Wirtschaftliche Kennzahlen

Hallo zusammen,

für mein BWL-Studium sollte ich eine Bilanz lesen, interpretieren und die üblichen Kennzahlen (Rentabilitäten, Liquiditäten…) berechnen können. Allerdings bin ich sonst in dem Thema nicht so bewandert, um die erhaltenen Ergebnisse richtig einschätzen zu können und Schlussfolgerungen zu treffen.
Weiss jemand von Euch, ob es im Internet vielleicht Seiten gibt, wo diese Kennzahlen gewertet und interpretiert werden?

Vielen Dank für Eure Hilfe!!!

Gruss, Andi

Hallo Andi,

eine Übersicht mit Erklärung von wichtigen Kennzahlen findest du auf folgenden Seiten links im Menu unetr „Kennzahlen“:
http://www.controllerspielwiese.de/
http://www.controllingportal.de/

außerdem findest du auch noch im Buch „Controlling für Dummies“ im Kapitel IV S.245 ISBN 3-527-70153-2 Buch anschauen eine logische und nachvollziehbare Erläuterung der gängisten Kennzahlen

Viel Glück, Gruß Klaus

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Weiss jemand von Euch, ob es im Internet vielleicht Seiten
gibt, wo diese Kennzahlen gewertet und interpretiert werden?

http://www.marketing-und-vertrieb-international.com/…

Das sind die wichtigsten.

Grüße
Werner

Weiss jemand von Euch, ob es im Internet vielleicht Seiten
gibt, wo diese Kennzahlen gewertet und interpretiert werden?

http://www.marketing-und-vertrieb-international.com/…

Das sind die wichtigsten.

Das sind weder die wichtigsten noch liegt die Seite inhaltlich durchgängig richtig.

Beispiel: Die Schuldtilgungsdauer in Jahren (auch dynamischer Verschuldungsgrad genannt) trifft mitnichten (nur) eine Aussage über die Verschuldung sondern gibt das Verhältnis zwischen Ertragslage und Verschuldung an. Hinzu kommt, daß die Berechnung nicht ganz richtig ist. So ist der Cashflow eines Jahres zur Beurteilung der Lage ein ungegeignetes Mittel, weil er durch Sonderfaktoren beeinflußt worden sein kann. Richtiger wäre die Verwendung des nachhaltigen Cashflows.

Im übrigen ist die ganze „Beurteilungsskala“ für den Eimer, weil sie Branchenbesondereiten völlig ignoriert.

Gruß,
Christian

Vielen Dank für Eure Antworten. Die Berechnungen und Definitionen weiss ich schon so einigermassen, was mir wichtig zu wissen scheint, ist ob z.B. eine Gesamtkapitalrendite von 15% in einem produktionslastigen Betrieb viel oder wenig ist etc. Da ich bis jetzt in meinem Beruf kein diesbezügliches Insiderwissen sammeln konnte, müsste ich das eben anderweitig in Erfahrung bringen.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Vielen Dank für Eure Antworten. Die Berechnungen und
Definitionen weiss ich schon so einigermassen, was mir wichtig
zu wissen scheint, ist ob z.B. eine Gesamtkapitalrendite von
15% in einem produktionslastigen Betrieb viel oder wenig ist
etc.

das hängt immer von der Branche und vom Einzelfall ab. Eine grobe Einschätzung für solche Fragen findest Du hier:
http://aldebaran.devinci.fr/~braoueze/rating_ratios.pdf

Was die Ratingstufen angeht, gibt es hier mehr:
FAQ:851

Gruß,
Christian

Weiss jemand von Euch, ob es im Internet vielleicht Seiten
gibt, wo diese Kennzahlen gewertet und interpretiert werden?

http://www.marketing-und-vertrieb-international.com/…

Das sind die wichtigsten.

Das sind weder die wichtigsten noch liegt die Seite inhaltlich
durchgängig richtig.

Welche sind deiner Meinung nach die wichtigsten? Die 4 auf dieser Seite ermöglichen einen Ersteinblick in Liquidität, Rentabilität und Finanzierung.
Was ist inhaltlich an denen falsch?

Beispiel: Die Schuldtilgungsdauer in Jahren (auch dynamischer
Verschuldungsgrad genannt) trifft mitnichten (nur) eine
Aussage über die Verschuldung sondern gibt das Verhältnis
zwischen Ertragslage und Verschuldung an. Hinzu kommt, daß die
Berechnung nicht ganz richtig ist. So ist der Cashflow eines
Jahres zur Beurteilung der Lage ein ungegeignetes Mittel, weil
er durch Sonderfaktoren beeinflußt worden sein kann. Richtiger
wäre die Verwendung des nachhaltigen Cashflows.

