Wirtschaftsgeschichte: staatl.Industrieunternehmen

Warum hat ein Staat eigene Unternehmen, die er direkt steuert?
Wie geht eine Regierung, die marktwirtschaftlich agiert, damit um, staatliche Unternehmen zu besitzen?

Hallo,

Anzworten gibt es da einige.
Zunächst einmal gibt es einige hiszorische Entwicklungen, die zum Entstehen von Staatsunternehmen führten.
Zum Beispiel war es früher ja so, daß erst einmal eine Infrastruktur von Nöten war, um eine Wirtschaftsentwicklung anzukurbeln. Und so entstanden Staatseisenbahnen, Telefon und Post als Staatsunternehmen, aber nitunter auch Stromversorgung, Wasserversogung u.a.
Nicht zuletzt spielte da ja auch eine Rolle, daß es einen eigentlichen Wettbewerb hier kaum gab - win Stromversorger hat erst einmal immer ein Monopol in seinem Gebiet. Zudem war auch bei Post, Bahn u.a. zu beachten, daß es am Ende ein geschlossenes Netz mit durchgehendem verkehr und Tarif geben mußte, auch an Orten, die an sich nicht rentabel zu erschließen waren.
Und nicht zuletzt spielten auch militärische Gründe eine Rolle - staatlichen Beamten kann man schließlich befehle erteilen, bei Privatfirmen ist das schwierig.

Dazu kommen noch verschiedene andere historische Entwicklungen. Länder, Kommunen u.a. waren früher völlig anders aufgeteilt und strukturiert. So hat der Staat einiges geerbt auf Grund der Tatsache, daß es frühere Eigentümer ja nicht mehr gibt - Vermögen der NSDAP nach dem Kriege zum Beispiel, oder nach dem Untergang der DDR Reste des dortigen Staatsvermögens, die sich nicht privatisieren ließen.
Zudem kann es auch sinnvoll sein, wenn der Staat als Nachfolger von pleitegeangenen Unternehmen auftritt, wenn man dadurch Arbeistplätze sicher kann und wenn langfristig eine Wiederprivatisierung möglich erscheint.

Es gibt fast nie eine wirklich reine Marktwirtschaft. Jeder Staat kann seber Unternehmen betreiben, wenn ihm dies im nationalen Interesse sinnvoll erscheint. Staatseisenbahnen und staatliche Post nannte ich ja schon. Aber es gint auch Hoheitrechte wie das Münzregal des Finanzministers oder die Banknotenausgabe. DA kann der Staat selber entscheiden, was er in staatseigenen Firmen machen läßt oder als Lizenz vergibt. In manchen Ländern zählen Bodenschätze generell zum Staatseigentum und werden staatlich gefordert und vermarktet.

Was er damit macht? Im besten Falle natürlich Gewinn - die Finanzminister freuen sich da immer mächtig. Gewinne aus Staatsunternehmen sind schließlich Einnahmen der Regierung, die nicht wie Z.B. Steuern der Beschlußfassung der Parlamente bedürfen. Und ich habe noch kein Volk gesehen, das sich ärgert, wenn der Staat seine Ausgaben so finanziert - nicht umsonst leisten sich ja viele erdölexportierende Länder einen sehr üppigen Sozialstaat bei sehr niedrigen Abgaben und Steuern.
Andererseits kann der Staat über Staatsunternehmen auch versuchen, wirtschaftsregulierend einzugreifen. Nur geht das sehr sehr oft schief…

Gernot Geyer

Hallöchen,

Zunächst einmal gibt es einige hiszorische Entwicklungen, die
zum Entstehen von Staatsunternehmen führten.
Zum Beispiel war es früher ja so, daß erst einmal eine
Infrastruktur von Nöten war, um eine Wirtschaftsentwicklung
anzukurbeln. Und so entstanden Staatseisenbahnen, Telefon und
Post als Staatsunternehmen […] Stromversorgung

tatsächlich waren das alles ursprünglich private Unternehmen. Irgendwann hat der jeweilige Staat in etlichen Fällen beschlossen, die Geschäfte in Eigenregie durchzuführen. Durchgängig mit wenig wirtschaftlichem Erfolg, was man allerdings durch die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung zu rechtfertigen suchte.

Zudem kann es auch sinnvoll sein, wenn der Staat als
Nachfolger von pleitegeangenen Unternehmen auftritt, wenn man
dadurch Arbeistplätze sicher kann und wenn langfristig eine
Wiederprivatisierung möglich erscheint.

Das waren die offiziellen Begründungen. Stattdessen hat man marode Unternehmen mit Geld am Laufen gehalten, das man besser anderweitig investiert hätte. Hinzu kommt, daß staatlich subventionierte Unternehmen am Markt auftreten und dadurch private und eigentlich erfolgreiche Unternehmen in Schwierigkeiten bringen.

Was er damit macht? Im besten Falle natürlich Gewinn - die
Finanzminister freuen sich da immer mächtig. Gewinne aus
Staatsunternehmen sind schließlich Einnahmen der Regierung,
die nicht wie Z.B. Steuern der Beschlußfassung der Parlamente
bedürfen.

Das ist ein Trugschluß. Die Einnahmen aus Staatsunternehmen werden in den Haushalten eingeplant und somit unterliegen die Gewinne auch der Kontrolle der Parlamente.

Andererseits kann der Staat über Staatsunternehmen auch
versuchen, wirtschaftsregulierend einzugreifen. Nur geht das
sehr sehr oft schief…

Genau, und weil der einzige, der glaubt, mit Geld besser umgehen zu können als private Unternehmen, der Staat ist, ist in wirtschaftlicher Hinsicht die Privatisierung die einzig vernünftige Lösung. Da es natürlich auch andere Beweggründe gibt (Bereitstellung der Leistungen des Unternehmens auch wider die ökonomische Vernunft --> Daseinsvorsorge), gibt es auch heute noch staatliche Unternehmen in Deutschland. Es soll auch Regionen geben, in denen Verstaatlichung derzeit im Trend liegt. Dummerweise bewahrheiten sich die Versprechungen der Politiker in solchen Fällen nur selten. Tatsächlich folgen häufig nicht allgemeiner Reichtum und Versorgungssicherheit, sondern schlechtere Versorgung und Staatsschulden.

