Woran erkenne ich ein defektes Halbleiternetzteil

Hallo,
eine Frage an die Elektriker unter euch:
Ich habe eine Konstruktion aus Laptop, Monitor, Aktivboxen und Effektgerät für Gitarre (für Harddisk-Recording). Alle Geräte werden mit einem Steckernetzteil Typ Euro (ohne Schutzleiter) mit Strom versorgt. Auf den Boxen hatte ich ein furchtbares Brummen, deshalb hab ich eine externe Masse an den Aktiv-Boxen angebracht. Brummen war weg.
Dafür hat es mir an der Laptop Masse hübsch und dauerhaft eine draufgebrezelt. 100 V AC, gemessen. Puhh. Danach hab ich alles zerlegt, um den Übeltäter ausfindig zu machen, Stück für Stück die Spannungsversorgungen abgeschaltet. Und die Spannung ging in Schritten runter. Zunächst 50 V, später 18 V und dann nix mehr. Aber nun das seltsame: Nach erneutem Einstecken war die Spannung komplett weg. O V an Masse. Jetzt hab ich etwas gelesen, dass manche Netzteile, die mit Halbleitern arbeiten, bevor sie ihren Geist ganz aufgeben, Primär auf Sekundär einen Kurzschluss erzeugen und so Potentiale des Stromnetzes weitergeben. Kanns das sein ? Ich kann doch nicht vorbeugend alle Netzteile wegschmeißen. Kann mir ein Elektriker bei der Fehlersuche helfen. Das Problem ist wohl, dass es nicht dauernd auftritt (s.o.), sondern nur zeitweise. Ich werde vorsichtig sein (mein Leben ist mir wertvoll).
Ich bitte um Hilfe

Hallo,

also, wenn die Netzteile nach einer europäischen Vorschrift gebaut sind, nicht irgend ein Gerät aus Asien, dann ist die primäre und die sekudäre Seite durch einen Trafo gertrennt. Der ist zwar klein, weil er mit hoher Frequenz betrieben wird, ist aber ein trennender Trafo. Das Netzteile durchschlagen, bevor sie defekt werden, halte ich für urban legends.

Du solltest mal jedes einzelne Schaltnetzteil einfach mal so nehmen und jeden Pol gegen Erde messen. Sa sollten 0 V sein.

Ich habe jedoch schon selbst mal ein einem (neuen )Notebooknetzteil gemerkt, als ich es mit einen gerdeten DeskTop-PC verbunden habe, das da ca. 50 V Differenz waren. Offensichlich tritt das Problem bei diese Netzteilen eher auf. Es sollte jedoch mit einem niederohmigen Spulenmessgerät nichts zu messenein. Moderne Digitalmessgeräte haben einen hohen Innenwiderstand und messen auch Spannungen, wo der Strom, der dahinert steckt, ungefährlich ist, d.h. die Spannung bricht zusammen,wenn man das Teil anfasst.

Allerding ist durchaus Vorsicht geboten. Wenn du jedoch ein Teil geerdet hast, wird dort der Strom wegfließen und bevor irgendeine Gafahr besteht der Fehlerstromschutzschalter im Haus ansprechen.

Grüße
Thomas

Sehr hilfreich - ich danke dir

Hallo Tom,

nochmals danke für die Antwort. Bevor ich die Netzteile mal alle durchmesse: Warum hat bei 100 V AC auf Masse (die hoffentlich von meinen Aktivboxen bis zu meiner Laptop-Masse gut durchgeschleift ist - auch das werde ich nochmal prüfen) denn der FI nicht ausgelöst ? Und das die Spannung sofort weggebrochen wäre, kann man nicht behaupten. Dazu dauerte das Kribbeln zu lange und ich wollte nicht damit rumspielen. Wahrscheinlich war ich selbst gegen Erde zu gut isoliert. Dass man dann überhaupt was am Finger spürt ist verwunderlich.