Folgendes steht über die Schuldtilgungsdauer geschrieben:
„Die Schuldtilgungsdauer informiert, ob das Unternehmen relativ (im Verhältnis zum Jahres-Cash-flow) zu viele Schulden hat oder ein gesundes Verhältnis ausweist.“

Der Bezug zw. Ertragslage und Verschuldung wird hier sehr wohl beschrieben. Zum Thema „nachhaltiger Cash Flow“: Diesen Begriff habe ich noch nie gehört. Ich kenne Brutto Cash Flow, Netto Cash Flow und Free Cash Flow. Was ist also der Nachhaltige Cash Flow?

Im übrigen ist die ganze „Beurteilungsskala“ für den Eimer,
weil sie Branchenbesondereiten völlig ignoriert.

Und was soll jemand, der Bilanzanalyse lernen will, mit dieser Aussage anfangen? Hast du dir den Stoff denn nicht erst einmal an Hand von Richtwerten erarbeitet, um ein Gefühl für die Materie zu bekommen? Natürlich gibts Unterschiede in den Branchen, große sogar, aber darum ging es in der ursprünglichen Frage nicht.

Gruß,
Christian

Grüße
Werner

Das sind weder die wichtigsten noch liegt die Seite inhaltlich
durchgängig richtig.

Welche sind deiner Meinung nach die wichtigsten?

Die wichtigsten sind die, die für den angestrebten Zweck die wesentlichen Informationen liefern. Lagerumschlag, Lieferantenziel, bereinigtes Nettoumlaufvermögen, Anlageintensität usw. können u.U. deutlich wichtiger sein, als die Eigenkapitalquote.

Kleine Gegenfrage für zwischendurch: Warum ist eine hohe Eigenkapitalquote eigentlich gut?

Zweite Gegenfrage: Wieviel ist eine hohe Eigenkapitalquote eigentlich wert, wenn das Eigenkapital im wesentlichen aus thesaurierten Gewinnen besteht, das Unternehmen soeben von einem notorisch liquiditätsklammen Unternehmen übernommen wurde und es keinerlei Ausschüttungsbeschränkung gibt?

Die 4 auf
dieser Seite ermöglichen einen Ersteinblick in Liquidität,
Rentabilität und Finanzierung.

Echt? Die Gesamtkapitalrentabilität sieht bspw. super aus, wenn die Bilanzsumme bspw. durch ABS- oder Leasingtransaktionen reduziert wurde. Ähnliches gilt für die EK-Quote. Die EK-Quote, die Gesamtkapitalrentabilität und die Verschuldungsdauer berücksichtigen nicht, wenn sich ein Unternehmen bspw. über Anzahlungen finanziert und diese durch Bankgarantien besichert werden. Das Spiel läßt sich fortsetzen. Ich kenne Unternehmen, die bei den genannten Kennzahlen super aussahen und kurz vor der Insolvenz standen.

Meine Devise: Das stupide Anglotzen von vorgegebenen Kennzahlen/Kennzahlenbündeln verhindert mitunter das eigenständige Denken.

Folgendes steht über die Schuldtilgungsdauer geschrieben:
„Die Schuldtilgungsdauer informiert, ob das Unternehmen
relativ (im Verhältnis zum Jahres-Cash-flow) zu viele Schulden
hat oder ein gesundes Verhältnis ausweist.“

Bei mir war die Seite nach der Tabellen zuende. Mit firefox ist die Erläuterung zu sehen, was ich eben feststellte. Den Kritikpunkt nehme ich also zurück.

Zum Thema „nachhaltiger Cash Flow“: Diesen
Begriff habe ich noch nie gehört. Ich kenne Brutto Cash Flow,
Netto Cash Flow und Free Cash Flow. Was ist also der
Nachhaltige Cash Flow?

Das ist der Cashflow, der nachhaltig - also dauerhaft - und aus der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit anfällt. Den Begriff habe ich übrigens nicht erfunden.

Im übrigen ist die ganze „Beurteilungsskala“ für den Eimer,
weil sie Branchenbesondereiten völlig ignoriert.

Und was soll jemand, der Bilanzanalyse lernen will, mit dieser
Aussage anfangen?

Daß man frühzeitig lernen sollte, daß man sich nicht auf solche Tabellen verlassen kann, um einen Sachverhalt zu verstehen. Wer nur auswendig lernen will, kann das natürlich so machen.

Hast du dir den Stoff denn nicht erst einmal
an Hand von Richtwerten erarbeitet, um ein Gefühl für die
Materie zu bekommen?

