Wo kommt die Gefühlswallung her?

Hi ihr alle,

ich weiß nicht, ob das nicht zu L&L gehört - aber wenn ich so lese, Orgasmen mit dem „Richtigen“, Penismessen - da poste ich meine Frage lieber hier :smile: - passt eigentlich auch besser, denke ich.

Also: Ich habe ganz oft und heute schon wieder gelesen ( egal ob Krimis, Romane, kurze zT autobiografische Erzählungen zu Partnerschaften/ Lieben/ Eifersucht…) und auch erzählt bekommen (zum Glück noch nicht selber erlebt, Holzklopf Holzklopf…):

Wenn ein Mann (andersherum habe ich noch nicht so etwas erzählt bekommen… - daher weiß ich nichts darüber) fremdgegangen ist - und dies auch mehrmals oder einmal, aber schon „merkend“, dass er es wieder tun möchte, mit derselben Frau -

ich lese/ höre immer wieder:

Wenn der jenige dann wieder zu Hause ist, bei seiner Freundin oder Frau, dann kommen ziemlich starke Gefühle von Liebe hoch. Heißt es immer wieder. Ich finde es so seltsam - dass oft direkt nach dem Fremdgehen mit einer sehr begehrten Frau, auch über Wochen, Männer so etwas zu erleben scheinen - zu Hause sein und plötzlich (klassischer Satz) zu denken/ fühlen:
„Ich wusste vorher nicht, dass ich meine Freundin so sehr liebte.“

Ich kann mir nicht denken, dass es schlechtes Gewissen oder NUR das sein soll.
Könnt ihr euch (und mir) erklären, was da innerlich passiert?

Gruß
Malna

Hallo Malna

Ich kann mir nicht denken, dass es schlechtes Gewissen oder
NUR das sein soll.
Könnt ihr euch (und mir) erklären, was da innerlich passiert?

Ich bin mal faul und zitiere Blaise Pascal „Das Herz hat seine
Gründe, die der Verstand nicht kennt.“

Gruss, Tychi

Glaubt man Freud…
Hallo Malna!

Mit Signaltheorie der Angst könnte man den Sachverhalt wie folgt erklären: Weil das Überich stark ist, entwickelt sich angesichts des unmoralischen Verhaltens Moralische Angst, die abgewehrt wird, in dem der Mann seine moralischen Gefühle verstärkt, oder auch nur verstärkt wahrnimmt und sie zeigt.
Ich selbst lehne das Modell insgesamt ab, denke aber, dass die obige aus ihm generierte Erklärung plausibel erscheint. Da aus Falschem Beliebiges folgt kann sie auch durchaus wahr sein. Vielleicht wirkt sie auch deshalb plausibel, weil dieser Teil des Modells relativ direkt aus Beobachtungen, wie der obigen verallgemeinert wurde. Auch sind es sei verschiedene Dinge, ob uns eine Erklärung den Eindruck vermittelt, wir würden etwas verstehen, und ob sie durch empirische Untersuchungen bestätigt werden kann. Erstere trifft vermutlich für viele Menschen und große Teile von Freuds Theorie zu; Letzeres ist hingegen eindeutig falsch: die Theorie entzieht sich der empirischen Falsifikation.

Viele Grüße
Falk

Hallo Falk!

Wieso entzieht sich Freuds Theorie der wissenschaftlichen Falsifikation?

Die Frage ist doch nur, ob es gelingt, die Theorie zu widerlegen.

Zudem würde auch nicht allzu skeptisch an die Geschichte rangehen, da Freud der einzige gewesen ist, der Dir anscheinend eine Theorie zur Erklärung des Phänomens an die Hand gegeben hat.

Und ein letztes: die Kognitionspsychologie ist ein (meine Meinung) gräßliches Sammelsorium an wilden Theorien, die denen eines Sigmund Freud in nichts nachstehen. Ob man nun über abstrakte Begriffe oder über Neurophysiologische Prozesse philosophiert macht meines Erachtens nach keinen Unterschied.

Lieben Gruß
Patrick

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Hallo!

Wenn der jenige dann wieder zu Hause ist, bei seiner Freundin
oder Frau, dann kommen ziemlich starke Gefühle von Liebe hoch.
Heißt es immer wieder. Ich finde es so seltsam - dass oft
direkt nach dem Fremdgehen mit einer sehr begehrten Frau, auch
über Wochen, Männer so etwas zu erleben scheinen - zu Hause
sein und plötzlich (klassischer Satz) zu denken/ fühlen:

Solches Verhalten ist eher unwahrscheinlich: eher müsste sich hier kognitive Dissonanz bemerkbar machen - und das lässt die beschriebene Reaktion unwahrscheinlich werden.

