Wohnung von Urgroßmutter

Guten Abend!
Es ist schwierig hierfür einen passenden Titel zu wählen…
ich werde in absehbarer Zeit in die Wohnung ziehen, in der meine Urgroßmutter gelebt hat und in der sie auch gestorben ist.
Ich habe die letzten Tage bzw. Stunden vor ihrem Ableben noch gut in Erinnerung. Speziell diese eine Ecke auf dem Sofa, einer Stube neben der Küche, auf dem sie lag.

Ich weiß, dieses Thema passt evtl gar nicht in dieses Forum, aber doch hat es etwas damit zutun.

Zum Glück ist es eine größere Wohnung mit 4 Zimmern, und ich muss mich nicht ständig in dieser einen Stube aufhalten. Aber immer wenn ich in diesem Raum bin wird mir unwohl.
Ich weiß nicht, was ich mit diesem Raum anfangen soll. Komplett renoviert werden müsste er auf jeden Fall, damit ich mich einigermaßen wohl darin fühlen könnte.
Aber was mache ich mit der Stelle, auf der sie starb. Das Sofa kommt natürlich raus…
Bin für Vorschläge dankbar.

Hi,

Speziell diese eine Ecke auf dem Sofa,
einer Stube neben der Küche, auf dem sie lag.

Zunächst ein Trost: dieses Unwohlgefühl verliert sich nach und nach, ich verstehe aber sehr gut, was Du meinst.

Wenn die Stube neben der Küche liegt würde ich da ein Esszimmer einrichten. Tisch und Stühle, eine schöne Pflanze, bisschen Kunst an die Wand. Und an der Stelle, wo das Sofa stand, würde ich ein Bild der Urgroßmutter aufhängen. Das wird Dir irgendwann ein schönes Gefühl der Erinnerung geben und gleichzeitig ist sie immer Gast an Deinem Tisch.

Gruß,

Anja

Wenn die Stube neben der Küche liegt würde ich da ein
Esszimmer einrichten. Tisch und Stühle, eine schöne Pflanze,
bisschen Kunst an die Wand. Und an der Stelle, wo das Sofa
stand, würde ich ein Bild der Urgroßmutter aufhängen. Das wird
Dir irgendwann ein schönes Gefühl der Erinnerung geben und
gleichzeitig ist sie immer Gast an Deinem Tisch.

Hallo, wenn es genau DIE Ecke war, kann das aber auch nach hinten losgehen. Dann kann sich die erinnerung daran noch extra fest verankern.
Ich würde mir eine andere Ecke in der Wohnung suchen, evtl eine die positiver besetzt ist und dort einen Uromaschrein (Bild an Wand oder auf Tisch, evtl auch mit weiteren Verwandten, so dass es ein echter Ahnenschrein wird) drapieren.
wenn du magst kannst du dort auch richtige kleine Erinnerungsmomente/Rituale machen oder schlicht immer wieder frische Blumen dazustellen, so kann die Erinnerungs an die Oma sich an diese neue Ecke verziehen und du kannst die Erinnerung an das Ereignis in der anderen Ecke hoffentlich vergessen.
Ich würde auch versuchen die Todesecke möglichst nicht besonders zu betonen also weder mit Tünnef (Tuch, besonderes Möbel, Bodenvase)hervorzuheben, noch mit bewußter Kahlheit andersherum hervorzuheben. Vielleicht am besten eine klassische Schrankwand davor, also irgendwas, was es schwer macht die besagte Stelle zu lokalisieren und wo die Betonung/wesentliche Guckrichtung (TV/Vitrine) auf dem anderen Ende liegt.
Gruß Susanne

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Hi,
das vergeht. Mein Schwiegervater ist in unserer Wohnung (bevor wir eingezogen sind) im Wohnzimmer/Arbeitszimmer verstorben. Wir waren dabei. Ich habe am Anfang als wir noch renovierten auch ein komisches Gefühl gehabt. Nach Tapezieren und streichen habe ich bewusst die Möbel anders gestellt als sie meine Schwiegereltern früher gestellt hatten.
Sie hatten ihre Couch mit der Rückseite zum Arbeitsplatz, wir haben unsere Couch unterm Fenster, mit offenem Blick auf den Arbeitplatz. Der Schrank steht an genau der anderen Zimmerwand. Meine Schwiegermutter hat den Raum auch positiv aufgenommen und sich nicht an den toten Mann erinnert gefühlt.
Und ich habe mir eine positive Einstellung verschaft: Es sterben soviele im Krankenhaus und alleine, er ist in den Armen seines Sohnes auf der eigenen Couch eingeschlafen. Er war ein lieber und herzlicher Mann, der niemals was böses uns wollte, wenn sein Geist hier noch ist, dann nur um auf uns aufzupassen :smile:
Lieben Gruß
Plö

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Hi,

Ich würde auch versuchen die Todesecke möglichst nicht
besonders zu betonen

Das klingt nach einem gestörten Verhältnis zum Tod - für mich gehört der Tod zum Leben dazu.

