Wird Religion Krisenherd Nr.1 im 21. Jh?

Liebe/r Leser/In

Ich habe im Rahmen einer Vordiplomarbeit ein Zitat von Samuel P. Huntington zu behandeln. Dies lautet folgendermassen:

„Das 20 Jahrhundert war von ideologischen Konflikten geprägt - Kapitalismus gegen Kommunismus, Faschismus gegen Liberalismus usw. Das 21. Jahrhundert könnte, so sieht es jetzt wenigstens zu Beginn danach aus, zum Jahrhundert der Religion werden.“

Ich möchte Euch nun fragen: Wie seht Ihr das? Gibt es ausser vielleicht den Balkankonflikten und der Palästina-Frage noch andere Gebiete, die dieses Zitat be- oder widerlegen könnten. Seht Ihr vielleicht ein Potential für solche Konflikte? Wo allenfalls?

Vielen herzichen Dank für Euer mitdenken und Eure Reaktionen,

aus der Schweiz mit freundlichem Gruss

Samuel Rentsch

nein!!!
Das Thema wird in Zukunft die Folgen der Klimaveränderuung sein. Also: Trinkwasser, Ackerland, Überschwemmiungsgebiete (der Meeresspiegel wird um ca. 90 cm steigen!) Soll heißen: die Völker, die in den Dürregebieten (die durch die Hitze und durch den heutigen Raubbau enstanden sind) leben, wollen in Gebiete, die gemäßigt sind, also zu uns. Wir dagegen wollen unseren Wohlstand möglichst halten und werden diese „Einwanderer“ mit allen Mitteln abwehren. Da diese Hungerstaaten aber teilweise hochgerüstet sind, wird es zu militärischen Konfliktemn kommen. Mit hunderttausenden oder Millionen Toten. Natürlich wird die Religion dafür strabaziert. Es werden göttliche Anweisungen herausgegeben (Gott hat befohlen, dass die Ungläubigen in … notfalls mit Feuer und Schwert bekehrt werden, oder: Gott hat uns dieses Gebiet vor 5.000 Jahren gegeben und versprochen). So lange die jeweiligen Machthaber (Priester und Regierende) ungefährdet sind, werden die Gläubigen wie die Fliegen für sie sterben. Denk nur daran, dass ein großer Teil der Serben vor nicht allzulanger Zeit fest daran glaubten, dass Deutschland Serbien erobern will. Dabei könnten wir alle Kriege vermeiden. Ein ganz kleines Beispiel: in den Emiraten und auch in anderen Dürregebieten gibt es, so es von den Kapitalkräftigen gefördert wird, heute riesige Anbaugebiete. Das war nur möglich, weil vor vielen Jahren die Israeli die Tröpfchenbewässerung erfanden. Es gibt heute Pläne (leider nur Pläne), wie man Trockengebiete, ja sogar Wüsten wieder in grüne, blühende Landschaften zurückverwandeln kann. Natürlich nicht in 2 Jahren. Ein Menschenleben braucht man schon dazu.
Aber noch einmal zu Deiner Eingangsfrage: fast kein Religionskrieg ist in Wirklichkeit einer. Die Religion wird fürs dumme Volk als Grund angegeben. Das hat man schon seit vielen tausend Jahren so gehandhabt. Funktioniert immer. Die Herrschenden sind meiner Meinung nach Atheisten. Ich glaube auch, dass Komeini insgeheim sich schief lachte über die, die ihm so brav folgten. Genauso hat Mao für seine Machterhaltung millionen Chinesen über die Klinge springen lassen. Und als Grund war der Glaube an den Kommunismus gerade richtig (Kulturrevolution). Bei den Päpsten sah es auch nicht anders aus: selbst glaubten sie am wenigsten daran. Hauptsache ihr Bauch und das sexuelle Vergnügen stimmte. dafür bog man den Glauben passend.
Grüße
Raimund

Lieber Raimund

Zuerst Mal vielen herzlichen Dank für Deine interessante Antwort. Ich habe mir das ganz ähnlich vorgestellt, überrascht hat mich etwas Deine unerbitttliche Haltung gegenüber der Religion. Bist Du wirklich der Meinung, dass die Religion nur Mittel zum (politischen) Zweck ist?