Dissonanz ist eine Art Selbstwahrnehmung, die einen inneren Konflikt aufzeigt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Menschen einiges tun, um Dissonanz im Nachhinein zu vermeiden. In der beschriebenen Reakltion würde sie sich aber erhöhen.

Einmal vorrausgesetzt, man hat sich gegenseitig Treue versprochen, dann steht der „Betrug“ an der Partnerin eben in Dissonanz zu diesem Versprechen (und eventuell zu den vorhandenen positiven Emotionen, die man für die Partnerin hegt).

Wahrscheinlicher Ausweg könnte es sein, dass man die Partnerin herabsetzt („sie hat selbst Schuld, dass ich sie betrüge“).

Also würde ich dieser Beschreibung der Trivialliteratur keine besondere Beachtung zuschreiben.

Lieben Gruß
Patrick

Hallo Falk!

Wieso entzieht sich Freuds Theorie der wissenschaftlichen
Falsifikation?

Die Theorie beschreibt abstrakte Begriffe, und beinhaltet wenige empirisch prüfbare Vorhersagen. Diese müssen geschlussfolgert werden. Dazu sind Interpretationen nötig. Die zahlreichen Interpretations- und Auslegungsmöglichkeiten immunisierendie die Theorie. Es ist zwar möglich ein Ereignis, dass eingetreten ist zu erklären, aber nicht möglich vorherzusagen, welches Ereignis aufgrund der Theorie eintreten müsste. Außerdem müsse jeweils die angemessene Theorie gewählt werden. Wenn sich das Ereignis also nicht mit der Signaltheorie der Angst erklären lässt, dann wird eine andere Theorie gewählt. Da die Theorien auch einander widerpsrechende Vorhersagen erlauben, kann praktisch alles erklärt werden: Nichts kann im Widerpsruch zu der Theorie stehen. Deshalb ist sie auch nicht falsifizierbar. Eine weitere Immunisierungsstrategie: Man muss Arzt (was hier wohl Psychoanalytiker bedeutet) sein, um die Theorien richtig interpretieren zu können; somit sind Nicht-Psychoanalytiker unfähig die Psychoanalye zu widerlegen.

Viele Grüße
Falk

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hallo,

ich kenne Folgendes von mir selbst.

Habe bis vor paar Jahren von Monogamie nicht sehr viel gehalten.
Nach dem Abschweifen in und mit Affären hatte ich dann anschließend bei meiner angestammten Beziehungspartnerin wieder das Gefühl als wäre sie eine „neue“ Frau.
Aus der Retroperspektive würde ich für mich heute sagen, dass die zwischenzeitlich andere Haut unter den Fingerkuppen mich auf andere Sinneseindrücke einstimmte und mich die dann wieder „bekannte“ Frau als neu und wieder begehrlich erfühlen ließ.
Darüber hinaus hatte es für mich auch sehr viel mit Flucht und Ankern im Außen zu tun damit ich in der angestammten Beziehung nicht zu dicht an meine Gefühle (insbesondere Ängste) kommen mußte.
Mit „neuer Liebe“ hatte es für mich jedoch nichts zu tun, zumal ich damals nicht einmal annährernd wusste was diese Begrifflichkeit überhaupt für eine Bedeutung hatte.
Heute empfinde ich die Definition von Erich Fromm zum Begriff Liebe als ganz treffend !

Grüße
jwd

OT Freud…
oooh jaaaaaaaaaaa
eine Freud-Diskussion *reinstürz*

Die Ansprüche an eine psychologisch-wissenschaftliche Theorie lauten
Explizitheit, empirische Verankerung, Widerspruchsfreiheit, Prüfbarkeit, Vollständigkeit, Sparsamkeit, Produktivität, Anwendbarkeit.

Es geht also nicht nur darum, eine Theorie zu falsifizieren sondern sie auch zu verifizieren

Die Psychoanalyse hat zweifelsohne (zunächst mal wertfrei) das Problem, dass sie, u.a. aufgrund fehlender Testinventare, nicht überprüfbar ist. Zusätzlich gibt es Probleme bei der empirischen Verankerung und der Explizitheit (von der Sparsamkeit mal abgesehen *fg*) Freud war der Auffassung bei der Psychologie handele es sich um eine Naturwissenschaft, seine Theorien erfüllen aber die Ansprüche nicht. Also müsste es sich um eine andere Wissenschaft handeln. z.B. eine hermeneutische. Grünbaum hat das (1988) jedoch beeindruckend widerlegt. So finden sich auch Widersprüche.

