Wo bleibt denn das ganze Geld?

In Zeiten wie diesen macht sich unsereiner sicher mehr Gedanken über das ganze Geldgeschäft in der Welt als an anderen Tagen.
Meine Frage - sicher für Experten eine absolute Anfängerfrage - ist die folgende:

Was passiert denn mit dem Geld, das die Unternehmen gestern noch mehr wert waren als heute, nun da ihr Aktienwert gesunken ist. Wo ist denn das Geld hin, das gestern noch im Aktienfond war? Wem „gehört“ das denn jetzt?
Warum ist ein Unternehmen nun 7% weniger wert als noch vor einem Tag? Denen sind ja nicht über Nacht mehrere Gebäude abgebrannt, sodass sie nun tatsächlich einen Wertverlust zu beklagen hätten.
Oder kann Geld von heute auf morgen einfach weg sein? Was ist denn dann Geld überhaupt, wenn es ja nichts fest greifbares ist?
Gibt es zu dem Thema Literatur oder Filmmaterial, das einem diese ganze Sache näherbringen kann?
Vielen Dank
pefi

Hallo,

Was passiert denn mit dem Geld, das die Unternehmen gestern
noch mehr wert waren als heute, nun da ihr Aktienwert gesunken
ist. Wo ist denn das Geld hin, das gestern noch im Aktienfond
war? Wem „gehört“ das denn jetzt?

es geht nicht um Geld sondern um Werte und die Werte sind einfach verschwunden. So in etwa: *puff*

Wenn Du eine wertvolle Vase fallen läßt, ist sie kaputt und ihr Wert ist dahin. Der Wert einer Aktie wird einerseits durch das Vermögen des Unternehmens bestimmt und andererseits durch die Zukunftsaussichten, d.h. Erträge und damit Gewinne. Kurzum: es geht um Erwartungen.

Diese Erwartungen haben sich in den letzten Wochen und Monaten geändert. Viele gehen davon aus, daß das Wirtschaftswachstum verlangsamen wird, was natürlich Einfluß auf die Ertragslage der Unternehmen hat. Die Gewinnerwartungen gehen zurück, damit sinkt der Unternehmenswert und damit letztlich der Aktienkurs.

Oder kann Geld von heute auf morgen einfach weg sein? Was ist
denn dann Geld überhaupt, wenn es ja nichts fest greifbares
ist?

Es gibt einen Unterschied zwischen Wert und Geld. Geld verschwindet nicht einfach, Wert sehr wohl.

Gruß
Christian

Hallo erstmal,

Was passiert denn mit dem Geld, das die Unternehmen gestern
noch mehr wert waren als heute, nun da ihr Aktienwert gesunken
ist. Wo ist denn das Geld hin, das gestern noch im Aktienfond
war? Wem „gehört“ das denn jetzt?

Es ist NUR Anders verteilt. In guten Zeiten stellen hohe Aktienkurse so eine Art Magnet dar, wo sämtliches Geld an einer Stelle zusammengehalten wird. Kommt es zu einer „Krise“, bzw. zu Anzeichen, dass der Magnet nicht mehr richtig funktioniert, fällt das Kapital ab und verteilt, verflüchtigt sich in nahezu alle Richtungen und dies mit einer sehr hohen Streuung. Ist ja auch klar: Es gibg eine Aktie, aber wenn hier die Aussichten schlecht sind, muss das Geld irgendwo anders hin. Und da gibt es schier unzählige Möglichkeiten. Daher „versickert“ das Kapital dann. Es ist aber nicht „verbrannt“, wie immer geschrieben wird. Es ist noch da, nur eben nicht mehr so gut auf einem Punkt (Aktie) zentriert und damit sichtbar.

VG
Sebastian

Moin, pefi,

jede Ware ist genau das wert, was ein Käufer dafür bezahlen möchte - nicht mehr und nicht weniger.

Wer da behauptet, es wäre Geld verschwunden („Vermögen vernichtet!“), der hat halt nur die Hälfte begriffen. Hinter dem Börsenwert, auch Marktkapitalisiserung genannt, verbirgt sich kein Wert, sondern eine kollektive Wertschätzung - ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Da Geld ja nicht verschwinden kann, ist die Frage, wo es geblieben sei, ganz einfach zu beantworten: Bei denen, die zum richtigen Zeitpunkt verkauft haben.

Gruß Ralf

Hallo,

Was passiert denn mit dem Geld, das die Unternehmen gestern
noch mehr wert waren als heute, nun da ihr Aktienwert gesunken
ist. Wo ist denn das Geld hin, das gestern noch im Aktienfond
war? Wem „gehört“ das denn jetzt?

So lange eine Aktie im Depot ist, hat sie ja prinzipiell erst einmal keinen Wert. Man hat irgendwann mal Geld dafür bezahlt. Das Geld ist bei der Bank, und die wird es wohl an die Börse weitergegeben haben. Jedenfalls ist das Geld erst einmal weg. Auch wenn die Aktie im Depot noch so sehr steigt - bevor man sie nicht verkauft, hat man damit keinen Gewinn gemacht.

Es ist also nicht tatsächlich Geld vernichtet worden. Nur die Buchgewinne - also die theoretischen Gewinne - sind zusammengeschrumpft.

Warum ist ein Unternehmen nun 7% weniger wert als noch vor
einem Tag? Denen sind ja nicht über Nacht mehrere Gebäude
abgebrannt, sodass sie nun tatsächlich einen Wertverlust zu
beklagen hätten.

Das ist es ja nicht. Aber sehr oft sind Aktien überbewertet. Eine Aktie hat ja einen inneren Wert, der durch die Vermögenswerte des Unternehmens (Maschinen, Gebäude, Geld, etc.) gedeckt ist. Wenn man das alles verkaufen würde, dann würde man dafür ja einen bestimmten Preis bekommen. Den teilt man durch die Anzahl der Aktien und erhält einen tatsächlichen Wert von beispielsweise EUR 20,- für eine Aktie.