Gruß,

Anja

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kein gestörtes verhältnis

Hi,

Ich würde auch versuchen die Todesecke möglichst nicht
besonders zu betonen

Das klingt nach einem gestörten Verhältnis zum Tod - für mich
gehört der Tod zum Leben dazu.

Für mich auch, aber ich weiß auch, dass der Anblick einer Leiche, noch dazu eines geliebten Menschen an einem bestimmten Ort ebenso wie ein Ort des anderweitigen Abschieds (also zB. ein Flughafen bei einer Auswanderung mit nicht zu erwartenden Wiedersehen) traurige Erinnerungen wachrufen kann, die es einem eben schwer machen sich dort behaglich zu fühlen.
Ich habe dagegen kein Problem auf einem alten Seziertisch mein Mittagessen einzunehmen (nur mal so als Gegenbeispiel aus meinem Leben) oder mit mir persönlich nicht bekannten Knochen herumzuhantieren (hab Medizingeschichte, Ur-und Frühgeschichte und Psychologie studiert und in den ersteren Fächern Praktika gehabt, bei denen ich ausgiebig mit dem Tod Kontakt hatte). Todesecke hört sich vielleicht etwas zudramatisch an, aber da ich davor von „die andere ecke“ schrieb wusste ich nicht wie ich sie sonst bezeichnen sollte um eben wieder auf DIE Ecke zu kommen, das passte da nicht mehr, obwohl ich es eben weiter oben sogelöst hab.

Noch nach Jahren erinnere ich mich an manche Dinge in Verbindung mit einem Ort, solange es schöne Erinnerungen sind ist es ja ganz nett, aber wenn sie mit dem Tod oder einem schmerzhaften Abschied zusammenhängen, dann nicht mehr (also es gibt da eine bestimmte Jugendherberge die sieht mich nicht mehr wieder/Erste Liebe und Paris mit Liebeskummer bereisen müssen und dabei den Liebsten in den Armen einer anderen zu sehen ist auch nicht prickelnd, ich weiß nicht ob ich da nochmal hin muss.)

Sorry jetzt für den Vergleich, ich hab bisher nur Tiere direkt verloren, Die Ecke wo der Kaninchenkäfig stand in meinem Wohnzimmer blieb lange Zeit leer, trotz Renovierung (schließlich hatte alles andere seinen Platz) und ebensolange habe ich mich immer wieder erinnern müssen, wie er zuletzt qualvoll in einen epileptischen Anfall fiel, ich ihn schnell auf den Arm nahm und ohne Transportbox heulend rennend zu Fuß die etwa 500 Meter zum TA brachte wo er erlöst wurde, nachdem ich verzweifelt, da Sonntag nach SOS geklingelt hab. Nun steht dort ein Schreibtrisch und es muss schon eine gehörig schlechte Stimmung dazukommen,dass ich wieder an diesen Tag erinnert werde.

Oder als Kind mein Puppenbett, das sich meine Katze zum Schlafen und dann auch sterben erkoren hat, wenn ich das heute noch im Keller finde, dann muss ich mich dran erinnern, wie sie den abend noch mehrfach versuchte in mein Bett zu kommen, obwohl sie wusste dass sie das nicht darf. Oder eben daran wie ich sie am nächsten Morgen wecken wollte und sie tot dalag (das erste Mal dass ich dem Tod in die trüben Augen blickte)

Es gibt einfach Momente an die möchte man nicht erinnert werden, auch wenn man damit verknüpfte Orte weiter nutzen muss/will.

Ich habe die Fragestellerin so verstanden, dass sie gesehen hat, wie ihre Uroma dort tot lag oder womöglich war sie es ja auch, die sie fand. Das ist sicher eine jener Situationen, die man nicht immer und immer wieder vor Augen haben möchte.
Selbst wenn es ganz friedlich zuging kann es trotzdem wehtun, gerade wenn noch nicht allzuviel Zeit vergangen ist.

Gruß Susanne

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