Woher kommen eigentlich Herrscher?

Hallo,
jetzt wo bald Neuwahlen in Deutschland anstehen, würde mich mal folgendes interessieren:
Wer ist eigentlich so als erstes auf die Idee gekommen, ein besserer Mensch als andere zu sein und hat sich zum Herrscher gemacht/wählen lassen.
Gibt es irgendwo einen nachweisbaren geschichtlichen Ursprung darüber.
Also so in etwa in der Richtung, der erste Mensch, der Feuer machen konnte war gleichzeitig auch der Dorfstärkste.
gibt es eigentlich irgendwo einen Ursprung, daß sich die Bevölkerung diesem Herrscher unterwerfen müssen/durften?
Also wie ist dieses System entstanden?
Wann (~) ist es entstanden?
Warum ist es entstanden?
Gibt/gab es mögliche Alternativen?

Nachdenkliche Grüsse
von Michael

Der Ursprung der Regentschaft, liegt im Priesterkönigtum. König war hier zugleich Priester, wobei dieses Priestertum ein Herrschertum in Gott war, das sich auch im weltlichen manifestierte.

Erst in feudalen oder monarchischen Gesellschaften wurde diese Tradition zu einer rein weltlichen.

gruß
rolf

Hallo !

Den gleichen Text habe ich erst vor kurzem in einem anderen Brett geschrieben :

Wie entstand der Adel (Beispiel Niedersachsen/Sachsen)

Die sächsischen Eroberer, die aus dem Norden kamen und das Land (heute Niedersachsen) in Besitz nahmen, gehörten einer Kriegerkaste an, die das Land beherrschte und deren Mitglieder „Edelinge“ oder „Nobiles“ wurden (in dem eroberten Gebiet).

Einen Teil des gewonnenen Landes gaben sie an ihre Freunde ab, die ihnen möglicherweise bei der Eroberung geholfen hatten. Dies waren oftmals Franken, die den zweiten Stand, die „Liberi“ oder „Freien“, bildeten.

Die sächsischen Edelinge gaben einen weiteren Teil des Landes an die Freigelassenen, die den Stand der „Frilingi“ bildeten. Diese Freigelassenen waren vorher Leibeigene in dem von den Sachsen erobertem Land. Auch dieser dritte Stand besaß eine persönliche Freiheit, wenngleich er nur ein Teil Eigentum an Grund und Boden besaß. Dieses Grundeigentum war allerdings nicht frei. Alle Angehörigen dieses Standes waren Bauern. Die ersten Angehörigen dieses Standes hatten von den Sachsen nach der Besitzergreifung Nordthüringens 531 von den Eroberern die persönliche Freiheit und auch Grundeigentum erlangt. Beides vererbten sie an ihre Nachkommen weiter, und diese konnten, wenn sie mit in den Kampf zogen, bei neuen Gebietserwerbungen abermals Eigentum an Boden erlangen. Dies waren jene Pflegschaften, die der Munt eines Herrn unterstanden. Sie waren an die Scholle gebunden und damit festgelegt. Diese Stellung unter die Munt, die schützende Hand des Herrn, war im germanisch-sächsischen Recht verwurzelt.

Eine Untergruppe dieser Pflegschaften bildeten die Bergilden, die abgabepflichtig waren. Wer sich von der Bindung an die Scholle ablösen wollte, der gab als Entgeld für diese Loslösung den Zins und war damit Bergilde geworden. Damit hatte er die Möglichkeit erhalten, sein Gut auch zu verkaufen und nicht für alle Zeiten darauf sitzenbleiben zu müssen. Trotz ihrer Zinspflichtigkeit wurden auch die Bergilden als Frilinge angesehen.

In der etwa gleichen Position mit den Pflegschaften und Bergilden standen die freien Lansassen, die zwar persönliche Freiheit, aber kein Grundeigentum besaßen. Sie waren Bauern auf gepachtetem Land.

Die noch im Land sitzende Urbevölkerung wurde zu „Laten“ oder „Liten“, zu Hörigen gemacht.
Sie bestellten als Hörige den Acker.

Während der weiteren Verschiebung des sächsischen Stammesbesitzes nach Westen, brachten die Sachsen in der Mitte des 6. Jahrhunderts ihre seit über 100 Jahren bestehenden Standesverhältnisse mit und schufen auch im Westen ihres Herrschaftsbereichs die gleichen Standesverhältnisse.