Gruß,
Christian

Hallo,

tatsächlich waren das alles ursprünglich private Unternehmen.
Irgendwann hat der jeweilige Staat in etlichen Fällen
beschlossen, die Geschäfte in Eigenregie durchzuführen.
Durchgängig mit wenig wirtschaftlichem Erfolg, was man
allerdings durch die flächendeckende Versorgung der
Bevölkerung zu rechtfertigen suchte.

Das stimmt so nicht. In Sachsen wurden von Anfang an Staatseisenbahnen gebaut und betrieben - erst sehr spät wurden einzelne Nebenstrecken privat konzessioniert. Auch in Baden und Bayern ging die Initiative häufig vom Staat aus.
Preußen muß man disserenziert sehen, wobei auch hier sehr frühzeitig Staatsstrecken erbaut wurden. Und später hatte man wohl staatlicherseits keine Lust, sich auf die unrentablen Strecken zu beschränken. Allerdings wurden später auch private Strecken aufgekauft, die lagen aber häufig gar nicht auf preußischem Gebiet wie die Thüringer Eisenbahn, waren aber strategisch interessant, weil mit ihnen eine Verbindung des preußischen Rheinlandes zum kernland Brandenburg möglich war.
Das Postwesen war von Anfang an staatlich - zumindest in den größeren Ländern, auch das Telefonwesen.

Im Übrigen erschiene mir eine staatliche Eisenbahn auch heute noch sinnvoll - zum beispiel im Hinblick auf Umweltprobleme. Denn die private deutsche Bahn kann ja nichts anderes als Strecken schließen und sich auf wenige Städteverbindungen konzentrieren, auch im Güterverkehr arbeitet sie nur noch mit Großunternehmen.

Und: Natürlich kann es funktionieren, Betriebe zeitweise staatlich zu führen. Die Treuhand hat es ja vorgemacht. Vieles, was im Osten überhaupt noch steht, steht doch nur, weil die Unternehmen durch die Treuhand medernisiert, unstrukruriert und dann wieder verkauft wurden. Kla hat das nicht immer funktioniert. Aber rein private Firmen verbrennen ja auch gerne Hunderte von Millionen sinnlos, wie man an der erst so hoch gefeierten und nun gründlich schiefgegangenen Fusion von Daimler und Crysler sieht.

Gernot Geyer

Zudem kann es auch sinnvoll sein, wenn der Staat als
Nachfolger von pleitegeangenen Unternehmen auftritt, wenn man
dadurch Arbeistplätze sicher kann und wenn langfristig eine
Wiederprivatisierung möglich erscheint.

Das waren die offiziellen Begründungen. Stattdessen hat man
marode Unternehmen mit Geld am Laufen gehalten, das man besser
anderweitig investiert hätte. Hinzu kommt, daß staatlich
subventionierte Unternehmen am Markt auftreten und dadurch
private und eigentlich erfolgreiche Unternehmen in
Schwierigkeiten bringen.

Was er damit macht? Im besten Falle natürlich Gewinn - die
Finanzminister freuen sich da immer mächtig. Gewinne aus
Staatsunternehmen sind schließlich Einnahmen der Regierung,
die nicht wie Z.B. Steuern der Beschlußfassung der Parlamente
bedürfen.

Das ist ein Trugschluß. Die Einnahmen aus Staatsunternehmen
werden in den Haushalten eingeplant und somit unterliegen die
Gewinne auch der Kontrolle der Parlamente.

Andererseits kann der Staat über Staatsunternehmen auch
versuchen, wirtschaftsregulierend einzugreifen. Nur geht das
sehr sehr oft schief…

Genau, und weil der einzige, der glaubt, mit Geld besser
umgehen zu können als private Unternehmen, der Staat ist, ist
in wirtschaftlicher Hinsicht die Privatisierung die einzig
vernünftige Lösung. Da es natürlich auch andere Beweggründe
gibt (Bereitstellung der Leistungen des Unternehmens auch
wider die ökonomische Vernunft --> Daseinsvorsorge), gibt
es auch heute noch staatliche Unternehmen in Deutschland. Es
soll auch Regionen geben, in denen Verstaatlichung derzeit im
Trend liegt. Dummerweise bewahrheiten sich die Versprechungen
der Politiker in solchen Fällen nur selten. Tatsächlich folgen
häufig nicht allgemeiner Reichtum und Versorgungssicherheit,
sondern schlechtere Versorgung und Staatsschulden.

Gruß,
Christian

Guten morgen,

tatsächlich waren das alles ursprünglich private Unternehmen.
Irgendwann hat der jeweilige Staat in etlichen Fällen
beschlossen, die Geschäfte in Eigenregie durchzuführen.
Durchgängig mit wenig wirtschaftlichem Erfolg, was man
allerdings durch die flächendeckende Versorgung der
Bevölkerung zu rechtfertigen suchte.

Das stimmt so nicht. In Sachsen wurden von Anfang an
Staatseisenbahnen gebaut und betrieben - erst sehr spät wurden
einzelne Nebenstrecken privat konzessioniert.

zugegebenermaßen schoß ich mit der Verwendung des Wortes „alles“ über das Ziel hinaus - insbesondere, wenn man nicht nur Deutschland betrachtet - und ich will auch nicht auf unwesentlichen Details rumreiten, aber Staatsbahnen waren unter den ersten Eisenbahnen wirklich die absolute Ausnahme:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ersten_deutsc…

Das Postwesen war von Anfang an staatlich

Der Name Thurn und Taxis sagt Dir etwas?

