Wirkung von Antidepressiva bei Angst/Zwangsstörung

Hallo,

mich würde mal interessieren - mal unabhängig von „Stoffwechselstörungen“ im Gehirn - wie Antidepressiva und/oder selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer „Ängste und Zwänge lösen“/bekämpfen sollen … Tabletten „lösen“ doch keine Probleme.

Gelesen habe ich mal, dass bei Angst- und oder Zwangsstörungen im Gehirn „neue Bahnen“ gebahnt werden müssen, z.B. durch Psychotherapie, indem man „Präzendenzfälle“ schafft.

Also mit meinem Laien-Worten: learning by doing

Aber was sollen da Tabletten bewirken, und ich rede nicht von Depressionen aufgrund von Serotoninmangel beispielsweise.

Christina

Hallo Christina

mich würde mal interessieren - mal unabhängig von
„Stoffwechselstörungen“ im Gehirn - wie Antidepressiva
und/oder selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer „Ängste und
Zwänge lösen“/bekämpfen sollen … Tabletten „lösen“ doch
keine Probleme.

Sicher nicht, doch der Ansatz der Wirkweise ist so vielfältig, da fällt es mitunter auch nicht leicht das richtige AD zu finden. Deshalb ist es auch so wichtig, die Depression richtig zu diagnostizieren, um entscheiden zu können, ob das AD mehr aufhellend, Antrieb steigernd, beruhigend … sein soll.

Gelesen habe ich mal, dass bei Angst- und oder Zwangsstörungen
im Gehirn „neue Bahnen“ gebahnt werden müssen, z.B. durch
Psychotherapie, indem man „Präzendenzfälle“ schafft.

Hier ist die Verhaltenstherapie sehr erfolgreich.

Also mit meinem Laien-Worten: learning by doing

Aber was sollen da Tabletten bewirken, und ich rede nicht von
Depressionen aufgrund von Serotoninmangel beispielsweise.

Siehe oben und kurz gesagt, wenn kein Serotoninmangel, helfen in diesem Falle SSRI eben nicht.

frieeda

Hallo,

mich würde mal interessieren - mal unabhängig von
„Stoffwechselstörungen“ im Gehirn -

es ist nicht möglich, Deine Frage unabhängig von „Stoffwechselstörungen“ im Gehirn zu beantworten. Antidepressiva beeinflussen nun mal den Stoffwechsel im Gehirn und der Stoffwechsel von Monoaminen hat anscheinend nicht nur etwas mit Depression, sondern auch mit Angst und Zwang zu tun. Anscheinend wirken Antidepressiva deshalb auch bei diesen Störungen.

Gelesen habe ich mal, dass bei Angst- und oder Zwangsstörungen
im Gehirn „neue Bahnen“ gebahnt werden müssen, z.B. durch
Psychotherapie, indem man „Präzendenzfälle“ schafft.
Also mit meinem Laien-Worten: learning by doing
Aber was sollen da Tabletten bewirken, und ich rede nicht von
Depressionen aufgrund von Serotoninmangel beispielsweise.

Es kommt darauf an, an welche Theorie über Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen man glaubt. Manche glauben eher an die biologische, manche an die Lern- und manche an die Verdrängungs- usw. Theorie. Deshalb werden von verschiedenen Personen unterschiedliche Interventionen („Therapien“) bevorzugt. Empirisch nachgewiesen ist jedenfalls, daß bestimmte Medikamente bei bestimmten psychischen Störungen helfen können, die Krankheit in den Griff zu bekommen - und daß dieser positive Effekt auch nach Ausschleichen der Medikamente bestehen bleiben kann.

Persönlich würde ich medikamentöse Therapie mit Psychotherapie kombinieren, da ich denke, daß in der Psychotherapie Verhaltens- und Denkweisen erlernt werden können, die später in Krisensituationen einen Rückfall unwahrscheinlicher machen.

Beste Grüße

Hi…

Wenn diese genannten Störungen dein Leben und die Qualität sehr stark einschränken, dann brauchst du auch Medikamente.Dies ist zur Überbrückung natürlich sehr wichtig!Man will ja auch am Leben teilhaben und das kann man mit Zwängen und Ängsten nicht…Aber nebenher die Ursachen suchen ist das beste, was man auf längerer Sicht machen kann, denn nur die Symptome unterdrücken alleine stellt auch nicht zufrieden.

