Hallo Kira,
ich schließe mich der Meinung des Vorposters an: Improvisieren kann man nicht bzw. kaum lernen. Mit dem Wörtchen „kaum“ will ich Dir die Hoffnung nicht nehmen: vielleicht hat ja auch Oki in gewisser Weise Recht, über die Harmonien Dir einen wegzududeln.
Wir hatten einen Nach-Noten-Musiklehrer, der auch mal bei den Jazzern (wir machten damals einfach Dixieland) mitjazzen wollte. Er erntete meistens ein müdes Lächeln: er war weder frei noch intuitiv veranlagt, weil er eben ein Musikerleben lang an den Noten klebte. Improvisieren in der Gruppe (Jam Session) hangelt sich meist an der Melodie entlang, also dem Leid-Thema (absichtlich falsch geschrieben), wie es in der Klassik heißt. Vereinfacht gesagt, wäre schon ein Triller der Beginn der Improvisation, oder das Einfügen von Triolen oder Synkopen. Ich kann Dir nur empfehlen: schmeiß alle Noten weg, hör Dir einfach Jazzstücke an (nicht unbedingt Take-Five) und jazze in Deinem stillen Kämmerlein mit. Bei mir fing das witzigerweise am Cello an. Immer wenn es dunkel wurde und ich kein Licht machen wollte, waren die Etüden nicht mehr gefragt. Als ich dann endlich durch die Benny-Goodman-Story verhext mir eine Klarinette zulegte, war es eben passiert. Im Schulorchester gab es noch Blechbläser, den Pianisten und ein Drummer war auch bald gefunden: fertig war die Band. Und was war ich aufgeregt, als ich auf der Klarinette meinen ersten Einsatz zur Improvisation bekam…der Einsatzton war ein Halbton daneben, aber ich zog ihn seelenruhig hoch und der Pianist grinste sich einen weg. Genau das Element gibt es nämlich im Jazz.
ich habe folgendes Problem.Ich kann sehr gut Klavier mit Noten
spielen, aber irgendwie möchte ich jetzt auch selbst
schöpferisch tätig sein und improvisieren…
s.o. Noten weglegen und vor sich hinträumen (musikalisch mit den Fingern auf den Tasten) …
Leider fehlen mir dazu die notwendigen Wissengrundlagen…
Ich halte überhaupt nichts von Theorie, sondern von learning by doing.
Könntet ihr mir vielleicht Grundlagen themenweise auflisten,
sodass ich sie abarbeiten kann, damit ich das nötige Wissen
habe, um improvisieren zu können.
Oki hat es ja unten getan. Würde mich interessieren, ob dieser Ansatz funzt. Frei musizieren muss von innen herauskommen, ein Sendungsbewusstsein treibt dich zur Message mit Noten, Deine musikalischen Gefühle Deinen Zuhörern zu vermitteln. Wenn sie mitgehen, mitjammern und -schmachten, nicht mehr mit den Nachbarn quasseln, sondern zuhören: dann bist Du ein echter Mucker.
Gruß Richard
(Jazz auf der Schwarzwurzel)