Nein, ich habe mich mit Kennzahlen pflichtgemäß im Studium beschäftigt und danach nie wieder freiwillig in wesentlichem Umfang angewendet. Mitunter helfen Kennzahlen in Diskussionen mit kennzahlengläubigen Menschen, aber für eine Analyse der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmen taugen sie m.E. nur bedingt.

Ein Beispiel: Ein Kunde von mir ist Zulieferer von einem nicht näher zu bezeichnenden Hersteller von Mobiltelephonen. Die Kennzahlen sahen im Frühjahr super aus (wenn auch etwas schwächer als im Vorjahr), das Rating lag sicher im investment grade-Bereich, grünes Licht für alle Vertriebsbemühungen.

Dumm nur, daß das Unternehmen rd. 75% seines Umsatz mit dem genannten Kunden machte. Ich studierte einige Pressemitteilungen strich daraufhin die Kreditlinie, was mir ordentlich Haue vom Vertrieb und der Analyse eintrug. Die heutigen Nachrichten ließen mich komischerweise kalt.

Natürlich gibts Unterschiede in den
Branchen, große sogar, aber darum ging es in der
ursprünglichen Frage nicht.

Natürlich. Es wurde danach gefragt, Kennzahlen bzw. deren Ausprägung richtig einschätzen zu können. Die Einschätzung fällt aber unterschiedlich aus, wenn ich einerseits einen Großhändler betrachte und andererseits einen Hersteller von Großkraftwerken oder einen Kalkproduzenten. Kennzahlen sind - wenn man das denn überhaupt will - im Kontext der weichen und harten Faktoren zu betrachten. Branchenspezialitäten sind da nur der trivialste Ansatz.

Gruß,
Christian

Jetzt diskutieren nur noch wir beide, hoffentlich hat Andi was davon :smile:

Die wichtigsten sind die, die für den angestrebten Zweck die
wesentlichen Informationen liefern. Lagerumschlag,
Lieferantenziel, bereinigtes Nettoumlaufvermögen,
Anlageintensität usw. können u.U. deutlich wichtiger sein, als
die Eigenkapitalquote.

Natürlich können sie das. Sich ausschließlich auf die 4 von mir angsprochenen Kennzahlen zu beschränken, bringt natürlich nicht viel. Es ist ein Ansatz.

Kleine Gegenfrage für zwischendurch: Warum ist eine hohe
Eigenkapitalquote eigentlich gut?

Die Bedeutung steigt durch Basel II.

Zweite Gegenfrage: Wieviel ist eine hohe Eigenkapitalquote
eigentlich wert, wenn das Eigenkapital im wesentlichen aus
thesaurierten Gewinnen besteht, das Unternehmen soeben von
einem notorisch liquiditätsklammen Unternehmen übernommen
wurde und es keinerlei Ausschüttungsbeschränkung gibt?

Aus welcher Sicht bewertest du nun den Wert des Eigenkapitals? Aus der Sicht des Eigentümers ist eine hohe EK-Quote auch in deinem Beispiel von Vorteil, denn er wird durch die hohen thesaurierten Gewinne wahrscheinlich mehr Geld für seine Anteile vom Käufer erhalten.
Aus der Sicht des Gläubigers ist das ein gutes Beispiel dafür, warum die hohe EK-Quote keine Bedeutung hat. Wenn der Käufer alles ausschütten lässt, fehlen dem Unternehmen womöglich für spätere Krisen die Reserven und das Unternehmen wird insolvent.

Eine Kennzahl hat mehrere Adressaten, wobei der eine dieselbe gut und der andere schlecht einstufen kann.

Die 4 auf
dieser Seite ermöglichen einen Ersteinblick in Liquidität,
Rentabilität und Finanzierung.

Echt? Die Gesamtkapitalrentabilität sieht bspw. super aus,
wenn die Bilanzsumme bspw. durch ABS- oder
Leasingtransaktionen reduziert wurde. Ähnliches gilt für die
EK-Quote. Die EK-Quote, die Gesamtkapitalrentabilität und die
Verschuldungsdauer berücksichtigen nicht, wenn sich ein
Unternehmen bspw. über Anzahlungen finanziert und diese durch
Bankgarantien besichert werden. Das Spiel läßt sich
fortsetzen. Ich kenne Unternehmen, die bei den genannten
Kennzahlen super aussahen und kurz vor der Insolvenz standen.

Stimmt. Aber wie sollte man Fragen in diesem Forum beantworten, wenn man nach jeder Aussage anmerkt, dass es Situationen gibt, die das Ganze wieder kippen?

Meine Devise: Das stupide Anglotzen von vorgegebenen
Kennzahlen/Kennzahlenbündeln verhindert mitunter das
eigenständige Denken.

Dem stimme ich bei.

