Wohnobjekt als Kapitalanlage zu empfehlen ?

Hallo,
ist diese Wohnung als Kapitalanlage zu empfehlen ?

Kaufpreis: ca. 84 000 Euro für 46 qm, 2 Zimmer mit Vollbad+ Balkon +
Stellplatz für Auto (Baujahr 1980, sehr gute Substanz)
Lage: sehr zentrale Lage in Barmbek/Uhlenhorst (beliebte Single-Gegend), Hamburg
Wohngeld: 170 Euro pro Monat --> davon kann ich dann 73,-- nicht auf den
Mieter umwälzen (laut Makler).
(Es wird laut Eigentümerbeschluß eine hohe Rücklage gebildet, d.h.
in dem Wohngeld von 170,-- sind monatlich 33,75 allein für
die Rücklage enthalten.)

Ich kann dort 10 Euro/m² Kaltmiete verlangen = 460 Euro Kaltmiete
Die Stellplatzmiete liegt zurzeit bei 40 Euro.

Ich könnte für die Wohnung 557,-- (Kaltmiete + Wohngeld) und 40 ,-- für den
Stellplatz einnehmen.

Zusatz:
Die Kosten für die Sonderverwaltung (wenn der Makler die Betreuung
übernimmt) belaufen sich auf 5% der
Bruttomiete (also inkl. Heiz- u. Betriebskosten) zzgl. 16% MwSt. (ca. 31
Euro)

Wie hoch betragen meine laufenden Kosten, wenn ich dafür einen Kredit von
83 000 - 85 000 Euro in Anspruch nehme ?
Ist die Wohnung für meinen langfristigen Vermögensaufbau als Kapitalanlage zu empfehlen ?

Danke im voraus.
Gruß, Pet

Hallo Pet,

Dir da aus der Entfernung ein Antwort auf Deine Frage zu geben ist mit gutem Gewissen nicht möglich. Deshalb an dieser Stelle einfach ein paar Dinge, die mir spontan eingefallen sind, als ich Deinen Artikel gelesen habe:

  • 84.000 € abzgl. 5.000€ f. den Stellplatz entspricht rd. 1.700€/qm. Das erscheint mir für eine Wohnung, die 23 Jahre alt ist relativ teuer. Allerdings kenne ich die Lage nicht, weshalb es auch ein guter Preis sein kann. Ein wichtiger Faktor ist dabei auch noch die Größe des Objekts, d.h. wieviel Wohneinheiten sind in diesem Objekt? Je mehr, desto billiger.
  • 23 Jahre alt bedeutet auch, dass demnächst die ersten Reparaturen anfallen können. Wie hoch sind denn die vorhandenen Rücklagen. Mal angenommen die Heizung ist kputt und die Rücklagen reichen für die Erneuerung nicht aus, oder die Eigentümegemeinschaft beschließt für die Erneuerung nur einen Teil der Rücklagen zu verwenden, dann musst Du aus eigener Tasche nachlegen.
    -Für die Vermietbarkeit ist es enorm wichtig etwas über den „Ruf“ des Objektes zu wissen. Kennst Du Leute die in dem Objekt oder in der Umgebung wohnen und vielleicht was zu berichten haben?
    -Ich würde mir auch mal die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen zeigen lassen, dann hast Du einen gewissen Einblick über die Geschehnisse der vergangenen Jahre.
  • Die Kosten für den Kredit belaufen sich für 85.000€ gerechnet mit 7%p.a. Zins u. Tilgung auf rd. 500€ mtl.
  • Hast Du daran gedacht, dass zu dem Kaufpreis noch ca. 9% Nebenkosten dazukommen(Makler, Notar/Grundbuchamt, Grunderwerbsteuer)?
    -Kannst und willst Du die Belastung auch tragen, wenn die Wohnung eine zeitlang leer steht? Sind 10€/qm Miete wirklich realistisch?
  • Das mit der Sonderverwaltung durch den Makler habe ich nicht verstanden? Was verwaltet der? Ist der Makler auch Hausverwalter? Dann ist sein Honorar im Wohngeld enthalten. Kümmert er sich an Deiner statt um die Vermietung und den Mieter? Dann fände ich 30€ im Monat zu viel, denn im Normalfall hat er nichts zu tun.
  • Ich persönlich finde Immobilien als Kapitalanlage sehr gut. Wenn gleich die Meinungen zu diesem Thema sehr unterschiedlich sind. Die einen schwören drauf, die anderen verteufeln es. Wichtig ist, dass Immobilien kein Garant für eine sichere Anlage sind. Wenn die Preise sinken, sinkt auch Dein Vermögen bzw. steigen Deine Kosten. Wie beim Kauf von Aktien muss man die Entscheidung entsprechend seinem Naturell treffen und die Umstände des Kauobjektes genau betrachten, nur dann kann man entscheiden, ob man bereit ist eine solche Investition zu tätigen. Dir einen pauschalen Rat zu geben wäre wie gesagt nicht besonders seriös.

