Woher sind Artikel gekommen?

Hallo zusammen,

  1. Die Frage nach dem Waschbecken habe ich beantwortet.
  2. recht vielen Dank für Eure Erklärungen.

Darf ich eine geschichtliche Frage stellen?

Wie denkt Ihr, woher sind Artikel ins Latein und ins Deutsche gekommen? Aus dem Arabischen? Hat das moderne Griechische Artikel?
Gibt es slawische Sprachen mit Artikeln?

Mit freundlichen Grüßen
Wladimir

Auch hallo.

  1. Die Frage nach dem Waschbecken habe ich beantwortet.
  2. recht vielen Dank für Eure Erklärungen.

Immer doch :smile:

Darf ich eine geschichtliche Frage stellen?

Ja.

Wie denkt Ihr, woher sind Artikel ins Latein und ins Deutsche
gekommen?

Das Lateinische hat im Regelfall keine Artikel. Der Genus ergibt sich aus der Form
des Substantivs. Beispiel: domin_us_ (lat. Nominativ Singular) -> der Herr. domin_um_ (lat. Akkusativ Singular) -> den Herrn. Oder domin_orum_ (Genitiv Plural) -> der Herren
Aber einen gewissen Altgriechischen Einfluss auf Latein kann man durchaus feststellen :wink: Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Latein

mfg M.L.

Hallo Wladimir,

Darf ich eine geschichtliche Frage stellen?

Immer raus damit… :wink:

Wie denkt Ihr, woher sind Artikel ins Latein und ins Deutsche
gekommen? Aus dem Arabischen?

Laut Wikipedia haben die deutschen Artikel ihren Ursprung im Griechischen:

Bereits in Wulfilas gotischer Bibelübersetzung lassen sich Artikel nachweisen. Ihren Gebrauch führt Ingred Dal auf den Einfluss des griechischen Ausgangstextes zurück, in dem Artikel verwendet wurden.

Ausführlich kannst Du es hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_(Wortart)

Hat das moderne Griechische
Artikel?

Neugriechisch? Ja… Lernt man bereits in Lektion 1: http://deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=382… Buch anschauen&part=3&word=. :wink:

Gibt es slawische Sprachen mit Artikeln?

Klar… Polnisch zum Beispiel.

Grüße
Renee

Zusatzinfo, Artikel als Wortanhang
Hallo Wladimir,

die heutige Ísländische Sprache hat sich wegen der Abgeschiedenheit in 1.200 Jahren vom ursprünglichen Altnordgermanisch nicht allzusehr verändert*. Manche Begriffe im Platt (Norddeutsch) finden sich dort wieder (VÍk, Wiek = Bucht).

Was die Artikel angeht ist das Interessante, dass sie an das Wort angehängt werden.

  • sími (Draht, Telephon)
  • síminn (der Draht, das Telephon)

typische Artikel-Endung ist das -inn.

Gruß

Stefan

* Nichtsdestotrotz kann der durchschnittliche Ísländer nicht, wie in den meisten Berichten steht, das Altísländische lesen.

wie sind Artikel ins Latein und ins Deutsche
gekommen?

Hallo Wladimir!
Latein ist ein prima Beispiel:
Es hat keine Artikel. Aber auf dem Weg in die modernen romanischen Sprachen findst Du überall, dass aus dem Demonstrativpronomen
ille, illa,illud
der Artikel geworden ist; z. B.:
Französisch le, la
Italienisch il, la
usw.
Dabei sind zwei Dinge zu beachten:
Schon im gesprochenen Latein wurde dieses Pronomen gegenüber den anderen Demonstrativpronomina bevorzugt und oft schon wie ein Artikel zu etwas bereits Genanntem hinzugefügt.
Das lat. Neutrum als Genus der Substantive fällt weg. Denn bei der Übernahme des Lateinischen verwendete man den Akkusativ als Grundform, und da sind dann für Nichtlateiner Maskulinum und Neutrum nicht mehr unterscheidbar. Einzige Ausnahme: Manche meist im Plural verwendeten Neutra (Endung -a, z.B. maria Meere) hat man für Femininum Singular (ebenfalls -a!) gehalten, so dass z. B. im Französischen „Meer / mer“ zu einem Femininum wurde, obwohl das lateinische Neutrum „mare“ zugrundeliegt. [Dies ist jedenfalls die häufigste Erklärung dafür.]
Auch im Deutschen entstanden die Artikel aus Demonstrativpronomina.
Schöne Grüße!
H.

Das Lateinische hat im Regelfall keine Artikel. Der Genus
ergibt sich aus der Form

Der „Zweck“ eines Artikels ist aber nicht das Geschlecht anzuzeigen, sondern ein konkretes von einem unbestimmten Ding zu unterscheiden.

Es gibt Sprachen mit nur einem einzigen Artikel für alle Geschlechter, Zahlen und Fälle.

Im Lateinischen gibt es keinen Unterschied zwischen „Das Mädchen spielt draußen“ und „ein Mädchen spielt draußen“ (Soweit ich weiß im Russischen auch nicht). Man muß das Konkrete Mädchen umschreiben mit „dieses eine Mädchen“ usw.

