hallo! in wiefern kann man sagen, dass die ausbürgerung wolf biermanns den zerfall der ddr beschleunigt hat? h kann diese these nicht ganz nachvollziehen und habe sie jedoch schon des öfteren gelesen.
hallo! in wiefern kann man sagen, dass die ausbürgerung wolf
biermanns den zerfall der ddr beschleunigt hat? h kann diese
these nicht ganz nachvollziehen und habe sie jedoch schon des
öfteren gelesen.
Abgesehen davon, daß sich hier obkektive Feststellung kaum treffen lassen und die gnaze Sache natürlich multikausal war, fußt diese These wohl auf der Tatsache, daß Wolf Biermann eigentlich hinter der Idee des Sozialismus stand und mit seiner Kritik nicht die DDR zu Fall bringen wollte, sondern Verbesserungen wollte. Seine Ausbürgerung war aufsehenerregender Beleg dafür, daß die DDR-Führung an konstruktiver Kritik offenbar kein Interesse hatte und sich mitdenkender, eigentlich auf der (behaupteten) ideoligischen Linie liegender Bürger lieber entledigte. Das hat viele viele nachdenklich gemacht und ihnen die Augen geöffnet über das wahre Gesicht der DDR-Führung. Ich denke, man kann schon sagen, daß damit ein langsamer Erosionsprozeß einsetzte.
Daß die Biermann-Ausweisung aber natürlich nur „ein“ Mosaiksteinchen war und in ihren Auswirkungen auf den letztlichen Mauerfall nicht überschätzt werden darf, ist natürlich auch klar…
Ciao, Wotan
Hallo,
wie Wotan schon schrieb, sollte man nichts überbewerten und nicht zusammensehen wollen, was nicht zusammengehört.
Aber man kann sagen, daß Biermann ein bekennender Sozialist war und ist, der aus dem Westen in die DDR kam um sie zu unterstützen. Schon lange vor seienr Ausweiseung wurde ihm ein Maulkorb verpasst und er konnte nur im Untergrund wirken. Das aber sehr stark, er war eine Ikone in der DDR und speziell bei der Jugend sehr beliebt, auch bei offensichtlich linientreuen.
Seine Ausbürgerung (und auch die Ausreise von Manfred Krug) führte bei vielen zu einer kritischen Hinterfragung des Systems.
Das dann gleichzeitig die wirtschaftlichen Bedingungen schlechter wurden, tat ein Übriges.
Gandalf
Danke für die Antworten. So etwas ähnliches hatte ich auch gedacht.
Für mich stellt sich bei Biermann immer wieder die Frage, was er mit seiner (konstruktiven?) Kritik erreichen wollte und heute noch will. Zu DDR Zeiten schneint es mir noch relativ klar- er wollte wie oben schon genannt eine „bessere“ Form des Sozialismus in der DDR erreichen und die Missstände die es in diesem Staat gab beseitigen.
Was wollte er jedoch nach seiner Ausweisung mit seinen Texten und Liedern erreichen? Für die ARt von Musik, die er bisher gemacht hatte, hatte er ja schilichtweg das Publikum verloren? Er tat es doch sicher nicht nur des lieben Geldes wegen, oder?
Und was will er damit erreichen, wenn er sich auch heute noch in die aktuellen politischen Geschehnisse (wie z.B Irakkrieg) einmischt?
Hi,
Biermanns heutige Haltung ist mir auch nicht nachvollziehbar, aber er hat immerhin noch lange Zeit nach seiner Ausbürgerung linke Lieder produziert und auch unter der Linken sein Publikum gefunden. Z.B. hat er sich musikalisch geäußert zu: den Streiks bei Eurokai (im Hamburger Hafen), zum Deutschen Herbst, zu Gorleben, zu Berufsverboten, zum Leben im Exil (Chilenen) und zu linkem Widerstand allgemein (z.B. „Trotz alledem“, „Du lass Dich nicht verhärten“ etc.) Daneben hat er ein paar wunderbare Liebeslieder gesungen.