Die nach Ansehen und Besitz an vorderster Stelle stehenden Edelinge wurden als Gauvorsteher gewählt, die Lebuin in seiner Vita „Fürsten“ nennt.
Neben den Herzögen, die im Kriegsfall gewählt wurden, gab es für Westfalen, Engern und Ostfalen noch jeweils einen besonderen Herzog, der als „Fürst“ seinen Bereich im Frieden verwaltete.

Das war der Beginn des Adels. Aus Kriegern, die ein Land unterwarfen wurden Edelinge (Adelige) .
Unter diesen mußte es dann natürlich Führer geben, diese wurden als Herzöge vor Kriegen gewählt und irgendwann blieb man es.
Da dieser Titel und weitere später, erblich waren, wuchs der Adel und durch Heirat untereinander wurden sie immer mehr und immer mächtiger. Gab es dann zwei befreundete Herzöge, mußte jemand her, der über sie gebot, also gab es irgendwann den König und schließlich, als Herrscher über sie, den Kaiser.

mfgConrad

Hallo Rolf,
der erste Priesterkönig hat seine Regentschaft
worauf begründet, aufgebaut?
Wann in etwa könnte es gewesen sein?

Gruß
Michael

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Hallo Rolf,
der erste Priesterkönig hat seine Regentschaft
worauf begründet, aufgebaut?
Wann in etwa könnte es gewesen sein?

Das geht so weit das menschliche Forschen reicht, zurück in biblische Zeiten und davor. Man kann nur einige Figuren aus der Geschichte nehmen, die diesem Anspruch genügen, - wie etwa König Artus, der biblische Salomon, usw.

gruß

Hallo Michael,

Rangordnungen gibt es schon bei den höheren Tieren wie z. B. Affen. Diese Tiere kämpfen untereinander die Rangordnung aus und müssen ihren Rang auch weiterhin verteidigen, das heißt, das Alphatier bleibt nicht für immer das Alphatier.

Deshalb glaube ich, es hat auch bei den Menschen schon immer Häuptlinge, Könige usw. gegeben, die eine Horde, einen Stamm, einen Clan angeführt haben und darüber geherrscht haben. Das ist Natur, eine Alternative dazu hat es nicht gegeben.

Während die Tiere aber, wie gesagt, ihren Rang immer wieder neu erkämpfen müssen, haben die Anführer der Menschen irgendwann andere Methoden entwickelt, um sich an der Herrschaft zu erhalten: indem sie diese Herrschaft durch eine Religion zu legitimieren suchten, mit Hilfe von "Herrschafts"wissen, das dem „gemeinen Volk“ vorenthalten blieb, mit Hilfe von Technik usw.

Auf jeden Fall gibt es eine enge Verbindung zwischen Adel und Kampf bzw. Krieg:

  • Aristokratie (griechisch aristos = Krieger)
  • eine höhere militärische Laufbahn war meist Adeligen vorbehalten, nur ausnahmsweise sind Bürgerliche in höhere Offiziersränge aufgestiegen.
  • Besondere Erfolge im Kampf bzw. im Krieg begründeten meist die Erhebung in den Adelsstand.

Soweit meine laienhaften Vorstellungen zum Thema.

Grüße,

I.

Also so in etwa in der Richtung, der erste Mensch, der Feuer
machen konnte war gleichzeitig auch der Dorfstärkste.
gibt es eigentlich irgendwo einen Ursprung, daß sich die
Bevölkerung diesem Herrscher unterwerfen müssen/durften?

so in die richtung ja. ich empfehle dir die reality show „survivor“ anzusehen. das ist sehr spannend. die ganz großen dinge der politik passieren da verkleinert auf einer insel mit 20 einwohnern und knappen ressourcen.

gruß
dataf0x

Hallo,

ich denke, dazu gibt es 2 wesentliche Aspekte.

Der erste, nämlich die Rangordnung in einer Gruppe/Clan,
die sich natürlicherweise herausbildet ist sicher eine
Grundlage. Eine einfache biologische Erklärung ist die
Tatsache, daß Nachkommen starker Individuen einen Vorteil
im Überlebenskampf haben (diese Art von Selektion gibt
es ja bei vielen Tierarten.). Gruppen, die diesem Prinzip
also nicht gehorchen werden im Konkurenzkampf also eher
aussterben.

