Jetzt diskutieren nur noch wir beide, hoffentlich hat Andi was davon 
Die wichtigsten sind die, die für den angestrebten Zweck die
wesentlichen Informationen liefern. Lagerumschlag,
Lieferantenziel, bereinigtes Nettoumlaufvermögen,
Anlageintensität usw. können u.U. deutlich wichtiger sein, als
die Eigenkapitalquote.
Natürlich können sie das. Sich ausschließlich auf die 4 von mir angsprochenen Kennzahlen zu beschränken, bringt natürlich nicht viel. Es ist ein Ansatz.
Kleine Gegenfrage für zwischendurch: Warum ist eine hohe
Eigenkapitalquote eigentlich gut?
Die Bedeutung steigt durch Basel II.
Zweite Gegenfrage: Wieviel ist eine hohe Eigenkapitalquote
eigentlich wert, wenn das Eigenkapital im wesentlichen aus
thesaurierten Gewinnen besteht, das Unternehmen soeben von
einem notorisch liquiditätsklammen Unternehmen übernommen
wurde und es keinerlei Ausschüttungsbeschränkung gibt?
Aus welcher Sicht bewertest du nun den Wert des Eigenkapitals? Aus der Sicht des Eigentümers ist eine hohe EK-Quote auch in deinem Beispiel von Vorteil, denn er wird durch die hohen thesaurierten Gewinne wahrscheinlich mehr Geld für seine Anteile vom Käufer erhalten.
Aus der Sicht des Gläubigers ist das ein gutes Beispiel dafür, warum die hohe EK-Quote keine Bedeutung hat. Wenn der Käufer alles ausschütten lässt, fehlen dem Unternehmen womöglich für spätere Krisen die Reserven und das Unternehmen wird insolvent.
Eine Kennzahl hat mehrere Adressaten, wobei der eine dieselbe gut und der andere schlecht einstufen kann.
Die 4 auf
dieser Seite ermöglichen einen Ersteinblick in Liquidität,
Rentabilität und Finanzierung.
Echt? Die Gesamtkapitalrentabilität sieht bspw. super aus,
wenn die Bilanzsumme bspw. durch ABS- oder
Leasingtransaktionen reduziert wurde. Ähnliches gilt für die
EK-Quote. Die EK-Quote, die Gesamtkapitalrentabilität und die
Verschuldungsdauer berücksichtigen nicht, wenn sich ein
Unternehmen bspw. über Anzahlungen finanziert und diese durch
Bankgarantien besichert werden. Das Spiel läßt sich
fortsetzen. Ich kenne Unternehmen, die bei den genannten
Kennzahlen super aussahen und kurz vor der Insolvenz standen.
Stimmt. Aber wie sollte man Fragen in diesem Forum beantworten, wenn man nach jeder Aussage anmerkt, dass es Situationen gibt, die das Ganze wieder kippen?
Meine Devise: Das stupide Anglotzen von vorgegebenen
Kennzahlen/Kennzahlenbündeln verhindert mitunter das
eigenständige Denken.
Dem stimme ich bei.
Folgendes steht über die Schuldtilgungsdauer geschrieben:
„Die Schuldtilgungsdauer informiert, ob das Unternehmen
relativ (im Verhältnis zum Jahres-Cash-flow) zu viele Schulden
hat oder ein gesundes Verhältnis ausweist.“
Bei mir war die Seite nach der Tabellen zuende. Mit firefox
ist die Erläuterung zu sehen, was ich eben feststellte. Den
Kritikpunkt nehme ich also zurück.
Zum Thema „nachhaltiger Cash Flow“: Diesen
Begriff habe ich noch nie gehört. Ich kenne Brutto Cash Flow,
Netto Cash Flow und Free Cash Flow. Was ist also der
Nachhaltige Cash Flow?
Das ist der Cashflow, der nachhaltig - also dauerhaft - und
aus der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit anfällt. Den
Begriff habe ich übrigens nicht erfunden.
Das habe ich auch nicht angenommen.
Im übrigen ist die ganze „Beurteilungsskala“ für den Eimer,
weil sie Branchenbesondereiten völlig ignoriert.
Und was soll jemand, der Bilanzanalyse lernen will, mit dieser
Aussage anfangen?
Daß man frühzeitig lernen sollte, daß man sich nicht auf
solche Tabellen verlassen kann, um einen Sachverhalt zu
verstehen. Wer nur auswendig lernen will, kann das
natürlich so machen.
Ich habe nie gesagt, dass man sich darauf verlassen kann, sondern dass es einen schnellen Überblick über ein Unternehmen ermöglicht. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit Kennzahlen dauerhaft arbeiten oder ob man einen ersten Einfruck haben will. Wir reden hier aneinander vorbei.
Hast du dir den Stoff denn nicht erst einmal
an Hand von Richtwerten erarbeitet, um ein Gefühl für die
Materie zu bekommen?
Nein, ich habe mich mit Kennzahlen pflichtgemäß im Studium
beschäftigt und danach nie wieder freiwillig in wesentlichem
Umfang angewendet. Mitunter helfen Kennzahlen in Diskussionen
mit kennzahlengläubigen Menschen, aber für eine Analyse der
wirtschaftlichen Situation eines Unternehmen taugen sie m.E.
nur bedingt.
Ein Beispiel: Ein Kunde von mir ist Zulieferer von einem nicht
näher zu bezeichnenden Hersteller von Mobiltelephonen. Die
Kennzahlen sahen im Frühjahr super aus (wenn auch etwas
schwächer als im Vorjahr), das Rating lag sicher im investment
grade-Bereich, grünes Licht für alle Vertriebsbemühungen.
Dumm nur, daß das Unternehmen rd. 75% seines Umsatz mit dem
genannten Kunden machte. Ich studierte einige
Pressemitteilungen strich daraufhin die Kreditlinie, was mir
ordentlich Haue vom Vertrieb und der Analyse eintrug. Die
heutigen Nachrichten ließen mich komischerweise kalt.
Sieh meine Anmerkungen oben. Es gibt Situationen, wo eine Kennzahl ihre Aussagekraft verliert. Eine Kennzahl zu berechnen ist eine Sache, sie zu deuten eine andere.
Natürlich gibts Unterschiede in den
Branchen, große sogar, aber darum ging es in der
ursprünglichen Frage nicht.
Natürlich. Es wurde danach gefragt, Kennzahlen bzw. deren
Ausprägung richtig einschätzen zu können. Die Einschätzung
fällt aber unterschiedlich aus, wenn ich einerseits einen
Großhändler betrachte und andererseits einen Hersteller von
Großkraftwerken oder einen Kalkproduzenten. Kennzahlen sind -
wenn man das denn überhaupt will - im Kontext der weichen und
harten Faktoren zu betrachten. Branchenspezialitäten sind da
nur der trivialste Ansatz.
Die Frage war allgemein gestellt, nicht an eine Branche oder Situation gebunden.
Christian, ich weiß, dass Kennzahlen richtig gedeutet werden müssen, um nicht, wie du es formuliert hast, als „kennzahlengläubiger“ Mensch falsche Entscheidungen zu treffen. Wollest du Andi’s ursprüngliche Frage vollständig korrekt beantworten, kämest du auf mehrere tausend Seiten.
In glaube, dass wir die Diskussion hier beenden können.
Gruß,
Christian
Grüße
Werner