Schade, dass er so konservativ abgedriftet ist…
Grüße
Burkhard
hallo viola,
er ist ein mensch, der sich ausschließlich über den fakt seiner ausweisung definiert. ohne spiegel und konsorten würde ihn heute niemand mehr kennen.
ich kann nicht bestätigen, daß der superbekannt und beliebt im osten damals war.
damals war ich auch zu klein, hatte mich nur später dafür interessiert und nachgefragt.
viele kannten ihn gar nicht, erst durch die skandalöse ausweisung bemühten sich viele, seine lieder zu hören.
eine bessere werbung hätte er nie bekommen können.
war übrigens sehr eng mit margot honecker befreundet.
im grunde hatte er nur vorteile durch die ausbürgerung.
strubbel
B:open_mouth:)
HAllo,
meines Erachtens wird hier total überzogen.
Die große Masse in der DDR hat Wolf Biermann überhaupt nicht gekannt. Er war ein Liedermacher mit recht gebrenztem Bekanntheitsgrad, nicht zuletzt auch, weil er als kritischer Künstler kaum Auftrittsmöglichkeiten bekam, schon gar nicht im Fernsehen.
Ich zum Beispiel habe erst durch die Presseartikel über seine Ausbürgerung überhaupt von seiner Existenz erfahren und habe in meinem nekanntenkreis niemanden gefunden, der irgendwie mehr über den Mann gewußt hätte.
Insofern hat auch die Ausbürgerung sicher bei den meisten Menschen kaum mehr als ein Schulterzucken verursacht.
Etwas kritischer war, daß anschließend auch viele bekannte Künstler Ausreiseanträge gestellt haben. Das gab schon eher zu denken. Andererseits waren aber auch die eigentlich ja schon sehr privilegierten Künstler so weit weg von der Masse, daß das für viele kaum nachvollziehbar war. Und so wenig Künstler, daß der Verlust wirklich spürbar gewesen wäre, hatte die DDR nun auch wieder nicht.
Sicher gab es eine gewisse Schicht, die das kritischer beobachtet hat. Eine gewisse künstlerische Intellegenz (oder was sich dafür hielt). Und aus diesem Kreis sind ja dann zur Wende viele der neuen Politiker hervorgegangen, die beim Neuen Forum und den Bürgerbewegungen landeten.
Allerdings zeigt die Tatsache, daß davon kaum noch einer aktiv ist, daß dieser kreis nie wirklich Rückenhalt bei der Masee hatte und deren idealistischen Vorstellungen auch kaum echt realitätstauglich waren.
Gernot Geyer
Hallo Gernot,
meines Erachtens wird hier total überzogen.
Die große Masse in der DDR hat Wolf Biermann überhaupt nicht
gekannt.
ich habe nicht in der DDR gewohnt, war aber regelmäßig dort zu Besuch, weil ein Teil einer Familie dort lebte.
In den Kreisen der Leute, die in etwa mein Alter hatten und einige Jahre älter war Biermann durchaus ein Begriff und ich war beileibe nicht in einer großen Stadt. Er war z.T. aus dem Westfernsehen bekannt und es kursierten (technisch unsäglich schlechte, weil tausendmal kopierte) Cassetten von ihm. Intellektuell würde ich das Umfeld nicht nennen, es waren zum Teil Oberstufenschüler/Studenten, aber auch Arbeiter/Angestellte die ihn kannten.
Aber der Weggang anderer Künstler, speziell Manfred Krug, bewirkte zugegebenermaßen weit mehr in den Köpfen der nicht ganz so kritischen, denn der war sicher weitaus populärer.
Gandalf
P.S.: Literaturempfehlung
Zu den Umständen (nicht zu den Auswirkungen bzgl. Ende der DDR) des Falles Biermann und seiner Wirkung auf andere kritische DDR-„Künstler“ (Jurek Becker, Manfred Krug, Armin Müller-Stahl etc.) kann ich nur wärmstens „Abgehauen“ von Manfred Krug empfehlen - ist auch hervorragend verfilmt worden.
Ciao, Wotan
Hallo,
wie nun vielfach geschrieben, kann ich nur bestätigen, daß
Biermann ein fast unbekannter Typ war (hatte in einschlägigen
Künstlerkreisen einen Namen, kam aber wohl auch nicht überall
als Sympathieträger an). Erst durch die Ausweisung
schwappte da eine kleine Medienwelle aus dem Westen zurück
in die DDR.
Bei anderen Größen der DDR-Kultur gab es da schon wesentlich
mehr Aufregung (Manfred Krug, Eberhard Cohrs, Nina Hagen,
Veronika Fischer u.a.m.)