So nun viel Spaß beim Grübeln!

Viele Grüße
Heiko

Hallo,

Du hast die Gbrauchsanleitung doch schon bekommen:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Ich könnte für die Wohnung 557,-- (Kaltmiete + Wohngeld) und
40 ,-- für den
Stellplatz einnehmen.

Bitte bedenken: „Wohngeld“ bitte nicht auf die Miete aufschlagen, denn das ist ein durchlaufender Posten. Vielmehr sind m.E. die 73 Euro, die nicht umgelegt werden können, von der Miete abzuziehen.

Gruß
Christian

Hallo,
ist diese Wohnung als Kapitalanlage zu empfehlen ?

Absolut NEIN !!!

Kaufpreis: ca. 84 000 Euro für 46 qm, 2 Zimmer mit Vollbad+
Balkon +
Stellplatz für Auto (Baujahr 1980, sehr gute Substanz)

Bei sinkenden Immobilienpreisen mehr als 1400 Euro pro qm spricht von horrenden Vertriebsprovisionen.

Lage: sehr zentrale Lage in Barmbek/Uhlenhorst (beliebte
Single-Gegend), Hamburg

singles sind keine langfristigen Mieter. Wer gibt dir die Mietgarantie? Wer zahlt die Renovierungskosten, wenn mal wieder ein single 1/2 Jahr Party gemacht hat und vergaß die Miete zu bezahlen?

Wohngeld: 170 Euro pro Monat --> davon kann ich dann 73,–
nicht auf den
Mieter umwälzen (laut Makler).

Sehr eigenartig, daß ein so hoher Kostenanteil nicht umlagefähig sein soll.

(Es wird laut Eigentümerbeschluß eine hohe Rücklage gebildet,
d.h.
in dem Wohngeld von 170,-- sind monatlich 33,75 allein für
die Rücklage enthalten.)

Aha, also hoher Renovierungsstau bzw. hohe Renovierungskosten in Aussicht.

Ich könnte für die Wohnung 557,-- (Kaltmiete + Wohngeld) und
40 ,-- für den
Stellplatz einnehmen.

610 Euro plus Nebenosten für 40qm ? Würdest du das bezahlen?

Zusatz:
Die Kosten für die Sonderverwaltung (wenn der Makler die
Betreuung
übernimmt) belaufen sich auf 5% der
Bruttomiete (also inkl. Heiz- u. Betriebskosten) zzgl. 16%
MwSt. (ca. 31
Euro)

Billig! Aber nur damit die die Verwaltung abgibst und nicht dahinterblickst, weas in der noblen Gegend so täglich abläuft.

Wie hoch betragen meine laufenden Kosten, wenn ich dafür einen
Kredit von
83 000 - 85 000 Euro in Anspruch nehme ?

Das entspräche einer Vollfinanzierung. Dafür kriegst du auf keiner Bank Geld.

Ist die Wohnung für meinen langfristigen Vermögensaufbau als
Kapitalanlage zu empfehlen ?

Nein, nein , nein: Die Wohnprojekte die wirklich Renditeträchtig sind, sind an der Handabzuzählen. Reich wurden meist nur Makler und Initiatoren dieser Schaumschlägerobjekte. ETW nur zur Eigennutzung kaufen.

gruss
winkel

nein!
moin,
die wohnung ist zu teuer und zu alt fuer die groesse, die fluktuation der mieter wird hoch sein ( das hat winkel gut begruendet )
finger weg!
gruss
khs

Hallo Pet,

abgesehen davon, dass ich winkels Ausführungen teile.

Was glaubst du was dich eine 100% Finanzierung kosten wird?
Glaubst du eine Bank macht da überhaupt so ohne weiteres mit?

Gruß Ivo

Guten Abend!

Ganz sicher können Immobilien werthaltige Kapitalanlagen sein und mit einigen läßt sich sogar Geld verdienen. Was Du aber erzählst, ginge mir ganz und gar gegen den Strich. Verwalter, Sonderverwalter, Eigentümerversammlung - außer immer fleißig zu bezahlen ist dabei für Dich keine Rolle frei. Jedenfalls keine Rolle, in der Du gestalten und bestimmen kannst.

