Wo tauchen Verluste wieder auf?

Als Laie stelle ich mir das Funktionieren der Wirtschaft ungefähr so vor:

Z.B. ich klaue jemandem was - sein Verlust ist mein Gewinn. Oder ich Betrüge jemanden um 1000,-€ - mein Gewinn ist wieder sein Verlust, Oder ich schenke jemandem was – genau der gleiche Wert, den ich durch die Schenkung verliere. ist der Gewinn des Beschenkten.

Ausnahmen: gewolltes od. ungewolltes Vernichten eines Wertes, z.B.: ich fahre mein Auto zu Schrott, jemand zündet mein Haus an. Hier handelt es sich ausnahmsweise um Verluste ohne den ihnen gegenüberstehenden Gewinn.

Mit anderen Worten:

Wo einer was verliert, da muss ein anderer das Gleiche gewinnen, d.h.: der Verlust des einen ist der Gewinn des anderen.

Nun bei der jetzigen Krise wird nur von Verlusten gesprochen, die Gewinner bleiben unerwähnt. Wer sind in diesem Falle die Gewinner, oder gibt es diese nicht, und falls ja – warum, denn es werden ja keine Werte zerstört, wie etwa durch Anzünden eines Hauses.

Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

Hi,

Z.B. ich klaue jemandem was - sein Verlust ist mein Gewinn.
Oder ich Betrüge jemanden um 1000,-€ - mein Gewinn ist wieder
sein Verlust,

Das ist nicht Wirtschaft, das ist Kriminalität.

Oder ich schenke jemandem was – genau der
gleiche Wert, den ich durch die Schenkung verliere. ist der
Gewinn des Beschenkten.

Das ist auch nicht Wirtschaft, das ist Geburtstag oder WEihnachten.
Wirtschaft ist, wenn ich deinen SChreibtisch aufräume und Du mir dafür pro Stunde 10 Euro gibst. Oder wenn Du mir meine Einbauküche aufstellst und ich dir dafür Geld gebe. Oder wenn du mir dein gebrauchtes Auto für x Euro 50 verkaufst… oder wenn ich mich als Putzfrau selbständig mache und mein gesamtes Einkommen dadurch beziehe. (Wie ich jetzt aus meinem Putzunternehmen eine AG mache, erklärt dir jemand anderes)

Ausnahmen: gewolltes od. ungewolltes Vernichten eines Wertes,
z.B.: ich fahre mein Auto zu Schrott, jemand zündet mein Haus
an. Hier handelt es sich ausnahmsweise um Verluste ohne den
ihnen gegenüberstehenden Gewinn.

Die Krise jetzt ist so wie das Ding mit dem Auto oder dem Haus. Banken haben ihr Geld ja nicht in bar rumliegen, das wäre widersinnig und übermäßig riskant. Die kaufen dafür Immobilien und verkaufen sie (gelegentlich, und hoffentlich mit Gewinn) oder vergeben es als Kredit und kriegen mehr zurück - so kommen Banken auch an ihre Einnahmen.
Wenn nun die Kreditnehmer pleite gehen, machen die Banken Verlust, weil sie ja nicht nur die Mehreinnahmen nicht bekommen, sondern auch das geliehene Geld nciht wiedersehen. Haben sie einen Kredit für einen Hauskauf vergeben, bekommen sie zwar das Haus, aber wenn die Immobilienpreise zu niedrig sind, bekommen sie durch den Verkauf des Hauses weniger Geld, als ihnen durch den Kredit zustehen würden.
Der fallende WErt einer Aktie ist nicht unbedinggt verlorenes Geld, es bestet (je nach Papier) die Hoffnung, dass er irgendwann wieder steigt. Wenn ich aber aus irgendeinem Grund jetzt verkaufen muss, dann bekomme ich unter Umständen weniger zurück als ich dafür ausgegeben habe. Die Differenz ist dann - weg. An anderer Stele wurde das Beispiel mit Tulpenzwiebeln aufgemacht: Du bist Tulpenfan und hörst von dieser extrem seltenen, dolle schönen Tulpe, suchst lange nach der Zwiebel und findest schließlich eine - für 3000,- Euro, aber ist ja schließlich eine Rarität. Gehst glücklich heim, und eine Woche später wachst du auf und findest im Briefkasten ALDI-Werbung mit eben dieser Tulpe, die verkaufen die im Netz zu 20 Stück für 10 Euro. Was ist jetzt deine Tulpe noch wert? und wo ist das Geld hin? (Das Beispiel geht davon aus, dass der Mensch, von dem Du die Tulpe gekauft hast, nichts von der Aldiaktion wusste / wissen konnte, sonsst hätten wir einen Betrugsfall und kein halbwegs funktionierendes Beispiel)

In der Hoffnung, sich nirgends vertan zu haben,

Die Franzi
Die Franzi

Hallo,

Wo einer was verliert, da muss ein anderer das Gleiche
gewinnen, d.h.: der Verlust des einen ist der Gewinn des
anderen.

