Hallo FM,
Und meine Frage ist nun: Was helfen dem Bauern die Kühe im
Stall, wenn sein Haus kein Dach mehr hat, weils im Krieg unter
Bomben geraten ist ?? Zahlt der die Handwerker mit Kuhmilch ??
ja, in der Tat. Außerdem mit Kartoffeln, Käse, Wurst, Gemüse und allem, was man sonst auf einem Teller finden kann. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren sehr wenig spezialisiert, und der Zimmermann, der das Glück hatte, bei einem Bauern ein neues Dach aufrichten zu dürfen, brauchte nicht viel über Barlohn zu reden.
Lebensmittel als Ersatzwährung waren in der Zeit 1945-1948 im ländlichen Raum ähnlich wichtig wie Lucky Strike in den Städten. An anderer Stelle hier schon mal zitiert: Eine Nähmaschinennadel kostete 1946 zwei Liter Schnaps, das war mehr als ein halber Monatslohn für einen Knecht.
In den geldlosen Jahren 1945-1948 und auch schon vorher, soweit man sich traute, hatten Bauern ziemliche Reichtümer im Tauschhandel Kartoffeln gegen gerettetes Tafelsilber u.ä. angesammelt.
In den ersten Jahren nach „der Währung“ gabs zwar in Trizonesien die DM als verlässlicheres Umrechnungsmittel, aber die „fetten Jahre“ mit VW-Käferexport und dem Leitbild „Dicker Ludwig & Zigarre“ waren noch weit weit weg.
Handwerker bekamen tatsächlich nicht viel mehr als das Essen.
Mein Vater war noch in den 1950er Jahren Assistenzarzt mit der Tarifgruppe „ein warmes Essen täglich“.
Wenn Du mal die Jahreszahlen anschaust, die auf Bauernhäusern Bau- oder Ausbaudatum nennen, wirst Du nicht bloß 1947 und 1948, sondern auch noch 1950-1953 überaus oft finden: Bei den Bauern wurde ein Handwerker wenigstens satt - das war, selbst als der gröbste Nachkriegshunger vorbei war, bis etwa 1953 nicht so selbstverständlich.
Schöne Grüße
MM