  • zumindest in den
    größeren Ländern, auch das Telefonwesen.

Welche größeren Länder?

Im Übrigen erschiene mir eine staatliche Eisenbahn auch heute
noch sinnvoll - zum beispiel im Hinblick auf Umweltprobleme.
Denn die private deutsche Bahn kann ja nichts anderes als
Strecken schließen und sich auf wenige Städteverbindungen
konzentrieren, auch im Güterverkehr arbeitet sie nur noch mit
Großunternehmen.

Wie ich schrieb: Man kann plausible Gründe für Staatsbetriebe anführen, nur darf man dabei nicht unter den Tisch fallen lassen, daß sie in wirtschaftlicher Hinsicht privaten Unternehmen unterlegen sind, was zwangsläufig bedeutet, daß der Steuerzahler für die plausiblen Gründe der Regierung, die leider sehr oft ideologisch motiviert sind, zahlen muß.

Und: Natürlich kann es funktionieren, Betriebe zeitweise
staatlich zu führen. Die Treuhand hat es ja vorgemacht.
Vieles, was im Osten überhaupt noch steht, steht doch nur,
weil die Unternehmen durch die Treuhand medernisiert,
unstrukruriert und dann wieder verkauft wurden. Kla hat das
nicht immer funktioniert.

Die Treuhand ist das beste Beispiel dafür, daß der Staat sich aus der Wirtschaft raushalten sollte. Ein heißer Tip dazu:
Wer uns kennenlernt, gewinnt uns lieb von Dieter Kampe ISBN-10: 3880223416 Buch anschauen

Aber rein private Firmen verbrennen
ja auch gerne Hunderte von Millionen sinnlos, wie man an der
erst so hoch gefeierten und nun gründlich schiefgegangenen
Fusion von Daimler und Crysler sieht.

Da wird aber das Geld der Aktionäre verbrannt, das sie zuvor freiwillig rausgerückt haben. Bei Staatsunternehmen sind die Steuerzahler die dummen und zwar unfreiwillig. Hinzu kommt, daß von Staatsunternehmen Geld in ganz anderen Dimensionen verbrannt wird. Allein schon der ÖPNV einer Großstadt macht i.d.R. Verluste im zweistelligen Millionenbereich.

Gruß,
Christian

Hallo,

:smiley:er Name Thurn und Taxis sagt Dir etwas?

Ja sicher dagt der mir was. Es gab aber in Preußen, Sachsen, Bayern, Mecklenburg, Baden, Hamburg, Hannover, Braunschweig, Württemberg und noch ein paar Ländern ein eigenes Postwesen. Und es gab sogar Zeiten, da gab es auf manchen Strecken mehrere Postrouten von verschiedenen Ländern, wenn es um länderüberschneidende Linien ging.
Natürlich konnten Zersplitterte Zwerstaaten wie Sachsen-Weimar-Eisenach oder Schwarzburg-Sondershausen sich so was nicht leisten - die vergaben die Konzession an Thurn und Taxis.

:smiley:ie Treuhand ist das beste Beispiel dafür, daß der Staat sich
aus der Wirtschaft raushalten sollte. Ein heißer Tip dazu:
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ISBN-10: 3880223416 Buch anschauen

Und wer bitteschön hätte sonst die ganzen Buden übernehmen und abwickeln sollen, die doch erst einmal kein anderer wollte? Eine sofortige Schließung hätte nämlich 4 oder 5 Millionen Arbeitslose mehr gebracht ganz abgesehen von den Ruinen, die dann niemand gehört hätten, wenn sie die Treuhand nicht übernommen hätte.
Abgesehen davon gibnt es nun einmal auch Beispiele dafür, daß ehemalige Treuhandfirmen immer noch laufen - wenn auch in der Regel in viel kleinerer Form als vorher. Viele Firmen verdanken ihre Existens der Tatsache, daß sie als privatiesierte Teile und Abteilungen ehemaliger VEB damals geordnet und entschuldet starten konnten.

:smiley:a wird aber das Geld der Aktionäre verbrannt, das sie zuvor

freiwillig rausgerückt haben.

So? Dann bezahlen wohl die Aktionäre die ganzen Arbeitslosen und Auffanggesellschaften für ihren schiefgegangenen Größenwahnsinn? Ich dachte immer, den Dreck räumt anschließend der Staat weg - auf Kosten der Allgemeinheit. Und wenn die schönen großen Firmen sich überheben und Verluste ausweisen und gar keine Steuern mehr zahlen, dann zahlt am Ende auch wieder der Bürger über seine Steuern - das sollte man nicht vergessen. Schau doch die ZAhlen mal an: Großunternehmen zahlen so gut wie gar keine Steuern mehr, die rechnen sich alle arm über die Verluste irgendwelcher Tochterunternehmen. Echt zahlen tun doch nur noch kleine Mittelständler und der Bürger selber.
Das ist im Übrigen der Krebsschaden des modernen privaten Großunternehmens: Der Manager, der den Mist verbockt - der haftet nie materiell. Es zahlen immer nur Aktionöre, Mitarbeiter mit ihren Arbeitsplätzen und die Allgemeinheit - der bekloppte Manager bekommt seine saumäßig hohe Gage auf jeden Fall. Das war früher nmoch anders, als Krupp in seinen Anfangsjahren mal wirklich das Familiensilber verpfänden mußte, um seine Firma am Laufen zu halten.

Gernot Geyer

Hallöchen,

:smiley:er Name Thurn und Taxis sagt Dir etwas?

