Hallo,
wo ist denn in einem Konzertsaal die beste „Akkustik“ und warum ist sie dort besonders gut?
Vor allem, wie muss ein Konzertsaal aufgebaut sein, damit die „Akkustik“ gut ist. Möglichst würfelförmig würde ich sagen, damit die Reflexionen von Decke und Wand möglichst gleich ankommen und nicht noch zusätzlich verzerrt werden.
Wie seht ihr das Problem.
Danke für jede Antwort.
Moin, Tim,
die Akustik in einem Konzertsaal wird ganz wesentlich bestimmt durch die Mischung von direktem und refektiertem Schall, wie sie beim Hörer ankommt. Diese Größen sind abhängig von der Frequenz, somit ließe sich für jeweils eine (in Worten: 1) Frequenz und einen (in Worten: 1) Sitzplatz im Saal angeben, welche Akustik dort herrscht. Musik besteht aber erfreulicherweise aus einem wirren Gemisch von Tönen (und Geräuschen), zudem soll ein Konzertsaal möglichst vielen Zuhörern Freude bereiten.
Die Konstruktion eines Konzertsaales ist ein überaus komplexer Kompromiss, noch dazu einer, der sich mathematisch nicht erfassen lässt. Wer’s kann, ist ein Künstler und bekommt dafür Unmengen an Geld. Und Ruhm.
Gruß Ralf
Hallo Tim,
da vieles bei Akustik Geschmacksache ist, kann es DIE beste Akustik nicht geben, weder für einen Konzertsaal, noch für einen bestimmten Platz. Zudem wird für unterschiedliche Zwecke auch eine unterschiedliche Akustik benötigt.
Ein paar Grundregeln gibt es aber schon, die aber leider auch nicht immer beachtet werden:
Gut ist es wenn beim Hörer viel frühe Reflexionen nicht zu spät nach dem Direktschall ankommen. Die Schallreflexionen sollten auch aus unterschiedlichen Richtungen eintreffen.
Ganz schlecht ist dagegen, wenn etwa einige Wände so eine Art Hohlspiegel bilden, die denn Schall auf wenige Punkt Bündeln. Das hat z.B. die Lautsprecheranlage im damals neuen Plenarsaal in Bonn gar nicht gut vertragen. Dort war der untere Bereich mit Rundungen aus Glasscheiben gestaltet. Weiteres Gift für die Akustik sind einander gegenüberliegende parallele Wände. Da flattert der Schall dann hörbar hin und her. Prominentes Beispiel: Diesmal der oberere Bereich des eben erwähnten Saals.
Einer der wichtigsten raumakustischen Parameter ist die Nachhallzeit. Aber auch hier gibt es nur Anhaltspunkte für unterschiedliche Zwecke, aber keine definitiven Ideale.
Viele Grüße
Stefan
Hallo Ralf,
Die Konstruktion eines Konzertsaales ist ein überaus komplexer
Kompromiss,
Zustimmung.
noch dazu einer, der sich mathematisch nicht
erfassen lässt.
Es gibt Simulationsprogramme, die teils mit Spiegelschallquellen arbeiten, teils mit Strahlverfolgung. Für die späten Anteile der Raumimpulsantwort gibt es statistische Ansätze. Also viel Physik mit noch mehr Mathematik.
Wer’s kann, ist ein Künstler
… ist ein Wissenschaftler.
und bekommt dafür
Unmengen an Geld.
Wahrscheinlich nicht soviel Geld wie der Architekt, der die Säle baut, die dann ein Raumakustiker wieder reparieren muss.
Und Ruhm.
Ich habe ein paar von solchen Leuten kennen gelernt. Berühmt sind eigentlich keine davon.
Gruß
Stefan
Hallo Stefan,
Also viel Physik mit noch mehr Mathematik.
aber immer noch mit viel Fingerspitzengefühl und noch mehr Intuition begleitet.
Ich weiß jetzt aus dem Kopf welcher Konzertsaal es war, der nur aufgrund einer Simulation gebaut wurde und klang wie ein Kochtopf.
Wer’s kann, ist ein Künstler
… ist ein Wissenschaftler.
Sicher beides. Es gibt Menschen, die die Akkustik eines Raumes ‚fühlen‘ können. wenn dann noch etwas Physik dazukommt, wird das Ergebnis sicher gut.
Johann Sebastian Bach war z.B. ein Mensch, der die Akkustik spürte.
Gandalf
Moin. Stefan,
Es gibt Simulationsprogramme, die teils mit
Spiegelschallquellen arbeiten, teils mit Strahlverfolgung. Für
die späten Anteile der Raumimpulsantwort gibt es statistische
Ansätze.
nützt aber nix, nützt gaar nix. Oder kennst Du einen Saal, der so konstruiert wurde und gut klingt?
Die Komplexität ist doch noch viel schlimmer: Phasenverschiebungen, beliebig viele Reflexionswege und und und, von Möblierung und dem Publikum gar nicht erst zu reden. Da kann eigentlich nur der Vertriebsmann eine Lösung versprechen.
die dann ein Raumakustiker wieder reparieren muss.
Was machen die genau? Ich vermute doch, dass die mit Einbauten und Materialien experimentieren, aber keine Räume entwerfen.
Gruß Ralf
Hallo Ralf,
nützt aber nix, nützt gaar nix. Oder kennst Du einen Saal, der
so konstruiert wurde und gut klingt?
Ich kenne einen Akustiker, der sich ziemlich darüber aufregt, dass er bei der Planung zu teuer ist und wenn dann der Bau steht und die Akustik past nicht, dann soll er was machen, das es schön klingt.
Dass es dieses und nicht so häufig gibt, liegt also auch daran, das die Akustiker zu spät um Rat gefragt werden.
Fürs „gut klingen“ gibt es natürlich auch kein objektives Maß.
Die Komplexität ist doch noch viel schlimmer:
Natürlich das ist der erste Hauptsatz der Simulationstechnik:
Verwechsle nie das Modell mit der Wirklichkeit! Merke: Du sollst nicht die Speißekarte aufessen.
Viele Grüße
Stefan