Wirkung von 'ausgerechnet' auf einem Satz

Hi,

Ich habe neulich in einem deutschsprachigen Bericht den folgenden Satz gehoert. “Ausgerechnet in Florida, wo Jeb Busch, der Bruder von George Busch Gouvernor ist, gibt es Unregelmaessigkeiten bei der Wahl.” Auch wenn ich hier den Satz nicht haargenau reproduziere (was vielleicht an der Wortfolge erkennbar waere - ein andauerndes Problem fuer mich) ist dieser Satz im grossen und ganzen das, was ich gehoert habe. Immerhin geht meine Frage darum, wie das Wort “ausgerechnet” den Satz beeinflusst und modifiert.

Wegen des Wortes “ausgerechnet” muss man unbedingt diesen Satz als eine Anklage von Wahlbetrug an Jeb Bush verstehen, glaube ich. Indirekt und subtil vielleicht aber eindeutig und unverkennbar. Dazu schnoddrig. Habe ich hier falsch? Ist eine neutrale Interpretation moeglich, danach, wie das Wort tatsaechlich im Volksmund verwendet wird? Und wenn ich falsch habe und “ausgerechnet” einen sonst neutralen Satz in eine Andeutung an Wahlbetrug seitens Jeb Bush oder wenigstens “seiner Leute” NICHT unbedingt verwandelt, , ist “ausgerechnet” in diesem Satz und unter diesen Umstaenden doch nicht gefaehrlich, weil der Zuhoerer eine Anklage verstehen koennte und wohl wuerde?

Was meinen die Muttersprachler?

v.D.i.v. Jim

Hallo James,

in der Regel kann man ausgerechnet umschreiben mit „gerade da, wo es nicht passieren sollte“ oder „gerade der, der es nicht tun sollte“. Es deutet also auf den Tatbestand hin, daß eine Aktion an einer Stelle passierte (oder von jemandem durchgeführt wurde), wo (von dem) es nicht erwartet wurde aufgrund äußerer Umstände. In Deimem Satz würde es soviel heißen wie „Gerade in Florida hätte man doch besonders sorgfältig sein sollen, weil G. Bush’s Bruder dort Gouverneur ist“.

Je nachdem, wer das sagt/schreibt, und in welchem Zusammenhang, kann man es auch als subtile Anklage auffassen, aber keineswegs so deutlich, daß eine juristische Aktion gerechtfertigt oder sinnvoll wäre.

Deine Satzstellung war übrigens richtig.

Gruß, Kubi

Wie waere es mit ‚ironischerweise‘
Hi, Kubi

Vielen Dank fuer die schnelle Antwort.

in der Regel kann man ausgerechnet umschreiben mit „gerade da,
wo es nicht passieren sollte“ oder „gerade der, der es nicht
tun sollte“. Es deutet also auf den Tatbestand hin, daß eine
Aktion an einer Stelle passierte (oder von jemandem
durchgeführt wurde), wo (von dem) es nicht erwartet wurde
aufgrund äußerer Umstände. In Deimem Satz würde es soviel
heißen wie „Gerade in Florida hätte man doch besonders
sorgfältig sein sollen, weil G. Bush’s Bruder dort Gouverneur
ist“.

Vielleicht kommen dann die Missverstaende - meinerseits oder seitens der Deutsche Welle - mit der Redaktion davon fuehre ich gerade eine Diskussion - weil der Gouverneur eines Bundesstaats ganz wenig damit zu tun hat, wie die Einzelheiten einer Wahl durchgefuehrt werden, sondern das machen die officials jedes counties. (Duerfen entweder gewaehlt oder „appointed“ werden je nachdem, duerfen bezahlt oder freiwillig sein je nach dem, daher weiss ich nicht, welches deutsche Wort ich verwenden soll - Beamten sicherlich nicht.) Also ist es mehr oder weniger Zufall, dass in Florida jegliche Probleme vorgekommen sind und/oder dass der Bruder eines der Kandidaten der Gouverneur ist.

Je nachdem, wer das sagt/schreibt, und in welchem
Zusammenhang, kann man es auch als subtile Anklage auffassen,
aber keineswegs so deutlich, daß eine juristische Aktion
gerechtfertigt oder sinnvoll wäre.

Das ist mir klar. Aber was ich der Redaktion von DW beizubringen versuche, ist dass dieses Wort nicht in einer vermutlich unparteilichen Reportage gehoert. Und ausserdem, wenn man so etwas in der deutschen Version verwendet, ist man auch dazu verpflichtet, ebenso schnoddrig, subtil, was immer, in der englischen Version des Berichts zu sein, damit die groessere Zuhoererschaft (wenn das ein Wort ist) in Nordamerika mithoeren kann, was die DW Deutschsprachigen so zwischen den Zeilen mitteilt.

