Wortherkunft 'Pimpfe'

Hallo, alle Sprachkundigen!

Ich frage mich, seitdem ich erfahren habe, dass die kleinsten in der HJ „Pimpfe“ genannt wurden, ob der Begriff seitdem für kleine Personen angewendet wird, oder ob unser österreichischer Freund das Wort einfach übernommen hat.

Ich denke, ihr könnt mir helfen?!

Danke

Patrick

Laut Kluge (ethymologisches Wörterbuch) gibt’s den Begriff schon seit dem 19. Jh. und bedeutete damals in etwa „kleiner Furz“. Bis Anfang des 20. Jh. ging die ursprüngliche Bedeutung aber verloren und ab den 1920er Jahren wird das Wort in der Jugendbewegung mit leicht verächtlichem Beiklang im Sinne von „Kleiner“ verwendet.

Hallo, Patrick,

mein Vorposter hat das wichtigste schon gesagt.

Ich will nur hinzufügen, dass das ein lautmalerisches Wort ist wie „Pups, Pumps, Pumpf“, wobei aber das „i“ anzeigt, dass es nur ein sehr kleiner Windabgang war.

Gruß Fritz

Genau!
Da gibt es auch noch den Ausdruck „Teepimpf“ für die diskreten Geräusche vornehmer Damen und den „Bierpumpf“ für das dröhnende Krachen bebierter Machos.
Auf diesem „Pumpf“ geht übrigens auch der westfälische „Pumpernickel“ zurück.

Gruß - Rolf

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Auf diesem „Pumpf“ geht übrigens auch der westfälische „Pumpernickel“ zurück.

Wobei der Pumpernickel (Nickel = Nikolaus; also => Furznikolaus!) zuerst ein Schimpfwort für einen 'ungehobelten, groben Kerl" war und von da auf das grobe Brot übertragen wurde.

Freut mich, Rolf, durch dich rdaran erinnert worden zu sein! :wink:

Gruß Fritz

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Pumpernickel

Auf diesem „Pumpf“ geht übrigens auch der westfälische „Pumpernickel“ zurück.

Wobei der Pumpernickel (Nickel = Nikolaus; also =>
Furznikolaus!) zuerst ein Schimpfwort für einen 'ungehobelten,
groben Kerl" war und von da auf das grobe Brot übertragen
wurde.

Hallo Ihr lieben Wissenden, und vielen Dank für diesen Hinweis! Ich hab bisher geglaubt (vom Hörensagen), Pumpernickel käme von franz. ‚bon pour nickel‘ also gut genug für eine kleine Nickelmünze, aus den napoleonischen Kriegen, das sei ein Ausspruch gewesen von Jerôme, dem jüngsten Bruder Napoleons. Wieder etwas klüger geworden!
L.G. Susette

Hallo Ihr lieben Wissenden, und vielen Dank für diesen
Hinweis! Ich hab bisher geglaubt (vom Hörensagen),
Pumpernickel käme von franz. ‚bon pour nickel‘ also gut genug
für eine kleine Nickelmünze, aus den napoleonischen Kriegen,
das sei ein Ausspruch gewesen von Jerôme, dem jüngsten Bruder
Napoleons. Wieder etwas klüger geworden!
L.G. Susette

Tach Susette,

jaja, der Jerome!
Der einzige deutsche Satz, den er dem Vernehmen nach beherrschte, war ja: „Morgen wieder lustig!“

Gruß - Rolf

Hi!

Da gibt es auch noch den Ausdruck „Teepimpf“ für die diskreten
Geräusche vornehmer Damen und den „Bierpumpf“ für das
dröhnende Krachen bebierter Machos.
Auf diesem „Pumpf“ geht übrigens auch der westfälische
„Pumpernickel“ zurück.

Ich habe als Kind von meinem Großvater gelernt, der Name käme vom lateinischen „bonum paniculum“, weil dieses Brot sich mehrere Monate einlagern ließ und somit die Ernährung der Bevölkerung im Falle einer Stadtbelagerung sichern half. Gebacken wurde es in eigens dafür errichteten Backstuben.

Weiß jemand, ob da was dran ist?

Grüße
Heinrich

Pumpernickel
Hi, Heinrich,

wie stets bei solchen Wörtern gibt es meist eine Reihe von mehr oder wenigen plausiblen Etymologien.

Ich erinnere an die „Fisimatenten“, die zu den schönsten Volksetymologien Anlass gaben.

Bei Pumpernickel ist es offensichtlich ebenso. Sussette bot eine französische Herkunft an, du nun eine lateinische.

Ich will nun die beiden Erklärungen der beiden meistgebrauchten Etymologiewörterbücher, Kluge und Pfeifer, nennen, um das „offizell“ anerkannte Wissen darzustellen.

Zuerst der Kluge:

_ Pumpernickel
Substantiv Maskulinum Standardwortschatz (17. Jh.)Onomastische Bildung.
Zunächst für „Kommißbrot“, dann eingeschränkt auf das nord-westfälische Roggenschrotbrot (als spöttische Bezeichnung von außen, die einheimische Bezeichnung ist Schwarzbrot oder grobes Brot).
Als Spottname ist das Wort schon älter (als Bezeichnung eines groben Flegels?); die Übertragung auf das Brot ähnlich wie bei Armer Ritter u.ä. Nickel ist Kurzform von Nikolaus; Pumper wohl ein regionales Wort für „Furz“.
Ebenso nndl. pompernikkel, ne. pumpernickel, nfrz. pumpernickel, nschw. pumpernickel.
Weiser, L. NZV 4 (1926), 14;
Benary, W. ASNSL 154 (1928), 271f.;
Goldbeck, I. MS (1951), 50-52;
Möller, R.: NW 1 (1960), 4-7;
Gentner, C. JAWG 3 (1987), 56-66;
Röhrich 2 (1992), 1209. deutsch d(Pumper-), Name_

und dann noch Pfeifer, Etymologisches Wörterbucg des Deutschen.

