Wo gehen die Zinseinnahmen der EZB hin?

Hallo,

die EZB steht ja am Ende der Geldschöpfung. Wenn die EZB Geld an Banken verleit, verlangt sie Zinsen. Mit diesen Zinsen steuert sie den Geldmarkt (Geldmenge). Was passiert aber dann mit diesen Zinseinnahmen? Werden sie vernichtet, also sind sie nur zur Steuerung da, oder „verdient“ jemand (Staaten?) daran?

Bei der FED ist es ja z.B. so, dass private Banken die Anteilseigner sind. Verdienen dann die Privatbanken an ihrer eigenen Kreditaufnahme?

Danke schonmal.

Hallo,

also „vernichtet“ wird erst mal gar nichts. Geld kann man nicht einfach so wegzaubern.

Die Zinseinnahmen der Kredite an die Geschäftsbanken der Eurozone sind einer von vielen Posten der Gewinn-und Verlustrechnung der EZB, da unterscheidet sie sich nicht von „normalen“ Banken.

Ich meine, die EZB schüttet ihren Gewinn zumindest teilweise wieder an die nationalen Zentralbanken, die dann darüber verfügen, und einen Teil davon an die jeweiligen Regierungen ausschütten.

Näheres findet man sicher auf der Webseite der EZB.

Grüßle

also „vernichtet“ wird erst mal gar nichts. Geld kann man
nicht einfach so wegzaubern.

Also abgesehen davon, dass der Rest wohl mehr oder weniger stimmt - natürlich kann man Geld wegzaubern!

Z.B. angenommen, die Zentralbank hat als Aktivposten eine Forderung an ein Kreditinstitut (weil sie ihm was geliehen hat) und als Passivposten eine ebenso hohe Einlage des Kreditinstituts. Die Forderung wird fällig. Puff! sind Forderung und Einlage (= Geld) weg.

Grüße,
Sebastian

Also abgesehen davon, dass der Rest wohl mehr oder weniger
stimmt - natürlich kann man Geld wegzaubern!

Guter Punkt.

Die EZB reicht den Gewinn tatsächlich an die angeschlossenen nationalen Zentralbanken weiter, wie etwa hier berichtet:

http://www.welt.de/wirtschaft/article759180/Bundesba…

ciao,
Dirk

Ok, also im Endeffekt lassen sich die EZB-Staaten für den Dienst des Geld-in-Umlauf-bringens eine Art Gebühr bezahlen, deklariert als Zinsen.

Wenn selbst dort Geld nur gegen Gewinn verliehen wird, hat man das Gefühl dass das ganze System nur auf Schulden aufgebaut ist. Und über die Zinsen auf allen Ebenen wird ja eigentlich ständig mehr Geld „generiert“, als realer Gegenwert existiert. Sagen wir mal, eine Firma weil ein Produkt im Wert von 100.000 Euro produzieren. Es geht zu seiner Bank, die verlangt für das Darlehen zur Deckung der Produktionskosten 5% Zinsen. Die Bank geht zur EZB, holt sich die 100.000 Euro aus der Druckerpresse und zahlt darauf 1% Zinsen.

Somit werden 106.000 Euro „produziert“, aber nur ein realer Gegenwert von 100.000 Euro. Ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftsleistung und Geldmenge ist doch so gar nicht zu erreichen, und die Diskrepanz wächst mit jedem Kreditgeschäft.

Somit werden 106.000 Euro „produziert“, aber nur ein realer
Gegenwert von 100.000 Euro. Ein Gleichgewicht zwischen
Wirtschaftsleistung und Geldmenge ist doch so gar nicht zu
erreichen, und die Diskrepanz wächst mit jedem Kreditgeschäft.

Erstens wird normalerweise (im Moment ist das ein bißchen anders) nur das bei der EZB geliehen, was man auch wieder verleihen kann. Zweitens nehmen die Kreditnehmer nur dann einen Kredit auf, wenn sie a) entweder damit eine Investition tätigen, die ihnen mehr an Rendite bringt als der Kredit kostet oder b) wenn sie sich davon etwas kaufen wollen. Der Verkäufer wiederum hat dafür Waren eingekauft, Personal bezahlt usw.

Das ganze ist also durchaus real und auch mit Wirtschaftsleistung verbunden.

C.

Die Bank
geht zur EZB, holt sich die 100.000 Euro aus der Druckerpresse
und zahlt darauf 1% Zinsen.

Die Geschäftsbank geht gar nicht zur Zentralbank, sondern schöpft das Geld selber. Dafür hinterlässt sie eine Mindestreserve für diese geschöpfte Geld bei der Zentralbank. Die Bank geht erst zur EZB und holt sich die Banknoten, wenn der Empfänger das Geld abhebt. Ein Kredit ist nichts weiter als ein Posten in der Bilanz auf der Aktivseite der Geschäftbank und eine Gutschrift auf der Passivseite des Kunden.

Die Geldmenge hat erst mal wenig mit den produzierten Waren zu tun. Kauf ich mir Wertpapiere eines Unternehmens, erwerbe also Anlagevermögen, wird real Geld vernichtet. Geld, was vorher im Kreislauf war, ist nun weg. Gleiches passiert oben, wenn der Kredit wieder zurückgezahlt wird. Dann sind die 100.000 weg, vernichtet. Das Vermögen ist aber da.

Das ist eine Verkürzung der Bilanzsumme. Das ist nicht das was ich unter „vernichtet“ verstehen würde.

Tatsache ist, dass die Vereinnahmung der Zinsen eine Bilanzverlängerung verursacht, die nicht einseitig ( ! ) , also nur auf einer Bilanzseite , rückgängig gemacht werden kann.

Hey Christian, wir sollten ein Kreuz in den Kalender machen.

Kommt ja nicht so oft vor, dass ich einen Beitrag von Dir uneingeschränkt unterschreiben könnte -)

Wenn es Dir nur darum geht, über deine, meiner Meinung nach falsche These , dass ein auf Zinsen basierendes Geldsystem nicht funktionieren kann, zu diskutieren, warum schreibst Du das nicht gleich in deine erste Frage rein. Dann antworte ich erst gar nicht.

Somit werden 106.000 Euro „produziert“, aber nur ein realer
Gegenwert von 100.000 Euro. Ein Gleichgewicht zwischen
Wirtschaftsleistung und Geldmenge ist doch so gar nicht zu
erreichen, und die Diskrepanz wächst mit jedem Kreditgeschäft.

Das gilt nur dann, wenn der Zinsempfänger (Gläubiger) die Zinsen wieder neu anlegt, nicht aber, wenn er dafür konsumiert.

Und die Zinseinnahmen der EZB gehen (als Gewinne) eh an die Staaten, die im ausgeben immer ganz gut sind.