Folgendes steht über die Schuldtilgungsdauer geschrieben:
„Die Schuldtilgungsdauer informiert, ob das Unternehmen
relativ (im Verhältnis zum Jahres-Cash-flow) zu viele Schulden
hat oder ein gesundes Verhältnis ausweist.“

Bei mir war die Seite nach der Tabellen zuende. Mit firefox
ist die Erläuterung zu sehen, was ich eben feststellte. Den
Kritikpunkt nehme ich also zurück.

Zum Thema „nachhaltiger Cash Flow“: Diesen
Begriff habe ich noch nie gehört. Ich kenne Brutto Cash Flow,
Netto Cash Flow und Free Cash Flow. Was ist also der
Nachhaltige Cash Flow?

Das ist der Cashflow, der nachhaltig - also dauerhaft - und
aus der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit anfällt. Den
Begriff habe ich übrigens nicht erfunden.

Das habe ich auch nicht angenommen.

Im übrigen ist die ganze „Beurteilungsskala“ für den Eimer,
weil sie Branchenbesondereiten völlig ignoriert.

Und was soll jemand, der Bilanzanalyse lernen will, mit dieser
Aussage anfangen?

Daß man frühzeitig lernen sollte, daß man sich nicht auf
solche Tabellen verlassen kann, um einen Sachverhalt zu
verstehen. Wer nur auswendig lernen will, kann das
natürlich so machen.

Ich habe nie gesagt, dass man sich darauf verlassen kann, sondern dass es einen schnellen Überblick über ein Unternehmen ermöglicht. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit Kennzahlen dauerhaft arbeiten oder ob man einen ersten Einfruck haben will. Wir reden hier aneinander vorbei.

Hast du dir den Stoff denn nicht erst einmal
an Hand von Richtwerten erarbeitet, um ein Gefühl für die
Materie zu bekommen?

Nein, ich habe mich mit Kennzahlen pflichtgemäß im Studium
beschäftigt und danach nie wieder freiwillig in wesentlichem
Umfang angewendet. Mitunter helfen Kennzahlen in Diskussionen
mit kennzahlengläubigen Menschen, aber für eine Analyse der
wirtschaftlichen Situation eines Unternehmen taugen sie m.E.
nur bedingt.

Ein Beispiel: Ein Kunde von mir ist Zulieferer von einem nicht
näher zu bezeichnenden Hersteller von Mobiltelephonen. Die
Kennzahlen sahen im Frühjahr super aus (wenn auch etwas
schwächer als im Vorjahr), das Rating lag sicher im investment
grade-Bereich, grünes Licht für alle Vertriebsbemühungen.

Dumm nur, daß das Unternehmen rd. 75% seines Umsatz mit dem
genannten Kunden machte. Ich studierte einige
Pressemitteilungen strich daraufhin die Kreditlinie, was mir
ordentlich Haue vom Vertrieb und der Analyse eintrug. Die
heutigen Nachrichten ließen mich komischerweise kalt.

Sieh meine Anmerkungen oben. Es gibt Situationen, wo eine Kennzahl ihre Aussagekraft verliert. Eine Kennzahl zu berechnen ist eine Sache, sie zu deuten eine andere.

Natürlich gibts Unterschiede in den
Branchen, große sogar, aber darum ging es in der
ursprünglichen Frage nicht.

Natürlich. Es wurde danach gefragt, Kennzahlen bzw. deren
Ausprägung richtig einschätzen zu können. Die Einschätzung
fällt aber unterschiedlich aus, wenn ich einerseits einen
Großhändler betrachte und andererseits einen Hersteller von
Großkraftwerken oder einen Kalkproduzenten. Kennzahlen sind -
wenn man das denn überhaupt will - im Kontext der weichen und
harten Faktoren zu betrachten. Branchenspezialitäten sind da
nur der trivialste Ansatz.

Die Frage war allgemein gestellt, nicht an eine Branche oder Situation gebunden.

Christian, ich weiß, dass Kennzahlen richtig gedeutet werden müssen, um nicht, wie du es formuliert hast, als „kennzahlengläubiger“ Mensch falsche Entscheidungen zu treffen. Wollest du Andi’s ursprüngliche Frage vollständig korrekt beantworten, kämest du auf mehrere tausend Seiten.
In glaube, dass wir die Diskussion hier beenden können.

Gruß,
Christian

Grüße
Werner

2 „Gefällt mir“

Die wichtigsten sind die, die für den angestrebten Zweck die
wesentlichen Informationen liefern. Lagerumschlag,
Lieferantenziel, bereinigtes Nettoumlaufvermögen,
Anlageintensität usw. können u.U. deutlich wichtiger sein, als
die Eigenkapitalquote.

