Womit ist ein Entliebungsprozess zu erklären?

Hallo an alle interessierten!

Kurz zu meinem persönlichen Anreiz für diese Frage: Mein Partner hat mich vor etwa drei Wochen verlassen mit der Erklärung, dass ihn die Beziehung nicht mehr glücklich gemacht hat und er mich nicht mehr lieben würde. Auch hätte er das Gefühl, eventuell etwas verpassen zu können. Auf der anderen Seite schrieb er mir jedoch, bei dem Gedanken daran, mich evenutell nie mehr zu sehen, würde er „kaum mehr Luft bekommen“.

Ich habe nun versucht mir die Sache selbst zu erklären, um damit besser zurecht zu kommen - allerdings erfolglos. Und in anderen Foren wird das ganze oft aus der anderen Perspektive besprochen, sodass dann Ratschläge kommen wie „Geh auf Abstand und schau, wie sich deine Gefühle entwickeln“.

Daher wollte ich meine Frage nun doch gerne noch einmal an euch richten: Kennt ihr irgendwelche Erklärungsansätze oder habt ihr eigene Ideen, wie es sein kann, dass sich in einer Beziehung die Liebe quasi auflöst? Wie kann das sein, dass man einen Menschen gern hat und vermisst und es dennoch als besser ansieht, sich zu trennen? Mir geht es derzeit noch nicht in den Kopf :S

Danke schon mal im Voraus für eure Gedanken und Unterstützung :smile:

Hi Yumij!

Kurz zu meinem persönlichen Anreiz für diese Frage: Mein
Partner hat mich vor etwa drei Wochen verlassen mit der
Erklärung, dass ihn die Beziehung nicht mehr glücklich gemacht
hat und er mich nicht mehr lieben würde. Auch hätte er das
Gefühl, eventuell etwas verpassen zu können. Auf der anderen
Seite schrieb er mir jedoch, bei dem Gedanken daran, mich
evenutell nie mehr zu sehen, würde er „kaum mehr Luft
bekommen“.

Vielleicht kommt es daher, dass diese drei beiden Dinge sich widersprüchlich gegenüber stehen oder beziehungsweise die zweite Aussage die erste und die dritte Aussage die zweite quasi entmachtet?

Ich habe nun versucht mir die Sache selbst zu erklären, um
damit besser zurecht zu kommen - allerdings erfolglos.

Man kann alles erklären, zum Beispiel wie sich die Sonne und die Sterne um die Erdenscheibe drehen, woraus Porzellan ist und wie die Löcher in den Käse kommen, sogar die deutsche Steuergesetzgebung, aber nicht die Liebe, oder eben die Nichtliebe.

Bitte zerrütte dich nicht mit dem Versuch der Erklärung. Es lässt sich schlichtweg nicht erklären.
Versuche, für dich Frieden mit der Situation zu machen, bewahre das Gute aus eurer vergangenen Beziehung, sei dankbar für die gemeinsamen Jahre und akzeptiere bitte seinen Wunsch, nun zu gehen.

Wie kann das sein, dass man
einen Menschen gern hat und vermisst und es dennoch als besser
ansieht, sich zu trennen?

Nunja, es gibt erstens ein Sprichwort. Alte Liebe rostet nicht. So ganz geht man nie und die Entscheidung, sich zu trennen ist auch für den Trennenden von allen möglichen Zweifeln und Ängsten begleitet.

Man hängt ja trotzdem noch irgendwie am langjährigen Partner, hat ihn ja noch gern, aber es gibt eben Umstände, weswegen man sich trennt, zum unterschiedliche Entwicklung, nicht mehr die gemeinsamen Lebensziele haben, Verletzungen nicht mehr aushalten können…

Viel Glück

To.i

Hallo,

habt ihr eigene Ideen, wie es sein kann, dass sich in einer Beziehung die Liebe quasi auflöst?

  1. Es war nie Liebe, sondern vielleicht Verliebtsein oder sexuelle Anziehung. Wenn der Reiz des Neuen vorbei ist, war’s das dann auch meist.
  2. Manche Menschen (Männer nach meiner Erfahrung häufiger als Frauen) haben große Angst, etwas zu verpassen, von dem sie meistens gar nicht so recht wissen, was es ist. In aller Regel erkennen sie nicht, was sie an einer Beziehung haben, weil sie einem Traum hinterher jagen, den es nicht gibt.
  3. Im Laufe einer Beziehung kann sich durchaus herausstellen, dass die Interessen und Bedürfnisse andere sind als die der Partners.
  4. Wenn die Schmetterlinge nicht mehr 24 Stunden am Tag flattern und der Alltag einkehrt, beginnt die eigentliche Erkenntnisphase, ob man zusammenpasst oder nicht. Die Kunst einer guten Beziehung ist auch, mit den wechselseitigen Macken gut leben zu können.

Wie kann das sein, dass man einen Menschen gern hat und vermisst und es dennoch als besser ansieht, sich zu trennen?

In meinen Augen ist das oft eine Schutzbehauptung, die man ausspricht, um den Partner nicht noch mehr zu verletzen, als man es ohnehin schon tut. Vor allem dann, wenn einem der Partner nicht Schlechtes angetan hat, beruhigt man mit solchen Aussagen gerne mal das eigene schlechte Gewissen.

Manchmal ist der Zwiespalt aber auch echt, und die Waage schlägt eben ein Stückchen mehr zur Seite „Gehen“ als zu „Bleiben“ aus.

