Nach der vorangegangenen Frage zu verschiedenen Träumen ist mir auch eine sich oft stellende Frage wieder eingefallen:
Wie ist die in Träumen verzerrte Wirklichkeit zu erklären?
Jeden dürfte diese Tatsache bekannt sein. Einmal gelten Naturgesetze in Träumen öft nicht, aber auch alle vom Menschen geschaffenen Gegebenheiten stellen sich in Träumen völlig anders dar. Sie wären zwar möglich, es gibt sie aber in Wahrheit so nicht.
Eines der bekanntesten Phänömene ist vielleicht, daß man schweben kann. Bestimmte Orte, Gebäude, Vereinigungen, die zwar auch in der Realität so bestehen könnten, die es aber nicht gibt, sind im Traum vorhanden. Auch Namen sind oft verändert oder durch andere, in Wahrheit nicht vorhandene ersetzt. Eine unangenehme Erscheinung im Traum ist manchmal auch, daß man nackt in der Öffentlichkeit ist.
Beispiele, die bei mir schon aufgetreten sind:
Es gab - in mehreren Träumen immer dasselbe - irgendein sagenhaftes Dorf in meiner näheren Umgebung, wo ich immer eine Weinstube besuchte.
Zwei serbische Feuerwehrleute regelten den Verkehr.
Ich bin laufend mit dem Kopf gegen ein Gebäude (ähnlich einem alten Rathaus) aus Glas gerannt, das ich dadurch in eine bestimmte Richtung verschoben habe.
Ich habe mit mit der Schere die Finger anstelle der Fingernägel nachgschnitten.
Ich habe im Zeugnis eine Acht bekommen.
Es lst nun nicht das Anliegen meiner Frage, die konkreten Träume näher gedeutet zu bekommen, sondern ich suche eine allgemeine Erklärung dafür, daß in Träumen Erscheinungen dieser Art vorkommen.
nicht nur Träume haben diese Eigentümlichkeit. Auch Märchen, Sagen, Fabeln sowie diverse Erzählungen und Romane sind nicht logisch. Träume haben ebenso wie die Märchen oder Fabeln eine Aussage, die sie aber nicht im Klartext ausdrücken. Sondern als Allegorie. Ihre Elemente sind Symbole, die für etwas Anderes stehen.
Bei dieser Übersetzung vom Klartext in die Symbole des Traumes wäre es vermutlich eine zu große Einschränkung, sollte die fertige Traumsequenz auch noch logisch und in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Physik sein. Im Gegenteil, gerade solche unlogischen Details wie das Fliegenkönnen oder das Nacktsein in der Öffentlichkeit eignen sich vielleicht besonders gut zur Darstellung. Und im übrigen sind die Gedanken nun einmal frei - Träume sind auch eine Art Gedanken.
Mir fallen zwei Ansätze zum Verständnis der Träume ein, sie entsprechen jeweils einem bestimmten Verständnis des Unbewußten. Für Freud ist das Unbewußten unter anderem der Ort des Verdrängten, der Dinge, die jemand nicht wahrhaben und am liebsten vergessen möchte, ungeschehen und nicht existent haben möchte. In der Vorstellung von Freud gibt es in der Psyche einen Zensor, der darüber wacht, daß verdrängte Inhalte nicht ins Bewußtsein dringen. Im Schlaf ist der Zensor jedoch nicht mehr ganz so wichtig, weil die Motorik ausgeschaltet ist - somit das Bewußtwerden irgendwelcher Inhalte im Traum keine Handlungen zur Folge hat. Ganz ist die Zensur aber nicht aufgehoben. Daher sind die Trauminhalte eben symbolische, gleichnishafte Bilder und keine nüchternen klaren Aussagen.
Es ist so zu verstehen wie in einer Diktatur, wo es gefährlich ist, Mißstände klar zu benennen. Dafür werden Witze erzählt und unter der Hand weitergereicht, vielleicht gibt es Theaterstücke, die sehr indirekt ausdrücken, was nicht offen gesagt werden darf. Freud lebte nur wenige Jahrzehnte nach dem Biedermeier und dem Vormärz, d. h. der Zeit des Metternichschen Polizeistaats.