Aber dann hat er den wohl entscheidenden Fehler begangen:
Hochmuth
Rosenzweig hat das Verdrängungskonzept (aus seiner Sicht) empirisch bestätigen können (die Studie ist auch nicht ganz glatt, aber das ist ein anderes Thema) Die Antwort Freuds lautete: „Ich habe Ihre experimentellen Arbeiten zur Prüfung psychoanalytischer Behauptungen mit Interesse zur Kenntnis genommen. Sehr hoch kann ich diese Bestätigungen nicht einschätzen, denn die Fülle sicherer Beobachtungen, auf denen jene Behauptungen ruhen, macht sie von der experimentellen Prüfung unabhängig. Immerhin, sie kann nicht schaden“ (zitiert nach Kiener, 1978, S. 1200).

Interessant dabei außerdem der „freud’sche Versprecher“. Er selbst spricht von Behauptungen. Nicht von Theorien oder Wissenschaftlichkeit. Fülle ist ein äußerst deeeeeeeeeeeeeeehnbarer Begriff in diesem Zusammenhang.

Was auch immer die Psychoanalyse sein mag, sie ist nach den heutigen, gängigen Maßstäben weder Naturwissenschaft, noch Wissenschaft (im Sinne der Psychologie) noch Hermeneutik. Aber Denkanstoß.

Nicht prüfbare und damit nicht replizierbare Theorien finden allerdings auch in anderen anfechtbaren Bereichen Anwendung- der Religion z.B. (alte und neue Kirchen/Gruppen) weshalb dem ganzen ein „fader“ Beigeschmack zugefügt wird.

Brecht ließ Galileo Galilei damals sagen:
„Ja, wir werden alles, alles noch einmal in Frage stellen. Und wir werden nicht mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts gehen, sondern im Schneckentempo. Und was wir heute finden, werden wir morgen von der Tafel streichen und erst wieder anschreiben, wenn wir es noch einmal gefunden haben. Und was wir zu finden wünschen, das werden wir, gefunden, mit besonderem Mißtrauen ansehen. … Mit einem Zwinkern: Sollte uns dann aber jede andere Annahme als diese unter den Händen zerronnen sein, dann keine Gnade mehr mit denen, die nicht geforscht haben und doch reden.“ (1967, S. 1311)

Ob man nun über abstrakte Begriffe oder über Neurophysiologische :stuck_out_tongue:rozesse philosophiert macht meines Erachtens nach keinen :Unterschied

Dieses Erachten ist falsch. Neurophysiologische Prozesse lassen sich mit den technischen Möglichkeiten im Gegensatz zu abstrakten Begriffen messen. Die Technik dazu stammt aus anderen Disziplinen- der Biologie, Medizin, Physik und Chemie, die mit dieser Aussage zwangsläufig ebenfalls in Frage gestellt werden. Es liegen also objektive Messergebnisse vor, über die, anhand einer großen Stichprobe, Rückschlüsse gezogen werden können. Nichts anderes tut die Medizin- Marke bei 90% halfen bei diesen Symptomen Mittel gegen Schnupfen, also kriegst Du die Diagnose und ein Mittel gegen Schnupfen.

Zudem würde auch nicht allzu skeptisch an die Geschichte rangehen, da :Freud der einzige gewesen ist, der Dir anscheinend eine Theorie zur :Erklärung des Phänomens an die Hand gegeben hat

Die kognitive und biologische Psychologie hat für das Problem des eigentlichen Beitrags durchaus Theorien zur Hand.

Die Frage, die sich mir jedoch stellt ist, warum solche Diskussionen
stets undiplomatisch und z.T. unsachlich werden.
Die psychoanalytischen Theorien entsprechen den oben genannten Kriterien nicht. Punkt. Deswegen sind sie noch lange nicht grundsätzlich Schwachsinn. Und wenn ich jemandem von diesen „Theorien“ berichte, seh ich es als meine Pflicht an ihn darüberzu informieren (Falk offensichtlich auch). Die Leute kommen in der Regel, weil sie ein Problem haben und bitten um Hilfe…

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‚Emanzipation der Psychologie‘ und ‚Nützlichkeit‘
Hallo Falk!

Wir sind uns sicherlich einig, dass Freud aktuell relativ wenig mit der Psychologie als Wissenschaft zu tun hat: das liegt daran, dass Freud vor allem in der Psychotherapie als Begründer der Psychoanalyse relevant ist.

Es ist für eine Wissenschaft meines Erachtens nach relativ uninteressant, sich nach links oder rechts zu orientieren und zu behaupten, sie sei die einzig richtige Wissenschaft. Der Blick nach innen wird dadurch getrübt.

