Wissenswertes zum Improvisieren!

Liebe Musikfreunde,
ich habe folgendes Problem.Ich kann sehr gut Klavier mit Noten spielen, aber irgendwie möchte ich jetzt auch selbst schöpferisch tätig sein und improvisieren…

Leider fehlen mir dazu die notwendigen Wissengrundlagen…

Könntet ihr mir vielleicht Grundlagen themenweise auflisten, sodass ich sie abarbeiten kann, damit ich das nötige Wissen habe, um improvisieren zu können.

Vielen Dank
Kira

Hallo.

Leider fehlen mir dazu die notwendigen Wissengrundlagen…

Kann ich mir (fast) nicht vorstellen. Zunächst einmal ist es eine gute Grundlage, sich mit Tonleitern zu befassen; als Kladreispieler hast Du das bestimmt schon getan.

Schauen wir mal die Grundlage einer typischen Blues- Improvisation an : Die „berühmten“ drei Grundakkorde werden verwendet, sagen wir mal D, G und A(7). Aus den Tonleitern dieser Akkorde kannst Du Dir sehr schnell eine funktionierende Pentatonik basteln, indem Du nur die fünf Töne nimmst, die allen drei Tonleitern gemeinsam sind. In unserem Falle

  • D-Dur = D, E, F#, G, A, H, C#

  • G-Dur = G, A, H, C, D, E, F#

  • A-Dur = A, H, C#, D, E, F#, G#

Es bleiben Dir fünf gemeinsame Töne (eben die Pentatonik) mit D, E, F#, A, H. Damit es auch nach Blues klingt und nicht nach Hans- Jochen, nehmen wir noch die große Septime des Grundtones D hinzu, was ein C ist (first „blue note“).

So, welchen dieser sechs Töne Du nun wohin spielst, ist für den Anfang erstmal Banane; es wird halberwegens vernünftig klingen. Wenn Du Dich in anderen Tonalitäten und Musikstilen bewegen willst, läuft es natürlich etwas Andreas. Aber Tonleitern sind kein Geheimmaterial und für die Improvisation eine prima Grundlage …

Gruß kw

Hallo,

interessante Frage. Ich selbst bin Gitarrist, komme ein wenig vom Blues, mache aber auch in Richtung Jazz, R&B und anderes.
Nach einigen Jahren Spielübung habe ich gespürt, dass das mit der Improviasation immer besser wird. Irgendwann kam dann auch das Gefühl, dass ich immer freier wurde vom ‚Handwerk‘. Was ich damit sagen will ist, dass sich das Improvisieren nicht erlernen lässt, im Gegenteil, man sollte sich sogar eher befreien von irgendwelchen Schemata, gleich ob sie auf Greiftechnik oder auf Musiktheorie basieren. Versuch mal, Dir zu einem Musikstück eine Melodie vorzustellen und versuche dann, diese nachzuspielen. Später wird es dann irgendwann auch gelingen, solche vorgestellten Melodien in ‚Echtzeit‘ zu spielen.

Gruß

Dieter

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Kira,

ich schließe mich der Meinung des Vorposters an: Improvisieren kann man nicht bzw. kaum lernen. Mit dem Wörtchen „kaum“ will ich Dir die Hoffnung nicht nehmen: vielleicht hat ja auch Oki in gewisser Weise Recht, über die Harmonien Dir einen wegzududeln.

Wir hatten einen Nach-Noten-Musiklehrer, der auch mal bei den Jazzern (wir machten damals einfach Dixieland) mitjazzen wollte. Er erntete meistens ein müdes Lächeln: er war weder frei noch intuitiv veranlagt, weil er eben ein Musikerleben lang an den Noten klebte. Improvisieren in der Gruppe (Jam Session) hangelt sich meist an der Melodie entlang, also dem Leid-Thema (absichtlich falsch geschrieben), wie es in der Klassik heißt. Vereinfacht gesagt, wäre schon ein Triller der Beginn der Improvisation, oder das Einfügen von Triolen oder Synkopen. Ich kann Dir nur empfehlen: schmeiß alle Noten weg, hör Dir einfach Jazzstücke an (nicht unbedingt Take-Five) und jazze in Deinem stillen Kämmerlein mit. Bei mir fing das witzigerweise am Cello an. Immer wenn es dunkel wurde und ich kein Licht machen wollte, waren die Etüden nicht mehr gefragt. Als ich dann endlich durch die Benny-Goodman-Story verhext mir eine Klarinette zulegte, war es eben passiert. Im Schulorchester gab es noch Blechbläser, den Pianisten und ein Drummer war auch bald gefunden: fertig war die Band. Und was war ich aufgeregt, als ich auf der Klarinette meinen ersten Einsatz zur Improvisation bekam…der Einsatzton war ein Halbton daneben, aber ich zog ihn seelenruhig hoch und der Pianist grinste sich einen weg. Genau das Element gibt es nämlich im Jazz.

