@Wolfgang Dreyer und Kollegen

Moin Wolfgang :smile: Nicht persönlich nehmen, aber auch ich
beherrsche mal nen reisserischen Sprachgebrauch…

Ich möchte Dir in der Sache widersprechen und
argumentiere an echten Fällen :

Hannover : Der Gutachter fragt den Techniker vom Bauamt, ob er
4. Stunden täglich arbeiten kann. Der sagt ja. Im gerichtlichen
Verfahren trägt der Gutachter dieses bei Gericht vor.
Frage des Anwaltes : Wer das denn beurteile, der „Geisteskranke“
oder er der Gutachter ?
Ergebnis : Gericht schlägt Anerkennung vor.
Der Mensch ist heute als „Rentner“ und „PC-Verkäufer“ bekannt,
viele Leute sagen, er habe zu unrecht die Verrentung…
Ich habe die Sache teils selber fürn Chef bearbeitet und sage,
unter realistischen Arbeitsbedingungen hätte der Selbstmord
begangen.

Minden : Der Gutachter erklärt den Mann für Arbeitsfähig, die LVA
verweist auf einen „einfachen Job“ und nennt Pförtner. Das Gericht
hat sich selber einen Einbdruck von dem Mann gemacht und die
LVA hat der Rente zugestimmt. Grund : Neben körperlichen Gebrechen
hat der MAnn einen „ordentlichen Sprung“ in der Schüssel, ist
nicht mal in der Lage, ein Telefongespräch „sachlich“ abzuwickeln.

Flensburg : Erst der MdK, dann die LVA lehnen „aufgrund Aktenlage“
alle Anträge ab. Im Widerspruchsverfahren und im medizin. REHA-
Verfahren kommen die (LVA-Klinik-)Ärzte zu dem Ergebnis, Rente
zu gewähren. Grund : Neben drei weiteren schweren Diagnosen leidet
der Mann an „krankheitsbedingtem Ausschlag“ (…was macht da auch
in Afrika gerade keinen Urlaub…) Dem würden wir alle nicht die
Hand geben…

Flensburg : Der „Kaufmann“ hält sich für voll arbeitsfähig, er nennt
sich auch mal „Installateuer“ oder ernennt sich auch mal selber zum
Bewährungshelfer. Ahnung von fachlichen Dingen in etwa so : wie ne
Kuh vom CD-Player. Nur, er glaubt es selber. Folge : Gerät er in
Kontakt mit Arbeitgebern oder „Kunden“ ist Ärger vorprogrammiert.
Diesen Ärger lebt der Mann aus, in dem er seine Arbeitgeber und
Geschäftspartner vor Gerichte zieht, das Privatleben versucht aufzumischen und Anzeigen an alle Behörden schreibt, die einem
Menschen so einfallen können :frowning:( Folge : Betreuungsverfahren
eingeleitet.

Das sind Fälle, Wolfgang, da hätt ich mehr von auf Lager, die für
ein Erwerbsleben nicht geeignet sind !

Aber, um diese klaren Fälle geht es mir nicht !

Es geht mir um die „anderen klaren Fälle“ und das erlaube mir mal
an einem Beispiel zu erläutern.
Mal wieder Thailand, letzte Station vor Kambodscha. Meine Bandscheiben spielen verrückt, also wieder mal ne Massage. Bei einem Blinden.
Mein persönlicher Masseuer.
Ich hin, mein Therapeut nicht da :frowning:(
Die sehende Frau dort ruft ihn auf Handy an. Der Typ kommt
innerhalb Minuten per Mopedtaxi angerauscht. Oh, ich kann
mich wieder bewegen :smile: Der Mann will wieder los, zieht sich
sein Hemd gerade und fragt die „sehende Frau“, ob sein Hemd
sauber sei. Ja, erklärt diese. Der Mann also raus zum Moped-
Taxi. Fragt den Fahrer nochmals, ob sein Hemd sauber sei.
Nein, antwortet der und erklärt, wo der Schmutz sei. Der Typ
zurück in den Laden und die Frau macht eine „Reise“, die sich
gewaschen hat… - boooh, hab ich gelacht -

So, lange Rede kurzer Sinn :

Nicht alle Menschen, die krank oder behindert sind taugen nicht
für die Arbeit.

