Wofür zahl ich Provision?

Hallo zusammen,

ein englischer Kollege ist z.Z. auf Wohnungssuche in Deutschland und fragte mich gestern völlig entsetzt, was denn das für eine „crazy fee“ ist. Damit meinte er die Marklerprovision.

Hmm, so recht erklären konnte ich ihm das auch nicht, denn auch mir entzieht sich diese Gebühr jeglicher Logik.

Wenn ich das richtig verstehe, dann beauftragt ein Vermieter/Besitzer einen Markler damit, einen neuen Mieter für ihn zu finden. Dafür darf der Markler bis zu 2 MM Provision verlangen (so weit, so gut).
Dieses Geld wird aber dann nicht dem Auftraggeber (dem Vermieter) in Rechnung gestellt sondern dem zukünftigen Mieter (also demjenigen, den der Markler für den Vermieter finden soll). Wofür eigentlich???
Die Leistung, die der Markler für den künftigen Mieter erbringt, hält sich üblicherweise doch sehr in Grenzen (Wohnungsbesichtigung und Vertrag aufsetzen). Dies kann doch keine 2 MM wert sein (je nach Größe sind das dann über 1000 Euro. Das nenn ich mal Wucher!). Insbesondere, wenn der Markler nur eine kleine Anzeige in einem der üblichen Immobilienportale im Internet einstellt.

Also, wer klärt mich hier auf?
Wofür zahlt man denn nun eigentlich die Provision?

Viele Grüße,
ente.

PS. Im umgekehrten Fall, also wenn ich einen Markler damit beauftragen würde für mich eine Wohnung zu suchen, wär es klar. Dann würde ja dieser Markler die Arbeit für mich übernehmen, die ganzen Immobilienportale und Zeitungsanzeigen etc. nach einem passenden Angebot zu durchsuchen und diese mir dann entsprechend präsentieren. Dafür würd ich dann auch eine angemessene Gebühr bezahlen. Keine Frage.

Hallo.

Immer dann, wenn es mehr Mietinteressenten gibt als Wohnungen, können sich Makler, Vermieter und Mieter darauf einigen, dass der Mieter die Provision zahlt. Dass der Mieter die Provision zahlt, ist kein Automatismus. Der Mieter muss vorher darauf hingewiesen werden und sich damit einverstanden erklären, dass er bei Mietvertragsabschluss die Provision zahlt. In Gebieten mit Wohnungsüberschuss zahlt oft der Vermieter die Provision. Bei Verkäufen wird die Provision teilweise geteilt. Ist also alles Verhandlungssache und eine Frage von Angebot und Nachfrage.

Viele Vermieter nutzen die Einschaltung eines Maklers auch für eine Bonitätsprüfung. Die Überlegung ist einfach: wenn der Mieter schon das Geld für den Makler hat, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass er später die Miete nicht zahlen wird. Zudem hat der Vermieter dann keine Arbeit mit Inseraten und Prüfung der Interessenten, sowie den Besichtigungen.

Hallo,

Viele Vermieter nutzen die Einschaltung eines Maklers auch
für eine Bonitätsprüfung. Die Überlegung ist einfach: wenn der
Mieter schon das Geld für den Makler hat, dann ist es eher
unwahrscheinlich, dass er später die Miete nicht zahlen wird.
Zudem hat der Vermieter dann keine Arbeit mit Inseraten und
Prüfung der Interessenten, sowie den Besichtigungen.

Ja genau. Der Markler erbringt eine Leistung für den Vermieter. Zahlen darf das ganze aber der künftige Mieter!
Dies meinem englischen Kollegen beizubringen ist mir nicht gelungen. Und ich versteh es eben selbst auch nicht. Beide empfinden wir dies als eine ungerechtfertigte Gebühr, die der Vermieter einfach mal an den künftigen Mieter abwälzt. Denn für den künftigen Mieter wird hier eigentlich keine zusätzliche Leistung erbracht (diese wird dem Vermieter erbracht).

…können sich Makler, Vermieter und Mieter darauf einigen, dass der Mieter die Provision zahlt.