ich habe folgendes Problem.Ich kann sehr gut Klavier mit Noten
spielen, aber irgendwie möchte ich jetzt auch selbst
schöpferisch tätig sein und improvisieren…

s.o. Noten weglegen und vor sich hinträumen (musikalisch mit den Fingern auf den Tasten) …

Leider fehlen mir dazu die notwendigen Wissengrundlagen…

Ich halte überhaupt nichts von Theorie, sondern von learning by doing.

Könntet ihr mir vielleicht Grundlagen themenweise auflisten,
sodass ich sie abarbeiten kann, damit ich das nötige Wissen
habe, um improvisieren zu können.

Oki hat es ja unten getan. Würde mich interessieren, ob dieser Ansatz funzt. Frei musizieren muss von innen herauskommen, ein Sendungsbewusstsein treibt dich zur Message mit Noten, Deine musikalischen Gefühle Deinen Zuhörern zu vermitteln. Wenn sie mitgehen, mitjammern und -schmachten, nicht mehr mit den Nachbarn quasseln, sondern zuhören: dann bist Du ein echter Mucker.

Gruß Richard
(Jazz auf der Schwarzwurzel)

Hallo Richard,

genau dem kann ich auch beipflichten. Handwerk und Theorie ist zwar eine gute Basis. Dann sollte man sich befreien und dem Feeling seinen Lauf lassen. Deshalb sind meiner Meinung nach auch nicht unbedingt die schnellsten Gitarristen die besten, sondern diejenigen, die am meisten Ausdruck in ihre Soli bringen.

Gruß

Dieter

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi Kira,

Leider fehlen mir dazu die notwendigen Wissengrundlagen…

nö, die Traute :wink:

Könntet ihr mir vielleicht Grundlagen themenweise auflisten,
sodass ich sie abarbeiten kann, damit ich das nötige Wissen
habe, um improvisieren zu können.

es wurde schon geschrieben.
Nimm irgend ein Lied oder ein Thema.
Geh in einen schalldichten Raum.
Klimper rum.
Immer wieder.
Ich sagte doch Du sollst nicht aufhören!!!

Irgendwann wird es besser.

So und nicht anders geht es.

Gandalf

Hallo

Damit es auch nach Blues
klingt und nicht nach Hans- Jochen, nehmen wir noch die große
Septime des Grundtones D hinzu, was ein C ist (first „blue
note“).

die kleine Sept von D ist C
die große Sieben von D ist C#

Ansonsten stimme ich zu. Improvisieren von sich aus zu lernen und zu praktizieren geht solange gut bis man mit anderen musikern zusammen spielt. Ich bin Bassist und mich nerven Blues Sessions oft weil es immer das selbe in rot blau und grün ist (I IV V). Stimmt die harmonische (von mir aus auch theoretische) Grundlage lässt es sich zusammen musizieren. Ansonsten pfuscht immer jemand dem anderen ins Konzept. Und selbst beim Free-Jazz gibt es Regeln. Klingt komisch - ist aber so.
Man sollte sich davon verabschieden wehement die Theorie zu verneinen, der Grund „das klingt ja gar nicht richtig“ und „das ist zu kompliziert“ sind die häufigsten Argumente dagegen. Ich weiss wovon ich spreche.
Theorie drängt den den Bauch nicht zurück. Es gibt solche und solche.
Entweder rattert man die Pentatonik rauf und runter oder man spielt
wirklich „sehr interessante“ Töne. Außerdem gibt es von der Theorie her keine wirklich falschen sondern wenn nur interessanten Töne. (So zum beispiel ein A-Dur mit C# im Bass oder die maj bei d-moll).

Ich tät mir therorie bisschen draufschaffen und dann dieses Material verwenden um Musik zu machen.
Theorie schränkt bloß den eine, der sie nicht versteht (Werf ich so mal in den Raum)

Musik bedeutet beides: WAS und WIE.

Max