Also, in unserer wirtschaftlichen Phase findet man mehr und mehr Stimmen die prognostizieren, daß wir wirtschaftlich in eine Wirtschaftskrise hineinschlittern. Könnt Ihr mir mal sagen, ob dies überhaupt möglich ist, und wenn ja, wie das aussieht? Danke!
Also, in unserer wirtschaftlichen Phase findet man mehr und
mehr Stimmen die prognostizieren, daß wir wirtschaftlich in
eine Wirtschaftskrise hineinschlittern. Könnt Ihr mir mal
sagen, ob dies überhaupt möglich ist, und wenn ja, wie das
aussieht? Danke!
Ein paar Fragen vorab: Was verstehst Du unter „wir“ (Deutschland, Europa, Welt) und was unter „Wirtschaftskrise“ (wenig Wachstum, kein Wachstum, schrumpfende Wirtschaft, Arbeitslosenzahlen jenseits von x)?
Wenn man nur den Indikator Arbeitslosigkeit nimmt, kann man schon seit 10 Jahren von einer Wirtschaftskrise sprechen, oder besser von einer Krise des staatlichen Wirtschaftens.
Gruß
Christian
Also, in unserer wirtschaftlichen Phase findet man mehr und
mehr Stimmen die prognostizieren, daß wir wirtschaftlich in
eine Wirtschaftskrise hineinschlittern. Könnt Ihr mir mal
sagen, ob dies überhaupt möglich ist, und wenn ja, wie das
aussieht?
Hallo Steffen,
wie Christian schon sagt, wäre es nützlich zu wissen, was mit „Wirtschaftskrise“ gemeint ist. Wir haben uns in Jahrzehnten an Wirtschaftswachstum gewöhnt. Im vorigen Jahr wuchs die Wirtschaft und die gewachsene Wirtschaft wird auch im laufenden Jahr noch eins draufsetzen und wiederum wachsen. Wachstum des Wachstums. Nun werden die Wachstumsraten jährlich kleiner. Aber niemand konnte je annehmen, daß wir alljährlich eine größere Anzahl von z. B. Kühlschränken brauchen. Niemand konnte je glauben, daß wir jährlich mehr Schiffe und Häuser brauchen. Jeder Dorfbäcker weiß, daß es mit seinem Wachstum vorbei ist, sobald die Leute satt sind.
Parallel zum bescheidener werdenden Wachstum des Wachstums steigt die Effizienz der Wirtschaft, führen Automatisierung und verbesserte Organisationsstrukturen zu Produktivitätssteigerung. Deren Kurve verläuft steiler als die des Wachstums, als Folge werden immer weniger Arbeitskräfte gebraucht.
Dieses Problem wird sich nicht mit Produktionssteigerungen der schon erwähnten Kühlschränke lösen lassen, denn alle Leute haben bereits einen Kühlschrank. Das gilt auch für praktisch alle anderen Produkte und Dienstleistungen. Auch der Export hilft da nicht weiter. Die Produkte, von denen sich viele Jahre lang auskömmlich leben ließ, können inzwischen beinahe überall auf der Welt hergestellt werden, oft billiger und manchmal auch besser.
Aus der Problematik helfen nur neue Dienstleistungen und neue Produkte, die auf keinen gesättigten Markt treffen, sondern auf einen aufnahmefähigen Verkäufermarkt. Mit neuen Produkten meine ich nicht unbedingt Massagegürtel und Wärmedecken gegen Erdstrahlung. Auch nicht das neueste Videospiel, das per UMTS aufs Handy zu laden ist. Damit greift man Taschengeld von Kindern ab. Mit solchem volkswirtschaftlichen Tinnef und der modernen Version von des Kaisers neuen Kleidern ist kein Staat zu machen. Wir brauchen neue Produkte und wir brauchen Leute, die diese Produkte (erfolgs-)hungrig entwickeln und vermarkten. Dafür brauchen wir ideenreiche Existenzgründer. Nicht den 100.000sten Webdesigner und den wasweißichwievielten Teppichverleger. Es gibt Produktideen ohne Ende. Hochwertige Nischentechnologien statt austauschbarer Masse.