Der Mieter muss vorher darauf hingewiesen werden und sich damit einverstanden erklären, dass er bei Mietvertragsabschluss die Provision zahlt.

Von einigen kann hier eigentlich keine Rede sein. Wenn in der Wohnungsanzeige auf eine Provision hingewiesen wird, muss der künftige Mieter wohl oder übel zahlen. In vielen Gegenden gibt es kaum provisionsfreie Wohnungsangebote bzw. ist es deutlich schwerer ein solches zu finden. Der Mieter halt also praktisch gar keine Wahl als für eine Leistung zu zahlen, die ihm gar nicht erbracht wird.

(Oder er bringt eben nochmals deutlich mehr Zeit und Geduld auf um die ganzen Angebote zu filtern und ein provisionsfreies zu finden. Möglicherweise eben auch mit der gewissen Wahrscheinlichkeit keins zu finden. Ok, da ist dann wohl der Nutzen für den Mieter.)

Viele Grüße,
ente

Ich stimme dir zu dass dies schwer zu erklären ist… insbesondere Personen die aus einem anderen Land kommen.

Es ist schlichtweg eine Frechheit aber leider in D möglich und üblich.
Genau wie sich bei ebay die Vorrauszahlung durchgesetzt hat…

Wenn ich in Spanien eine Hütte verkaufe, erteile ich x Maklern den Auftrag und nur der der sie verkauft bekommt eine Provision.

Nur was nützt es ir aufs Deutsche system zu schimpfen, wenn ich es nicht ändern kann? Also nehmen wir es eben einfach zur Kenntnis… der gemeine Deutsche taugt ja nicht unbedingt zum Berufs-Revolutionär…

Gruss HighQ

Sicher ist es ungerecht. Aber den Mietern bleibt bei einem Mangel an Wohnraum oft nichts anderes übrig, als die Provision für den Vermieter zu „übernehmen“. In Großstädten ist es nicht einmal im Ansatz gerechtfertigt, weil die Makler oft mit 30 Leuten durch die Wohnung stapfen und der Aufwand des Maklers gegen Null tendiert.

Ich habe allerdings beobachtet, dass es teilweise ein „Zuerwerb“ des Vermieters ist. Die Freundin oder ein Freund des Vermieters oder der Hausverwaltung eröffnet ein Maklerbüro und die Provision wird dann geteilt oder man lässt seinen Freunden durch die Provision etwas Gutes zukommen.

Es heißt Makler und nicht MaRkler owT

Hallo

da niemand verpflichtet ist, eine Wohnung zu mieten, die mit Makler angeboten wird, herrscht das Recht der Vertragsfreiheit.

Auch in England oder den USA ist es nicht in Stein gemeißelt, wer den Makler bezahlt.

Es ist die Frage von „Usus“, „Angebot“ und „Nachfrage“.

Zudem ist im Wohnungsvermittlungsgesetz ziemlich klar geregelt, wofür man keine Maklercourtage verlangen darf.

Der englische Kollege kann sich auch an Wohnungsgenossenschaften wenden oder versuchen eine „Wohnung direkt vom Eigentümer“ zu bekommen.

Auch in England ist einiges für unser Verständnis nicht vernünftig - andere Länder, andere Sitten.

Wendy

ups
ja natürlich!
*schäm*

Hallo Wendy,

Auch in England ist einiges für unser Verständnis nicht vernünftig …

ohh ja. Das stimmt natürlich.

Das Ganze hat mich nur zum Nachdenken gebracht. Ich konnt’s eben nicht erklären.
Das erinnerte mich auch daran, dass dies meine Wohnungssuche in Berlin vor einigen Jahren ebenfalls erschwerte, da ich damals alle „Angebote“ mit Provision rausfiltern musste (bei angeblichem Wohnungsüberangebot).

