Wo spricht man nur Standarddeutsch?

Hi,

ich hab 3 Monate in Osnabrück gearbeitet, und war über das
klare Hochdeutsch, was so normal in der Stadt gesprochen wird,
erstaunt.

Da kann ich dir nur widersprechen. Wer Geschirr mit Doppel-R am Ende wie Geschiehr ausspricht und zu Birne und Kirsche Bierne und Kiersche sagt, dem kann ich kein reines Hochdeutsch unterstellen. Die Gegend Hannover/Braunschweig dürfte da eher als rein zu bewerten sein.

Wo kommst du denn weg (osnabrückisch für her)?

Gruß
Nils

Hallo Datafox,
naja, irgendwo in diesem Forum habe ich von Dir gelesen, dass Du höchstens 1 bis 2 Mal im Monat Deutsches Fernsehen ( und da auch kein öffentlich rechtliches) konsumierst. Daher mein Erstaunen. Ich habe in Deutschland mittlerweile in 6 verschiedenen Bundesländern gelebt, und erkenne viele regionale Unterschiede. Daher glaube ich auch nicht, dass Hochdeutsch eine „Kunstsprache“ ist.
Grüße
Almut

Hallo Nils,
ich bin in Thüringen geboren, in Sachsen-Anhalt aufgewachsen und habe mittlerweile in
Berlin
Bayern
NRW
Hamburg
Rheinland-Pfalz
Baden-Würtemberg
Niedersachsen
gelebt.
Und da hab ich einiges an Dialekt kennengelernt.
Nebenbei verdien ich mein Geld mit Telefonmarketing, wo auch ein gewisser Wert auf ein klares Hochdeutsch gelegt wird.
Grüße
Almut

Hallo!

Die Hanoveraner behaupten von sich, das sauberste Hochdeutsch zu sprechen. In der Tat spricht man dort weitgehend verständlich und im Gegensatz zu Berlin oder Frankfurt sind die Leute dort in der Lage, eine vernünftige Wegbeschreibung zu geben…

Allerdings ist das eine Momentbetrachtung, denn vor 300 Jahren verstand man unter „Standarddeutsch“ vermutlich etwas anderes, als heute. Vielleicht sprach man das damals dann wirklich in Osnabrück, wobei auch im 18. Jhdt. dort oben wohl eher das finsterste Platt üblich war. Bzgl. der Wegbeschreibungen für Fremde war das freilich unerheblich, denn wer wollte damals da schon hin…?

Oder vielleicht ist das alles auch einfach „Dümm Tüch“ und das einzig wahre Deutsch wird in München gesprochen. Schließlich ist das eine Weltstadt mit Herz und den Marienplatz hat, trotz des deutlich abnehmenden Bildungsniveaus der dortigen Bevölkerung aufgrund des Zustroms aus Nord- und Ostdeutschland und der korrelierenden Verschlechterung der Qualität von Wegbeschreibungen, bislang noch jeder Tourist gefunden…

Grüße,

Mathias

Vor einigen Jahren hat sich ein großes Call-Center für den Standort Peine (genau zwischen Hannover und Braunschweig) entschieden. Nach einer ausführlichen Studie wurde festgestellt, das hier das „sauberste Deutsch“ gesprochen wird. Die Firma ist mittlerweile pleite. Wenn man sich das typische „hannöversch“ anhört, stellt man schnell fest, dass es viele Maulfaulheiten gibt. Habta verstan’n ?

Gruss aus Peine

Tom!

naja, irgendwo in diesem Forum habe ich von Dir gelesen, dass
Du höchstens 1 bis 2 Mal im Monat Deutsches Fernsehen ( und da
auch kein öffentlich rechtliches) konsumierst.

Ich habs mir gedacht - ein netter Versuch, meine Ehrlichkeit in Zweifel zu stellen und meine Kompetenz zu untergraben. Aber schöm wie aufmerksam man mich liest.

Wo ich wie lange gelebt habe geht dich nichts an, aber es erlaubt mir, über die Sprachgewohnheiten in Deutschland vor ca. 10 Jahren Urteile zu fällen. Deutsches ÖR-Fernsehen hatte ich seit meiner Kindheit in Österreich (durch Satellitenfernsehen).

Daher glaube ich auch nicht, dass
Hochdeutsch eine „Kunstsprache“ ist.

Ist es, andere haben es auch bestätigt und gesagt. Zweifelst du da auch?

