Womit wurde der Wiederaufbau (1945-...) bezahlt?

Moin,

meine Frage geht in Richtung Geld-Politik: Womit wurde der Wiederaufbau bezahlt? Hat nicht jeder Bürger am Nullpunkt 10 Mark bekommen? Davon kann doch kein Mensch ein Haus geschweige denn industrielle Produktion aufbauen? Also woher kam das Geld?

thx
Moe.

Hallo,

frag nsch Kapital statt nach Geld, dann kommst Du schon drauf. Ausserden gabs z.B. noch Kredite im Rahmen des Marshallplans. Aber gibt es Kredite ohne Sicherheiten?

Gruss

R.B.

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frag nsch Kapital statt nach Geld, dann kommst Du schon
drauf. Ausserden gabs z.B. noch Kredite im Rahmen des
Marshallplans. Aber gibt es Kredite ohne Sicherheiten?

Nein, dann komm ich auch nicht drauf. Außerdem meine ich tatsächlich das Geld (und nicht in erster Linie das Kapital). Oder in welcher Form soll man Kapital sonst handeln? Parallel-Währung??

Und da es ohne Sicherheiten keine Kredite gibt, ist das ein weiterer Grund, der dazu beiträgt, dass ich nicht weiß, wo das Geld hergekommen ist.

thx
moe.

Hallo,

natürlich Kapital - das heißt Waren, Produktionsanlagen u.a. Denn die blieben ja unberührt davon und waren auch nach der Währungsumstellung noch da.
Auch ein Bauer hatte zwar danach z.B. nur 10 Mark - aber immer noch seine Kühe im Stall und sein Feld und seine Scheune voll Stroh. Und damit konnte er weitermachen, Milch verkaufen und Geld verdienen. Bei Großunternehmern sah das dann natürlich noch besser aus.

Übrigens: ich weiß zwar nicht, wie genau das im Westen war - aber in den Ostzonen gab es zwar eine Umbewertung, aber von 10 Mark konnte da keine Rede sein. Da wurden Beträge bis zu einer bestimmten Summe 1 : 1 getauscht, darüber war dasn das Tauschverhältnis zwar schlechter (1:10 oder so) - aber damit wurde eigentlich nur der Geldüberhang vernichtet, für den es eh keinen materiellen Gegenwert gab.

Das ist übrigens der Kernpunkt des Ganzen: Das geld ist ja immer nur das Tauschmittel - entscheidend ist, welche materiellen Warenwerte dem gegenüberstehen. Du kannst gekd drucken, so viel Du willst - dann kriegst Du höchtesn eine Inflation, wenn da kein Gegenwert da ist. Schau mal dazu ins Geschichtsbuch oder frag die Polen oder Russen - die haben erst in den letzten Jahren da hinreichend Erfahrungen gesmmelt.

Im Übrigen war ja genau diese Tauschaktion damals der große Wurf: Das Geld bekam erst mal wieder Wert. Man konnte sich mit dem zwar weniger geordenen geld nun wenigstens wieder etwas kaufen. Damit war auch ein Anreiz wieder da zum Geld verdienen und der Schwarzmarkt mit dem Tauschhandel Ware gegen Ware fiel weg.
Denn das gab es ja vorher: Die Menschen hatten unmittelbar nach dem Krieg zwar Geld - aber sie konnten nichts anfangen damit. Es war ja eh alles rationiert. Und es hätte auch keiner gegen geld etwas verkauft, weil der sicvh damit auch nur die Stube hätte tapezieren können.

Gernot Geyer

Moin,

meine Frage geht in Richtung Geld-Politik: Womit wurde der
Wiederaufbau bezahlt?

Im Wesentlichen durch den Marshallplan, durch Investitionen vor allem von US-Firmen (Arbeitsplätze!) und auch durch eine völlige Entwertung des Geldes.

Hat nicht jeder Bürger am Nullpunkt 10 Mark bekommen?

40 Mark 1948 bei der Währungsreform, das war dann der Preis für den Krieg. Die meisten haben dann nur das gehabt, glücklich waren die Besitzer materieller Güter, Immobilien u.ä.

Gruß, Stucki

Ergaenzend dazu:

Gueter jeder Art (und damit nichtmonetaere Vermoegen) waren (relativ) reichlich vorhanden. Das zeigt allein die Tatsache, dass die vormals gaehnend leeren Schaufenster der Geschaefte unmittelbar nach der Waehrungsreform sich prall gefuellt waren, mit lauter Dingen, die es einen Tag zuvor nirgends gegeben hatte.

Gruss

R.B.