Natürlich können sie das. Sich ausschließlich auf die 4 von
mir angsprochenen Kennzahlen zu beschränken, bringt natürlich
nicht viel. Es ist ein Ansatz.

Gerade das halte ich für falsch. Es kommt immer auf den Zweck, die Branche und das Unternehmen an. Die vier genannten Kennzahlen können u.U. völlig ohne Aussagekraft sein. Aus diesem Grund gebe ich hier ja meinen Senf von mir: Wenn man sich einen Satz von Kennzahlen als vermeintlichen Standard zurechlegt, übersieht man u.U. das entscheidende.

Kleine Gegenfrage für zwischendurch: Warum ist eine hohe
Eigenkapitalquote eigentlich gut?

Die Bedeutung steigt durch Basel II.

Was hat die Eigenkapitalquote eines Unternehmens mit Basel II zu tun?

Zweite Gegenfrage: Wieviel ist eine hohe Eigenkapitalquote
eigentlich wert, wenn das Eigenkapital im wesentlichen aus
thesaurierten Gewinnen besteht, das Unternehmen soeben von
einem notorisch liquiditätsklammen Unternehmen übernommen
wurde und es keinerlei Ausschüttungsbeschränkung gibt?

Aus welcher Sicht bewertest du nun den Wert des Eigenkapitals?
Aus der Sicht des Eigentümers ist eine hohe EK-Quote auch in
deinem Beispiel von Vorteil, denn er wird durch die hohen
thesaurierten Gewinne wahrscheinlich mehr Geld für seine
Anteile vom Käufer erhalten.

Das dürfte nach der Übernahme keine Rolle mehr spielen.

Aus der Sicht des Gläubigers ist das ein gutes Beispiel dafür,
warum die hohe EK-Quote keine Bedeutung hat. Wenn der Käufer
alles ausschütten lässt, fehlen dem Unternehmen womöglich für
spätere Krisen die Reserven und das Unternehmen wird
insolvent.

Genau. Es kommt also nicht darauf an, die Ausprägung einer Kennzahl zu betrachten, sondern auch die harten und weichen Faktoren „drumherum“.

Unternehmen bspw. über Anzahlungen finanziert und diese durch
Bankgarantien besichert werden. Das Spiel läßt sich
fortsetzen. Ich kenne Unternehmen, die bei den genannten
Kennzahlen super aussahen und kurz vor der Insolvenz standen.

Stimmt. Aber wie sollte man Fragen in diesem Forum
beantworten, wenn man nach jeder Aussage anmerkt, dass es
Situationen gibt, die das Ganze wieder kippen?

Indem man das zumindest erwähnt und nicht einfach eine Kurzübersicht in die Landschaft kegelt.

Daß man frühzeitig lernen sollte, daß man sich nicht auf
solche Tabellen verlassen kann, um einen Sachverhalt zu
verstehen. Wer nur auswendig lernen will, kann das
natürlich so machen.

Ich habe nie gesagt, dass man sich darauf verlassen kann,
sondern dass es einen schnellen Überblick über ein Unternehmen
ermöglicht. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit
Kennzahlen dauerhaft arbeiten oder ob man einen ersten
Einfruck haben will.

Was hilft ein erster Eindruck, wenn dieser völlig falsch ist?

Gruß,
Christian

Die wichtigsten sind die, die für den angestrebten Zweck die
wesentlichen Informationen liefern. Lagerumschlag,
Lieferantenziel, bereinigtes Nettoumlaufvermögen,
Anlageintensität usw. können u.U. deutlich wichtiger sein, als
die Eigenkapitalquote.

Natürlich können sie das. Sich ausschließlich auf die 4 von
mir angsprochenen Kennzahlen zu beschränken, bringt natürlich
nicht viel. Es ist ein Ansatz.

Gerade das halte ich für falsch. Es kommt immer auf den Zweck,
die Branche und das Unternehmen an. Die vier genannten
Kennzahlen können u.U. völlig ohne Aussagekraft sein. Aus
diesem Grund gebe ich hier ja meinen Senf von mir: Wenn man
sich einen Satz von Kennzahlen als vermeintlichen Standard
zurechlegt, übersieht man u.U. das entscheidende.

Kleine Gegenfrage für zwischendurch: Warum ist eine hohe
Eigenkapitalquote eigentlich gut?

Die Bedeutung steigt durch Basel II.

Was hat die Eigenkapitalquote eines Unternehmens mit Basel II
zu tun?