Damit allein lassen sich wahrscheinlich aber
noch nicht die Hierachien in den viel höher organisierten
gesellschaflichen Strukturen erklären.

Da kommt noch dazu, daß Gruppen mit einer starken Führung
wesentlich effektiver sind als Gruppen ohne Führung.

Dieser Punkt ist besonders bei militärischen Auseinander-
setzungen in höchtem Maße überlebenswichtig.
Gruppen ohne Führung sin einfach nur unorganisierte Haufen
und haben gegen halbwegs effektiv geführte Gruppen keine
Überlebenschance im Kampf um begrenzte Resourcen.
Daß die Führungskräfte auf Grund der zur führung notwendigen
Persönlichkeitsstruktur oft auch Despoten oder Tyrannen
sein können, ist leider eine Nebenwirkung.

Die einzige wirksame Maßnahme, um die neg. Wirkungen
einzugrenzen ist ein gewisses Maß an wirksamer Demokratie.
Gruß Uwi

jetzt wo bald Neuwahlen in Deutschland anstehen, würde mich
mal folgendes interessieren:
Wer ist eigentlich so als erstes auf die Idee gekommen, ein
besserer Mensch als andere zu sein und hat sich zum Herrscher
gemacht/wählen lassen.
Gibt es irgendwo einen nachweisbaren geschichtlichen Ursprung
darüber.
Also so in etwa in der Richtung, der erste Mensch, der Feuer
machen konnte war gleichzeitig auch der Dorfstärkste.
gibt es eigentlich irgendwo einen Ursprung, daß sich die
Bevölkerung diesem Herrscher unterwerfen müssen/durften?
Also wie ist dieses System entstanden?
Wann (~) ist es entstanden?
Warum ist es entstanden?
Gibt/gab es mögliche Alternativen?

Nachdenkliche Grüsse
von Michael

Hallo,

recht gut zeigt sich die Entwicklung, wenn Du Dir etwa die Pharaonen ansiehst. Die sind ein ganz praktisches Beispiel, weil von der „Nullten“ Dynastie an der Herrschaftsanspruch als Gottesinkarnation in etwa der Gleiche bleibt und zugleich zu einer der ersten schriftlich fixierten Herrschergeschichten gehört. Herrscher waren zunächst mal die Menschen, die aus irgendeinem Grund überlegen waren, weil sie etwa besonders gut kämpfen konnten (wenn man etwa an die Narmer-Palette denkt, wo der Pharao ziemlich deutlich zeigt, wer der Herrscher ist und warum er es ist).

Grundsätzlich wurde schon gesagt, dass in der Natur zumindest bei Rudeltieren ein „Alphatier“ zwingend notwendig ist, um die Führung der Gruppe zu übernehmen. Und da macht auch der Mensch keine Ausnahme. Wird eine Gruppe gebildet, wird sich sehr schnell auch ein „Herrscher“ herauskristallisieren, der sich als Sprecher/Leiter (ich will das Wort Führer bewusst vermeiden) etabliert. Sind mehrere Personen mit Führungsanspruch da, wird es früher oder später zum Streit über Entscheidungen kommen.

In Diktaturen/Monarchien mit Gewaltherrschaft gibt es dann einen Putsch oder Proskribtionen, in der Demokratie spielt es eine Rolle, wer die besseren Argumente oder die größere Klappe hat, um die Mehrheit der Gruppe auf sich zu vereinen. Wenn man dann noch Experten in der Gruppe hat, die einen beraten und überzeugende Argumente zu einem bestimmten Thema liefern können, steigert das das Vertraue(= Minister). Alles relativ vereinfacht dargestellt :smile:

Gruß
Christian

hallo,
thomas hobbes, leviathan und john locke (dort weiß ich den titel nicht mehr) haben sich mit der herrschaft auf philosophische weise beschäftigt und zu deiner frage untersuchungen angestellt - warum haben irgendwann welche angefangen über andere faktische herrschaft zu erlangen. diese beiden bücher sind sehr lesenswert und auch unterhaltsam geschrieben (wenn auch ich den beiden autoren nicht in allen bereichen wirklich folgen kann).

beste grüße
marcus

Herrscher kommt von Herr. Herr im diesen Sinne ist der Geist in uns selber obenso ist Gott ein Herr, damit ist auch Gott in uns. Das alles greift bereits im geistigen Bereich.