Ja sicher dagt der mir was. Es gab aber in Preußen, Sachsen,
Bayern, Mecklenburg, Baden, Hamburg, Hannover, Braunschweig,
Württemberg und noch ein paar Ländern ein eigenes Postwesen.

was nichts daran ändert, daß T & T ab 1597 ein Monopol für das gesamte Kaiserreich hatte. Daß lokale Fürsten sich mitunter als Konkurrenten versuchten, ändert nichts daran, daß die Post in Deutschland rd. 400 Jahre eine private Veranstaltung war.

:smiley:ie Treuhand ist das beste Beispiel dafür, daß der Staat sich
aus der Wirtschaft raushalten sollte. Ein heißer Tip dazu:
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Und wer bitteschön hätte sonst die ganzen Buden übernehmen und
abwickeln sollen, die doch erst einmal kein anderer wollte?

Angesichts des nachfolgenden Textes kann das nur eine rhetorische Frage gewesen sein, was wiederum schade ist, weil es darauf ganz intessante Antworten gibt. Opfere die 5 Euro und bestelle Dir das genannte Buch, in dem Du einige interessante Antworten finden wirst.

:smiley:a wird aber das Geld der Aktionäre verbrannt, das sie zuvor

freiwillig rausgerückt haben.

So? Dann bezahlen wohl die Aktionäre die ganzen Arbeitslosen
und Auffanggesellschaften für ihren schiefgegangenen
Größenwahnsinn? Ich dachte immer, den Dreck räumt anschließend
der Staat weg - auf Kosten der Allgemeinheit. Und wenn die
schönen großen Firmen sich überheben und Verluste ausweisen
und gar keine Steuern mehr zahlen, dann zahlt am Ende auch
wieder der Bürger über seine Steuern - das sollte man nicht
vergessen. Schau doch die ZAhlen mal an: Großunternehmen
zahlen so gut wie gar keine Steuern mehr, die rechnen sich
alle arm über die Verluste irgendwelcher Tochterunternehmen.
Echt zahlen tun doch nur noch kleine Mittelständler und der
Bürger selber.
Das ist im Übrigen der Krebsschaden des modernen privaten
Großunternehmens: Der Manager, der den Mist verbockt - der
haftet nie materiell. Es zahlen immer nur Aktionöre,
Mitarbeiter mit ihren Arbeitsplätzen und die Allgemeinheit -
der bekloppte Manager bekommt seine saumäßig hohe Gage auf
jeden Fall. Das war früher nmoch anders, als Krupp in seinen
Anfangsjahren mal wirklich das Familiensilber verpfänden
mußte, um seine Firma am Laufen zu halten.

Irgendwie habe ich Zweifel daran, daß man sich mit Dir über das Thema vernünftig unterhalten kann, aber da es ohnehin nicht mehr zur Ausgangfrage paßt, können wir das auch lassen.

Gruß,
Christian

Hallo,

rechnen ist nicht u nbedingt deine Stärke, oder?
Ich weiß jedenfalls nicht, wie Du sonst auf 400 Jahre private Post kommst.
Immerhin (und das kannst Du in jedem Briefmakenkatalog ersehen) gaben ab 1850 insgedamt 14 deutsche Einzelstaaten Briefmarken heraus. In denen war zu dieser Zeit also schon nichts mehr mit Thurn und Taxis. Und endgültig aus war es mit denen nach der Gründung des Norddeutschen Bundes.
Eventuell fällt Dir ja wieder ein, daß es nach 1806 ja gar keinen deutschen Kaiser mehr gab, das Postwesen also zwangsläufig der gesetzgebung der Länder unterstehen mußte und daß schon nach dem 30jährigen Krieg 1648 die Länder zu spuveränen Staaten geworden waren.
Sher lange kann das kaiserliche monopol also nicht gehalten haben.

Was die Treuhand betrifft: 05 % aller, die sich über Ostdeutschland auslassen sind westdeutsche, die meist nie einen Fuß in die neuen Länder gesetzt haben. Es kotzt mich inzwischen ehrlich an, mir von westdeutschen Theoretikern erklären zu lassen, wioe das, was wir hier wirklich erlebt haben, aus ihrer Sicht angeblich gewesen sein soll.

Ansonsten bin ich schon ein Vertreter der Marktwirtschaft - aber immer nur da, wo es einen Markt überhaupt gibt. Und einen solchen gibt es nun einmal nicht im Post- und Personenverkehrswesen und auf vielen anderen Gebieten. Das läuft praktisch dann immer auf Monopolstellungen hinaus. Und Monopole können immer die Preise diktieren - sie sind daher auch als Privatunternehmen nicht übermäßig an einer rationellen Betriebsführung interessiert, da fehlt dann einfach der Druck des Marktes.
Im Übrigen: Ich bin hoch genug gestiegen, auch in Chefetagen. Und ich habe dort Geschäftsfüherer getroffen, denen war das Wohl ihrer Firma scheißegal, solange ihr Gehalt stimmte (das haben die auch gesagt). denen ging es nur darum, so viel abzuzocken, um damit möglichst weit finanziell abgesichert zu sein.

Gernot Geyer

rechnen ist nicht u nbedingt deine Stärke, oder?

Immerhin hast Du sofort den Kern meiner Argumentation gefunden und vernichtet. Und nein, vom Rechnen habe ich genauso wenig Ahnung wie von Wirtschaft.

Was die Treuhand betrifft: 05 % aller, die sich über
Ostdeutschland auslassen sind westdeutsche, die meist nie
einen Fuß in die neuen Länder gesetzt haben. Es kotzt mich
inzwischen ehrlich an, mir von westdeutschen Theoretikern
erklären zu lassen, wioe das, was wir hier wirklich erlebt
haben, aus ihrer Sicht angeblich gewesen sein soll.

Komisch, eigentlich läuft die Diskussion sonst immer genau anders herum: Die Ossis erklären den Wessis, wie die Treuhand das halbe Land verwüstet hat. Einer der wenigen Fälle von Pauschalverurteilung, bei denen ich nur zustimmen kann.