Könnte man dann dieses Zitat nicht trotzdem als richtig betrachten: Man spricht ja schon heute häufig von Religions- und heiligen Kriegen, und auch ich habe den Eindruck, dass da (meist) konkrete politische Interessen dahinter stehen. Dies alles geschieht allerdings unter dem Deckmantel der Religion, in gewissem Sinne ist sie die „Legitimation“ für die ganzen Auseinandersetzungen…oder bleibst Du bei Deinem kategorischen „nein“?

Gruss
Samuel

Hallo Samuel,

Ob Religion Krisenherd und gar Nr.1 werden wird, weiß ich nicht, an Bedeutung wird Religion sicher gewinnen, und zwar der Islam im fernen Osten. Ich könnte mir vorstellen, fast so bedeutend wie der christliche Glaube vor wenigen Jahrhunderten in Mitteleuropa war.

„Das 20 Jahrhundert war von ideologischen Konflikten geprägt -
Kapitalismus gegen Kommunismus, Faschismus gegen Liberalismus
usw. Das 21. Jahrhundert könnte, so sieht es jetzt wenigstens
zu Beginn danach aus, zum Jahrhundert der Religion werden.“

Ich war seit 1978 bis jetzt oft und lange in Indonesien und mehrmals in China, von Jahr zu Jahr sieht man mehr und mehr Frauen mit dem „Djilbab“ (Kleidung der Muslim-Damen) und Aktionen gläubiger Männer. In China mehren sich Restaurants die für Muslems geeignete Speisen verkaufen. Typisch für die Gegenden mit Bevölkerungsexplosion (auch China gehört noch dazu, daß Religion an Bedeutung gewinnt. (Wems jetzt dreckig geht, der zahlt gern für eine glückliche Zukunft im Jenseits.)

Ich möchte Euch nun fragen: Wie seht Ihr das? Gibt es ausser
vielleicht den Balkankonflikten und der Palästina-Frage noch
andere Gebiete, die dieses Zitat be- oder widerlegen könnten.
Seht Ihr vielleicht ein Potential für solche Konflikte? Wo
allenfalls?

Von Konflikten kann ich noch nicht berichten, außer daß der derzeitige Präsident Indonesiens anscheinend den Korruptionskurs seiner Vorgänger fortsetzt und sich seiner früheren Stellung als islamischer „Würdenträger“ bedient, um nicht abgesetzt zu werden. Asiaten sind nicht so rabiat wie die Araber (auch die Europäer sind - verallgemeinert - auch nicht immer die ganz Sanften), daher muß nicht unbedingt ein Konflikt daraus werden.

Grüße Rudolf

Also ich habe mal einen klugen Spruch von einem Mann gehört… den ich hier nicht näher nennen möchte. Ich weiß nicht, ob es sein Spruch war, aber ich habe ihn von ihm.

„Gäbe es keine Religion, gäbe es keine Kriege.“

Ich denke, dass die religiösen Kriege nicht erst ein Phänomen des beginnenden 21. Jht. werden… sie sind es schon immer gewesen.

Nehmen wir die Kreuzzüge…
Sie geschahen unter dem Deckmantel der Kirche.
Man wollte andere bekehren und versuchte sich gleichzeitig deren Hoheitsgebiete anzueignen.

Oftmals scheint es aber auch wirklich so zu sein, dass man die Religion vorschiebt, um einen Krieg zu rechtfertigen.

Jugoslawien… dürfte weitesgehend durch Glaubenskriege in den letzten Jahren Krieg geführt haben. Man versuchte hierbei fast ausschließlich die Religion eines Menschen so darzustellen, dass es eine gute… eine „Über-Religion“ und eine schlechte… zu vernichtende Religion gibt.

Nehmen wir Eritrea und Äthiopien… Eritrea ein reiches Land. Viele Bodenschätze und sehr guten Boden mit guten Ernten. Viel Zugänge zum Meer. Und vor allem Äthiopien hat keinen direkten Zugang zum Meer.

Und man will hier einerseits das Gebiet haben und andererseits aber auch die Christen vernichten, denn die Moslems herrschen meine ich in Äthiopien.

Auch Uganda - Burundi und die anderen Staaten in Afrika… es dürften hier oftmals Glaubenskriege geführt worden sein, die sich auch auf die territoriale Eroberung gerichtet haben.

Daher denke ich nicht nur, dass es ein Phänomen des 21. Jht. ist, sondern schon jeher ein einfaches Mittel von Restriktionen und Gebietseroberungen darstellen.