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Hallo,

ja - genau. Und das beweist, daß vorher nur niemand ein Interessa daran hatte, seine Produkte gegen wertloses Geld zu verkaufen.

Gernot Geyer

Scheinbar hab ich mich schlecht ausgedrückt: Beispiel meinetwegen IG Farben: Wieviel Geld (Scheine) haben die bekommen? Von 10 Mark kann doch kein Mensch einen irgendwie gearteten wirtschaftlichen Betrieb aufrecht erhalten. Geschweige denn sein Haus nach der Zerstörung wieder aufbauen oder eine Unternehmen gründen ??!

thx
moe.

natürlich Kapital - das heißt Waren, Produktionsanlagen u.a.
Denn die blieben ja unberührt davon und waren auch nach der
Währungsumstellung noch da.
Auch ein Bauer hatte zwar danach z.B. nur 10 Mark - aber immer
noch seine Kühe im Stall und sein Feld und seine Scheune voll
Stroh. Und damit konnte er weitermachen, Milch verkaufen und
Geld verdienen. Bei Großunternehmern sah das dann natürlich
noch besser aus.

Und meine Frage ist nun: Was helfen dem Bauern die Kühe im Stall, wenn sein Haus kein Dach mehr hat, weils im Krieg unter Bomben geraten ist ?? Zahlt der die Handwerker mit Kuhmilch ??

Übrigens: ich weiß zwar nicht, wie genau das im Westen war -
aber in den Ostzonen gab es zwar eine Umbewertung, aber von 10
Mark konnte da keine Rede sein. Da wurden Beträge bis zu einer
bestimmten Summe 1 : 1 getauscht, darüber war dasn das
Tauschverhältnis zwar schlechter (1:10 oder so) - aber damit
wurde eigentlich nur der Geldüberhang vernichtet, für den es
eh keinen materiellen Gegenwert gab.

Das ist übrigens der Kernpunkt des Ganzen: Das geld ist ja
immer nur das Tauschmittel - entscheidend ist, welche
materiellen Warenwerte dem gegenüberstehen. Du kannst gekd
drucken, so viel Du willst - dann kriegst Du höchtesn eine
Inflation, wenn da kein Gegenwert da ist. Schau mal dazu ins
Geschichtsbuch oder frag die Polen oder Russen - die haben
erst in den letzten Jahren da hinreichend Erfahrungen
gesmmelt.

Ich hab das mit der Inflation schon verstanden. Aber Danke :wink:

Im Übrigen war ja genau diese Tauschaktion damals der große
Wurf: Das Geld bekam erst mal wieder Wert. Man konnte sich mit
dem zwar weniger geordenen geld nun wenigstens wieder etwas
kaufen. Damit war auch ein Anreiz wieder da zum Geld verdienen
und der Schwarzmarkt mit dem Tauschhandel Ware gegen Ware fiel
weg.
Denn das gab es ja vorher: Die Menschen hatten unmittelbar
nach dem Krieg zwar Geld - aber sie konnten nichts anfangen
damit. Es war ja eh alles rationiert. Und es hätte auch keiner
gegen geld etwas verkauft, weil der sicvh damit auch nur die
Stube hätte tapezieren können.

Scheinbar hab ich mich schlecht ausgedrückt: Beispiel
meinetwegen IG Farben: Wieviel Geld (Scheine) haben die
bekommen? Von 10 Mark kann doch kein Mensch einen irgendwie
gearteten wirtschaftlichen Betrieb aufrecht erhalten.
Geschweige denn sein Haus nach der Zerstörung wieder aufbauen
oder eine Unternehmen gründen ??!

Hallo Moe,
na, IGFarben ist vielleicht nicht gerade das bete Beispiel.

Aber nehmen wir doch einfach mal den Kaufmann an der Ecke. Nachdem den Leute ihre 40 DM Löcher in die Hosentaschen brannten und auch plötzlich wieder Waren in den Schaufenstern lagen, die sie lange entbehren mussten, gaben sie dieses Geld natürlich aus. Der Kaufmnann also hatte dann schon nach einer Woche mehr als 40 Mark um wieder Waren zu kaufen.

Gleichzeitig führte das Kaufen von Waren natürlich dazu, dass Waren Produziert werden mußten, Leute in Lohn und Brot kamen und mit dem nächsten Wochenlohn schon wieder neues Geld in der Tasche hatten.

Gleichzeitig wurde es durch den sich beschleunigenden Kreislauf natürlich Notwendig neues Geld zu drucken - aber eben nur in dem Maße, wie sich das Sozialprodukt (die Gesamtmenge der geschaffenen Werte und Dienstleistungen) erhöhte.