Inwieweit es für die Entwicklung der ostdeutschen wirtschaft hilfreich gewesen sein soll, daß die Treuhand eine Vielzahl von Unternehmen unter Zeitdruck (man wollte ja schließlich die Vorgaben zum Jahresende erfüllen, weil es Erfolgsprämien gab) an windige Investoren vertickte, die die großartigen Zusagen nicht einhielten und sich am Ende Zulagen, Zuschüsse und Immobilien unter den Nagel rissen, um den Laden schließlich zuzusperren, anstatt die gleichen Unternehmen den Mitarbeitern des Unternehmens zu verkaufen, die die Bude im Zweifel erfolgreich weitergeführt hätten, wird Dein Geheimnis bleiben.

Ansonsten bin ich schon ein Vertreter der Marktwirtschaft -
aber immer nur da, wo es einen Markt überhaupt gibt. Und einen
solchen gibt es nun einmal nicht im Post- und
Personenverkehrswesen und auf vielen anderen Gebieten.

Natürlich gibt es da einen Markt, nur sind die bisherigen Staatsmonopolisten in den letzten Jahren recht erfolgreich gewesen, den Markteintritt von privaten Konkurrenten zu verhindern bzw. zu verzögern. Das wird wohl bald ein Ende haben und dann wird es eng für die Bahn und die Post. Erstaunlich ist vor allem, wenn private Unternehmen als Auswuchs von Bürgerinitiativen Bahnstrecken auf einmal erfolgreich betreiben können, die die Bahn als unrentabel stillegte.

Das
läuft praktisch dann immer auf Monopolstellungen hinaus. Und
Monopole können immer die Preise diktieren - sie sind daher
auch als Privatunternehmen nicht übermäßig an einer
rationellen Betriebsführung interessiert, da fehlt dann
einfach der Druck des Marktes.

Hm, gabs da nicht so eine Regulierungsgeschichte?

Im Übrigen: Ich bin hoch genug gestiegen, auch in Chefetagen.
Und ich habe dort Geschäftsfüherer getroffen, denen war das
Wohl ihrer Firma scheißegal, solange ihr Gehalt stimmte (das
haben die auch gesagt). denen ging es nur darum, so viel
abzuzocken, um damit möglichst weit finanziell abgesichert zu
sein.

Ja, und? Normales menschliches Verhalten. Normales menschliches Verhalten sorgt aber auch dafür, daß ein unfähiger und/oder erfolgloser Geschäftsführer über kurz oder lang vom (privaten) Gesellschafter entfernt wird. Der Staat als Gesellschafter ist da offensichtlich bedeutend leidensfähiger; vermutlich, weil nicht das Geld der aufsehenden Behörde bzw. deren Leiter verbrannt wird, sondern das der Steuerzahler. Mit fremdem Geld aast es sich eben leichter.

C.

Hallo,

ich bin mit der Arbeit der Treuhand damals nun wirklich nicht zufrieden, nicht zuletzt auch, weil ja so vieles einfach verramscht bzw. sofort abgewickelt wurde.
Nur spricht genau das gegen Deine eigentliche Argumentation: Eine gründlichere Prüfung hätte ja gerade dazu geführt, die Betriebe noch länger im Staatseigentum zu belassen, sie zum Teil erst einmal grundlegend zu sanieren.
Und es stimmt leider auch, daß Ostdeutsche Mitarbeiter selten eine Chance hatten, ganze Unternehmen zu übernehmen. Aber hier gilt exakt das Gleiche - die Treunhand war profitorientiert an einer Vermarktung zum höchsten Preis interessiert - egal, was dann geschah. Und da hatten ostdeutsche Mitarbeiter einfach nichts zu bieten - woher auch? Eigenmittel in nennesnswerter Größe hatte keiner und kreditwürdig für Millionen war von uns auch keiner.
Die Treuhand hat oft genau so gehandelt, wie jeder Privatunternehmer gehandelt hätte: Den ganzen in der Summe unrentablen Müll möglichst schnell möglichst teuer verramschen.
Und nur da, wo sie es ausnahmsweise einmal nicht gtan hat und sich nicht von marktwirtschaftlichen Aspekten nach schnellem Profit hat leiten lassen - da gab es dann auch mal Erfolge.
Wobei natürlich der ganze Vergleich etwas hinkt - zugegeben. weil die ganze Lage eine absolute Ausnahmesituation war, in der man ohne entsprechende Erfahrungen agieren mußte.

Konkurrenz… hört sich immer gut an. Aber praktisch hänge ich an einer Telefonleitung, einer Wasserleitung und einer Stromleitung. Das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern - diese Netze sind einfach am rentabelsten zu betreiben, wenn möglichst viele Anschlüsse in einem bestimmten Raum vorhanden sind. Keiner baut ne Stromleitung in unser Dorf wegen 15 Kunden oder so.
Und damit hat der Netzbetreiber immer eine Monopolstellung, ganz gleich, wer das am Ende ist. Man könnte Netze und Vertrieb trennen rechtlich - aber das ändert immer noch nichts an der Tatsache, daß der Netzbetzreiber dann ein Monopolist ist. Und der wird immer einer staatlichen Kontrolle unterliegen müssen, egal ob das dann Staatseigentum heißt oder nur staatlich kontrolliert wird. Es wird also hier nie eine echte Marktwirtschaft geben.
Das Gleiche gilt genau so bei der Bahn. Sicher kann man privatisieren - dann hat auf der entsprechenden Relation eine privatfirma das Monopol. Aber es gibt nur eine direkte Verbindung von Erfurt nach Halle/Saale. Und niemand wird heute mehr eine neue Strecke da bauen - ach deshalb nicht, weil das ohne Staatseinfluß nicht geht. Gerade hier läuft ja rein privat gar nichts, weil es immer ein paar Eigentümer gibt, die ohne staatsrechtliche Regelungen nie freiwillig ihr Land verkaufen würden. Also kann auch gar keiner praktisch nachweisen, daß er diese Verbindung kostengünstiger bedienen könnte - es hat einfach keiner ne Chance dazu.
Letztlich gilt das doch auch für die Post. Kaum jemand ist finanziell in der Lage, wirklich flächendeckend die nötigen Dienstleitungen anzubieten. Alle sind sie Kleinanbieter auf einem bestimmten Gebiet, am Ende besteht faktisch immer noch ein Monopol.

