Wissen und kennen

Hallo zusammen,

recht vielen Dank für Hinweise, es ist immer sehr interessant und nützlich Eure Meinungen zu erfahren.

Hier habe ich noch eine für mich unklare Sache;

Gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen „wissen“ und „kennen“?

Man weiß seine Telefonnemmer, seine Adresse, seine E-Mail, seine Meinung, seine Möglichkeiten?

Mit freundlichen Grüßen
Wladimir

Hallo Wladimir,

recht vielen Dank für Hinweise, es ist immer sehr interessant
und nützlich Eure Meinungen zu erfahren.

Hier habe ich noch eine für mich unklare Sache;

Gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen „wissen“ und
„kennen“?

vorab - ich bin keine Expertin für Deutsch. Nur eine Muttersprachlerin

Man weiß seine Telefonnemmer, seine Adresse, seine E-Mail,
seine Meinung, seine Möglichkeiten?

wissen kannst Du etwas, das Du gelernt hast

kennen wird benützt, wenn Du etwas gesehen/selbst erlebt haben.

Darum - man weiß eine Telefonnummer, eine Adresse, eine E-Mail(adresse)

und - man kennt eine Meinung, kennt seine Möglichkeiten, man kennt einen Ort

Kennt eine Adresse ist aus diesem Grund ebenfalls möglich: dann, wenn man vor der Tür gestanden hat und der Ort somit gesehen hat

wahrscheinlich verwirrend für Dich - es ist auch (etwas altertümlich) möglich zu sagen: man weiß um jemands Möglichkeiten

viele Grüße
Geli

Hallo zusammen,

recht vielen Dank für Hinweise, es ist immer sehr interessant
und nützlich Eure Meinungen zu erfahren.

Hier habe ich noch eine für mich unklare Sache;

Gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen „wissen“ und
„kennen“?

Interessante Frage…
„Kennen“ tust Du alles, was Du irgendwann mal erfahren hast
„Wissen“ tust Du alles, was Du irgendwann mal erfahren hast :smile:

Trotzdem ist „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ richtig. „Ein Indianer weiß keinen Schmerz“ ist falsch.
Das Beispiel ist in obigem Zusammenhang unglücklich gewählt, denn wenn ein Indianer nie Schmerz erfahren hätte, könnte er ihn weder kennen noch um ihn wissen… :smile:

Man weiß seine Telefonnemmer, seine Adresse, seine E-Mail,
seine Meinung, seine Möglichkeiten?

Man kennt seine Telefonnummer, seine Adresse, seine E-Mail, seine Meinung, seine Möglichkeiten ist genauso möglich.

Mitunter ist „wissen“ die schlechtere Wahl:
„Weißt Du die Vorgehensweise für die Beantragung der Zuschüsse?“
klingt einfach nicht schön.

Außerdem ist „kennen“ vor Relativsätzen problematisch:
Das ist richtig: Ich weiß, wie seine Telefonnummer ist.
Das ist falsch: Ich kenne, wie seine Telefonnummer ist.

Die Antwort „Ich kenne“ gibt’s nicht.
Falsch: „Das Auto ist 4 Meter 50 lang!“ - „Ich kenne.“
Richtig: „Das Auto ist 4 Meter 50 lang!“ - „Ich weiß.“

Gibt bestimmt jemanden, der das in richtige Regeln fassen kann, aber mir fällt da auf die Schnelle nix ein.

Gruß

Moin, Wladimir,

Du kennst, was Du gesehen hast. Du weißt, was Du verstanden hast.

Im Sprachgebrauch ist das manchmal verwirrend: Du kennst Deinen Namen und Du weißt, wie Du heißt. Dafür dürfte es kaum ein Erklärung geben - ist halt so.

Gruß Ralf

Hallo Wladimir!
Ich kann Dir hierauf keine erschöpfende Auskunft geben, weil das im Rahmen eines Postings vermutlich hier niemand kann. Die Bedeutungsunterschiede und Sprachgepflogenheiten sind so vielfältig, dass man keine Regeln erkennen kann, was schon aus den kunterbunten Antworten der anderen Postimgs zu ersehen ist.Am nächsten trifft Ralf den Kern der Sache.
Das geht los mit der Definition von ‚Wissen‘! Wenn man Deacartes einbezieht, dann ist Wissen über jeden Zweifel erhaben, also zweifelsfrei! Und das ist im täglichen Leben fast nichts, und doch GLAUBEN wir alles zu wissen. Das ist das Schlüsselwort: ‚Glauben‘.
Wenn wir etwas zu wissen vorgeben, dann vertrauen wir nur darauf, dass es auch so ist, so war, so geschieht! Und das ist richtig so. Denn wenn wir erst alles auf Zweifelsfreiheit überprüfen würden, käme unser tägliches leben zum Stillstand. Also verwenden wir lieber das Verb wissen ‚falsch‘ als uns mit korrekteren aber umständlicheren Umschreibungen das Leben schwer zu machen.
Eines der wenigen Dinge die man tatsächlich zweifelsfrei weiß, ist das was in seinem eigenen Bewusstsein vor sich geht, also was man sich selbst gegenüber eingesteht. Dazu gehören z.B. Die Reue, die Lüge und auch die Liebe und der Hass.
Das ist aber nur der erste Teil der Komplexität.
Das Wissen selbst teilt sich dann in viele Teilgebiete auf. Um nur einige zu nennen: ex- und implizites Wissen, Bild- und Funktionswissen, Bildungs- und Fachwissen u.a.
Hier berühren sich dann die Verben ‚kennen und wisswn‘. Vieles weiß man und kennt es nicht und manches kennt man und weiß nichts darüber.
Es bleibt einem also nichts anderes über, als beim Gebrauch von ‚kennen‘ und ‚wissen‘ mit etwas Vorsicht die Sprachgepflogenheiten von gutem Deutsch zu übernehmen.

Hallo Wladimir,

ein Nebenaspekt, der aber recht wichtig ist: man kennt Personen, man weiß sie nicht.

Grüße, Thomas

Gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen „wissen“ und
„kennen“?

Kennen tut man Dinge, wissen tut man Sachverhalte.

Ich kenne X.
Ich weiß, daß X.

„Ich weiß seinen Namen“ ist wohl kurz für „Ich weiß, wie sein Name lautet“.

Gruß
dataf0x

Hallo Wladimir!

Meine Vorposter haben natürlich alle Recht. Ich möchte nur noch den grammatikalischen Unterschied hervorheben - so erkläre ich es jedenfalls gern meinen ausländischen Schülern (besonders den englischsprachigen, die ja nur das „know“ kennen):

„kennen“ + direktes (=Akkusativ-) Objekt (ich kenne XY)

„wissen“ + Nebensatz (ich weiß, dass …/ Ich weiß nicht, ob …)

Liebe Grüße, Karin