Das mache ich mit meiner Cousine und ihrem Mann durch, ist kein normales bitten mehr es ist ein Dauer-Terror, der mich seit einem Jahr massiv belastet. Es ist unglaublich schwer, bei der eigenen Verwandtschaft „Nein“ zu sagen, weil man familiär verstrickt ist und ein Verantwortungsgefühl besitzt. Genau dieses Verantwortungsgefühl wird hier aber seit über 12 Monaten schamlos ausgenutzt. Es wird viel etwartet, während von Ihnen absolut gar nichts passiert.
Hoffentlich werden sie von der Behörde abgelehnt. Wenn sie ihr Visum trotz allem verlängert bekommen verstehe ich die Welt nicht Mehr
Mit Fahrstunden ist es übrigens nicht getan, unter anderen muss man die beschleunigte Grundqualifikation durchlaufen, dazu braucht man drei bis fünf Wochen frei.
Wir werden auch weiterhin unsere Hilfe anbieten, und immer bereit sein, Zeit und Geld zu investieren, weil wir fast nur positive Erfahrungen gemacht haben. Wir sind inzwischen eine große internationale Familie, und haben zusammen viel Spaß und sind für einander da. Und wir sind sehr stolz auf die Dinge, die Menschen mit unserer Unterstützung erreicht haben.
Aber wir sind keine Sozialromantiker auf dem Ponyhof unter dem Regenbogen. Wer nicht bereit ist, sich an die Spielregeln zu halten, wer keinen Integrationswillen zeigt, insbesondere kein Engagement in den Spracherwerb steckt, der soll bitte wieder gehen, und muss notfalls die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.
Gerade die Sache mit dem Sprachkurs macht mich echt wütend, und erinnert mich an einen Selbständigen, der ohnehin schon kein tragfähiges Konzept hatte, seine Familie zu ernähren, und dann durch Corona richtig Probleme bekam. Ich fand für ihn eine interessante kurze Ausbildung mit Übernahmegarantie ohne große Voraussetzungen. Nur B1 musste sein. Der Mann lebt seit zig Jahren in Deutschland. Frau und Kinder sprechen wie Muttersprachler. Der Neffe im Haus hat Abi mit 1,4 gemacht. Und der faule Sack, der erst ganz begeistert war, verlor augenblicklich das Interesse, als das Thema Deutschkurs aufkam, und dümpelt lieber weiter vor sich hin. Zum aus der Haut fahren!