Nun steigt aber die Aktie an der Börse, weil jeder glaubt, dass sie noch weiter steigt, und sie deshalb kauft, wodurch sie wieder steigt, wodurch wiederum mehr Leute glauben, dass die Aktie auch in Zukunft steigen wird, und sie kaufen. Natürlich verkaufen auch mal welche, deshalb geht der Kurs zwischendurch immer wieder einmal nach unten. Aber prinzipiell geht dieses Spiel eine ganze Weile so weiter. Bis es eben irgendwann nicht mehr gut geht -> Crash am Aktienmarkt.

Wenn man eine Aktie mal für einen Preis bekommt, der unter ihrem inneren Wert liegt, sollte man zuschlagen. Ansonsten kann man auch kaufen, aber wie gesagt, irgendwann geht es eben nicht mehr gut.

Was ist denn dann Geld überhaupt, wenn es ja nichts fest greifbares
ist?

Ein diskursives Konstrukt? Du kannst ja mal nach Jelinek, „der Staat als diskursives Konstrukt“ googeln. Ich denke nämlich, dasselbe gilt auch für Geld.

Geld ist eigentlich nur bedrucktes Papier. Es hat nur dadurch einen Wert, dass jeder glaubt, es habe einen Wert.

Schöne Grüße

Petra

Was nicht zurückfließt verfestigt den Aktienindex.

Die stetig zunehmende Umlaufgeschwindigkeit des Wertpapierhandels erzeugt ab einer gewissen Zeit die Sorge, dass das Geld nicht direkt wertseigernd in solides Firmenkapital investiert wird, sondern zunehmend erst über Kreditgeschäfte. Die dabei sehr zögerliche Rückführung dieser Geldern führt zu einem um so mehr zunehmenden Vertrauensverlust der Kapitalanleger, je länger die Tilgung auf sich warten lässt. Die Kreditgeber überbrücken diese zeit durch eigene Aktiendirektverkäufe. Der Wert dieser Aktien sinkt, je geringer die Nachfrageseite ausfällt. Während dieser Zeit fließt ein Teil des auf dem Kreditmarkt ´versickerten´ Geldes aufgrund von Konkursverfahren wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Zum anderen verfestigt der andere Teil des Geldes druch ruckweise verlangsamendes Absinken den Aktienindex, welcher die Verkaufswilligen von zusätzlichen Verkäufen aus Angst vor weiteren Substanzverlusten abhält. Angebot und Nachfrage ist wieder ausgeglichen.

Gruß
guvo

Hallo Pefi,

es sollte einem bewußt sein, dass in der Regel nur ein geringer Prozentsatz eines Unternehmens aktiv gehandelt wird. Der Rest liegt in Depots fest. Sagen wir mal 5% der Aktien eines Unternehmens sind überhaupt kaufbar oder zu verkaufen zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Der Aktienmarkt ist nun das transparente Werkzeug, um einen Preis dafür zu bestimmen. Die Verkäufer geben dem Aktienmarkt das Signal, dass sie zu einen bestimmten Preis zu verkaufen gewillt sind, finden sich jetzt zu diesem Preis ausreichend Käufer, wird der Handel vollzogen (und das Gesamtunternehmen ist nach landläufiger Meinung auf dem Papier das Produkt aus Gesamtanzahl Aktien*aktueller Preis „wert“).

Aber ist das tatsächlich so? Gibt es für jedes Unternehmen für diesen Preis einen Gesamtkäufer? Wohl kaum …

Also ist das alles nur eine Buchbetrachtung. Kommt es jetzt einseitig zu einem kurzzeitigen Ungleichgewicht, kann ein rel. kleiner Ausschlag große Wirkung auf den Buchwert haben. Sprich: Plötzlich müssen nicht 5% der Aktien sondern 7% der Aktien verkauft werden, es gibt aber nur für 5% zum alten Preis Kaufinteressierte. Automatisch wird der Preis drastisch sinken und damit der Papierunternehmenswert.

Wer hat aber in diesem Moment einen wirklichen Verlust: Bestenfalls die Besitzer der 7%, die verkaufen mussten. Der Rest ärgert sich über den Buchverlust und wartet bei einem gesunden Unternehmen, bis es wieder raufgeht oder steigen halt auch aus. Ggf. sind diese ja bei einen Kaufpreis von 10% des letzten Handelspreis eingestiegen. Haben die jetzt Geld verloren? Nein, sollten sie jetzt verkaufen, haben sie halt weniger Geld gewonnen, mehr nicht …

Grüße
Jürgen

PS: Auch große Vermögen von einzelnen Unternehmern sind auf dieser Basis zweifelhaft. Gäbe es z.B. irgendjemanden, der wirklich an 100% Microsoft interessiert wäre, wenn jetzt B. Gates und die anderen schlagartig ihre Aktien auf den Markt schmissen? Das Unternehmen möchte ich sehen, das das stemmen könnte und wollte …

Wenn man von unten her liest, ist das die erste sinnige Erklärung!
Mal sehen, was es noch für Geldvernichter gibt :smile:))

Hallo,

Wenn man von unten her liest, ist das die erste sinnige
Erklärung!

Aha, könntest Du diese „Kritik“ auch mal ein bisschen substanziieren ?
Was war an den ersten beiden Beiträgen (von unten gelesen) so unsinnig ?

Wenn man von unten her liest, ist das die erste sinnige
Erklärung!

Gefragt wurde nicht nach dem SINN sondern nach dem VERBLEIB des Geldes.

Gruß
guvo