Andere wie Jung verstehen das Unbewußte nicht so sehr als einen Kerker für verdrängte Konflikte, sondern vor allem als ein über die Generationen vererbtes kollektives Gedächtnis der wesentlichen Lebenserfahrungen aus der Menschheitsgeschichte. Dessen Inhalte waren niemals bewußt, sie wurden daher auch nicht verdrängt. Der Traum wird somit nicht als das Resultat einer Zensur verstanden, sondern das Unbewußte habe eben seine eigenen Ausdrucksmittel und könne sich nur so symbolisch bildhaft ausdrücken.
meine Erklärung für so etwas ist, daß das Gehirn in der Relaxierungsphase wahlose Aktivitäten entfaltet (die Neuronen feuern herum und „knistern“ wie ein abkühlender Ofen), somit unsinnige und zusammenhangslose Reize produziert, die aus sich heraus keinen Sinn ergeben. Erst das Bewustsein, welches im Traum ja irgendwie aktiv ist, versucht diese ganzen Reize dann verzweifelt in einen irgendwie logischen und kausalen Zusammenhang zu bringen.
„Träume sind Schäume“
Im Unterschied dazu sind tatsächliche Reize im Wachzustand aufgrund der herrschenden Naturgesetze schon vorher in einem logischen und kausalen Zusammenhang, daher kann einem so etwas Verrücktes wie im Traum nicht passieren.
meine Erklärung für so etwas ist, daß das Gehirn in der
Relaxierungsphase wahlose Aktivitäten entfaltet (die Neuronen
feuern herum und „knistern“ wie ein abkühlender Ofen), somit
unsinnige und zusammenhangslose Reize produziert, die aus sich
heraus keinen Sinn ergeben. Erst das Bewustsein, welches im
Traum ja irgendwie aktiv ist, versucht diese ganzen Reize dann
verzweifelt in einen irgendwie logischen und kausalen
Zusammenhang zu bringen.
Hallo Moriarty,
dazu mag ich gern fragen, ob es dazu vielleicht schon Untersuchungsergebnisse gibt. Welcher der Teil oder welches Derivat des Bewusstseins im Traume aktiv ist und ob das verzweifelt herumgeistern kann und aus den Bruchstücken Tagerlebtens einen stringenten Zusammenhang puzzeln kann.
Eher glaube ich, dass nachts eine Art Defragmentierung stattfindet. Unnützes wird von Nützem getrennt, katalogisiert, abgespeichert, und was vielleicht nicht zugeordnet werden kann, oder einer Klärung im Bewusstsein bedarf, geistert als Alb in uns umher.
Das betrifft zum Beispiel Träume mit ständig wiedergehendem Inhalt.
Jahrelang hab ich geträumt, ich könne nur über hohe und schmale Leitern, mit Kletterpartien, durch enge Luken in meine Wohnung geraten (s. Traum-FAQ, nochmals Danke an Metapher), bis ich irgendwann mal geträumt habe "Zum Glück träum ich das nur, im wahren Leben wär mir das echt zu anstrengend).
Träume sind nicht immer Schäume. man sollte schon ab und an mal eine Blick darauf werfen, vor allem, wenn im wahren Leben ein Konflikt stattfindet, oder eine Entscheidung ansteht.
Nicht zuletzt empfiehlt die Volksweisheit, vor Entscheidungen erstmal „eine Nacht darüber zu schlafen“.
kann mich den Vorrednern nur anschließen. Im Prinzip ist unsere Realität doch genau so verrückt, wie unsere Träume. Es ist doch nur die Frage, welchen Maßstab wir unseren Urteilen zugrundelegen. Was ist schon normal, was unnormal? Klar weiß ich, was Du meinst. Hab auch schon mal geträumt, dass ich in meinem Traum erkenne, dass es nur ein Traum ist und sage „Ach, das hier ist doch nur ein Traum. Bald wache ich auf und der Traum ist vorbei“. Die Leute in meinem Traum fanden das gar nicht witzig Vielleicht träumen wir immer? Was würdest Du denken, fühlen, etc. wenn sich Deine Eltern zur Kinderlosigkeit entschieden hätten? Wärst Du ein Kind anderer Eltern oder gäbe es Dich gar nicht? Woher wüßtest Du, dass es Dich nicht gibt? Noch was zum Schluss: Wir träumen immer, wir können uns nur sehr selten an unsere Träume erinnern, bzw. nur an einen sehr kleinen Teil unserer Träume erinnern, d. h. sie spielen sich nur im Unterbewußtsein ab und können daher nicht bewußt wahrgenommen und beschrieben werden.