_ Pumpernickel
m. schwarzbraunes, rindenloses Brot aus Roggenschrot mit leicht süßlichem Geschmack, (westfälisches) Schwarzbrot.
Der zuerst 1628 bezeugte Ausdruck steht als Schimpfwort für einen ungeschlachten, groben Menschen. Das Grundwort „Nickel“, die als Schelte gebrauchte Kurzform von „Nikolaus“, ist hier verbunden mit dem Bestimmungswort „Pumper“ in der Bedeutung ‚Furz‘, sodass das Schimpfwort etwa als „Furzkerl“ aufzufassen ist.
Wegen seiner blähenden Wirkung wird das schwer verdauliche Brot seit 1654(anfänglich spöttisch) Pumpernickel genannt.
Pumper = dröhndender Ton, Gepolter, Furz gehört zu lautmalendem "pumpen, pumpern, pompern = dröhnen, pochen, krachen, furzen; mhd pumpern, pümpern = hämmern, pochen.
Dazu auch PIMPF m. im 19. Jhdt abschätzig für: kleiner Kerl, Junge als Schelte für einen Heranwachsenden, der höchstens einen „Pimpf“ , aber keinen „Pumpf“ oder „Pumper“ zusatnde bringt; demnach eigentlich „kleiner Furz“.
Pimpf wird erst nach 1900 ohne verächtlichen Beiklang im Sinne von „kleiner Kerl“ als Bezeichnung der Jüngsten in einer Jugendbewegung allgemein bekannt. Heute kaum noch gebräuchlich._

Von ‚bon pour nickel‘ und „bonum paniculum“ also kein Wort.

Gruß Fritz

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Hallo!

Ich will nun die beiden Erklärungen der beiden
meistgebrauchten Etymologiewörterbücher, Kluge und Pfeifer,
nennen, um das „offizell“ anerkannte Wissen darzustellen.

Zuerst der Kluge:

[…]

und dann noch Pfeifer, Etymologisches Wörterbucg des
Deutschen.

[…]

Von ‚bon pour nickel‘ und „bonum paniculum“ also kein Wort.

Gruß Fritz

Danke für deine Quellen. Ich habe auch noch eine gefunden: Meyers Konversationslexikon von 1888. Dort heißt es u.a.

_ Pumpernickel , […] Der Name kommt wohl von bonum paniculum her, einem Brot, welches die Stadt Osnabrück bei einer Hungersnot um 1400 backen ließ; der Turm, in welchem der Backofen stand, heißt noch jetzt Pernickel._

Es bleibt wohl ein Geheimnis (wobei ich die frz. Version nur mit „bon pour Nicole“ und nicht „Nickel“ kenne).

Grüße
Heinrich

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Hallo !
Noch etwas über „Pimpfe“:

Die Bezeichnung „Pimpf“ gehörte in den Sprachgebrauch der Jugendorganisation und war nicht abwertend gemeint .

Aus dem Buch
»Die Hitler-Jugend. Idee und Gestalt«
von Reichsjugendführer Baldur von Schirach
(1934)

Das Jungvolk erklärt dem Muttersöhnchen den Krieg. Jungvolkerziehung ist Erziehung zur Selbständigkeit. Noch nie gab es eine so große Zahl selbständiger Jungen. Sie sehen mit einer gewissen Verachtung auf das herab, was man landläufig »Kinder« nennt, und ärgern sich maßlos, wenn sie von Erwachsenen selbst so bezeichnet werden. Nach ihrer (und auch meiner) Meinung sind Jungvolkjungen eine Sache für sich. Mit »Kindern« bezeichnen wir die nichtuniformierten Wesen niedriger Altersstufen, die noch nie einen Heimabend oder einen Ausmarsch mitgemacht haben […]
Oh, ein Pimpf versteht schon etwas von der Welt! Wenn er unterwegs seine Hosen zerrissen hat, näht er sie selbst wieder zusammen. Geht es nicht anders, dann mit Bindfaden. Kinder pflegen in ähnlichen Situationen zu heulen und nach der Mutter zu schreien. Pimpfe sind auf sich selbst gestellt. Kinder verreisen nur in Begleitung Erwachsener. Pimpfe gehen mit ihrem Führer auf Fahrt. Andere Eltern sprechen von ihrem Kinde, die Pimpfeneltern aber reden von ihrem Sohn. »Mein Sohn, der Pimpf!« In diesem Satz liegt diese tiefe Wandlung unserer Jugend.

[Dokumente: Das Dritte Reich, S. 8356]
Zur Sommerarbeit weist die Reichsjugendführung darauf hin, daß das Handbuch für das Jungvolk, ›Pimpf im Dienst‹, laut Verordnung für alle Führer zur Anschaffung befohlen ist.
[Tageschronik: 27. Mai 1935. Das Dritte Reich, S. 1358
(vgl. DGK Bd. 2.1, S. 213) © Droste/Directmedia]

mfgConrad