Schönen Gruß
Dirk

Hallo Dirk,

das bei einem Gerät Spannung auf der Masse oder metallischen Teilen ist, kann viel Ursachen haben. Einmal kann diese Spannung von einem anderen gerät eingeschleppt werden, das irgendwie mit verbunden ist, insbesondere dann, wenn die Masse nicht geerdet ist. Wie kommt diese Spannung nun in ein Gerät? In vielen Geräten sind Entstörfilter eingebaut. Funktionsbedingt haben die einen kleinen Kondesator gegen Masse. Darüber fließ immer ein sog Ableitstrom. Wenn du 10 solche Filter in 10 Geräten parallel betreibst, kann der Strom schon reichen, um unangenehme Gefühle in den Fingern zu erzeugen. Der Fehlerstrom-Schutzschalter löst jedoch noch lange nicht asu. Mindestens sind da 30 mA notwendig, Ableitströme sind bis zu 1 mA zulässig. Wo nun dies 100 V herkommen kann ich nicht sagen.

Willst du sicher gehen, ist es notwendig, alle Geräte mit einem Isolationsmessgerät zu prüfen. Dieses Arbeitet mit 1000 V Gleichspannung. Da du kein so Gerät hast, müßtest du alle zu einem Fachmann bringen.

Das du gegen Erde isoliert warst, was kein Nach, sondern ein Vorteil. So konnte der Ableitstom nicht durch dich fließen.

Was deine Möglichkeiten betrifft, so bleibt dir erst mal nur, alle Ausgänge der Netzgeräte bei eingestecktem Netzgerät und ausgestecktem Ausgang gegen eine Erde zu Messen, ob eine Spannung anliegt. Die muß, auch wenn eine Hohe angezeigt wird, noch nicht gefährlich sein, es kommt auf den Strom an. Du müßtest also eher den Strom, hier den Ableitstrom, messen. Kannst du den Strom nicht messen, schalte einen Widerstand von 1 kOhm parallel und die Spannung ist dann gleich dem Ableitstrom in mA. Also maximal 1 Volt dürfst du dann messen.

Noch was zum Schluss: Verbindungen über Ethernet-Verkabelung sind bei besseren Geräten gelvanisch getrennt, d.h. es findet dort weder eine verschleppung noch eine Fremderdung statt. Wenn du dann 2 Geräte direkt verbindest, z.B. über eine serielle Schittstelle wue USB, dann fließt erst ein Ausgeichsstrom. Um dein Brummen, von dem du schrebst, hat sicher seine primäre Ursache in so einen ungewollten Ausgleichsstrom.

Grüße
Thomas

Danke für die ausführliche Antwort. Prima !. Also, ich habe zwischenzeitlich den Übeltäter lokalisiert. Das Laptop Netzteil weist eine dauerhafte Spannung gegen Masse von 110 V aus. Ich habe es bei HAMA reklamiert und die wollten das Teil nun zur Inspektion durch ihre Q-Abteilung, da es sicherheitsrelevante Belange berührt. Damit hat sich das Problem erstmal erledigt und Hama wird mir sicher schreiben, was los war und wie es weiter geht. Wenn es dich interessiert, werde ich das an dich weiterleiten.

Gruß

Dirk

Danke für die Information. Gerne lese ich, wie es mit dem Netzteil weioter gegangen ist.
Thomas

Danke für die Information. Gerne lese ich, wie es mit dem
Netzteil weioter gegangen ist.
Thomas

So, hallo Tom,

jetzt nochmal das Letzte dieser Geschichte: Sie haben eine Spannungsprüfung durchgeführt und meinten, es wäre alles in Ordnung. Es handle sich um eine strombegrenzte Spannung (wie sie bei allen Steckernetzteilen auftreten würde - Bem.: Das ist ganz einfach nicht korrekt; ich konnte es nur an diesem messen). Sie wäre angeblich durch den Y-Kondensator zu erklären, aber nicht bedenklich. Schön, ich frage mich nun, wieso es doch deutlich gekribbelt hat und zwar nicht statisch (wie sie vermutet haben, mit sofort abfallender Spannung, sondern dauerhaft und wiederholbar). Egal - sie haben ein Ersatznetzteil geschickt, wo ebenfalls diese Spannung anliegt. Da das Netzteil keine Erde besitzt und ich zwecks Brummen eine Masse brauche, hab ich ein anderes genommen. Da gibts das Problem nicht und es liegt auch keine Spannung an.
Hoffe, du bist jetzt auch um eine Erfahrung reicher.
Schönen Gruß

Dirk