In jedem Fall halte ich persönlich solche Aussagen für unfair gegenüber dem Partner. Wenn man jemanden verlässt, tut man ihm keinen Gefallen, in ihm ein Hoffnungspflänzchen keimen zu lassen, dass man sich möglicherweise doch noch anders entscheiden könnte. Das hält den verlassenen Partner länger als nötig in einer Klammer von Unfreiheit fest und verhindert, dass dieser in den notwendigen Ablösungsprozess eintritt.

Manchmal steckt dahinter auch Berechnung: Der verlassene Partner wird „warmgehalten“ für den Fall, dass sich das neue Ufer doch nicht so prächtig erweist, wie erhofft.

Schöne Grüße,
Jule

Auch Hallo,

Ich habe nun versucht mir die Sache selbst zu erklären, um
damit besser zurecht zu kommen -

Ich finde das einen guten Ansatz. Eine Trennung ist schwer genug, mir half es auch, wenn ich wusste was dabei ‚passiert‘.

Jule hat imo schon einiges geschrieben was dir vielleicht helfen kann.
Zufügen kann ich noch die ‚biologische‘ Seite. Denn natürlich hat auch die Liebe eine biologische Basis, auch wenn die genauen biochemischen und neuronalen Prozesse noch nicht völlig geklärt sind.

Bekannt ist, dass eindeutig ein Unterschied zwischen ‚Verliebtheit‘ und ‚Liebe‘ besteht.
Bei der Verliebtheit, die idR ca. ein-zwei Jahr(e) dauert, spielen vor allem Dopamin, Adrenalin, Endorphin und Cortisol, Pheromone eine große Rolle. Diese Hormone sorgen für teils rauschartige Zustände, die teils an einen krankhaften Zustand erinnern.
Um die Verliebtheit in eine längere und tiefere Bindung übergehen zu lassen ist anscheinend das Hormon Oxytozin nötig, das unter anderem auch bei der Mutter-Kind-Bindung eine Rolle spielt.

Ob dieser Übergang gelingt ist von sehr vielen Faktoren abhängig, die nur in geringem Maß bewussten Prozessen unterworfen sind. Einer kann z.B. sein, dass der potentielle Partner letztlich ja für die ‚Kinderaufzucht‘ passen soll, stimmen vielleicht geruchliche Komponenten, die auf ein ähnliches Immunsystem weisen wird das unbewusst als Minuspunkt ‚gewertet‘.

Bei dem von dir angesprochenen ‚Enliebungsprozess‘ - das Wort passt übrigens ausgezeichnet - kommen tausende solcher unbewusster Plus- und Minuspunkte zusammen die letztlich dann die Entscheidung entsprechend beeinflussen. Die meisten Punkte weiß man selber nicht und versteht daher auch bestimmte ‚Entscheidungen‘ von sich nicht.
Rein Statistisch können wir allerdings diesen Entscheidungen ganz gut vertrauen.
Vielleicht interessiert dich von BayernAlpha:
Entscheidungen aus dem Bauch: http://www.br-online.de/br-alpha/geist-und-gehirn/ge…

und Folge 93 Liebe: http://www.br-online.de/br-alpha/geist-und-gehirn/ge…

Gruß…lux

Ich muss euch dreien an dieser Stelle schon mal für eure tollen Beiträge danken! Ich bin froh auf dieses Forum gefunden zu haben, wo sich zur Abwechslung mal gescheite Leute tummeln :smile:

Natürlich freue mich noch über weitere Nachrichten…

Lieber Gruß, Yumij

nicht schwer zu erklären
hi,

es ist sehr einfach nachzuvollziehen: liebe kommt und geht. genauer gesagt, wandelt sie sich im laufe der jahre, die verliebtheit verschwindet recht schnell und später treten andere aspekte in den vordergrund. ob diese aspekte beide partner zufrieden stellen, ist das wagnis langjähriger beziehungen. man muss dazu die krisen der veränderungen gemeinsam meistern, sonst geht´s nicht.

dass einer sich trennt und dabei dennoch einen großen schmerz verspürt, ist überhaupt kein widerspruch.

Hallo,

Mein
Partner hat mich vor etwa drei Wochen verlassen mit der
Erklärung, dass ihn die Beziehung nicht mehr glücklich gemacht
hat und er mich nicht mehr lieben würde.

da liegt wohl ein falsches Verständnis vor. Liebe ist nicht, durch den anderen glücklich gemacht zu werden, sondern den anderen glücklich zu machen. Wobei mir das Wort „glücklich machen“ in diesem Zusammenhang auch nicht wirklich gefällt. Man verfällt sonst leicht in die falsche Einstellung, dass das Glücklichsein ein Maß für den Erfolg der Beziehung ist. Der Erfolg (im Sinne von Haltbarkeit, Verlässlichkeit) einer Beziehung zeigt sich aber eher in den weniger glücklichen Momenten des Lebens.

gruß, Niels

Gefühle
Hallo Yumij,

Instabilität ist ein wesentliches Merkmal unserer Gefühle. Das trifft natürlich auch auf ein komplexes Gefühl wie die Liebe zu.

Wir können uns unsere Gefühle nicht aussuchen, wir können sie nicht vorhersagen.

Gefühle sind oft nicht eindeutig, d.h. wir haben oft gleichzeitig gegensätzliche Gefühle.

Dass noch rationale Überlegungen hinzukommen, macht die ganze Sache nicht einfacher.

Aus all dem folgt, dass es kein Wunder ist, dass wir uns verlieben, dass die Liebe uns wieder abhanden kommt (so wie anderen ein Stock oder Hut in Kästners Gedicht „sachliche Romanze“) und dass wir in ambivalente Gefühlslagen geraten, die dann zu Aussagen führen wie: „Ich muss dich verlassen, obwohl ich gerne mit dir zusammenbleiben würde“.

Tychi