Dabei sehe ich die Gefahr durchaus gegeben, dass man - wenn Kritik vor allem nach außen geschieht - versäumen könnte, die eigene Wissenschaft kritisch genug zu betrachten.

Meine Idee ist: in der Psychologie selber erlebe ich viel zu häufig auch haarsträubende Modelle, so dass es auch genug Diskussionsbedarf hier gibt, ehe man sich mit anderen Wissenschaften vergleicht (wobei ein solcher Vergleich - wie angedeutet - vielleicht auch einem Sinn entbehrt, z.B. „Äpfel mit Birnen“).

Auch in der Psycholgie gibt es bis heute eine Vielzahl von Modellen, welche sich der Überprüfbarkeit weitestgehend entziehen (meine Meinung). Speziell fallen mir solche Konstrukte wie „Mentale Modelle“ von Johnson-Laird oder „Mentale Logik“ von Rips ein. Oder auch in der Wahrnehmungspsychologie werden viele „Top-Down“-Prozesse abstrakt dargestellt - was ich persönlich etwas schwierig finde, alles kann sein - muss aber nicht.

Persönlich würde ich die Falsifizierbarkeit nicht als das einzige Kriterium für einige Theorien formulieren wollen; in einigen Bereichen - vor allem von META-Theorien (wie die von Freud), aber beispielsweise auch Kelly („Psychologie der persönlichen Konstrukte“, 1955) oder die Attributionstheorie (Heider, 1958; Jones & Davis, 1965; Kelley, 1967) - kann es ebenso wichtig sein, die Nützlichkeit einer Theorie zu beschreiben.

Wenn Freud’s Theorie die einzige ist, welche Dir zu der Ursprungsfrage dieses Postings einen Erklärungsansatz nachvollziehbar anbietet, dann ist es eine nützliche Theorie - so what?

Wenn Du focussiert v.a. psychologisch arbeiten möchtest, dann sollte Deine Frage also nicht sein: ist Freud „gut oder böse“? sondern vielmehr: warum gibt mir die eigene - präferierte - Wissenschaft kein Erklärungsmodell an die Hand?

Meiner Meinung nach tut sie es - nämlich wie ich schrieb: dass das beschriebene Verhalten vor dem Hintergrund der Psychologie - speziell der Idee der kognitiven Dissonanz - eher unwahrscheinlich ist!

Ich würde an Deiner Stelle auch als Psychologie - Interessierter ehen den Blick für die „eigene“ Wissenschaft schärfen, statt für die verwandten Bereiche. Das ist so müßig. Der Streit „Psychoanalyse vs. Psychologie“ ist meiner Meinung nach etwas konstruiertes (vor allem an Universitäten), und wie so oft geht es hierbei nur um Geld.

Solange es aber Bereiche gibt, in denen Freuds Theorien relevant sind, und solange es Menschen gibt, denen die Theorien helfen (etwas erklärbar zu machen oder das Leben besser zu bewältigen), denke ich, dass diese Theorien ihre Berechtigung haben und vor allem: nützlich sind (auch wenn sie es für mich persönlich nicht sind)!

Lieben Gruß
Patrick

Hallo!

Die Ansprüche an eine psychologisch-wissenschaftliche Theorie
lauten
Explizitheit, empirische Verankerung, Widerspruchsfreiheit,
Prüfbarkeit, Vollständigkeit, Sparsamkeit, Produktivität,
Anwendbarkeit.

Auf diese Kriterien bin ich schon mehrfach gestossen. Allerdings weiß ich nicht auf wen sie zurückgegehen und mit welcher Zielstellung sie formuliert und womit sie begründet wurden. Kannst du mir vielleicht die Primärquelle nennen.

Viele Grüße
Falk

Hallo, Falk,

Auf diese Kriterien bin ich schon mehrfach gestossen.
Allerdings weiß ich nicht auf wen sie zurückgegehen und mit
welcher Zielstellung sie formuliert und womit sie begründet
wurden. Kannst du mir vielleicht die Primärquelle nennen.

einen Überblick kannst Du Dir verschaffen anhand von

Gadenne, V. (1994). Theoriebewertung. In T. Herrmann & W. H. Tack (Hrsg.), Methodologische Grundlagen der Psychologie. Enzyklopädie der Psychologie. Themenbereich B: Methodologie und Methoden. Serie I:
Forschungsmethoden der Psychologie.
(S. 389-427). Göttingen: Hogrefe.

Beste Grüße,

Oliver Walter

Viele Grüße
Falk

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