Übrigens ist die Unterscheidung zwischen konkret und unbestimmt auch im Deutschen nicht vollständig:

  1. „Ein Mädchen spielt draußen“ kann bedeuten „Ein unbestimmtes Mädchen“ oder „Genau ein, aber nicht zwei Mädchen“ (was auf eine besondere art „bestimmt“ wäre - mir fehlen die grammatischen Begriffe das auszudrücken).

  2. „Das ist mein Kind“ kann zwei Dinge bedeuten: „Das ist mein einziges Kind“ und „das ist eines meiner Kinder“ bzw. „Dieses Kind gehört zu mir“. (Es fällt schwer das zu beschreiben.)

Gruß
dataf0x

Hoppla, hier ist Vorsicht geboten:

Der „Zweck“ eines Artikels ist aber nicht das Geschlecht
anzuzeigen, sondern ein konkretes von einem unbestimmten Ding
zu unterscheiden.

Das trifft nur für die Unterscheidung zwischen bestimmtem und unbestimmtem Artikel zu. Gibt es mehrere Genera in einer Sprache (wie z. B. im Deutschen), werden diese zusätzlich durch unterschiedliche Artikelformen gekennzeichnet.

Übrigens ist die Unterscheidung zwischen konkret und
unbestimmt auch im Deutschen nicht vollständig:

???

  1. „Ein Mädchen spielt draußen“ kann bedeuten „Ein
    unbestimmtes Mädchen“ oder „Genau ein, aber nicht zwei
    Mädchen“ (was auf eine besondere art „bestimmt“ wäre - mir
    fehlen die grammatischen Begriffe das auszudrücken).

Nein, nein, hier gehen Artikel und Numeralia durcheinander. Der unbestimmte Artikel ist zu unterscheiden vom Zahlwort. Dies ergibt sich zumeist aus dem Sinn, in der gesprochenen Sprache durch die Betonung. Im vorliegenden Beispiel würde beim Zahlwort „ein“ betont, beim Artikel läge die Betonung hingegen auf „Mädchen“.

  1. „Das ist mein Kind“ kann zwei Dinge bedeuten: „Das ist mein
    einziges Kind“ und „das ist eines meiner Kinder“ bzw. „Dieses
    Kind gehört zu mir“. (Es fällt schwer das zu beschreiben.)

Nein, jetzt sind wir beim Thema Possessivpronomen. Das ist ein ganz neues Fass. „Mein einziges Kind“ bedeutet das Beispiel in gar keinem Fall. Es wird lediglich gesagt, dass es sich um „mein“ Kind handelt. Wieviele Kinder ich insgesamt habe, bleibt unberücksichtigt. Es ist deshalb auch nicht unbedingt „eines meiner Kinder“, denn es könnte durchaus mein einziges sein. Muss aber nicht, es wird nicht ausgedrückt. Das Possessivpronomen regelt lediglich mein Verhältnis zu diesem in Frage stehenden Kind.

Gruß. m.

Gruß
dataf0x

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Nein, nein, hier gehen Artikel und Numeralia durcheinander.

Numeralia… das war es!

Der unbestimmte Artikel ist zu unterscheiden vom Zahlwort.

Im Deutschen gibt es keinen sichtbaren Unterschied. Aber ich seh schon, das war ein völlig danebenes Beispiel für den Unterschied zwischen Bestimmtheit und Unbestimmtheit. :smile:

Es wird lediglich gesagt, dass es sich um
„mein“ Kind handelt. Wieviele Kinder ich insgesamt habe,
bleibt unberücksichtigt.

Das bleibt deswegen nicht berücksichtigt, weil es im Deutschen unmöglich ist, das Possessivpronomen mit dem unbestimmten Artikel zu kombinieren. Das wäre nämlich „Das ist ein mein Kind“ im Gegensatz zu „Das ist das mein Kind“.

In anderen SPrachen gibt es diesen Utnerschied. Ob der Artikel steht oder nicht hängt davon ab, ob es eines oder mehrere dieser Dinge gibt. „das ist mein Kopf“ hätte einen Artikel, weil man nur einen Kopf hat, „das ist mein Zahn“ nicht, weil man nornalerweise mehr als einen Zahn hat. :smile:

Konkret wichtig wird der Unterschied beim Wort Freund/Freundin. Im Deutschen ist „Das ist mein Freund“ (von einer Frau gesagt) zweideutig. Entweder ist es einer ihrer ihr nahestenden Bekannten oder ihr boyfriend. Gibt es einen Artikel, ist es sofort klar: „Das ist der meinige Freund“ = my boyfriend. „Das ist ein meiniger Freund“ = ein guter Bekannter.

Muss aber nicht, es wird nicht ausgedrückt.

Eben, weil man es nicht ausdrücken KANN.

Ebenso kann man im Lateinischen auch nicht ausdrücken „Das Kind“ im Gegensatz zu „ein Kind“. Man kann nur „dieses eine Kind“ sagen. („ille“ wenn ich mich nicht irre - woraus dann die romanischen Artikeln wurden.)