Gruss Firdevsii

Hallo Christina,

mich würde mal interessieren - mal unabhängig von
„Stoffwechselstörungen“ im Gehirn - wie Antidepressiva
und/oder selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer „Ängste und
Zwänge lösen“/bekämpfen sollen … Tabletten „lösen“ doch
keine Probleme.
Gelesen habe ich mal, dass bei Angst- und oder Zwangsstörungen
im Gehirn „neue Bahnen“ gebahnt werden müssen, z.B. durch
Psychotherapie, indem man „Präzendenzfälle“ schafft.

Aber was sollen da Tabletten bewirken, und ich rede nicht von
Depressionen aufgrund von Serotoninmangel beispielsweise.

Und da sind wir wieder bei den verschiedenen Sichtweisen: Die o.g. Methoden sehen einen Menschen von außen, aus der beobachtenden, analysierenden, naturwissenschaftlichen Sicht, wo der Mensch lediglich ein Objekt ist. Da helfen natürlich dann auch Pillen - denn wenn der beobachtete Mensch dadurch ruhiggestellt wird, wirkt er durch das Auge des Betrachters ruhig…
Die andere Sichtweise, durch die das Innere eines Menschen nur durch den Dialog erfahrbar ist, würde wahrscheinlich zu ganz anderen Ergebnissen kommen; der so Behandelte sagt vielleicht aus, dass er zwar ruhiggestellt ist, aber den Zugang zu seiner Seele verloren hat und das Problem nicht an der Wurzel gepackt worden ist…
Hierzu heiß empfohlen: Ken Wilber, „Eine kurze Geschichte des Kosmos“.
Liebe Grüße, Susanne

Wie ‚unterstützen‘ Antidepressiva
Hallo,

danke euch allen.

Mir gehts um folgendes: wegen einer posttraum. Belastungsstörung nach einem schweren Unfall bekomm ich meinen Alltag, kurz gesagt, nicht mehr geregelt - Panikattacken sind da noch das Harmlose.

So weit, so schlecht. Der Arzt, bei dem ich in Therapie bin, meint, ich solle „unterstützend“ selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer nehme, quasi, wie er sagt, „als Krücke zum Wieder-Laufen-Lernen“.

Daneben sei eine Therapie aber auch unabdingbar, um im Gehirn - O-Ton - „neue Bahnen zu bahnen“ … oder so …

Ich hab es nicht ganz verstanden, was da eigentlich die Tabletten sollen, unterstützen, ja, aber VORSTELLEN kann ich mir das nicht, wie das anatomisch, physiologisch, whatever, funktionieren soll - mal ganz nüchtern betrachtet.

Polemik?

Und da sind wir wieder bei den verschiedenen Sichtweisen: Die
o.g. Methoden sehen einen Menschen von außen, aus der
beobachtenden, analysierenden, naturwissenschaftlichen Sicht,
wo der Mensch lediglich ein Objekt ist. Da helfen natürlich
dann auch Pillen - denn wenn der beobachtete Mensch dadurch
ruhiggestellt wird, wirkt er durch das Auge des Betrachters
ruhig…

Hallo Susanne
auf welcher Grundlage basieren Deine Äusserungen? Auf Wissen sicher nicht, denn Dein Posting und Deine Vika belegen nun ja auch, daß Du keine Ahnung hast bzw. haben kannst.
SerotoninWiederaufnahmeHemmer stellen nicht ruhig.

Aber es geht nichts darüber seinem Zwang nachgeben zu müssen/dürfen dann doch mal wieder ein schlummerndes Vorurteil zum Besten zu geben?

Bei Fragen helfen Dir sicher die EXPERTEN weiter.

Gruss Frieeda

Hallo,

Ich hab es nicht ganz verstanden, was da eigentlich die
Tabletten sollen, unterstützen, ja, aber VORSTELLEN kann ich
mir das nicht, wie das anatomisch, physiologisch, whatever,
funktionieren soll

sehr vereinfacht gesagt: Durch die traumatischen Erfahrungen sind Prozesse im Gehirn „überbeansprucht“ worden. Es ist etwas „aus dem Lot“ geraten. Dazu kann u.a. das Botenstoffsystem Serotonin gehören. Serotonin ist eine Substanz, über die Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren. Nun funktioniert die Kommunikation nicht mehr richtig, weil das Serotonin-System durch die traumatischen Erlebnisse „überbeansprucht“ wurde. Um die traumatischen Erlebnisse psychisch bewältigen („verarbeiten“) zu können, müssen sich die Nervenzellen aber untereinander austauschen, damit die traumatischen Erlebnisse neu bewertet, die neuen Bewertungen abgespeichert und in den bisherigen Erfahrungsschatz gut integriert werden können (auf der Ebene der Nervenzellen geschieht dies u.a. durch das Bilden „neuer Bahnen“). Das klappt aber schlecht, wenn die Kommunikation zwischen den Nervenzellen gestört ist. Hier setzt nun das Medikament unterstützend an, indem es dafür sorgt, daß genug Serotonin zwischen den Nervenzellen vorhanden ist, damit die Zellen ausreichend genug miteinander kommuninieren können und sich die „neuen Bahnen“ leichter und schneller bilden können.