Gruß
Eckard

mehr als 40 DM !
Liebe Diskutanten,

Ihr seid da einem Irrtum aufgesessen, der allerdings durch viele Köpfe spukt. Die legendären ersten 40DM waren nur ein erstes Handgeld. Wer also ein Sparbuch mit 1000 RM hatte, dem wurde das ganz normal in DM umgestellt. Allerdings um den Faktor 10 (glaube ich) vermindert.

Die Gleichheit aller Konsumenten war also nur zwei Tage real, bis die Banken öffneten und man ganz normal an sein Erspartes kam. Oder bis der erste Lohn in DM ausbezahlt wurde. Oder bis man in der Tat ein Geschäft gemacht hatte, das einem Barmittel in die Hand gab.

Viele Grüße,
Andreas

Ihr seid da einem Irrtum aufgesessen, der allerdings durch
viele Köpfe spukt. Die legendären ersten 40DM waren nur ein
erstes Handgeld. Wer also ein Sparbuch mit 1000 RM hatte, dem
wurde das ganz normal in DM umgestellt. Allerdings um den
Faktor 10 (glaube ich) vermindert.

Die Gleichheit aller Konsumenten war also nur zwei Tage real,
bis die Banken öffneten und man ganz normal an sein Erspartes
kam. Oder bis der erste Lohn in DM ausbezahlt wurde. Oder bis
man in der Tat ein Geschäft gemacht hatte, das einem Barmittel
in die Hand gab.

Klingt gut. Das würde mein Problem lösen.

thx.

Hallo,

nun ja - Bauern wurden ja eher selten ausgebomt, Dörfer waren in der Regel keine Kriegsziele. Aber mal ohne Spiegelfechterei - natürlich gab es auch Verlierer bei der Geschichte. Und dazu gehörten alle kleinen Sparer und so.
Und unser Bauer konnte ja immer noch zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen - mit dem Boden als Sicherheit, denn das feld war ja noch da. Man darf das wirklich nicht unterschätzen - Dinge wie feste Kapitalwerte, Aktienpakete u.a. ermöglichten einer gewissen Schicht schon einen komfortablen Neuanfang. Und daß die kleinen Leute dabei in die Röhre sahen und erst mal die Angeschissenen waren, das ist ja immer so in der Geschichte.

Und natürlich gab es auch ein paar ganz clevere leute, die vorher schon was im Buschfunk gehört hatten und sich ein paar Vorräte an wertbeständigen Dingen angelegt hatten. das waren meist die in gehobener Position mit guten Beziehungen …

Gernot Geyer

Hallo FM,

Und meine Frage ist nun: Was helfen dem Bauern die Kühe im
Stall, wenn sein Haus kein Dach mehr hat, weils im Krieg unter
Bomben geraten ist ?? Zahlt der die Handwerker mit Kuhmilch ??

ja, in der Tat. Außerdem mit Kartoffeln, Käse, Wurst, Gemüse und allem, was man sonst auf einem Teller finden kann. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren sehr wenig spezialisiert, und der Zimmermann, der das Glück hatte, bei einem Bauern ein neues Dach aufrichten zu dürfen, brauchte nicht viel über Barlohn zu reden.

Lebensmittel als Ersatzwährung waren in der Zeit 1945-1948 im ländlichen Raum ähnlich wichtig wie Lucky Strike in den Städten. An anderer Stelle hier schon mal zitiert: Eine Nähmaschinennadel kostete 1946 zwei Liter Schnaps, das war mehr als ein halber Monatslohn für einen Knecht.

In den geldlosen Jahren 1945-1948 und auch schon vorher, soweit man sich traute, hatten Bauern ziemliche Reichtümer im Tauschhandel Kartoffeln gegen gerettetes Tafelsilber u.ä. angesammelt.

In den ersten Jahren nach „der Währung“ gabs zwar in Trizonesien die DM als verlässlicheres Umrechnungsmittel, aber die „fetten Jahre“ mit VW-Käferexport und dem Leitbild „Dicker Ludwig & Zigarre“ waren noch weit weit weg.

Handwerker bekamen tatsächlich nicht viel mehr als das Essen.

Mein Vater war noch in den 1950er Jahren Assistenzarzt mit der Tarifgruppe „ein warmes Essen täglich“.

Wenn Du mal die Jahreszahlen anschaust, die auf Bauernhäusern Bau- oder Ausbaudatum nennen, wirst Du nicht bloß 1947 und 1948, sondern auch noch 1950-1953 überaus oft finden: Bei den Bauern wurde ein Handwerker wenigstens satt - das war, selbst als der gröbste Nachkriegshunger vorbei war, bis etwa 1953 nicht so selbstverständlich.

Schöne Grüße

MM