Letzlich waren das aber nur Symtome für den Zerfall und
kaum die Ursachen.
Die Hauptursache war mit Sicherheit der desolate Zusstand
der Wirtschaft und daraus resultierende Unzufriedenheit in
der Bevölkerung.
Gruß Uwi
in wiefern kann man sagen, dass die ausbürgerung wolf
biermanns den zerfall der ddr beschleunigt hat? h kann diese
these nicht ganz nachvollziehen und habe sie jedoch schon des
öfteren gelesen.
Hallo grüne Zitrone,
Für mich stellt sich bei Biermann immer wieder die Frage, was
er mit seiner (konstruktiven?) Kritik erreichen wollte …
Zu DDR Zeiten schneint es mir noch relativ klar- er wollte wie
oben schon genannt eine „bessere“ Form des Sozialismus in der DDR
erreichen und die Missstände die es in diesem Staat gab beseitigen.
Im ZDF lief vor längerer Zeit eine Doku über Herrn Biermann. Demnach
haben sein Großvater und Margot Honeckers Vater im Rotfrontkämpferbund
zusammen gearbeitet. Die beiden wuchsen wie Geschwister auf. 1950 war
Biermann der ‚FdJ-Führer in der BRD‘ und wurde als 17jähriger von ihr
in die DDR geholt wo er quasi als Sohn des Ehepaares Honecker lebte.
Seine gesamte Kritik an der DDR war systemkonform ausgerichtet und
er hatte niemals Represalien zu erdulden, die mit denen der echten
Regimegegner vergleichbar gewesen wären. Wo anderen das Bett von der
Stasi verwanzt wurde, hat Biermann seine MfS-Ordonanz in den Intershop
geschickt um Cocnac zu holen.
Quellen:
http://www.lexikon-definition.de/Wolf-Biermann.html
http://www.freitag.de/2002/40/02400302.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Honecker
Ich persönlich halte seine Ausweisung in den Westen für eine geplante
und mit ihm selbst abgesprochene Aktion. Alles andere erscheint mir
etwa so lächerlich wie das ‚wenn das der Führer gewußt hätte‘ in der
Diktatur vor der DDR.
Was wollte er jedoch nach seiner Ausweisung mit seinen Texten
und Liedern erreichen?
Ich denke er sollte in der BRD die Lüge von der ‚reformierbaren DDR‘
verbreiten und so den frontalen Druck gegen ihr Regime vermindern.
Für die ARt von Musik, die er bisher gemacht hatte, hatte er ja
schilichtweg das Publikum verloren?
Sein Publikum waren immer nur einige ‚spiegelhörige‘ Intelektuelle.
Er tat es doch sicher nicht nur des lieben Geldes wegen, oder?
Ich tippe auf primär Geltungsucht und danach erst die Kohle.
Und was will er damit erreichen, wenn er sich auch heute noch
in die aktuellen politischen Geschehnisse (wie z.B Irakkrieg)
einmischt?
Er transportiert auch heute noch die Inhalte, die seine Kaderpartei
transportiert sehen möchte. Ich tippe sogar darauf das er eines der
Aushängeschilder der WASG-PDS in der nächsten BT wird.
Viele Grüße
Jake
hallo! in wiefern kann man sagen, dass die ausbürgerung wolf
biermanns den zerfall der ddr beschleunigt hat?
Kannst du mit dem Ausreisen von Nina Hagen, Holger Biege, Veronika Fischer etc. vergleichen. Es hat überhaupt nichts beschleunigt, ganz im Gegenteil. Es zeigt aber sehr schön die Verlogenheit der Westmedien, wäre der im Westen geblieben hätte sich keiner um den kleinen roten Barden gekümmert.
Ich lass mich jetzt mal nicht verhärten in dieser harten Zeit
Jan
Zu den Umständen (nicht zu den Auswirkungen bzgl. Ende der
DDR) des Falles Biermann und seiner Wirkung auf andere
kritische DDR-„Künstler“ (Jurek Becker, Manfred Krug, Armin
Müller-Stahl etc.) kann ich nur wärmstens „Abgehauen“ von
Manfred Krug empfehlen - ist auch hervorragend verfilmt
worden.
Ich persönlich finde die Tagebücher von Brigitte Reimann besser. Die zeigen auch das im System stecken sehr schön und die Zwänge der Hierbleiber.
Gruss Jan