Basel II zwingt die Banken, für die Kunden ein Rating zu erstellen (wenn sie nicht schon ein externes vorweisen können). Je besser das Rating ist, desto weniger Eigenkapital muss die Bank selbst hinterlegen, wenn sie diesen Kunden einen Kredit gibt. Ein schlechtes Rating ist also von Nachteil für die Bank (das hinterlegte Kapital kann nicht „arbeiten“), was zu schlechteren Kreditkonditionen für den Kunden führt und umgekehrt.
Eine niedrige Eigenkapitalquote verschlechtert im Normalfall das eigene Rating (Liquidität sinkt), und man erhält deshalb schlechtere Konditionen.

Zweite Gegenfrage: Wieviel ist eine hohe Eigenkapitalquote
eigentlich wert, wenn das Eigenkapital im wesentlichen aus
thesaurierten Gewinnen besteht, das Unternehmen soeben von
einem notorisch liquiditätsklammen Unternehmen übernommen
wurde und es keinerlei Ausschüttungsbeschränkung gibt?

Aus welcher Sicht bewertest du nun den Wert des Eigenkapitals?
Aus der Sicht des Eigentümers ist eine hohe EK-Quote auch in
deinem Beispiel von Vorteil, denn er wird durch die hohen
thesaurierten Gewinne wahrscheinlich mehr Geld für seine
Anteile vom Käufer erhalten.

Das dürfte nach der Übernahme keine Rolle mehr spielen.

Aus der Sicht des Gläubigers ist das ein gutes Beispiel dafür,
warum die hohe EK-Quote keine Bedeutung hat. Wenn der Käufer
alles ausschütten lässt, fehlen dem Unternehmen womöglich für
spätere Krisen die Reserven und das Unternehmen wird
insolvent.

Genau. Es kommt also nicht darauf an, die Ausprägung einer
Kennzahl zu betrachten, sondern auch die harten und weichen
Faktoren „drumherum“.

Unternehmen bspw. über Anzahlungen finanziert und diese durch
Bankgarantien besichert werden. Das Spiel läßt sich
fortsetzen. Ich kenne Unternehmen, die bei den genannten
Kennzahlen super aussahen und kurz vor der Insolvenz standen.

Stimmt. Aber wie sollte man Fragen in diesem Forum
beantworten, wenn man nach jeder Aussage anmerkt, dass es
Situationen gibt, die das Ganze wieder kippen?

Indem man das zumindest erwähnt und nicht einfach eine
Kurzübersicht in die Landschaft kegelt.

Daß man frühzeitig lernen sollte, daß man sich nicht auf
solche Tabellen verlassen kann, um einen Sachverhalt zu
verstehen. Wer nur auswendig lernen will, kann das
natürlich so machen.

Ich habe nie gesagt, dass man sich darauf verlassen kann,
sondern dass es einen schnellen Überblick über ein Unternehmen
ermöglicht. Es ist schon ein Unterschied, ob man mit
Kennzahlen dauerhaft arbeiten oder ob man einen ersten
Einfruck haben will.

Was hilft ein erster Eindruck, wenn dieser völlig falsch ist?

Ich versuche einen neuen Anlauf:
Erstere 4 Kennzahlen geben in den meisten Fällen einen groben Überblick über ein Unternehmen. Eine genauere Betrachtung des Unternehmens ist jedoch erforderlich, um situations- und branchenspezifische Faktoren untersuchen zu können, die den Ersteindruck bestätigen oder teilweise widerlegen können.

Gruß,
Christian

Grüße
Werner

Was hat die Eigenkapitalquote eines Unternehmens mit Basel II
zu tun?

Basel II zwingt die Banken, für die Kunden ein Rating zu
erstellen (wenn sie nicht schon ein externes vorweisen
können).

Das gilt nur, sofern sich das Kreditinstitut für den Advanced Approach entscheidet, was aber die meisten gemacht haben.

Eine niedrige Eigenkapitalquote verschlechtert im Normalfall
das eigene Rating (Liquidität sinkt), und man erhält deshalb
schlechtere Konditionen.

Für die internen Ratings nach dem IRB werden Kennzahlenbündel verwendet, die zwischen sechs und zehn Kennzahlen umfassen. Die Eigenkapitalquote ist eine davon, die in der Regel ein Gewicht von 10-20% hat.

In der Tat ist also die EKQ eine wichtige Kennzahlen aber keineswegs zwansläufig die wichtigste. Eine hohe Eigenkapitalquote kann also zu einem besseren Rating führen, muß aber nicht, weil bspw. auch die Gesamtkapitalrentabilität herangezogen wird, die bei einem höheren Eigenkapital gerne mal schlechter ausfällt. Dies gilt auch für andere Kennzahlen, so daß die pauschale Aussage „Eigenkapitalquote hoch=gut“ so nicht stimmt.

Daher meine Verwunderung.

Was hilft ein erster Eindruck, wenn dieser völlig falsch ist?