Bevorzugte Singlegegend - entschuldige bitte, aber das ist hohles Maklergewäsch. Wo liegt die Wohnung überhaupt? Barmbek oder Uhlenhorst? In Barmbek findest Du kaum jemanden, der 10 € kalt bezahlt und in einigen Gegenden Uhlenhorsts fangen die Mieten bei 10 € erst an.
Ob eine Rücklage von 33 €/Monat viel oder wenig ist, kann man nur bei Kenntnis des Gebäudezustands beurteilen. Dafür muß man sich das Haus vom Keller bis zum Dachboden angesehen haben, denn egal wo etwas zu machen ist, ob ein undichter Keller, ein Defekt am Dach, Schmierereien an der Fassade, Reparaturen an den Balkonen - Du bist kostenmäßig immer dabei. Ob eine neue Haustür fällig wird, eine Briefkastenanlage, eine neue Steuerung für den Aufzug, Du merkst u. U. recht bald, daß man 33 € nicht einmal zischen hört, bevor sie verdunsten.

Nach meinem persönlichen Geschmack käme nur eine Kapitalanlage in Betracht, über die ich ohne Einschränkungen selbst verfüge. Nach Deiner Schilderung beschränkt sich Deine Rolle darauf, auf Rechnungen für Aufwand zu warten, über den ein Haufen anderer Leute befindet.

In Deiner Frage ist von Kapitalanlage die Rede. Wenn ich die Sache richtig verstanden habe, hast Du aber gar kein Kapital zum Anlegen. Du mußt das Kapital leihen, um es dann abzustottern. Wenn Du dafür eine Bank findest, ists ja gut. Aber was machst Du, wenn die Wohnung mal ein paar Monate leer steht oder wenn keine 10 €, sondern vielleicht nur 7 €/qm zu erlösen sind? Ich würde jedenfalls keinen Kredit aufnehmen, bei dem nur sicher ist, daß Du zahlen mußt, was aber an weiteren Kosten entsteht oder erlöst wird, ist von anderen Leuten abhängig.

Grundsätzlich würde ich Eigentumswohnungen äußerst kritisch betrachten. Es sind Eigentumsverhältnisse in Wohnanlagen denkbar, daß Du absolut nichts zu sagen hast, sondern nur zum Bezahlen da bist. Eigentlich bestimmt derjenige, der bezahlt, was gespielt wird. Diese Chance hat man nur in kleinen Wohnanlagen und wenn man im günstigsten Fall selbst verwaltet. Ansonsten wird aus der Geldanlage eine Anlage zum Geldversenken.

Gruß
Wolfgang

Hallo Marsi,

folgende Aspekte möchte ich noch kurz hinzufügen:

  1. schau Dir unbedingt die Protokolle der bisherigen Eigentümerversammlungen an. Dort kommt dann oftmals raus, ob wichtige Sanierungen anstehen und / oder die Eigentümer miteinander im Streit sind.

  2. die Quote der eigengenutzten Immobilien sollte möglichst hoch sein
    Erfahrungsgemäß wird dann mehr auf den Erhalt der Immobilie geachtet als bei reinen Kapitalanlageobjekten

  3. aufgrund der Wohnungsgröße und Single-Auslegung solltest Du unbedingt eine höhere Fluktuation und damit verbunden häufigeres renovieren einplanen. Zwar sind oftmals wichtige Renovierungsaufgaben (Tapezieren usw.) gem. Mietvertrag an den Mieter übertragen, insbesondere bei kleineren Wohnungen kann man nicht ausschließen, dass der Mieter Pleite ist und man darauf sitzen bleibt (ist mir letztes Jahr mit meiner Wohnung am Bodensee so passiert - Gesamtschaden einschl. Mietausfall ca. 6.000 €). Ausserdem bist Du als Vermieter für den Ersatz des Bodenbelags (Teppich usw.) verantwortlich, wenn Du nicht „nackt“ = Estrich vermietet hast. Du solltest in Deine Rentabilitätsbetrachtung also unbedingt etwas für Leerstand und Renovierungsarbeiten (Badrenovierung kann sehr ins Geld gehen - wie sieht’s damit aus ?) berücksichtigen. Lohnt sich die Vermietung dann noch ?

  4. Kredit
    Eine Finanzierung über 100% der Kreditsumme bringt einen Aufschlag auf den Zinssatz mit sich. Pass insbesondere auf, wenn Dir einer eine Tilgung über Bausparvertrag, Lebensversicherung, Aktienfonds o.ä. andrehen will, hier sollte ganz besonders kritisch geprüft werden. Wichtig: Du solltest nicht Dein ganzes zur Verfügung stehendes Geld für diese Anlage einplanen sondern auf eine verbleibende Liquidität achten (wir hatten in unserer Wohnanlage mit 47 Einheiten schon 3 Zwangsversteigerungen - Ursachen: verlorener Job, Scheidung mit Unterhaltszahlungen, Berufsunfähigkeit usw.). Falls Dir die Rechnerei zu aufwendig ist, dann wende Dich bitte an einen Honorarberater, der hat nämlich keinerlei Verkaufsabsichten / Provisionsgier (darf er auch gar nicht) und haftet für seine Beratung.

Grüsse

Sven