Was wir in den Sozialsystemen brauchen sind Fachleute, die gemeinsam
mit den Behinderten erkennen, was machbar ist und diese Wege gehen.

Jetzt wiederhole ich mich :
Eine Umschulung nach der anderen, ein Mobbing nach dem Anderen
sind die bisherigen Wege, auf denen sich alles im Kreis dreht
und sich die Katze in den Schwanz beisst.

Wenn es dann „Kandidaten“ gibt, die „augenscheinlich“ den Eindruck
vermitteln, sie wollten nicht, ist zu hinterfragen, was nicht
stimmt. Du hast die Worte wie Perspektivlosigkeit pp. selbst in
die Runde gebracht…

Es gibt eben viel zu
tun.
Aufräumen in den sozialen Systemen ist angesagt, meine ich.

Hallo Lambert!

Aufräumen in den sozialen Systemen ist angesagt, meine ich.

Das sehe ich ähnlich. Ein Arbeitssuchender, der seine Sinne beieinander hat, braucht zum Durchsuchen von Stellenangeboten am PC keinen staatlichen Bediensteten. Auch ein Arbeitgeber braucht niemanden, der ihm ungeeignete Leute vorbei schickt. Es ist zu überlegen, ob das System staatlich organisierter Arbeitsvermittlung in der bisherigen Form noch zeitgemäß und erforderlich ist.

Zur gleichen Fragestellung komme ich bei Arbeitssuchenden mit mangelhafter Qualifikation. Ich stelle die Sinnhaftigkeit von Kursen, veranstaltet von Kostgängern der Arbeitsagentur, in Frage. Veranstaltungen von ein paar Wochen oder wenigen Monaten sind bestenfalls geeignet, Langzeitarbeitslosen für begrenzte Zeit einen strukturierten Alltag zu bieten. Wettbewerbsfähige Teilnehmer am Arbeitsmarkt sind so nicht zu schaffen.

Schließlich gibt es eine Gruppe mit vielen Schattierungen, die von psychisch Kranken bis zu schlicht unverträglichen Ekelpaketen reicht. Der eine oder andere wird therapierbar sein, aber gewiß nicht vom Arbeitsvermittler. Auch Menschen mit dissozialem Verhalten sind im Arbeitsmarkt nicht unterzubringen, aber schon die Unterscheidung, um welche Art von Einschränkung es sich handelt, muß den Menschen hinter dem Schreibtisch des Amtes überfordern.

Der überwiegende Teil aller Arbeitslosen verfügt über veraltete oder gar keine nennenswerte Qualifikation. Fraglos fehlen Arbeitsplätze, aber es ist nicht zu erwarten, daß in nennenswertem Umfang neue Arbeitsplätze für Geringqualifizierte entstehen. Auch wenn es hart klingt, ist der Zug für viele Menschen aus bildungsfernen Schichten abgefahren. Die Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, daß die perspektivlosen Gruppen nicht dauernd neuen Zulauf erhalten. Das ist eine Aufgabe in den Bereichen Familienfürsorge, Kinderbetreuung und Bildungswesen. Dort ist hochqualifiziertes (!) Personal besser aufgehoben als in aussichtslosen Vermittlungsversuchen für Menschen, für die es entweder gar keine Arbeitsplätze gibt oder die nicht arbeitsmarktfähig sind.

Der diese Diskussion auslösende Fragesteller kann zu einer unabhängig vom Zustand des Arbeitsmarktes unvermittelbaren Personengruppe gehören. In solchem Fall wären Kurse welcher Art auch immer vergebliche Liebesmüh’. Wir haben zwar 90.000 Mitarbeiter in der Bundesagentur und eine ebenfalls 5stellige Anzahl von Bediensteten in den Anlaufstellen der Kommunen, aber wir haben kein Instrument, das von vornherein unsinnige Bemühungen bei bestimmten Kandidaten vermeidet.

Gruß
Wolfgang

Guten Morgen in die Szene :smile:)
Wolfgang :

  1. volle Zustimmung !
  2. schönen Tag !

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Wolfgang :smile:)
Wolfgang :
würde Dir gerne einen positiven Bewertungspunkt geben.
Wie geht dat ?
Gruss

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