Ich versuche einen neuen Anlauf:
Erstere 4 Kennzahlen geben in den meisten Fällen einen groben
Überblick über ein Unternehmen. Eine genauere Betrachtung des
Unternehmens ist jedoch erforderlich, um situations- und
branchenspezifische Faktoren untersuchen zu können, die den
Ersteindruck bestätigen oder teilweise widerlegen können.

Im Prinzip bin ich damit einverstanden, aber der entscheidende Punkt bleibt, daß der positive Eindruck nach der Betrachtung der genannten vier Kennzahlen täuschen kann und wenn dann die genauere Betrachtung ausbleibt, ist nicht viel gewonnen.

Gruß,
Christian

Was hat die Eigenkapitalquote eines Unternehmens mit Basel II
zu tun?

Basel II zwingt die Banken, für die Kunden ein Rating zu
erstellen (wenn sie nicht schon ein externes vorweisen
können).

Das gilt nur, sofern sich das Kreditinstitut für den Advanced
Approach entscheidet, was aber die meisten gemacht haben.

Eine niedrige Eigenkapitalquote verschlechtert im Normalfall
das eigene Rating (Liquidität sinkt), und man erhält deshalb
schlechtere Konditionen.

Für die internen Ratings nach dem IRB werden Kennzahlenbündel
verwendet, die zwischen sechs und zehn Kennzahlen umfassen.
Die Eigenkapitalquote ist eine davon, die in der Regel ein
Gewicht von 10-20% hat.

In der Tat ist also die EKQ eine wichtige Kennzahlen aber
keineswegs zwansläufig die wichtigste. Eine hohe
Eigenkapitalquote kann also zu einem besseren Rating führen,
muß aber nicht, weil bspw. auch die Gesamtkapitalrentabilität
herangezogen wird, die bei einem höheren Eigenkapital gerne
mal schlechter ausfällt. Dies gilt auch für andere Kennzahlen,
so daß die pauschale Aussage „Eigenkapitalquote hoch=gut“ so
nicht stimmt.

Daher meine Verwunderung.

Das ist der bekannte Zielkonflikt zwischen Liquidität und Rentabilität. Ich hätte gedacht, dass die Liquidität für die Bank eine höherer Bedeutung hat als die Rentabilität, deshalb meine pauschale Annahme.

Exkurs: Ratingsysteme

Das ist der bekannte Zielkonflikt zwischen Liquidität und
Rentabilität. Ich hätte gedacht, dass die Liquidität für die
Bank eine höherer Bedeutung hat als die Rentabilität, deshalb
meine pauschale Annahme.

Hm, die Eigenkapitalquote hat doch nichts mit Liquidität zu tun.

Bei Ratingsystemen geht es um die sog. Trennschärfe, d.h. darum, daß schlechte Risiken als schlecht und gute Risiken als gut identifiziert werden. Die Eigenkapitalquote allein ist nicht besonders aussagkräftig (man denke an den Neuen Markt), also packt man weitere Kennzahlen in das Bündel. Es ist vergleichsweise unwahrscheinlich, daß ein Unternehmen mit hoher EKQ und hoher Rendite überschuldet oder zahlungsunfähig wird, also erhalten Rentatibilitäts- und Verschuldungs- bzw. Kapitalkennziffern ein recht hohes Gewicht.

Allerdings geht es auch darum, Tendenzen zu erkennen, bevor sie nennenswert auf die Ertragslage und die Rentabilität durchschlagen, also fügt man weitere Kennzahlen (Lagerumschlag, Kreditorenziel, Anlagedeckung, Cash-Flow-bezogene Kennzahlen usw.) hinzu, bis eine neue Kennzahl die Trennschärfe (empirisch aus Altdatenbeständen ermittelt) unter nicht weiter erhöht.

Welche das sind, hängt vom vorhandenen Datenbestand ab. So oder so kann ein Ratingverfahren niemals perfekt werden, weil einerseits die Datenbasis nicht perfekt ist und es andererseits Apsekte gibt, die sich nicht bzw. zum Betrachtungszeitpunkt noch nicht in Kennzahlen niederschlagen.

Aus diesem Grunde werden in Ratingsystemen auch sog. weiche Faktoren berücksichtigt, d.h. Management, Rechnungswesen, Marktmacht und -umfeld usw.

Um wieder den Bogen zur Liquidität zu schlagen: Natürlich ist die Liquidität wichtig, aber entscheidend ist nicht die Liquidät zum Betrachtungszeitpunkt, sondern die zum Zeitpunkt der Fälligkeit von Raten bzw. des Kreditbetrages. Dazu versucht man vom Ratingsystem eine Aussage zu bekommen.