Und eines darf man nicht vergessen: Klar gibt es private Telefonanbieter mit eigenem Netz - in Ballungsgebieten. Aber die kostenintensive Versorgung der weiten Fläche - die bleibt bei der Telekom hängen. Die kann sich nicht einfach nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, die muß - ob es sich nun rechnet oder nicht. Denn das ist die große Gefahr bei privaten Infrastrukturen - unrentable Gebiete bleiben dann außen vor. Davor hatte auch Bismark Angst, als er das preussische Staatsbahnnetz schuf - er wollte nicht auf den unrentablen Staatsbahnstrecken sitzenbleiben, die zwar notwendig waren zur versorgung, die aber privat keiner bauen wollte.

Gernot Geyer

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Hallo Gernot,

Nur spricht genau das gegen Deine eigentliche Argumentation:
Eine gründlichere Prüfung hätte ja gerade dazu geführt, die
Betriebe noch länger im Staatseigentum zu belassen, sie zum
Teil erst einmal grundlegend zu sanieren.

entscheidend sind die verfügbaren Alternativen. Im Falle der Treuhand gab es drei Gruppen von Unternehmen: Diejenigen, die in der Marktwirtschaft aufgrund der geänderten Umgebung (weggebrochene Nachfrage aus Osteuropa, Wechelkurs 1:1, Konkurrenz aus dem Westen) nicht überlebensfähig waren. Diese stellten den größten Anteil dar. Dann gab es die Gruppe, die von sich aus noch lebensfähig waren (leider die kleinste Gruppe). Diese konnte man problemlos in die Privatwirtschaft entlassen, was man dann meist durch Verkauf an westdeutsche Unternehmen gelöst hat (aus meiner Sicht auch nicht das Optimum).

Die dritte Gruppe machten die Unternehmen aus, die mit etwas Anschub den Weg in die Privatisierung hätten schaffen können. Eine bessere Alternative als der sinnlose Eilverkauf an zwielichte Gestalten wäre in der Tat der Weiterbetrieb im Staatsbetrieb mit Interimsmanagern aus den eigenen Reihen oder von außerhalb gewesen. Das heißt aber nicht, daß ein Staatsbetrieb eine gute Alternative ist, sondern in der konkreten Situation die bessere Alternative. Seinerzeit hat man sich vom Gedanken der Hauruck-Privatisierung leiten lassen, insbesondere um schnelle Abwicklungserfolge demonstrieren zu können. Für eine geordnete Abwicklung fehlten aber Wille, Zeit und qualifizierte Experten, wie sie in Ministerien bzw. Behörden nur selten zu finden sind. Und da sind wir wieder bei den Grundproblemen der Staatswirtschaft.

Und es stimmt leider auch, daß Ostdeutsche Mitarbeiter selten
eine Chance hatten, ganze Unternehmen zu übernehmen. Aber hier
gilt exakt das Gleiche - die Treunhand war profitorientiert an
einer Vermarktung zum höchsten Preis interessiert - egal, was
dann geschah.

Das ist gar nicht mal so richtig. Es gab Unternehmen, für die Mitarbeiter höhere Preise geboten haben als andere Investoren, nur hätte man das ganze nicht so schnell abwickeln können, weil Geld hätte aufgetrieben werden müssen oder - und diese Fälle gab es tatsächlich - die Mitarbeiter für unfähiger hielt als die Investoren aus dem Westen, die teilweise gerade erst das Erwachsenenalter erreicht hatten.

Die Treuhand hat oft genau so gehandelt, wie jeder
Privatunternehmer gehandelt hätte: Den ganzen in der Summe
unrentablen Müll möglichst schnell möglichst teuer
verramschen.

Genau das ist es, was ich anfangs schrieb: Es gibt Argumente für staatliches Unternehmertum, gute und schlechte. Ein schlechtes Argument: Der Staat will aus Prinzip die Kontrolle behalten. Gute Argumente sind Versorgungssicherheit und Sicherung von Arbeitsplätzen. Letzteres aber nicht aus Prinzip, sondern weil mittelfristig eine bessere Perspektive gibt. Der Steinkohlebergbau ist ein Fall, in dem aus Prinzip an quasistaatlichen Strukturen festgehalten wird, wodurch man den geordneten Strukturwandel verhindert. Bei einem ehemaligen DDR-Unternehmen, das gute Zukunftsaussichten hat, wenn man erst einmal das Wiedervereinigungsdurcheinander mit seinen ganzen Unsicherheiten überstanden hat, sieht das wieder anders aus.

Das wüste Verkloppen der DDR-Wirtschaft hat letztlich zum fast völligen Aussterben der Mittelstandskultur in Ostdeutschland geführt, was eine wesentliche Ursache für die fast flächendeckend hohe Arbeitslosigkeit ist.

Und nur da, wo sie es ausnahmsweise einmal nicht gtan hat und
sich nicht von marktwirtschaftlichen Aspekten nach schnellem
Profit hat leiten lassen - da gab es dann auch mal Erfolge.