O.k.?

Beste Grüße

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Hallo,

mich würde mal interessieren - mal unabhängig von
„Stoffwechselstörungen“ im Gehirn - wie Antidepressiva
und/oder selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer „Ängste und
Zwänge lösen“/bekämpfen sollen … Tabletten „lösen“ doch
keine Probleme.

hi,

wenn leute, die vor angst/ vor zwang/ vor depression nicht mehr vor die tür gehen konnten, mit einem antidepressivum wieder einkaufen und arbeiten gehen, dann frag´ die mal, ob tabletten bei deren problemen helfen konnten…

aber trotzdem verstehe ich deine frage als eine ernstgemeinte. die wirkungsweise dieser mittel (SRI) läuft im gehirn so ab, dass serotonin besser am synaptischen spalt übergehen kann, also mehr davon durchläuft. das bewirkt, dass die stressbahnen im gehirn (angst und zwang und depression) sozusagen vom serotoninkreislauf gedämpft oder vielleicht „übertönt“ werden.

zwang ist dabei besonders hart zu bekämpfen, die dosis der SRI´s muss meistens deutlich über der bei angst gesetzt werden, um wirkung zu erzielen.

eine wunderbare und allgemeinverständliche lektüre zum serotoninkreislauf im gehirn bietet gerald hüther in „biologie der angst“:

http://www.amazon.de/Biologie-Angst-Gef%C3%BChle-Sam…

das ist sehr schön zu lesen und macht klar, dass stress selbstverständlich nicht mit tabletten bekämpft werden darf, sondern nur vorübergehend, um schlimmstes zu verhindern und in verbindung mit psychotherapie die körpereigenen kreisläufe wieder in bessere ausgeglichenheit zu bringen.

das geht!

hi

Da helfen natürlich
dann auch Pillen - denn wenn der beobachtete Mensch dadurch
ruhiggestellt wird, wirkt er durch das Auge des Betrachters
ruhig…

wie kommst du auf das dünne Brett, dass SSRI ruhigstellen !? Sie tun eine Menge, aber genau DAS nicht

anderen der so Behandelte sagt vielleicht
aus, dass er zwar ruhiggestellt ist, aber den Zugang zu seiner
Seele verloren hat

das scheint mir jetzt ein bissschen ähm…sagen wir … esoterisch ?!

Wenn durch eine Erkrankung ein chemischer Kreislauf im Gehirn aus dem Lot geraten ist, was spricht dagegen, ihn mit den richtigen chemischen Mitteln wieder ins Lot zu bringen ?

Eben DAMIT der Mensch wieder der sein kann, der er vorher war. SSRI machen keinen anderen Menschen aus dem Patienten sondern helefen dem Patienten wieder er selber zu sein, der der er vorher war.

Ein Mensch mit einem ganz normalen Gefühlsleben, das vorher durch die Fehlsteuerung garnicht mehr möglich war - wo nur noch ein schwarzes Loch oder grelle Panik war statt Gefühlen

WENN du davon redest, dass ein Mensch den Kontakt zu seiner Seele verloren hat, dann nicht DURCH die Einnahme von AD sondern durch die Krankheit, und mit Hilfe der AD (nein eigentlich durch eine Therapie - die AD haben wirklich nur die „Geh-Hilfen-Rolle“ sind aber wichtig ) kann er sie wieder finden

Gruß H.

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Hi Hexerl,

esoterisch ?!

Weißt du eigentlich, was das ist?

Ein Mensch mit einem ganz normalen Gefühlsleben, das vorher durch die Fehlsteuerung garnicht mehr möglich war - wo nur noch ein schwarzes Loch

Totale Leere, Gegenteil,

oder grelle Panik

Ist ein Gefühl, aber ein sehr unangenehmes.

war statt Gefühlen

Panik ist ein Gefühl,

Krankheit tritt immer auf, wenn ein Mensch den Kontakt zu seiner Seele verloren hat,

Tabletten unterdrücken zeitwise diese Empfindungen, sollten aber nur mit gleichzeitiger Psychotherapie genommen werden.
Gruß
M.

