Wird oder wird?

Hallo!

Ich muß mal eine ganz seltsame Frage stellen:

Neulich hatte ich den Satz geschrieben: „Die Gleichung wird nach Phi aufgelöst und damit die Wellenfunktion ergeben.“ Mein Kollege hat mir beim Korrekturlesen diesen Satz angestrichen, mit der Begründung, „wird aufgelöst“ und „wird ergeben“ seien zwei unterschiedliche Tempora und dürften nicht derart zusammengefasst werden. Ich finde allerdings, dass der Satz „Die Gleichung wird … aufgelöst und wird damit … ergeben.“ intuitiv falsch klingt.

Gibt es da eine verbindliche Regel? Dürfen syntaktisch verschiedene, aber semantisch identische Wörter in einer Junktion zusammengefasst werden?

Danke
Christoph C>

hallöchen, christoph:smile:
ich schummle mich durch solche fragen immer damit, dass ich sie umgehe*ggg*
formulierst du :
"Die Gleichung wird

nach Phi aufgelöst und damit (dadurch)ergibt sich die Wellenfunktion"

umschiffst du alle sprachlichen probleme
tatsächlich gebe ich aber deinem kollegen intuitiv recht…es sind zwei verschiedene
temporae:
*wird nach Phi aufgelöst…ist das, was, die anglosaxen sehr treffend als *everlasting future* bezeichnen…also etwas gegenwärtiges, das auch in der zukunft gültigkeit haben wird;
und *damit die wellenfunktion ergeben* ist das, was ich *ggg* das (real nicht existierende *futurum consecutio* nenne…also ein futur, das sich als konsequenz aus dem vorhergehenden ergibt…
rein grammatikalisch gibt es dafür keine entsprechung (?)
und ich wiederum wäre dankbar, wenn mir jemand erklärt, dass meine intuition auch sprachlich legaliter funktioniert…:smile:
liebe gruss, jenny

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Zeugma
Hallo Christoph,

das Zusammenfassen morphologisch gleichlautender Satzteile ist eine Stilfigur und unter dem Namen (syntaktisches) Zeugma bekannt.

Ein bekanntes Beispiel ist der Titel von Friedrich Schillers Antrittsvorlesung:
„Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“
Auch diese Konstruktion „geht eigentlich nicht“, denn im ersten Teilsatz steht Universalgesch. im Nominativ, im zweiten ist es das Akkusativobjekt.
Da das Wort Universalgeschichte im Nom. und im Akk. aber gleich lautet (die gleiche Endung hat), ist diese Zusammenfassung hier möglich, bewirkt aber, dass der Leser darüber stolpern wird. Man sollte solche Fügungen verwenden, um Komik oder Interesse zu erzeugen, gleichzeitig aber unfreiwillige Komik vermeiden.

http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/…
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeugma

Mein
Kollege hat mir beim Korrekturlesen diesen Satz angestrichen,
mit der Begründung, „wird aufgelöst“ und „wird ergeben“ seien
zwei unterschiedliche Tempora und dürften nicht derart
zusammengefasst werden.

Mit der Begründung hat er Recht. Ob sie deswegen nicht zusammengefasst werden dürfen, steht auf einem anderen Blatt.

Ich finde allerdings, dass der Satz
„Die Gleichung wird … aufgelöst und wird damit … ergeben.“
intuitiv falsch klingt.

Wenn du sicher gehen willst, versuche es zu umschreiben, oder formuliere z.B.
„Die Gleichung wird … aufgelöst; sie wird damit … ergeben.“

Gibt es da eine verbindliche Regel? Dürfen syntaktisch
verschiedene, aber semantisch identische Wörter in einer
Junktion zusammengefasst werden?

Nun, semantisch die die Wörter hier nicht identisch (wird „bedeutet“ einmal einen Vorgang in der Vergangenheit, das andere Mal in der Zukunft), sondern morphologisch (sie haben die gleiche Wortform).
Es ist schon ein bewusster Regelverstoß, der da begangen wird, aber es gibt schon Präzendenzfälle dafür in der Sprache.

Grüße
Wolfgang

Hallo, Christoph und Wolfgang!

intuitiv falsch klingt.

Falsch würde ich nicht sagen, halt ungewohnt. Wie Wolfgang schon sagte, ist das Zeugma eine gängige Möglichkeit die Sprach- und Schreibregeln elegant zu umgehen und mit ihnen zu spielen.

Ganz legal ist z. B. die Ellipse eines Pronomens und eines Verbs in Sätzen wie: „Ich habe gut geschlafen und wunderbar geträumt.“, in dem sich das „ich habe“ auf „geschlafen“ und „geträumt“ bezieht.

Beim Zeugma ist das elaborierter. Es bricht die Regel, erzeugt damit Komik und erregt Aufmerksamkeit

Heinz Erhard eröffnete seine Abende oft mit den Worten: „Ich heiße Heinz Erhard und Sie herzlich willkommen.“

Ein anderes hübsches Beispiel aus dem Struwwelpeter: „Er schlug die Stühl und Vögel tot; …“

Gibt es da eine verbindliche Regel? Dürfen syntaktisch
verschiedene, aber semantisch identische Wörter in einer
Junktion zusammengefasst werden?

Ja, freilich! Das genau ermöglicht das Zeugma! :wink:

Hallo, Jenny, verzeih, wenn ich dir ein wenig und paar Mal widerspreche:

sind zwei verschiedene temporae:

Der Plural von Tempus ist Tempora

*wird nach Phi aufgelöst…ist das, was, die anglosaxen sehr
treffend als *everlasting future* bezeichnen…

Davon habe ich noch nie gehört. Für mich ist es einfach ein Passiv Präsens. Und das

*damit die wellenfunktion ergeben* ist das, was ich *ggg*
das (real nicht existierende *futurum consecutio* nenne…also ein futur, das sich als konsequenz aus dem vorhergehenden ergibt…

ist für mich auch eine sehr verdrehte Erklärung. :wink:

rein grammatikalisch gibt es dafür keine entsprechung (?)

Und nochmals: für mich ist das ein ganz einfaches Futur.

und ich wiederum wäre dankbar, wenn mir jemand erklärt, dass
meine intuition auch sprachlich legaliter funktioniert…:smile:

Diesen Dank kann ich leider nicht verdienen. Schade. :wink:

Beste Grüße
Fritz

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lieber Fritz:smile:
danke fürs widersprechen…*lächel*
ich bin ja auch keine germanistin und hab’ deswegen
geschrieben…*intuitiv*.
Ich hab jedenfalls wieder enorm viel gelernt.
Zeugma war mir ein absolut neuer begriff.
das *everlasting future* aber kenne ich nun tatsächlich
aus meiner studienzeit in philadelphia,
kann mich allerdings nicht erinnern, ob es dafür
eine grammatikalische oder eine literarische begründung gab.
und das *e* am *tempora*-schluss war lediglich ein schneller finger.*g*
ich bin halt nach mitternacht und zwei vorstellungen (war das nun ein zeugma?) nimmer gut im korrekturlesen…*g*
lieben gruss jenny