angeregt durch eine Diskussion im Witzebrett würde mich mal interessieren, ob eigentlich es eigentlich in Sprachen ein signifikant unterschiedliche Anzahl von Wörtern gibt.
Also, gibt’s zum Beispiel im Englischen mehr Wörter als im Deutschen? Und wie sieht das mit anderen Sprachen aus?
Vor allem, läßt sich das überhaupt zählen? Ich meine, wo ist zum Beispiel die Grenze für „eingedeutschte“ Wörter, die dann als deutsch gelten? Es gibt ja einige Wörter, die auf englisch einfach toller klingen, schließlich ist ein „meeting zu canceln“ doch viel bedeutender als eine „Besprechung abzusagen“. Genauso gibt’s aber englische Wörter, wo ich Schwierigkeiten hätte eine deutsche Entsprechung (die’s nicht umschreibt) zu finden. Da denke ich zum Beispiel an „surfen“ - sowohl aufm Baggersee als auch am Computer *g*
Und hätte dann beispielsweise ein „durchschnittlicher“ Engländer einen größeren Wortschatz als ein „durchschnittlicher“ Deutscher (ich vermute mal, daß man da nur Leute mit vergleichbarer Schulbildung betrachten kann, sonst wird’s uferlos).
es gibt eigentlich nur Schätzungen, wie viele Wörter eine Sprache umfasst.
Für Deutsch liegt diese zwischen 5 und 8 Millionen, für Englisch bei ca. 1 Million.
Die „Gelehrten“ streiten sich darüber, was nun eigentlich ein Wort ist (zählen Abkürzungen wie z.B. NATO dazu, davon gibt es im Englischen ca. eine halbe Million; oder die Namen für die bis jetzt bestimmten Insekten beispielweise…).
Dass der deutsche Wortschatz doch sehr viel größer ist, liegt daran, dass Komposita (zusammengesetzte Wörter) so leicht gebildet werden können, also etwa der Donaudampfschifffahrtskapitän…
Wie viele Wörter der einzelne „kann“, hängt natürlich von seiner Bildung, seinem Beruf etc. ab. Und dann muss man auch noch nach aktivem und passivem Wortschatz unterscheiden. Bis jetzt gibt es dafür keine gesicherten (also durch eine Studie oder wissenschaftliche Untersuchung belegt) Zahlen. Schätzungen von 20 - 25.000 (für Englisch) für einen Universitätsabsolventen werden zwar oft in den Medien genannt, sind aber nicht bewiesen.
(das steht jedenfalls in diesem von mir heiß geliebten Buch:
The Cambridge Encyclopedia of The English Language ISBN 0521401798 Buch anschauen).
was läßt Du als „deutsches“ oder „englisches“ Wort zu?
Läßt Du Fachjargon zu? Dann geht die Zahl wohl jeweils gegen unendlich, weil allein in der Chemie so viele Jargonwörter existieren, daß ein Chemiker den anderen nicht mehr versteht, selbst wenn man die Akronyme (Abkürzungswörter wie z.B. LASER) nicht betrachtet.
dazu fällt mir etwas aus meiner nächsten umgebung ein:
bedeutungstragende einheiten haben im hebräischen fast immer 3 buchstaben. da es 22 buchstaben gibt, kann es maximal nur ca. 10.000 bedeutungstragende wörter geben, genannt wurzeln.
und das reicht vollkommen aus, da sich durch variation nach bestimmten regeln sämtliche wörter bilden lassen. eine wurzel kann tausende formen annehmen.
Hi Petzi,
ich denke, Deine Fragestellung ist nicht so einfach auf alle Sprachen übertragbar.
Beispiel Chinesisch:
Eigentlich gibt es im Chinesischen keine Wörter (nach unserem Verständnis), es gibt nur Silben. Jede Silbe wird durch ein chinesisches Zeichen dargestellt. Es gibt etwa 50.000 bis 70.000 Zeichen (immer noch strittig). Jedes dieser Zeichen hat seine eigene Bedeutung und wird immer einsilbig gesprochen. Chinesische „Wörter“ bestehen meist aus zwei, drei oder mehr Silben. Nach meiner Einschätzung ist das deutsche Wort „China“ eben ein Wort, weil es - in sich unteilbar - einen Begriff darstellt. (Ebenso Haus, Stuhl oder Bett) Man kann also nicht einfach nur einen Teil der Buchstaben herausgreifen (etwa nur Chi). Dies ergäbe keinen Sinn. Und-man muß! es von links nach rechts schreiben. Im Chinesischen ist dies anders. Hier gibt es das „Wort“ China nicht. Man übersetzt es Zhongguo und man schreibt es mit den beiden Zeichen zhong und guo. Ins Deutsche übertragen bedeutet dies China. Allerdings haben beide Zeichen -wie jedes chinesischen Zeichen- eine eigenständige Bedeutung. Zhong = Mitte, guo = Reich, Land. Außerdem gibt es im Chinesischen keine Zwischenräume zwischen einzelnen Wörtern, eben weil es keine Wörter gibt. Man schreibt also einfach alle Zeichen hintereinander. Da dies so ist, kann man Chinesisch also auch problemlos von oben nach unten (Filmtitel, Werbung) oder auch von links nach rechts schreiben (im alten China gebräuchlich) Es spielt keine Rolle, wenn es nur einheitlich in einem Dokument verwendet wird. Folglich kann es also auch keine Klein- oder Großschreibung geben. Letztes Beispiel: Das Zeichen mang bedeutet übersetzt „zu tun haben“. Es stellt also auch kein Wort dar. Fügt man davor das Zeichen bu ein, bedeutet es „ich habe nicht viel zu tun“. Fügt man stattdessen hen ein, bedeutet es „ich bin sehr beschäftigt“. Schreibt man dageben nach mang noch ma, entsteht die Frage: „Hast du viel zu tun?“
Von Wörtern kann also im Chinesischen nicht die Rede sein. Dennoch ist die Sprache sehr, sehr reich an Nuancen und schon einige tausend Jahre älter als etwa romanische Sprachen. Beste Grüße, Andreas