Kuwait und Irak…
Beides muslemische Staaten… aber Kuwait ist westlich orientiert und gehört somit nach Ansicht von Irak vernichtet. Ebenso das kurdische Volk.

So long.
Marco

Huntington ist mehrfach kritisiert worden, dass er „etwas herbei redet“, „self fullfilling prophecy“ betreibt. Da ist wohl was dran. Er wird hinreichend viele Helfershelfer finden, die in sein Horn blasen. Ich wiederhole, was ich schon öfter hier sgate: Der Westen ist im Erfinden von Feindbildern ausserordentlich geschickt!
Ob Religion Kriege provoziert? Nun, gäbe es keine R., so würden sich die Menschen wohl etwas anderes suchen …
Gruss, Stucki

Hi,
ich kann mich der Aussage und Prophezeiung von Huntington nicht anschließen. Die Religion als Begründung und Rechtfertigung kriegerischer Auseinandersetzung gibt es, seit es Menschen gibt. Im Hintergrund standen immer wirtschaftliche und machtpolitische Interessen, die vordergründig mit „heiliger Krieg“, „Kreuzzug“ usw. verkauft wurden.
Karl Marx sagte nicht umsonst: „Religion ist das Opium des Volkes“.
Wie soll ein Mächtiger, der sich einen Nachbarstaat einverleiben will, seine Leute davon überzeugen, dass sie nur das Risiko, verletzt oder getötet zu werden, tragen, er aber ein land besetzen und gewinnen kann?
Mit Religion läßt sich das einfach darstellen und jeden Bürger bis zur Exstase überzeugen.
Die Araber haben so im 7./8. Jahrhundert ein Weltreich gegründet, die Europäer haben den südlichen Mittelmeerraum in ihren Kreuzzügen verwüstet und besetzt. Und heute setzt sich dieses Spiel weiter fort. Dabei spielen die großen sog. Weltreligionen eine nicht unbeachtliche Rolle.
Aber ich glaube nicht, dass das 21. Jahrhundert die Religion selbst zum Mittelpunkt der Auseinandersetzungen macht.
Religionen spielen trotz aller gegenteiligen Äußerungen der Religionsführer in unserer Gesellschaft eine immer weniger werdende Rolle. Geistiges Kulturerbe sind sie längst nicht mehr. Nehmen wir die katholische Amtskirche als Beispiel. Dort sind Papst und Kardinäle im 17. Jahrhundert stehen geblieben und verstehen nicht, dass die Menschen sich in den letzten 400 jahren weiter entwickelt haben. Selbst die Ayatollahs im Iran verlieren langsam an Boden.
Ich glaube vielmehr, dass das 21. Jahrhundert von einer Globalisierung solchen Ausmasses geprägt werden wird, wie wir es uns jetzt nur ansatzweise vorstellen können.
Die Tourismusbranche erschließt dem Reisenden alle Länder dieser Erde in einem Einheitsbrei von gleichaussehenden Hotels, Stränden und Liegestühlen. Es spielt kaum noch eine Rolle, ob ich in der Dominikanischen Republik oder in Thailand Urlaub mache, McDonald`s und Coca Cola sind schon da. Jeans und T-Shirts sind Bekleidungsstücke Nr. 1 in allen Ländern und überall finde ich Mercedes und die Deutsche Bank.
Die Folgen dieser Globalisierung werden das 21. Jahrhundert prägen. Die Deutsche Bank hat mittlerweile einen höheren Jahresumsatz als der Etat der Bundesrepublik Deutschland. Zeigt das nicht, dass die Machtverhältnisse von der Politik auf die Wirtschaft verschoben werden, also Kapitalismus pur. Die Politiker als bloße Marionetten der Wirtschaft?
Das sind die Fragen unserer Zeit. Die Religionen werden langfristig aussterben und zu Sekten mutieren, auch die katholische Kirche und der Islam, und das alles ohne einen großen Knall.
Gruß,
Francesco