Koennte man „ausgerechnet“ mit „ironischerweise“ umtauschen , um einen neutralen Ton zu pflegen und im wesentlichen noch sagen, dass man gemerkt hat, dass der Gouverneur der Bruder des Kandidaten ist?

Deine Satzstellung war übrigens richtig.

Zu hoeren mich es freut.

Gruss Jim

Hi,

Ich habe neulich in einem deutschsprachigen Bericht den
folgenden Satz gehoert. “Ausgerechnet in Florida, wo Jeb
Busch, der Bruder von George Busch Gouvernor ist, gibt es
Unregelmaessigkeiten bei der Wahl.” Auch wenn ich hier den
Satz nicht haargenau reproduziere (was vielleicht an der
Wortfolge erkennbar waere - ein andauerndes Problem fuer mich)
ist dieser Satz im grossen und ganzen das, was ich gehoert
habe. Immerhin geht meine Frage darum, wie das Wort
“ausgerechnet” den Satz beeinflusst und modifiert.

Man könnte einerseits sagen, dass es sich so anhört, als ob der Bruder von Bush etwas mit den Unregelmäßigkeiten zu tun hat oder anders gesagt: Jeb Bush hat Wahlbetrug zu Gunsten seines Bruders begangen/zu begehen versucht. Allerdings wäre auch folgender Sinn denkbar: Ausgerechnet in Florida, wo Gouverneur Jeb Bushs Bruder ein klarer Sieg prognostiziert worden war, ist das Rennen so knapp/undurchsichtig. Letztere Version ist die, die mir eher zusagt. Ich denke nämlich, dass der Gouverneur mit dem floridanischen (?) Wahlchaos herzlich wenig zu tun. Der drückt nur seinem Bruder George die Daumen!

v.D.i.v.

Was bedeutet denn das??? *überleg* … Ach so! Vielen Dank im voraus???

Gruß!
Chris

Hallo James,

Vielleicht kommen dann die Missverstaende - meinerseits oder
seitens der Deutsche Welle - mit der Redaktion davon fuehre
ich gerade eine Diskussion - weil der Gouverneur eines
Bundesstaats ganz wenig damit zu tun hat, wie die Einzelheiten
einer Wahl durchgefuehrt werden, sondern das machen die
officials jedes counties. (Duerfen entweder gewaehlt oder
„appointed“ werden je nachdem, duerfen bezahlt oder freiwillig
sein je nach dem, daher weiss ich nicht, welches deutsche Wort
ich verwenden soll - Beamten sicherlich nicht.)

Die Wahlbeauftragten vielleicht?

Also ist es

mehr oder weniger Zufall, dass in Florida jegliche Probleme
vorgekommen sind und/oder dass der Bruder eines der Kandidaten
der Gouverneur ist.

Nun ja, aber wissen die das? Und selbst wenn, diese Zufälligkeit macht sich halt gut als Nachricht.

Das ist mir klar. Aber was ich der Redaktion von DW
beizubringen versuche, ist dass dieses Wort nicht in einer
vermutlich unparteilichen Reportage gehoert.

…in eine vermutlich…(hoffe, ich trete dir damit nicht auf den Schlips…) Das darfst du nicht zu eng sehen. Ausgerechnet ist ein sehr viel und gerne benutztes Wort, und man denkt im allgemeinen nicht über diese Art von Implikationen nach, wenn man es benutzt. War wohl eher Nachlässigkeit, und würde wohl auch von den meisten nicht weiter beachtet.

Und ausserdem,

wenn man so etwas in der deutschen Version verwendet, ist man
auch dazu verpflichtet, ebenso schnoddrig, subtil, was immer,
in der englischen Version des Berichts zu sein, damit die
groessere Zuhoererschaft (wenn das ein Wort ist) in
Nordamerika mithoeren kann, was die DW Deutschsprachigen so
zwischen den Zeilen mitteilt.

Das schon. Ist es das nicht? Jedenfalls kann das auch einfach nur an einem unwilligen/ungeeigneten Übersetzer gelegen haben.

Koennte man „ausgerechnet“ mit „ironischerweise“ umtauschen ,
um einen neutralen Ton zu pflegen und im wesentlichen noch
sagen, dass man gemerkt hat, dass der Gouverneur der Bruder
des Kandidaten ist?

Könnte man. Aber pflegt garantiert keinen neutralen Ton damit. Ich denke, daß damit die Leute erst recht mit der Nase drauf gestoßen würden. Ironisch(erweise) wird nie neutral gebraucht, sondern will immer etwas andeuten. Oder auch: Ausgerechnet „ironischerweise“ würde sich hier gar nicht eignen.
(Zu deuten als: Von allen Wörtern, die du hättest finden können, ist „ironischerweise“…)

Deine Satzstellung war übrigens richtig.

Zu hoeren mich es freut.

Die Kraft mit dir ist? Aber Du bist bestimmt größer als Yoda…

Gruß, Kubi