Enö…
Ich muss dir als BWLer doch hoffentlich nichts über Lohnnebenkosten erklären? Willst du ernsthaft behaupten dass ein Praktikant im Vergleich zu einem vollen Mitarbeiter teuer wäre? Diese Rechnung geht niemals auf.
Nein, das behaupte ich nicht.
Aber meine Erfahrung zeigt mir, dass sich Praktikanten längst nicht so sehr „lohnen“ wie das oft angenommen wird.
In einigen Fällen sind sie -verglichen mit anderen Alternativen- sogar ein Minusgeschäft.
Die Frage wäre dann halt, ob man es als Praktikant besser hat oder als Arbeitsloser, dessen Job gerade in China erledigt wird.
Nein, ich sehe es nicht als „Wohltat der Arbeitgeber“, wenn eine vollwertige Fachkraft-Stelle als Praktikum ausgeschrieben und dotiert wird.
Aber auch ein Praktikum ist für Arbeitgeber „nicht so völlig ohne“ wie es gerne angenommen wird.
Schülerpraktikanten
Bringen einem Unternehmen eigentlich kaum bis gar keinen Nutzen, müssen aber einen HR-Prozess durchlaufen (also Ausschreibung, Bewerbungssichtung, Interview, Einstellungsprozess etc, kostet alles gut dotierte HR Mitarbeiter ihre kostbare Zeit).
Wer sich „Schülerpraktikanten zum Ausbeuten“ einstellt ist nicht ganz dicht und vergisst höchstwahrscheinlich die ganzen indirekt damit verbundenen Kosten.
Und von denjenigen, für die man für viel Geld einen Arbeitsplatz einrichtet, erwartet das jeweilige Unternehmen dann einen entsprechenden Vorteil.
Genau. Man investiert und will etwas zurück.
Mein Argument war jetzt einfach nur, dass eben genau das „zurück“ im Verhältnis zur Eigenleistung bei Praktikanten oft so wenig ist, dass man mit einem festen Mitarbeiter oder Trainee meist besser bedient wäre.
Dann zahlen so manche Unternehmen ihren Praktikanten noch ein
paar hundert Euro im Monat, was zwar für den Praktikant nicht
zum Leben reicht aber möglicherweise gesehen auf erwartete
Leistung pro Euro fast gleich viel ist wie bei festen
Mitarbeitern.
Wer das tut kann entweder 1 und 1 nicht zusammenzählen oder
hat den Praktikanten eben doch als billige Arbeitskraft.
Oder möchte einfach im Rahmen eines „gegenseitigen Beschnupperns“ jungen Menschen die Gelegenheit geben, das Unternehmen bei minimalem Risiko kennen zu lernen, idealerweise lange bevor die Ausbildung abgeschlossen wurde.
D.h. man spekuliert nicht auf die Leistung des Praktikanten sondern darauf, dass man ihn später übernimmt sobald er seinen Abschluß und damit die nötige Qualifikation hat.
Also beschäftigt jemanden, der Arbeit leistet, dafür aber nicht die Rechte eines regulären Angestellten hat.
Beziehungsweise die Qualifikation.
Aber halloo? Wer würde ein Praktikum ausschreiben, bei dem er *nicht* erwartet, dass der Praktikant etwas arbeitet und dafür dann am Ende noch ein Praktikumszeugnis mit _Leistungs_nachweis ausstellen?
Das Komische ist dass es gewisse Betriebe gibt, in denen dieses von JEDEM Praktikanten behauptet wird, und wo diese sich seit Jahren auf irgendeiner Stelle abwechseln…
Das machen aber nicht alle so.
Es gibt auch Betriebe, die eben andere Zwecke bei Praktikanten verfolgen: feststellen, ob sich eine Übernahme lohnt.
Klickidklick: http://www.karriere.de/fair-company
Also doch: ein preiswerter Mitarbeiter, der für euch schuften soll, aber dafür nicht richtig bezahlt wird. Falls doch: dann wär’s ja kein Praktikant, sondern ein Mitarbeiter.
Was heißt „nicht richtig bezahlt“?
Es gibt Unternehmen, die zahlen ihren Praktikanten mehr, als Universitäten ihren Tutoren.
Und sogar mehr als manche Kassiererin im Lidl kriegt.
Gruß,
Michael
… der ein unbezahltes 6-monatiges Praktikum in einem Millionen-Euro-Projekt gemacht hat …