Das ist marktwirtschaftliches Handeln par excellence: Investitieren, um in der Zukunft einen Mehrwert zu erhalten. Die heute häufige Konzentration auf die nächsten Quartalsergebnisse ist zwar auch Marktwirtschaft, aber nicht besonders sinnvoll, wenn man darauf aus ist, langfristig Werte zu schaffen und zu erhalten.

Wobei natürlich der ganze Vergleich etwas hinkt - zugegeben.
weil die ganze Lage eine absolute Ausnahmesituation war, in
der man ohne entsprechende Erfahrungen agieren mußte.

Naja, damals herrschten die gleichen Gesetze des Marktes wie heute. Bestimmte Folgen waren vorhersehbar - sogar für mich als Schüler der Oberstufe.

Konkurrenz… hört sich immer gut an. Aber praktisch hänge
ich an einer Telefonleitung, einer Wasserleitung und einer
Stromleitung. Das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern

  • diese Netze sind einfach am rentabelsten zu betreiben, wenn
    möglichst viele Anschlüsse in einem bestimmten Raum vorhanden
    sind. Keiner baut ne Stromleitung in unser Dorf wegen 15
    Kunden oder so.

Das ist ein gutes Argument für staatliches Handeln auch in der Marktwirtschaft: Versorgungssicherheit. Nur läßt sich das auch anders erreichen als durch staatseigene Unternehmen. Ein relativ gutes Beispiel dafür ist die Liberalisierung des Telephonmarktes: Die Teleokom wurde als ehemaliges Staatsunternehmen gezwungen, die Netze gegen Entgelt für die Konkurrenz zu öffnen, wobei das Entgelt einer staatlichen Kontrolle unterliegt. Das Resultat ist bekannt: Der Telekom laufen die Kunden weg, Konkurrenten entstehen und verschwinden und die Kosten sind auf einen Bruchteil gesunken. Liberalisierung geglückt.

Nun muß man nur aufpassen, daß man durch zu restriktive Steuerung der Telekom nicht Innovation verhindert, indem man der Telekom Anreize nimmt, in neue Technologien zu investieren, weil sie sich nicht mehr rechnen, wenn man den Konkurrenten zu billig Zugang dazu ermöglicht (Stichwort: Hochgeschwindigkeitsnetz).

Wie eine mißglückte Liberalisierung aussieht, läßt sich am Beispiel des kalifornischen Strommarktes exemplarisch betrachten.

Das Gleiche gilt genau so bei der Bahn. Sicher kann man
privatisieren - dann hat auf der entsprechenden Relation eine
privatfirma das Monopol. Aber es gibt nur eine direkte
Verbindung von Erfurt nach Halle/Saale. Und niemand wird heute
mehr eine neue Strecke da bauen - ach deshalb nicht, weil das
ohne Staatseinfluß nicht geht. Gerade hier läuft ja rein
privat gar nichts, weil es immer ein paar Eigentümer gibt, die
ohne staatsrechtliche Regelungen nie freiwillig ihr Land
verkaufen würden. Also kann auch gar keiner praktisch
nachweisen, daß er diese Verbindung kostengünstiger bedienen
könnte - es hat einfach keiner ne Chance dazu.

Wie schon mehrfach gesagt: Es gibt gute Argumente für staatliches Handeln am Markt. Das aber dann bitte mit Augenmaß und nicht durch Staatsbetriebe. Eine Regulierung der von Dir angesprochenen Netze ist vollkommen ausreichend und - wenn man sich bspw. die Entwicklung in Großbritannien anschaut - wohl auch notwendig. Dies gilt aber fast ausschließlich für netzgebundene Dienstleistungen und nicht für das produzierende Gewerbe (und darum ging es in der ursprünglichen Frage), nach dem immer wieder linke Regierungen in aller Welt die Finger ausstrecken. Hier steht die Ideologie im Vordergrund und nicht die Nutzenmaximierung für die Bevölkerung.

Letztlich gilt das doch auch für die Post. Kaum jemand ist
finanziell in der Lage, wirklich flächendeckend die nötigen
Dienstleitungen anzubieten.

Nun, das bleibt abzuwarten. Ich weiß von einigen vielversprechenden Projekten, die bisher nur durch die Blockadehaltung und Lobbyarbeit der Deutschen Post gebremst wurden. Strukturell ist der Briefdienst nichts anderes als der Paketdienst (d.h. Belieferung auch der letzten Milchkanne auf dem platten Land); seltsamerweise tummeln sich in diesem Segment diverse Konkurrenten (DPD, GLS, UPS). Warum sollte das nicht auch für den Briefdienst funktionieren?

Gruß,
Christian

Hallo,

ich fange mal hinten an:
Es hat sich gerade bei privaten Paketdiensten und Postzustellern gezeigt, daß die niedrigen Preise oft nur durch totales Lohndumping zu erziehlen sind. Viele dieser Firmen sind derzeit gerade deshalb ins Gerede gekommen. Es kann ja zum Beispiel nicht Sinn und Zweck der Sache sein, Arbeistlose mit der Möglichlkeit eines Nebenverdienstes zu ködern, so daß dann ein Großteil der Kosten am Arbeitsamt hängen bleibt. Auch der jezt drohende Streik bei der Telekom hängt damit zusammen, daß der Konzern sich gezwungen sieht, seine Lohnkosten auf das Niveau der privaten Konkurrenz zurückzufahren.
An dieser Stelle hat natürlich ein Newcomer, der sich nicht mit Dingen wie bestandsschutz rumärgern muß, automatisch bessere Karten - abgesehen davon, daß die Mitarbeiter eh wieder die Deppen sind dabei.