Gruß
dataf0x

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Servus lieber Wladimir!

Schön und gut, dass Du Dich für die Beantwortung Deiner Fragen immer

so artig bedankst. Doch mir ist aufgefallen, dass Du seit zwei Wochen

Sternchen vergeben kannst und doch keinen Gebrauch davon machst. Falls

Dir das entgangen ist und Du nicht weisst was ich meine, dann schau

doch bitte mal in diese FAQ:http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/faqs/faqindex.fp… rein.

SCNR- Schöne Grüsse aus Wien sendet Dir - clubomatic

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So ein Quark! *augenverdreh*
Hi Clubomatic,

es steht jedem frei, die Form des Danks selbst zu bestimmen (Sternchen, Rückmeldung im Forum, Mail, was-weiss-ich). Für die Sternchen kannst Du Dir schließlich auch nichts kaufen. Außerdem weißt Du ohnehin nicht, von wem die Dinger kommen.

Gruß
Renee
immer wieder über die Sternchengeilheit mancher User erstaunt

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Servus meine liebe R.B.!

Das sagst gerade Du, dass vom psychologischen Standpunkt fast schon

paradox klingt laut Deiner Vika. Denn Du verwendest mindestens acht

visuelle (!) Sternchen, um uns etwas mitzuteilen - na, klingelt’s:wink:

P.S.: Das Sternderl ist von…?

SCNR- Schöne Grüsse sendet Dir aus Wien Dein - clubomatic

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Nicht ganz…
Salve mercuri,
Auch bei deiner Behauptung sei Vorsicht geboten!

Gibt es mehrere Genera in einer
Sprache (wie z. B. im Deutschen), werden diese zusätzlich
durch unterschiedliche Artikelformen gekennzeichnet.

Das trifft vielleicht auf’s Deutsche zu, aber auf viele außereuropäische Sprachen nicht. Im Arabischen gibt’s als Artikel im Plural, im Singular, maskulin so wie feminin nur الـ (al-). Im Hawaiianischen ist’s m.W. auch so. Vielleicht gibt’s auch europäische Sprachen, bei denen das so ist… Irisch, Walisisch vielleicht, bin mir nicht sicher.

Gruß,

  • André
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Klar… Polnisch zum Beispiel.

Polnisch hat Artikel? Das wäre mir neu. Ich weiß, dass Bulgarisch Artikel hat — sie werden als Klitika hinten ans Wortende angehängt. Aber Polnisch…? Bist du sicher, dass es keine Demonstrativpronomen sind?

Grüße,

  • André
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Das ist übrigens im Schwedischen, Dänischen, Norwegischen, Färöischen (denk ich mal), Baskischen, Rumänischen, Albanischen und Bulgarischen auch so. Außer Baskisch sind das ja auch alles indo-europäische Sprachen.

Liebe Grüße,

  • André

Ähem… Ja… Das passiert, wenn man drei Sprachen durcheinander spricht, von denen auch in der, in der es keine Artikel gibt, ein Terminus - rodzajnik określony bzw. rodzajnik nieokreślony - dafür existiert. Du hast selbstverständlich Recht, André… Ich glaube, so langsam schlägt mir die Hitze aufs Gehirn. Ich gehe mich dann mal 'ne Runde schämen. :wink:

Grüße
Renee

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[off topic]
Hallo noch einmal,

Denn Du verwendest mindestens
acht
visuelle (!) Sternchen, um uns etwas mitzuteilen

Na jaaaaa… Ursprünglich sollten da auch ganz standesgerecht kleine Besen hin, aber das Team wollte für mich ums Verrecken keine Ausnahme machen und war trotz mehreren Anträgen nicht bereit, kleine Besen für meine ViKa zu programmieren. Notgedrungen und zähneknirschend mußte ich also auf die vorhandenen graphischen Mittel - sprich: Sterne - ausweichen. :wink:

Gruß
Renee

Hallo Andre!
Ist denn rumaenisch keine romanische Sprache?! Oder gehoeren die romanischen Sprachen zu den indo-europaeischen Sprachen? Oder ist rumaenisch eine Mischung aus romanisch und indo-europaeisch?
Gruesse,
Mariella

Liebe Mariella,
Rumänisch ist eine romanische Sprache und alle romanischen Sprachen sind Indo-Europäisch.

Gruß,

  • André

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das trifft vielleicht auf’s Deutsche zu, aber auf viele
außereuropäische Sprachen nicht.

Das habe ich nie bestritten. Wir befinden uns hier aber im Brett „Deutsche Sprache“…

Das trifft vielleicht auf’s Deutsche zu, aber auf viele
außereuropäische Sprachen nicht.

Das habe ich nie bestritten. Wir befinden uns hier aber im
Brett „Deutsche Sprache“…

Du schriebst aber nicht nur vom Deutschen, sondern allgemein von „Sprach_en_“, das schließt dann alle ein.

Soll aber keine böse Kritik sein, ich versuche nur, dem Indo-Europäozentrismus etwas entgegenzuwirken. =)

Gruß,

  • André