Hallo,

Tabletten unterdrücken zeitwise diese Empfindungen, sollten
aber nur mit gleichzeitiger Psychotherapie genommen werden.

Mir gehts darum dass Tabletten nicht nur „zeitweise etwas unterdrücken“. Das ist ein Irrglaube. Bei Bluthochdruck spricht man ja auch nicht davon, dass diese Tabletten irgendetwas nur zeitweise unterdrücken. Und da sieht auch niemand ein großes Problem, wenn man die solange einnimmt wie es nötig ist. Meines Erachtens ist es mit Psychopharmaka genauso: Der Stoffwechsel im Gehirn wird positiv beeinflusst, so wie bei Blutdrucktabletten der (na? - eben der) Blutdruck.

Bei mir helfen Tabletten nun schon seit gut 10 Jahren. Ich werde ohne sie nicht mehr auskommen, weil die Krankheit nicht von Anfang an (also in der Kindheit) behandelt wurde, dann falsch behandelt wurde und jetzt endlich so, dass ich ein gutes Leben führen kann. Also von „zeitweise Unterdrücken“ keine Rede.

Dass ich dazu begleitend eine Verhaltenstherapie gemacht habe und auch noch mache hilft beim „Aufbrechen“ belastender Verhaltens-/Denkmuster. Ohne Tabletten wäre da aber nichts gelaufen (mit einer psychotischen Depression im vollausgebrochenen Zustand ist man nicht gerade gesprächsbereit).

Ich finde die Angst vor Psychopharmaka übertrieben. Aber das liegt vielleicht daran, dass ich mit meiner chronischen gewordenen Krankheit gut damit lebe, mich daran gewöhnt habe und möglicherweise ein positiver Ausreißer in der Statistik bin.

Liebe Grüße
Morrighan

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wenn leute, die vor angst/ vor zwang/ vor depression nicht
mehr vor die tür gehen konnten, mit einem antidepressivum
wieder einkaufen und arbeiten gehen, dann frag´ die mal, ob
tabletten bei deren problemen helfen konnten…

genau *-chen (und auch für den Rest, den ich aber jetzt nicht kommentiere)

Hallo Morrighan,

Tabletten unterdrücken zeitwise diese Empfindungen, sollten
aber nur mit gleichzeitiger Psychotherapie genommen werden.

Mir gehts darum dass Tabletten nicht nur „zeitweise etwas unterdrücken“. Das ist ein Irrglaube.

Nein.

Bei Bluthochdruck spricht man ja auch nicht davon, dass diese Tabletten irgendetwas nur zeitweise unterdrücken.

Da handelt es sich um ein angeborenes Gesundheitsproblem des Körpers.

Meines Erachtens ist es mit Psychopharmaka genauso: Der Stoffwechsel im Gehirn wird positiv beeinflusst, so wie bei Blutdrucktabletten der (na? - eben der) Blutdruck.

Da kannst du auch Marihuana oder eine andere Droge nehmen. Da erhältst du für einige Zeit das gleich Ergebnis.
Wenn du eine offene Wunde hättest, würdest du da einfach den Rest deines Lebens Schmerztabletten schlucken und die Wunde zukleben, oder würdest du zum Arzt gehen, die Wunde reinigen lassen und die Tabletten nur so lange schlucken, wie notwendig.

Bei mir helfen Tabletten nun schon seit gut 10 Jahren. Ich werde ohne sie nicht mehr auskommen,

Genau da liegt die Gefahr, wie übrings bei allen anderen Drogen auch.

weil die Krankheit nicht von Anfang an (also in der Kindheit) behandelt wurde, dann falsch behandelt wurde

Warum läßt du sie dann jetzt nicht richtig behandeln? Fürchtest du den Schmerz, der hochkommt, wenn die Wunde geöffnet wird?

und jetzt endlich so, dass ich ein gutes Leben führen kann.

Nun, das ist deine Wahl und ich akzeptiere sie Ich habe den Text geschrieben, daß jeder nachdenken kann, welche Wahl er trifft und nicht behauptet, er hätte es nicht gewußt.

Ich finde die Angst vor Psychopharmaka übertrieben.

Ich habe keine Angst davor, aber ich hatte mal größere Probleme (Mobbing) am Arbeitsplatz, die gesundheitliche Auswirkungen hatten, die dafür sorgten, daß ich zu Hausarzt mußte. Ergebnis, Psychotabletten zur Stimmungsaufhellung.

Freundlicher Gruß
Monika