Dafür haben wir aber nicht die Leute. Für den BWLer ist es interessanter, den 50T€-Job bei Daimler-Chrysler im Rechnungswesen oder im Controlling zu machen, als sich den Kopf zu zerbrechen, wie man das Marketing bei begrenztem Budget für ein neues Produkt auf die Füße stellt. Für den Ingenieur bringt es mehr, sich schon als Jungspund über die betriebliche Altersversorgung bei Siemens zu informieren oder beim Mittelständler wenigstens einen BMW als Gimmik zu bekommen.
Ich weiß, wovon ich rede. Genügend Leute haben mehr durchdachte Produktideen, als sie je im Leben realisieren können. Wenn es keine Kurpfuscherei mit Halbheiten werden soll, kann man nur wenige Ideen in einem Arbeitsleben von A bis Z auf die Füße stellen. Wenn man dafür Leute sucht, die als Selbständige eine Produktidee übernehmen und laufend weiterentwickeln sollen, wird man vergeblich suchen. Es liegt nicht an den Ideen. Da finden sich durchaus Firmen, die dafür viel Geld ausgeben, wenn man die Sachen mundgerecht präsentiert. Gründer, die ihre berufliche Existenz daran hängen, sind aber kaum vorhanden. Die Leute wollen lieber die dünnen Bretter bohren. Der aussichtsloseste Mist wird verfolgt, bei Ebay den Billigheimer spielen, nur produzieren, aber um Himmels Willen keinen Kundenkontakt und keine Akquise und das Ganze am liebsten mit Gehaltsgarantie und Urlaubsanspruch.
Ich weiß nicht, ob ich die Problematik deutlich genug auf den Punkt gebracht habe: Wir haben ein Bequemlichkeitsproblem, ein Versorgungsdenkenproblem, ein Problem mit zu satten Menschen. Wir haben aber keine Wirtschaftskrise. Die Menschen müssen umdenken und nicht mehr nach einem abhängigen Job mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall suchen. Sie müssen aufhören, Politikern zu glauben, die als Verwaltungsjuristen und Sozialpädagogen die Schaffung von Arbeitsplätzen versprechen. Sie müssen selbst etwas auf die Beine stellen. Ob dieser Umdenkprozeß bei 5 Millionen Arbeitslosen einsetzt, bei 6 Millionen…ich weiß es nicht.
Gruß
Wolfgang
Aus der Problematik helfen nur neue Dienstleistungen und neue
Produkte, die auf keinen gesättigten Markt treffen, sondern
auf einen aufnahmefähigen Verkäufermarkt.
Und das wären?
Ich denke, wenn es so einfach wäre würde es schon jemand machen. Um eine derartige Marktnische finden und nutzen zu können braucht man neben Branchenkenntnissen ausreichend Know-How. Wer hat das schon. Die 5 Mio. Arbeitslosen? Wohl eher nicht, denn sonst wären sie nicht arbeitslos.
Und woher soll das Kapital fürs „Selbständigmachen“ kommen, wenn man es nicht hat? Wir sind nicht in den USA, wo man genug Kapitalgeber, die ins blaue investieren, finden kann.
Ich weiß, wovon ich rede. Genügend Leute haben mehr
durchdachte Produktideen, als sie je im Leben realisieren
können.
Und warum verkaufen sie diese Ideen nicht? Wahrscheinlich weil niemand diese kaufen würde, da sie entweder zu teuer sind bzw. zu wenig Erfolg versprechen.
Gute eigene Ideen zu entwickeln ist leider sehr schwierig. Insbesonders, wenn es um physische Produkte geht. OK - Dienstleistungen, die es so noch nicht gibt, könnten einem noch einfallen. Die kann man sich aber nicht patentieren lassen, und sind schnell imitiert. Die Chancen auf eine Geschäftsidee mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil sind hier meiner Meinung nach sehr klein, das Risiko (bis zum Sanktnimmerleinstag verschuldet zu bleiben) aber recht groß.