hallo, Samuel,
ein klein wenig hasr Du mich falsch verstanden: ich habe nichts gegen Religionen. Und welche die allein seeligmachende ist, will ich gar nicht entscheiden. Ich glaube ehrer: alle haben etwas recht.
Was ich meinte, war, dass die herrschende Klasse (Kapital, Oberste Pfaffen) am wenigsten daran glauben. Für die ist es einfach nur Mittel zum Zweck. Um ihre Stellung zu zementieren, Ihre Einkünfte, ihre Macht über andere Menschen. Die katholische Kirche z.B. war auch bereit, sich mit den machthabern im 3. Reich gut zu stellen (Pius der ?). Obwohl sie doch genau wussten, was in den KZ oder wo auch immer ablief. So sind aber alle Religionen. Der „einfache mann“ glaubt teilweise inbrünstig an seine Götter und deren Wirken… und wird damit schamlos ausgebeutet.
Saddam hat mehrmals schon den hlg. Krieg gegen die Ungläubigen ausgerufen… und meint damit nur eines: Eroberung.
Mohammed hat (so vermute ich, wenn ich die Geschichte des Islam lese: die Söhne der Wüste) nur eines im Sinn gehabt: seiner Firma eine Monopolstellung zu erkämpfen.
Glaubst Du, dass Jesus vor hatte, so eine Macht- und Geldfirma zu gründen, wie die christlichen Kirchen heutzutage sind? War er nicht der meinung, jeder sollte sein Hab und Gut den Armen schenken und ihm folgen?
Solche und ähnliche Beispiele könnte man bei jeder Religion bringen.
Grüße
Raimund

…, denn die Moslems herrschen

meine ich in Äthiopien.

der ehemalige Kaiser von Äthiopien, Heile Selassi war Christ.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass jetzt die Moslems dort herrschen.
Grüße
Raimund

Okay… dann irre ich mich vielleicht in diesem Punkt… Fakt ist aber… dass ich einen Freund habe, der Christ ist und vor 15 Jahren da weg musste, weil sonst alle ausgerottet worden wären…

Aus seinem alten Dorf leben noch ca. 20 ( in Europa) von vormals über 1000.

Also irgendwas müssen die ja trotzdem an diesen Christen gehasst haben…

Marco

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Hallo Francesco…

Mit Religion läßt sich das einfach darstellen und jeden Bürger
bis zur Exstase überzeugen.

Das ist der Punkt, den ich auch meine…
es gibt halt religiöse Kriege… aber oft wird die Religion nur als Anlass genommen. Und wenn man diesen Anlass nicht hätte… dann würde es keine Kriege geben…

-)

Marco

*der daher nie Krieg führen würde, weil ohne Religion* :smile:

sieht so aus! Bin aber nicht auf dem Neuesten. Kann schon sein, dass die damals herrschende Christenklicke verjagd wurde. Na, ja, die Moslem wollen halt auch mal an die Fleischtöpfe. Und um nicht anderes geht es ja immer. Fürs Volk heißt es Religion, für die Mächtigen heißt er Machterhaltung und -vermehrung.
Grüße
Raimund

Hallo Marco!

Habe mir jetzt hier nicht alles durchgelesen, ich glaube aber, dass ein gewissen Zusammengehörigkeitsgefühl ganz einfach notwendig ist, damit ein Krieg geführt werden kann. Genauso konnten natürlich Deutsche gegen die Franzosen Krieg führen. Es liegt nunmal in der Natur des Menschen sich zu Gruppen zusammenschließen zu wollen. Wie lassen sich sonst die vielen Fußballfans erklären? Nur je fanatischer dieser Gruppen-/Führer-/Götterglaube was auch immer ist, desto eher kann er zu einer kriegerischen Auseinandersetzung führen. War es nicht Kant der gemeint hat, man darf nie eine höhere Autorität als sich selbst anerkennen, und muß sich immer bewußt sein, dass man für sein Tun selbst verantwortlich ist? Der erste Gedanke eines jeden müßte sein: Das stimmt! Der zweite muß aber sein: Dann sind auch Religionen abzulehnen! Daher mein Resümee: Religion ist nicht zwingend notwendig aber förderlich…

mit bestem Gruß,
Herbert

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Hallo Herbert,

siehst du… da ich keinen Sinn in einer Religion sehe… und es für mich diesen „übermenschen“ nicht gibt und ich mir sicherlich von anderen Rat hole und auch auf die höre, aber erst nach Prüfung.

Daher kann ich Kant schon zustimmen… ich habe zugegebenermaßen aber auch keine Wahl gehabt… aber im Nachhinein würde ich auch nie eine andere getroffen haben… ein Grund, weshalb ich nie einer Religion angehören werde.

Man sollt nie nie sagen, aber ich denke, da kann ich es…

Gruß
Marco