Um mehr zu wissen, gehe dahin zurück, von wo der Mensch stammt. Der Mensch ist ein Herdentier, damit die Herde auch funktionstüchtig ist Bedarf es der Führung dieser. Führen kann diese nur der das entsprechende geistige Potiental hat und dmezufolge auch für den Fortbestand der Herde zuständig war. Bei der Menschheit wird das geistige das ausschlaggebende gewesen sein, warum, nur die besten durften sich Paaren. Dadurch ist der Mesch das geworden was er heute ist.

In der Diskussion wurden verschiedene Typen von Herrschern beschrieben. Deren Legitimation bzw. die Motivation, ihnen zu folgen, möchte ich wie folgt zusammenfassen:

  1. Instinkt.
    Als Anführer wird das „alpha-Tier“ mit z.B. besonders großen Körperkräften akzeptiert.
    Hier wählt im wesenlichen der Geführte seinen Anführer (auch wenn dieser zu diesem Zwecke Zwang ausüben kann).

  2. Kalkül.
    Ich folge dem, der meine eigenen Interesse am besten repräsentiert.
    Auch hier wir der Anführer ausgewählt.

  3. Ableitung der eigenen Macht von einer höheren weltlichen Macht.
    Der Fürst beteiligt seine Helfer an der Macht, weil er sie zur Machtausübung braucht. Man kann den Fürsten hier als alpha-Tier ansehen.
    Aber wird der Helfer (oder seine Erben) von den Geführten akzeptiert ?
    Wenn nicht, muss er Zwang ausüben, um seine Stellung zu halten.

  4. Ableitung der eigenen Macht von einer höheren himmlischen Macht.
    Man könnte auch sagen, von einer höheren „selbst behaupteten“ Macht. Der Mächtige kann sich ja den ihn legitimierenden Gott eigentlich selbst schnitzen.

Und jetzt kommt die spannende Frage: Wie funktioniert’s eigentlich bei uns ?

Ich spreche nicht vom Bundeskanzler oder von Firmenchefs, sondern von städtischen Planern, Managern der unteren/ mittleren Führungsebene, Journalisten, Lobbyisten, Ausländerbeauftragte, Pressure-Groups, also von denen, die zwar jeder mit geringer „offizieller“ Macht, dafür aber millionenfach und täglich, unser Leben bestimmen.

Von denen sind die wenigsten alpha-Tiere, die meisten sind auch nicht gewählt oder ernannt worden, aber sie sind „Anführer“.

Wer bestimmt in meiner Firma über mich ? Keineswegs nur meine offiziellen Chefs. Auch niedere Chargen, die sich so mit der Firma identifizieren, dass sie sich einbilden, ich müsste mich nach ihnen richten (Vorsicht, die sind gefährlich !): Diese fallen wohl eher unter § 4 als unter § 3.

Würde ich dem städtischen Beamten, der den Bürgersteig so kinderfeindlich geplant hat (selbstverständlich im Einklang mit allen Vorschriften), auch zum Vorsitzenden meines Vereins wählen? Vermutlich nicht, er ist sicher auch kein alpha-Tier, sondern bezieht seinen Machtanspruch aus einer interessanten Mischung aus § 3 und § 4.

Was inspirierte die Aktivisten von „Kinderschützern“ im Wormser Prozess, Dutzende von Eltern und Verwandter als Kinderschänder zu brandmarken, obwohl sich letztlich alles als frei erfunden herausstellte (die Behörden und Gerichte aber diesen Vorgaben allzu bereitwillig folgten) ? Die Motivation der Aktivisten lag sicherlich im psychologischen Bereich. Die der Helfer sicher auch.

Immer wieder stoße ich auf den o.g. § 4. Bei der Bundeswehr gibt es (in anderem Zusammenhang) den schönen Begriff „Vorgesetzter aufgrund eigener Anordnung“.

Folgen wir allen Vorgesetzten aufgrund ihrer eigener Anordnung ? Gläubigen an einen selbstgeschnitzten Gott? Leuten, die ihre eigenen Schimären in eine höhere Ebene projizieren und diesen dann gehorchen ?

Naja, zumindest nicht der Vernunft.

mfg
Klaus