In dem von mir weiter oben genannten Beispiel gaben nicht die Kennzahlen die ausschlaggebenden Informationen sondern die weichen Faktoren. Deren Bewertung war jedoch nur aufgrund einigermaßen intimer Kenntnisse des Unternehmens und der Branche möglich. Rein nach den Kennzahlen betrachtet war das Unternehmen zum Betrachtungszeitpunkt nahezu uneingeschränkt kreditwürdig. Bei Betrachtung der genannten vier Kennzahlen wäre es das vermutlich noch heute. Nur durch die Hinzunahme anderer Kennzahlen, wie z.B. Kapitalumschlag, könnte man evtl. einen Hinweis auf die Entwicklung bekommen.

Gruß,
Christian

Das ist der bekannte Zielkonflikt zwischen Liquidität und
Rentabilität. Ich hätte gedacht, dass die Liquidität für die
Bank eine höherer Bedeutung hat als die Rentabilität, deshalb
meine pauschale Annahme.

Hm, die Eigenkapitalquote hat doch nichts mit Liquidität zu
tun.

Du hast Recht, die Liquidität wird durch die frei verfügbaren Mittel des Umlaufvermögens sowie durch das Verhältnis zwischen Umlauvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten bestimmt. Krisensicherheit ist der richtige Begriff, obwohl die EK-Quote alleine natürlich auch noch keine allgemein gültige Aussage geben kann.

Bei Ratingsystemen geht es um die sog. Trennschärfe, d.h.
darum, daß schlechte Risiken als schlecht und gute Risiken als
gut identifiziert werden. Die Eigenkapitalquote allein ist
nicht besonders aussagkräftig (man denke an den Neuen Markt),
also packt man weitere Kennzahlen in das Bündel. Es ist
vergleichsweise unwahrscheinlich, daß ein Unternehmen mit
hoher EKQ und hoher Rendite überschuldet oder zahlungsunfähig
wird, also erhalten Rentatibilitäts- und Verschuldungs- bzw.
Kapitalkennziffern ein recht hohes Gewicht.

Allerdings geht es auch darum, Tendenzen zu erkennen, bevor
sie nennenswert auf die Ertragslage und die Rentabilität
durchschlagen, also fügt man weitere Kennzahlen
(Lagerumschlag, Kreditorenziel, Anlagedeckung,
Cash-Flow-bezogene Kennzahlen usw.) hinzu, bis eine neue
Kennzahl die Trennschärfe (empirisch aus Altdatenbeständen
ermittelt) unter nicht weiter erhöht.

Auch da stimme ich zu. Mit diesen Kennzahlen können Entwicklungen schon früher erkannt werden, die sich dann z.B. auf die Rentabilität auswirken. Das erfordert aber auch schon etwas mehr an Aufwand.

Welche das sind, hängt vom vorhandenen Datenbestand ab. So
oder so kann ein Ratingverfahren niemals perfekt werden, weil
einerseits die Datenbasis nicht perfekt ist und es
andererseits Apsekte gibt, die sich nicht bzw. zum
Betrachtungszeitpunkt noch nicht in Kennzahlen niederschlagen.

Aus diesem Grunde werden in Ratingsystemen auch sog. weiche
Faktoren berücksichtigt, d.h. Management, Rechnungswesen,
Marktmacht und -umfeld usw.

Um wieder den Bogen zur Liquidität zu schlagen: Natürlich ist
die Liquidität wichtig, aber entscheidend ist nicht die
Liquidät zum Betrachtungszeitpunkt, sondern die zum Zeitpunkt
der Fälligkeit von Raten bzw. des Kreditbetrages. Dazu
versucht man vom Ratingsystem eine Aussage zu bekommen.

In dem von mir weiter oben genannten Beispiel gaben nicht die
Kennzahlen die ausschlaggebenden Informationen sondern die
weichen Faktoren. Deren Bewertung war jedoch nur aufgrund
einigermaßen intimer Kenntnisse des Unternehmens und der
Branche möglich. Rein nach den Kennzahlen betrachtet war das
Unternehmen zum Betrachtungszeitpunkt nahezu uneingeschränkt
kreditwürdig. Bei Betrachtung der genannten vier Kennzahlen
wäre es das vermutlich noch heute. Nur durch die Hinzunahme
anderer Kennzahlen, wie z.B. Kapitalumschlag, könnte man evtl.
einen Hinweis auf die Entwicklung bekommen.

Ich kann nicht widersprechen. Das optimale Kennzahlenbündel muss dem Zweck des Betrachters entsprechen. Ein Gläubiger oder die Bank werden ein anderes definieren als ein spekulativer Investor, der hohe Gewinne anstrebt.

Grüße
Werner