Natürlich war mir damals 1990 auch schon klar, daß sich eine komplette Volkswirtschaft nicht über Nacht total umstellen läßt. Rein aus wirtschaftlichem Interesse der Betriebe wäre eine Verlangsamung des Einheitsprozesses um ein - zwei Jahre dringend geboten gewesen.
Man kann schließlich nicht ohne Weiteres einen Btrieb von 1.000 Mann auf 200 Mann zusammenschrumpfen. Der ist dann nämlich erst einmal mit der Hypothek belastet, die ganzen Entlassungen sozialverträglich abwickeln zu müssen, überzählige Maschinem Anlagen und Gebäude zu entsorgen und sich zudem völlig umzustrukturieren. Wir haben praktisch im Monatstakt an ständig neuen Konzepten gefeilt und sind am Ende doch abgewickelt worden - obwohl ich heute noch glaube, daß es eine Chance gegeben hätte. Aber das hätte wenigstens ein paar monate zeit gebraucht, um wirklich tragfähige Konzepte zu entwickeln und zu schauen, welche Möglichkeiten es am Markt überhaupt gibt.
Eventuell hätte auch der Export sogar eine Chance gehabt. Nur: Man hat ja die staatlichen Außenhandelsbetriebe und die Kombinate als wirtschaftsleitende Organe als allererstes über Nacht aufgelöst, schon im 1. Halbjahr 1990. Und in den Betrieben selber hatte niemand Ahnung vom Außenhandel,weder von der technischen Abwicklung noch von der Vertragsgestaltung oder Verhandlungsführung - das war ja immer ein ausschließliches Privileg der Außenhandelsfirmen gewesen, wir haben immer nur die Aufträge von denen abgearbeitet. Da war einfach keiner, der da was hätte machen können.

Ansonsten: Es besteht bei Staatsbetrieben immer die Gefahr, daß da Politiker sich einmischen. Die Versuchung, damit die Wirtschaft lenken zu wollen, ist einfach da.
Aber die wirklich reine Marktwirtschaft gibt es ja eh nicht. Es wird doch massenhaft dirigiert über Gesetze einerseits und über Steuern und Suventionen andererseits. Eigentlich blickt doch längst kein Mensch mehr wirklich durch, was da im Einzelnen wie wirkt. Aber gerade die Vertreter der privaten Wirtschaft heulen am lautesten, wenn irgendwer an irgendeiner Ecke versucht, da etwas abzuschaffen oder zu vereinfachen.

Gernot Geyer

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Guten morgen,

dann ein Großteil der Kosten am Arbeitsamt hängen bleibt. Auch
der jezt drohende Streik bei der Telekom hängt damit zusammen,
daß der Konzern sich gezwungen sieht, seine Lohnkosten auf das
Niveau der privaten Konkurrenz zurückzufahren.
An dieser Stelle hat natürlich ein Newcomer, der sich nicht
mit Dingen wie bestandsschutz rumärgern muß, automatisch
bessere Karten - abgesehen davon, daß die Mitarbeiter eh
wieder die Deppen sind dabei.

für die Hotline-Mitarbeitern zahlt die Telekom derzeit Einstiegsgehälter wie sie sonst fertige BWLer (FH) erhalten. Außerdem arbeiten die Mitarbeiter im Servicebereich derzeit 34 Stunden pro Woche. Daß man das in Richtung Wettbewerb anpassen will, halte ich für nachvollziehbar. Dagegen kann man streiken, muß aber u.U. damit rechnen, daß Passenten den Streikenden einen Vogel und die eigene Gehaltsabrechnung zeigen.

Natürlich war mir damals 1990 auch schon klar, daß sich eine
komplette Volkswirtschaft nicht über Nacht total umstellen
läßt.

[…]

Und in den
Betrieben selber hatte niemand Ahnung vom Außenhandel,weder
von der technischen Abwicklung noch von der Vertragsgestaltung
oder Verhandlungsführung - das war ja immer ein
ausschließliches Privileg der Außenhandelsfirmen gewesen, wir
haben immer nur die Aufträge von denen abgearbeitet. Da war
einfach keiner, der da was hätte machen können.

Dazu will ich mal nichts sagen, außer daß ich Dir recht gebe, daß im Einigungsprozeß viel falsch gemacht worden ist - insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht. Ob es angesichts der Zwangssituation, die in vielerlei Hinsicht bestand (die DDR hätte schon im August 1990 die Rentenzahlungen einstellen müssen; die Bevölkerung forderte die D-Mark etc.), bessere Alternativen gegeben hätte, ist ein zu umfangreiches Thema, um es hier zu diskutieren.

Ansonsten: Es besteht bei Staatsbetrieben immer die Gefahr,
daß da Politiker sich einmischen. Die Versuchung, damit die
Wirtschaft lenken zu wollen, ist einfach da.
Aber die wirklich reine Marktwirtschaft gibt es ja eh nicht.

Die muß es ja auch gar nicht geben.

Es wird doch massenhaft dirigiert über Gesetze einerseits und
über Steuern und Suventionen andererseits. Eigentlich blickt
doch längst kein Mensch mehr wirklich durch, was da im
Einzelnen wie wirkt. Aber gerade die Vertreter der privaten
Wirtschaft heulen am lautesten, wenn irgendwer an irgendeiner
Ecke versucht, da etwas abzuschaffen oder zu vereinfachen.

Das ist mir zu pauschal. Daß sich die beklagen, die durch eine Maßnahme belastet werden, ist vollkommen klar. Daß sich die Wirtschaft generell gegen weniger staatliche Eingriffe wehrt, halte ich für ein Gerücht. Gerade vor ein paar Tagen wurde eine Studie veröffentlicht, nach die staatliche Umklammerung vieler wirtschaftlicher Aktivitäten das größte Hemmnis für Investitionen ist.

Gruß,
Christian

MOD.: *räusper* Kann es sein, daß…
Hi Ihrs

…Ihr 2 Euch allmählich doch ein bißchen weit vom Bretthema Geschichte entfernt und die Diskussion im Finanz- und Wirtschaftspolitikbrett etwas besser aufgehoben wäre?

Gruß
Edith