Und ja, natürlich ist niemand verpflichtet, eine Wohnung zu mieten, die mit Makler angeboten wird. Aber find mal eine ohne. In der Gegend wo er sucht, verlangen die meisten eben eine solche.
Natürlich kann man sich auch an eine Genossenschaft wenden. Aber da muss man meist Mitglied werden und Genossenschaftsanteile kaufen (zumindest in der Gegend dort). Wenn man aber nur 1-2 Jahre da wohnen bleiben will/muss, kann man die dann eigentlich wieder loswerden (sonst wärs ja auch nur eine andere Art von Gebühr)? Hmm, steht bestimmt irgendwo in den jeweiligen Mitgliedschaftsrichtlinien drin…

Viele Grüße,
ente.

Hallo,

sieh es mal von der anderen Seite: Warum finden sich wohl kaum Wohnungen ohne Maklerbindung? Weil die Vermieter es bevorzugen über einen Makler zu vermieten. Und dies kann ihnen ja niemand verbieten. Und wenn sich 100 Vermieter von 100 Wohnungen einig darin sind, dass dies der für sie richtige Weg ist, dann gibt es eben diese 100 Wohnungen nur per Makler. Und wenn es insgesamt nur 101 Wohnungen gibt, dann wird es eben verdammt eng, eine ohne Makler zu bekommen.

Und was die Kosten angeht: Warum sollte ein Vermieter diese freiwillig zahlen, so lange er einen Interessenten findet, der ihm dies abnimmt? Würdest Du freiwillig etwas zahlen wollen, was jemand anderes bereit ist zu übernehmen? Klar, große Begeisterung gibt es dafür natürlich Seitens der Mieter nicht. Aber das Problem ist hier ja nicht der Vermieter, sondern der andere Interessent, der diese Kröte schluckt, um die Wohnung zu bekommen. Und wenn es den bei Wohnungsüberhang nicht gibt, dann hat ja auch der einzige potentielle Interessent es in der Hand, seine Karten auszuspielen, und mitzuteilen, dass er die Wohnung nur nimmt, wenn der Vermieter die Provision zahlt.

Jetzt könnte man natürlich auch auf die famose Idee kommen, es gesetzlich zu verbieten, dass Mieter die Provision übernehmen müssen. Aber was würde das wohl für die Mieten bedeuten? Dann würden die 100 Vermieter eben da mehr zulangen, und damit wäre dann das gesamte Mietniveau schnell eine Ecke höher.

Also insoweit sollte man akzeptieren, wie die Dinge nun mal laufen, und sich keine großen Gedanken darüber machen, welche Arbeit der Makler konkret gehabt hat. Er und seine Provision sind nun mal der Schlüssel zur Wohnung.

Gruß vom Wiz

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Viele Vermieter nutzen die Einschaltung eines Maklers auch
für eine Bonitätsprüfung. Die Überlegung ist einfach: wenn der
Mieter schon das Geld für den Makler hat, dann ist es eher
unwahrscheinlich, dass er später die Miete nicht zahlen wird.

Das ist aber keine BonitätsPRÜFUNG, sondern eher eine damit verbundene naive HOFFNUNG des den Makler beauftragenden Eigentümers! Ein über einen Makler vermittelter Mieter ist noch lange kein Garant für dessen Zahlungsfähigkeit. Der Makler vermittelt lediglich den Kontakt bzw. wird für das Zustandekommen des Mietvertrages honoriert. Geht die Miete dann wider Erwarten nicht ein, kann der Vermieter ja mal versuchen, den Makler dafür in Regress zu nehmen. Außer einem Achselzucken wird da nichts passieren.

Der Beruf des Immobilienmaklers ist übrigens nicht ohne Grund so verrufen und viele Makler erhalten tatsächlich viel Geld für wenig Leistung. Nicht wenige Makler sind oft völlig uninformiert, wenn es um Detailfragen zur Wohnung geht. Auch das Niveau vieler Makler lässt schwer zu wünschen übrig; m. E. ist das Berufsbild noch immer nicht geschützt und jeder, der ein Gewerbe angemeldet hat, kann den Job ausüben.

