Hallo David!
Ein altes Haus wird mit einer Wollwärmedämmung umhüllt. In der
Sockelbereich (auf 160 cm Höhe) ist eine Ziegeloptik
vorhanden. Diese wird so belassen…
Schon nach Deinen ersten Sätzen stellen sich mir viele Fragen, z. B.: In welchem Zustand sind Fundament und Keller? Gibt es irgendwo Feuchtigkeit? Woraus besteht der Sockelbereich mit seiner Ziegeloptik? Was geschieht mit den Fenstern, wenn Du Dämmmaterial anbringst?
Wärmedämmung ist grundsätzlich gut. Aber sie muss mit Verstand und nach Untersuchung der vorhandenen Substanz und Berechnung angebracht werden. Andernfalls kann es passieren, dass noch so viel Isolierung nichts nützt und dass schlimmstenfalls zunächst unbemerkt das ganze Haus verschimmelt. Solche Schäden können ein Gebäude ruinieren.
Die erste Maßnahme sollte sein, dass Du einen Architekten/Bau-Ing. bzw. Statiker zu Rate ziehst. Der wird gucken, evtl. an der einen oder anderen Stelle an der Hauswand graben, er wird sich den Aufbau des Gemäuers und vieles mehr ansehen, er wird vielleicht eine Bohrung setzen, um Feuchtigkeit in einer Wand festzustellen, dann wird er überlegen und rechnen und Dir genau sagen, was Du machen musst, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Der Fachmann wird exakte Angaben mit genauer Benennung von Fabrikat und Typ machen (es geht dabei um physikalische Eigenschaften, nicht ums Verkaufen), an die Du Dich beim Aufbau der Isolierung unbedingt halten solltest. Er wird Dir auch sagen, was mit den Fenstern zu geschehen hat. Sobald Du von den Angaben abweichst (hab was anderes gekauft, hat der Verkäufer im Baumarkt empfohlen, war im Sonderangebot), machst Du mit einiger Wahrscheinlichkeit den Effekt der Isolierung kaputt und hast in der Folge feuchte, schimmelige Wände. Außerdem muss vermutlich vor der Dämmung der Keller knochentrocken gelegt werden. Feuchtigkeit kann nämlich mehrere Meter die Wände hoch steigen. Wenn Du in solchem Gemäuer die Wände verhüllst, hast Du sehr bald die schönste Pilzzucht.
Ich möchte nichts dramatisieren, aber ich möchte Dich davon überzeugen, zunächst einen Architekten hinzu zu ziehen (keinen Verkäufer, keinen noch so guten Handwerker, sondern einen Architekten oder Bau-Ing.!), bevor Du mit der Arbeit beginnst. Der Spaß kostet vielleicht 500 oder 1000 €, aber Du wirst kaum jemals wieder Dein Geld so gut anlegen.
Wärmedämmung lässt sich nicht aus der Ferne beurteilen. Das Thema ist zu komplex, um mit lockerer Hand irgendwas einzukaufen und an die Wand zu nageln. Ein Bau-Ing. kann Dir unter genauer Angabe des zu bewerkstelligen Wandaufbaus mit Angabe von Materialien und exakten Schichtdicken sagen, ob in einem Raum eine Atmosphäre zum Wohlfühlen entsteht oder ob die Wände „kalt strahlen“ oder ob ein feuchtes Klima entsteht. Verzichte unter keinen Umständen auf solches Wissen und solche Beratung!
Durchs Internet geistern zahllose Berichte, wonach Wärmedämmung nichts bringt. Sofern es sich bei den Urhebern nicht um gestörte Zeitgenossen handelt, ist die Ursache solcher negativen Erfahrungen ist regelmäßig, dass die „Täter“ nicht wußten, was sie tun. Da fand offenkundig keine Untersuchung der Verhältnisse durch einen fachkundigen Menschen statt, bevor das Material gekauft wurde und bevor der erste Handwerker seinen Zollstock aufklappte oder seine Bohrmaschine einschaltete.
Gruß
Wolfgang