Ne, eben nicht.

Hier im Forum gibt es jemanden, der gerne ein Beispiel mit Vasen bringt (Gruß an C.):

Du zerdepperst Deine teure Vase im Wohnzimmer. Dein Wert ist weg, aber niemand hat irgendeinen Gewinn…

Grüße
Didi

Hallo Chiqo,

Z.B. ich klaue jemandem was - sein Verlust ist mein Gewinn.
Oder ich Betrüge jemanden um 1000,-€ - mein Gewinn ist wieder
sein Verlust

In beiden Fällen handelt es sich nicht um Gewinn, sondern um Beute.

Oder ich schenke jemandem was – genau der
gleiche Wert, den ich durch die Schenkung verliere. ist der
Gewinn des Beschenkten.

Hier ist es nicht Gewinn, sondern ein Geschenk wie der Name schon sagt.
Du verlierst hier nichts, sondern du opferst bestenfalls etwas.

Ausnahmen: gewolltes od. ungewolltes Vernichten eines Wertes,
z.B.: ich fahre mein Auto zu Schrott, jemand zündet mein Haus
an. Hier handelt es sich ausnahmsweise um Verluste ohne den
ihnen gegenüberstehenden Gewinn.

Hier könnte man tatsächlich von matriellen Verlusten sprechen.

Mit anderen Worten:

Wo einer was verliert, da muss ein anderer das Gleiche
gewinnen, d.h.: der Verlust des einen ist der Gewinn des
anderen.

Jein. Hier kann zum Beispiel deine Arbeitskraft für dich einen
Gewinn bringen (Lohn). Derjenige der den Lohn zahlt, hat aber
dafür eine Leistung bekommen. Durch die Leistung wurde etwas erzeugt.
Du hast dadurch keinen Verlust. Und wenn du Frisör bist, hat der andere
nicht unbedingt einen Gewinn.

Nun bei der jetzigen Krise wird nur von Verlusten gesprochen,
die Gewinner bleiben unerwähnt. Wer sind in diesem Falle die
Gewinner, oder gibt es diese nicht, und falls ja – warum, denn
es werden ja keine Werte zerstört, wie etwa durch Anzünden
eines Hauses.

Die derzeitige Krise ist Hausgemacht.
Gewinner sind die, die auf fallende Kurse gewettet haben.
Man könnte sagen, das die Hedge Fonds zum ersten mal eine fette
Dividende ausschütten. Das war aber nur möglich weil es genügend
Geldgierige Idioten gab, die für den Ankauf von faulen Hypothekenkrediten
selber Schulden gemacht haben um sich hier Anteile zu sichern. Durch die Zahlungsunfähigkeit der Hauskäufer wurden die Anteile aber wertlos.
Nun müssen die Geldgierigen Idioten aber
Zinsen für die aufgenommenen Schulden bezahlen, ob sie wollen oder nicht.
Eine Folge ist, die Aktienkurse fallen.
Genau darauf haben andere Spekulanten gewettet, und gewonnen.

Anderes Beispiel, Hr. Klinsmann.
Der hatte einen Moderatorenvertrag mit dem PayTV Sender ARENA
abgeschlossen, für den er mit 10 Mio.Euro Salär bedacht wurde.
Der Vertrag war unter Dach und Fach. Bevor der Hr. Klinsmann mit
seiner Arbeit anfangen konnte, wurde ARENA an PREMIERE verkauft.
PREMIERE wollte den Hr. Klinsmann nicht, der aber seine 10 Mio…
So hat Hr. Klinsmann ohne einen Handschlag 10 Mio. verdient.

Von wem wird sich PREMIERE dieses Geld zurückholen?
Von anderen Idioten.

Nicht immer ist ein Gewinn der Verlust eines anderen (siehe Arbeitskraft).
Aber meistens.

Gruß Peter