kein gestörtes verhältnis
Hi,
Ich würde auch versuchen die Todesecke möglichst nicht
besonders zu betonen
Das klingt nach einem gestörten Verhältnis zum Tod - für mich
gehört der Tod zum Leben dazu.
Für mich auch, aber ich weiß auch, dass der Anblick einer Leiche, noch dazu eines geliebten Menschen an einem bestimmten Ort ebenso wie ein Ort des anderweitigen Abschieds (also zB. ein Flughafen bei einer Auswanderung mit nicht zu erwartenden Wiedersehen) traurige Erinnerungen wachrufen kann, die es einem eben schwer machen sich dort behaglich zu fühlen.
Ich habe dagegen kein Problem auf einem alten Seziertisch mein Mittagessen einzunehmen (nur mal so als Gegenbeispiel aus meinem Leben) oder mit mir persönlich nicht bekannten Knochen herumzuhantieren (hab Medizingeschichte, Ur-und Frühgeschichte und Psychologie studiert und in den ersteren Fächern Praktika gehabt, bei denen ich ausgiebig mit dem Tod Kontakt hatte). Todesecke hört sich vielleicht etwas zudramatisch an, aber da ich davor von „die andere ecke“ schrieb wusste ich nicht wie ich sie sonst bezeichnen sollte um eben wieder auf DIE Ecke zu kommen, das passte da nicht mehr, obwohl ich es eben weiter oben sogelöst hab.
Noch nach Jahren erinnere ich mich an manche Dinge in Verbindung mit einem Ort, solange es schöne Erinnerungen sind ist es ja ganz nett, aber wenn sie mit dem Tod oder einem schmerzhaften Abschied zusammenhängen, dann nicht mehr (also es gibt da eine bestimmte Jugendherberge die sieht mich nicht mehr wieder/Erste Liebe und Paris mit Liebeskummer bereisen müssen und dabei den Liebsten in den Armen einer anderen zu sehen ist auch nicht prickelnd, ich weiß nicht ob ich da nochmal hin muss.)
Sorry jetzt für den Vergleich, ich hab bisher nur Tiere direkt verloren, Die Ecke wo der Kaninchenkäfig stand in meinem Wohnzimmer blieb lange Zeit leer, trotz Renovierung (schließlich hatte alles andere seinen Platz) und ebensolange habe ich mich immer wieder erinnern müssen, wie er zuletzt qualvoll in einen epileptischen Anfall fiel, ich ihn schnell auf den Arm nahm und ohne Transportbox heulend rennend zu Fuß die etwa 500 Meter zum TA brachte wo er erlöst wurde, nachdem ich verzweifelt, da Sonntag nach SOS geklingelt hab. Nun steht dort ein Schreibtrisch und es muss schon eine gehörig schlechte Stimmung dazukommen,dass ich wieder an diesen Tag erinnert werde.
Oder als Kind mein Puppenbett, das sich meine Katze zum Schlafen und dann auch sterben erkoren hat, wenn ich das heute noch im Keller finde, dann muss ich mich dran erinnern, wie sie den abend noch mehrfach versuchte in mein Bett zu kommen, obwohl sie wusste dass sie das nicht darf. Oder eben daran wie ich sie am nächsten Morgen wecken wollte und sie tot dalag (das erste Mal dass ich dem Tod in die trüben Augen blickte)
Es gibt einfach Momente an die möchte man nicht erinnert werden, auch wenn man damit verknüpfte Orte weiter nutzen muss/will.
Ich habe die Fragestellerin so verstanden, dass sie gesehen hat, wie ihre Uroma dort tot lag oder womöglich war sie es ja auch, die sie fand. Das ist sicher eine jener Situationen, die man nicht immer und immer wieder vor Augen haben möchte.
Selbst wenn es ganz friedlich zuging kann es trotzdem wehtun, gerade wenn noch nicht allzuviel Zeit vergangen ist.
Gruß Susanne