Moin,
Nein, muss man nicht.
Sondern? Wie willst du als, wie nennt man das im
buddhistischen
Terminus(?), ich sag mal „Nichterleuchteter“ (nicht böse sein)
die Frage beantworten?
Ich kann sie entsprechend der buddhistischen Lehre beantworten. Dafür muss ich nicht erleuchtet sein, ich muss nicht mal Buddhist sein, ich muss mich „nur“ in der Lehre halbwegs auskennen.
Der Buddhismus bewegt sich in seiner Anschauung immer auf zwei
Ebenen. Die eine Ebene ist Samsara, also quasi die Welt, wie
wir sie ohne erleuchtet zu sein wahrnehmen oder wahrzunehmen
meinen und deren Bestandteile allesamt dem endlosen bedingten
Fluss von Vergänglichkeit unterliegen.
Ok, diese Ebene meinte ich dann.
Du wirst dann aber Schwierigkeiten haben, einen Buddhisten zu finden, der sich ernsthaft zu diesen Fragestellungen äußert. Mehr dazu weiter unten.
Laut buddhistischer Lehre ist Samsara jedoch nichts weiter als
eine Illusion. Die zweite Ebene hingegen ist das, was den
Vergänglichkeiten und Bedingungen nicht unterliegt.
Gut, dann gehen wir von dieser Illusion aus, in der wir
uns befinden. Wie könnte ich von da aus die zweite Ebene
„wissen“?
In dem Sinne wie du „Wissen“ vermutlich verstehst gar nicht.
Das kann ich höchstens durch Erfahrung, weil ich
diese Erfahrung aber nicht gemacht habe, bleibt mir nur
der Glaube!
Ich versteh nicht ganz. Der Glaube, woran ?
Laut buddhistischer Lehre ist diese zweite Ebene „leer“, machmal wird es auch als „Nichts“ beschrieben, also als Abwesenheit all dessen, was wir uns als Unterleuchtete so vorstellen können. Nur hier liegt dann auch das Problem, das, was diese zweite Ebene ausmacht, liegt im Grund jenseits des Vorstellungsvermögens eines Nicht-Erleuchteten. An was willst du das also glauben, wenn du es dir nicht vorstellen kannst ?
„Devas“ sind nun wiederum Bestandteil von Samsara. Sie sind
genau so der Bedingtheit und Vergänglichkeit unterworfen, wie
die Menschen auch. Auf der Ebene von Samsara „existieren“
Devas also. Man kann über sie reden, sie sich vorstellen, an
sie glauben oder auch nicht.
Und wenn du mich schlägst, aber das ist eben die agnostische
Position. Was ich glaube und was ich weiss sind zwei Paar
Stiefel. Agnostizismus bedeutet nichts anderes als
unerkennbar,
unbekannt, nicht wissen, ob diese Beschränktheit nun durch
Samsara oder eine wissenschaftliche oder neurologische
Definition beschrieben ist, sei obwohl natürlich
unterschiedlich,
mal dahingestellt.
Ich glaube, wir reden hier ein wenig aneinander vorbei. Ich versuche es mal mit einem Beispiel. Angenommen ich bin ein Fan einer bestimmten Fantasy-Buchreihe. In dieser Buchreiche wird immer wieder „Thrompf“ erwähnt. Keiner der Charaktere der Buchreihe hat „Thrompf“ je gesehen, aber die meisten gehen davon aus, dass es ihn gibt, andere hingegen zweifeln dies wiederum an, wissen nicht mal, was „Thrompf“ eigentlich sein soll etc. Nun treffen wir uns zufällig auf der Straße, kommen ins Gespräch, die kennst diese Fantasy-Reihe nicht, und ich frage dich, ob du glaubst, ob „Thrompf“ wohl existiert oder nicht. Vermutlich wirst du mich ziemlich verständnislos anschauen. Also fang ich an zu erklären, was es mit „Thrompf“ auf sich hat. Du hörst zu und am Ende frag ich dich wieder, um du glaubst, ob es „Thrompf“ wohl gibt. Du antwortest: „hmm…keine Ahnung, ist mir ehrlich gesagt auch wurscht, da ich diese Buchreihe eh nicht kenne und auch nie lesen werden“. HAH! Ruf ich dann, du bist als Agnostiger überführt…Nein, tatsächlich bist du nur als jemand überführt, der weder Interesse noch Lust hat, sich über „Thrompf“ Gedanken zu machen, unter anderem auch deshalb, weil du nicht das geringste Interesse an Fantasy-Literatur hast.
Für einen Buddhisten sind die Vorstellungen von Samsara jedoch
ziemlich wurscht, da er nach Erkenntnissen jenseits von
Samsara (also der anderen Ebene) strebt. Der ganze Bereich des
Samsara mit seinen Devas, Osterhasen, Ich-Vorstellungen,
Heinzelmännchen, Wolkenkratzern usw. ist somit letztendlich
nicht von Belang.
Gut, bevor er diese Ebene aber erreicht hat, bleibt ihm
vorerst
nur der Glaube! Oder nicht?
Ich wiederhole meine Frage. Der Glaube woran ?
Die Frage, ob man nun glaubt, ob es Gott nicht gibt, oder
nicht glaubt, dass es Gott gibt, fällt für einen Buddhisten in
die Ebene von Samsara. Somit gibt es auch die von dir oben
skizzierte Einstellung des Agnostikers für einen Buddhisten
nur auf der Ebene von Samsara. Wahre Erkenntnis findet dort
aber nicht statt.
Etwas anderes behaupte ich auch keinesfalls! Ich lebe und
argumentiere leider im Samsara, wahre Erkenntnis ist mir
bisher verschlossen geblieben. Nun möchte ich dich ungern
beleidigen und auch nicht provozieren, aber wie sieht das
bei dir aus? Ich hoffe du bist jetzt nicht sauer?
Das geb ich gerne zurück. Aus buddistischer Sicht lebst und argumentierst du innerhalb dessen, was mit einer Fantasy-Buchreihe vergleichbar ist. Ich hoffe, du bist jetzt nicht sauer
Sicher kann man sich da tolle Gedankengebäude errichten, aber für einen praktizierenden Buddhisten ist das letztendlich nichts anderes, als Gehirnakrobatik. Den einzigen Vorteil, den ich darin sehe, ist, dass man mit der Auseinandersetzung mit dererlei Themen die buddhistische Lehre besser verstehen lernt. Aber jemand der die Lehre halbwegs verstanden hat und wiedergeben kann ist deshalb nicht erleuchtet. Das ist so ähnlich, wie wenn du jemanden theoretisch den Weg nach nirgendwo beschreibst. Nur weil du den Weg beschreiben kannst (wie ihn dir jemand anders erklärt hat, der ihn gegangen ist) bist du noch längst nicht da.
Somit kann man von einem Buddhisten auch nicht sagen, er sei
Agnostiger, da diese Bezeichnung und Auffassung in einen
Bereich fällt, der von Buddhisten als Illusion angesehen wird.
Ich meine eben doch, aus oben erwähnten Gründen.
Obwohl Agnostizismus natürlich ein weiter Begriff ist,
von Kants Kritizismus, bis hin zum Logischen Empirismus.
In diesem Kontext sehe ich den Buddhismus natürlich
nicht.
Glaubst du, dass „Thrompf“ nun existiert oder nicht ?
Gruß
Marion