Herzlichst
datafox

1 „Gefällt mir“

Glaubenssache Sprache

Daher glaube ich auch nicht, dass Hochdeutsch eine „Kunstsprache“ ist.

Das, Almut, ist keine Frage des Glaubens.

Ein Blick in eine Deutsche Sprachgeschichte genügt.

Im Dialektbrett nebenan gibt es eine FAQ und unten einen unlöschbaren Artikel zum Thema „Hochsprache und Dialekt“.

Da ist das wichtige zusammen gefasst.

Gruß Fritz

2 „Gefällt mir“

Oder vielleicht ist das alles auch einfach „Dümm Tüch“ und das
einzig wahre Deutsch wird in München gesprochen. Schließlich
ist das eine Weltstadt mit Herz und den Marienplatz hat, trotz
des deutlich abnehmenden Bildungsniveaus der dortigen
Bevölkerung aufgrund des Zustroms aus Nord- und Ostdeutschland

und der korrelierenden Verschlechterung der Qualität von
Wegbeschreibungen, bislang noch jeder Tourist gefunden…

[Hervorhebung von mir, Ironie des Autors schließe ich aufgrund vorheriger Beiträge aus, deshalb nehme ich es wörtlich]

Hallo Mathias,

herzlichen Glückwunsch! Du schaffst es wirklich, jeden Tag noch dümmlichere Beiträge zu schreiben.

Sich über die Bildung anderer Leute auszulassen ist natürlich einfach. Manch einer könnte sich auch darüber aufregen, wenn ein Geschäftsführer eines TK-Unternehmens nach über einem Jahr noch nicht mitbekommen hat, dass die zuständige Aufsichtsbehörde umbenannt wurde. Wobei das doch verständlich ist, wenn dieser ach so fleißige Kollege statt einer Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“ auf dem Schreibtisch hat.

Deine Anmerkungen interpretiere ich so, dass du nicht damit einverstanden bist, dass die faulen Leute in Deutschland (angeblich) die Standardsprache bestimmen. Damit bist du hier ja nicht allein, es hilft aber alles nichts. Wenn du dich deshalb für ein unabhängiges Bayern einsetzt, hätte deine Aufregung sogar noch Vorteile.

Viele Grüße
Ultra

Servus,

zur Lokalisierung:

Einfluss und Kraft der Sprache Martin Luthers - eines Sachsen

sowohl Eisleben (Geburt), als auch Wittenberg (Professur) liegen nicht in Sachsen, sondern in Sachsen-Anhalt. Eisenach, wo Luther „dem Volk aufs Maul geschaut“ hat, liegt in Thüringen.

Sächsisch findet man in der Lutherbibel herzlich wenig.

Thüringisch und Sächsisch gehören freilich beide zum Ostmitteldeutschen, einer Sprachfamilie, die zwar zu den hochdeutschen, aber noch nicht zu den oberdeutschen Dialekten gerechnet wird.

Schöne Grüße

MM

Gegenden ohne eindeutigen Dialekt?

naja…eher gar nicht…ich meinte damit die Ecken, denen man als Laie nicht sofort blind den Sprecher zuordnen kann.
Gegenden, wo Dialekte ineinander übergehen, sich vermischen oder einfach keinen Namen haben. Zumindest keinen, den der allgemeine Sprachgebrauch kennt.

So in der Art…
Grüße
Sonja

Platt an der Nordseeküste
Hallo Martin,

In einem Punkt hast Du natürlich Recht: Im gesamten niederdeutschen Sprachraum (wohl mit Ausnahme des Niederrheins und der Waterkant) gilt der Dialekt, der dort jeweils zu Hause ist, als etwas Schlechtes, eine Dienstbotensprache, die der gebüldete Kleinbürger nicht sprechen darf (anders ists mit dem Großbürger, der ist in der Regel zweisprachig und weiß, wo der Grund und Boden seiner Väter her kommt…).

ein Schwager von mir, geboren in den frühen 30er Jahren in Ooldenbrook an der Elbemündung (und immer dort geblieben), spricht nur Platt. Als er die Rede eines bayrischen Politikers im Fernsehen anhörte, äußerte er sich abfällig über dessen Anbiederungsversuche beim ‚kleinen Mann‘. Gefragt, wie er zu diesem Urteil komme, antwortete er erstaunt (auf Platt, ich übersetz das jetzt mal): „Na, sonst würde der doch Hochdeutsch sprechen!“

Man vergleiche auch Thomas Manns „Buddenbrooks“.

Viele Grüße
Diana