Woher

Hallo Sprachexperten,

woher kommt eigentlich das Verb „sich anstellen“ im Sinne von „zoegern“ oder „widerborstig sein“: Stell Dich nicht so an! Mach es einfach!

Danke,

Henning.

Hallo, Henning,
„anstellig“ ist auch nach heutigem Sprachgebrauch jemand, der für eine Arbeit geschickt ist. Das Wort wurde auf eine Anregung Lavaters ( http://www.gutenberg2000.de/autoren/lavater.htm ) durch Schiller in die Hochsprache eingeführt. Der hat das Wort dann in seinem Wilhelm Tell vervendet:
(1.Aufz.3 Sz.)
„Was murret ihr? Das ist ein schlechtes Volk,
Zu nichts anstellig als das Vieh zu melken,
Und faul herumzuschlendern auf den Bergen.“
Gruß Eckard,
(Der sich von dieser durch den Fronvogt geäußerten Meinung über die Schweizer ausdrücklich distanziert!)

Hallo,

Ja, das sagt auch der kluge Kluge:

anstellig
Adjektiv „geschickt“ erweiterter Standardwortschatz schwz. (18. Jh.)Stammwort. Auf Vorschlag Lavaters durch Schiller in die Hochsprache eingeführt. Zur Bedeutung vgl. „sich zu etwas (geschickt) anstellen“.
Kluge (1908), 207.

Aber das ist ja nicht gefragt. Es geht dochn um die heute eher negative Bedeutung des „Na, du stellst dich vielleicht an“.

Über diesen Bedeutungswandel weiß ich aber auch nichts.

Gruß
Barney

Hallo, Henning,

„sich anstellen“ ist zunächst einmal neutral und bedeutet nichts weiter als „sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten“.
Dazu:

_ sich anstellen
6. (ugs.) sich in einer bestimmten Weise verhalten: sich geschickt, dumm [bei etw.] a.; stell dich nicht so an! (sei nicht so wehleidig!; zier dich nicht so!).

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Man kann sich also intelligent, klug, geschickt, täppisch, blöd, dumm, albern, weltmännisch und was weiß ich noch anstellen.

Wenn jemand sagt: „Stell dich nicht so an!“ so hat er ein Wort unterschlagen. Nämlich irgendein negatives Adverb, das eigentlich auf so zu folgen hätte.

Es ist aber in der Tat zu beobachten, dass in der Umgangssprache (fast?) immer ein negatives Wort mitgedacht wird. Jedenfalls ist mir im Moment kein positives Beispiel zur Hand.

Gruß Fritz

Über diesen Bedeutungswandel weiß ich aber auch nichts.

Aber Barney,
die Verkehrung ins Gegenteil ist doch nichts Neues, das tritt doch bei vielen Wörtern auf. Hier mag es ursprünglich auf dem Umweg über die Ironie dazu gekommen sein.
Ich gebe allerdings zu, dafür keinen Beleg zu haben, aber analoge Wertewandlungen gibt es zuhauf.
Grüße
Eckard.

Hallo Fritz!

Wenn jemand sagt: „Stell dich nicht so an!“ so hat er ein Wort
unterschlagen. Nämlich irgendein negatives Adverb, das
eigentlich auf so zu folgen hätte.

Es ist aber in der Tat zu beobachten, dass in der
Umgangssprache (fast?) immer ein negatives Wort mitgedacht
wird. Jedenfalls ist mir im Moment kein positives Beispiel zur
Hand.

Wer wollte einen Anderen schon rügen: „Stell dich nicht so geschickt an!“???

In einem Satz ohne „nicht“ findet man aber durchaus positive Adverben, die allerdings immer (?) ausgesprochen werden: „Sie stellt sich ganz geschickt an!“

Hanna

Hallo,

Wer wollte einen Anderen schon rügen: „Stell dich nicht so
geschickt an!“???

ist leider mal wieder aktuell. Der ReFa-Mann geht um, und irgendein HR Controller kommt dann mit leuchtenden Augen gerannt: „Chef, Chef, ich weiß wie wir noch zwanzig Leute mehr freisetzen können!“ – „Braaav, Schulze (Schulterklopp)“.

Also: Stellt Euch nicht so geschickt an!

Meint

MM