Es gibt allerdings auch Makler, die gute Arbeit leisten. Sie stellen aussagekräftige Informationen mit guten Fotos zusammen, präsentierten die Daten an geeigneten Stellen (Internet, Zeitungen, Immobilienmessen etc.), vermarkten das Mietobjekt also weit besser als der Eigentümer das jemals können würde. Ärgerlich ist halt, dass in Deutschland meist der Mieter dann derjenige ist, der für diese Leistung zahlt, obwohl der VERmieter der eigentliche Nutznießer ist. Das ist zwar auch Verhandlungssache (dem Makler ist im Endeffekt ja Schnuppe, von wem das Geld kommt), wird aber im Gros der Fälle so gehandhabt. So kommen die Makler ja auch an ihre Aufträge: „Mein Angebot ist völlig kostenlos für Sie als Eigentümer… Sie brauchen sich um nichts zu kümmern!“

Ich selber habe übrigens schon aus Prinzip niemals (Miet-)Wohnungen in Betracht gezogen, die über einen Makler vermittelt wurden. Seit es die klassischen Immobilienportale wie Immobilienscout24, Immopool etc. gibt, ist das m. E. auch nicht mehr erforderlich und zwar selbst dann nicht, wenn das Suchobjekt in einer weiter entfernten Stadt liegt.

Viele Grüße
Kirsten

etwas ot
Hey!

Genauso ist es doch mit Einbauküchen:

Warum muss ein Mieter die selbst zahlen? Man weiß nicht, wie lange man mal dort wohnen wird und investiert Tausende, ohne die Küche mitnehmen zu können (ist jedenfalls nicht sinnvoll).

Meine amerikanische Freundin fragte, ob wir auch ne eigene Badewanne und Kloschüssel mitbringen müssen beim Einzug.

Logisch ist das für mich nicht.

Naja, just my 2 cents

Gruß, Flaschenpost

Hi

man kann sich ja auch die Frage stellen, warum in San Francisco ein winziges Haus 850.000 $ kostet, wenn man doch in Texas für 25 % des Betrages eine freistehende Villa bekommt…

Alles eine Frage dessen, was der Markt hergibt.

In Deutschland gibt er Maklerkosten her. In England akzeptiert man dafür aber Wohnungen, in denen die Heizung über Münzzähler betrieben werden, Schlafzimmer mit 6 qm Größe (das dürfte wiederum in Deutschland nicht als „ganzes Zimmer“ bezeichnet werden), Badezimmer mit Teppichboden, Mietverhältnisse ohne nennenswerte Mieterrechte und WG-Zimmer von 10 qm, die 600 Pfund Miete im Monat kosten…

Wendy

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Hallo ente,
das mit der Maklercourtage ist relativ einfach: Der Makler übernimmt für den Vermieter gewisse Aufgaben und muss dafür bezahlt werden, das ist soweit logisch denke ich, oder?
Und warum sollte der Vermieter die Maklergebühr selbst zahlen, wenn es genug Mieter gibt, die bereit sind zu übernehmen? Das macht man als Vermieter nur, wenn man die Wohnung sonst nicht los wird.
Eine vom Mieter bezahlte Maklercourtage hat zudem den positiven Nebeneffekt einer „Schutzgebühr“ für die Wohnung. Interessenten, die nicht solvent genug sind oder die nur kurzzeitig in der Wohnung verbleiben wollen, werden dadurch zumindest abgeschreckt.
Zu der Höhe der Courtage muss man sagen, dass sie NICHT aufwandsbasiert kalkuliert wird, sondern durch die Kopplung an die Kaltmiete an der Zahlungsbereitschaft der Interessenten angepasst wird. So kann es gut sein, dass ein Makler in einem Fall lediglich für das Weitergeben der Kontaktdaten des Vermieters 2500 EUR einstreicht. Das mag man als ungerecht empfinden. Im nächsten Fall muss er aber vielleicht erst ein aufwändiges Exposé erstellen, kriegt die Wohnung erst nach 15 Besichtigungsterminen los, muss dann noch einen Mietvertrag aufsetzen und bekommt am Ende läppische 350 EUR. Davon geht ja noch ein großer Teil für Dienstfahrzeug, Büro etc. ab, so dass am Ende in der Regel ein durchschnittliches „Gehalt“ verbleibt. Es gibt nur wenige Makler, die wirklich reich damit werden.