Wenn mir jemand die Geschäftsidee nennen kann, die mit einer Lizenz zum Gelddrucken gleichzusetzen wäre, soll er mal anfangen diese zu erläutern. Meiner Meinung gibt es sowas so gut wie gar nicht mehr.
Und um aus Scheiße gute Butter machen zu können braucht man Talent, welches nicht jeder besitzt.
Sie müssen selbst etwas auf die Beine stellen. Ob dieser
Umdenkprozeß bei 5 Millionen Arbeitslosen einsetzt, bei 6
Millionen…ich weiß es nicht.
Ich denke, dass dieser Umdenkprozess schon längst eingesetzt hat. Aber nicht jeder hat das Kapital, Know-How und die entsprechende Idee, um erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. Die Geschäftsideen in den einschlägigen Magazinen kann man, meiner Meinung nach, allesamt in die Tonne kloppen.
Und wer einmal, vielleicht mit einer solchen schlechten Geschäftsidee, gescheitert ist wird es so schnell nicht noch einmal versuchen (können).
Als Alternative zum „Controllerjob mit BMW als Gimmick“ käme für mich nur die Übernahme eines existierenden Unternehmens in Frage.
Aber ob sich das für mich (so denkt doch jeder) wirklich lohnt?
MfG
Stephan
Hallo Wolfgang,
Dafür haben wir aber nicht die Leute. Für den BWLer ist es
interessanter, den 50T€-Job bei Daimler-Chrysler im
Rechnungswesen oder im Controlling zu machen, als sich den
Kopf zu zerbrechen, wie man das Marketing bei begrenztem
Budget für ein neues Produkt auf die Füße stellt. Für den
Ingenieur bringt es mehr, sich schon als Jungspund über die
betriebliche Altersversorgung bei Siemens zu informieren oder
beim Mittelständler wenigstens einen BMW als Gimmik zu
bekommen.
…übrig bleiben Verrückte wie ich, die dann die ganze Arbeit machen. Sags ruhig 
Ich weiß, wovon ich rede. Genügend Leute haben mehr
durchdachte Produktideen, als sie je im Leben realisieren
können. Wenn es keine Kurpfuscherei mit Halbheiten werden
soll, kann man nur wenige Ideen in einem Arbeitsleben von A
bis Z auf die Füße stellen. Wenn man dafür Leute sucht, die
als Selbständige eine Produktidee übernehmen und laufend
weiterentwickeln sollen, wird man vergeblich suchen. Es liegt
nicht an den Ideen. Da finden sich durchaus Firmen, die dafür
viel Geld ausgeben, wenn man die Sachen mundgerecht
präsentiert. Gründer, die ihre berufliche Existenz daran
hängen, sind aber kaum vorhanden. Die Leute wollen lieber die
dünnen Bretter bohren.
Das möchte ich so nicht stehen lassen. Projektmanagment ist ein langwieriger Irrsinn. Er beginnt schon da, daß es einem niemand finanziert, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen. Wir arbeiten weißgott nur mit Profis, aber allumfassend eine Strategie zu entwickeln, Partner zu finden (es geht allleine unmöglich), die Dinge auf die Beine zu stellen… ist Irrsinn. Letztendlich erklärt einem noch jemand, wie man was zu tubn hat, um in den Genuß von Fördermitteln zu kommen, wie es unmöglich funktioniert.
Ich hasse diese wirtschafterei mittlerweile wie die Pest. Zudem läuft alles auf die Anfänge zu einer Planwirtschaft hinaus. Das könnte man auch einfacher haben, mit weniger Bürokratie.
Wenn Europa mal wieder hoch kommen will, dann ausschließlich durch zentrale Wirtschaftskoordination (die letztendlich sowieso stattfindet) und radikalen Bürokratieabbau. Dann wird zwar offensichtlich, daß diese ungedeckte Währung nicht funktioniert, aber davon rede ich ja die ganze Zeit.
auch zum Thema: http://europa.eu.int/cgi-bin/eur-lex/udl.pl?REQUEST=…
Gruß
Frank