Wortschatz

Liebe Experten!

Soeben hörte ich die Behauptung, die bosnische Sprache würde mit ca. 10.000 Wörtern von der kroatischen Sprache abweichen. Das kam mir viel vor, aber ich konnte schlecht etwas dagegen halten, da ich nicht wusste, wieviel Prozent 10.000 Wörter vom Gesamtwortschatz ausmachen würden…
Daher hier meine Frage:
Wie groß ist der aktive/passive Wortschatz eines/r Deutschen in der Muttesprache?
Sicherlich gibt es stark abweichende Zahlen, aber die interessieren mich trotzdem.
Danke,
und Gruß,
pascale

Hallo, Pascale,

dich gibt es also auch noch. :wink:

Der aktive Wortschatz Goethes, der in seinen Werken, also nur schriftlich, fassbar ist, liegt bei über 30 000 Wörtern.
Man kann damit rechnen, dass er mündlich einiges mehr drauf hatte und verstanden hat er vermutlich noch mehr.

Das mal als ersten Richtwert.
Und beste Grüße
Fritz

Hallo Pascale, Fritz,

http://de.wikipedia.org/wiki/Wortschatz spricht von einem aktiven Wortschatz von 8.000 bis 10.000 Worten bei einem durchschnittlichen Sprecher.

Der aktive Wortschatz Goethes, der in seinen Werken, also nur
schriftlich, fassbar ist, liegt bei über 30 000 Wörtern.
Man kann damit rechnen, dass er mündlich einiges mehr drauf
hatte und verstanden hat er vermutlich noch mehr.

War es nicht Adenauer, dem man nachsagte, sein aktiver Wortschatz habe nie die Zahl von 1.000 Worten überschritten? Und die noch in rheinischer Mundart? Scheint also für das Regieren von Deutschland auszureichen …

Grüße
Wolfgang

Hallo nochmal,

dem man nachsagte

Wenn wir beim Nachsagen sind:

Karl May kommt, nach einer Zählung, die ich nicht belegt gesehen habe, in seinen Büchern mit 3000 Wörtern aus.

Mein Ausbilder in Sachen DaF sagte stets, 700 - 1000 Wörter und fünfzehn Grammatikregeln erlaubten einem Ausländer ein erfolgreiches Leben in Deutschland. Habe ich auch nie geprüft.

Gruß Fritz

Hallo Pascal

Deine Frage setzt implizit voraus, so scheint es mir, dass alle
Woerter eines Wortschatzes gleich haeufig auftreten wuerden. Das ist
aber keineswegs der Fall. 50% eines hinreichend langen,
durchschnittlichen Textes bestehen aus den 100 haeufigsten Woertern,
naemlich Artikeln, Praepositionen, Konjunktionen und aehnlichem
Kleinkram. Ein Wortschatz, der die 1000 haeufigsten Woerter umfasst,
genuegt fuer das Verstaendnis von 80% des Textes und 3000 Woerter
fuer 90%. Demnach fuellen nur 0,01% aller Woerter 50% eines
umfangreichen Lexikons und die restlichen 99,99% der Woerter sind auf
die anderen 50% des Textes verteilt.
Diese Zahlen sind relativ sprachunabhaengig.
Der deutsche Wortschatz inklusive aller Fachbegriffe, Tiernamen etc.
wird auf 1 Mio. Woerter geschaetzt. Dabei weiss ich aber nicht, ob
hier nur die Nennformen (also die, die in einem Woerterbuch
aufgefuehrt sind) oder auch die flektierten Formen einzeln gezaehlt
sind.
Um zu deiner Frage zurueckzukommen: Ganz entscheidend ist, ob die
10000 Woerter ueberwiegend die haeufigsten Woerter betreffen oder ob
sie zu den seltenen Woertern zaehlen. Im ersten Fall koennten Bosnier
und Kroaten einander nicht verstehen im zweiten schon. Willst du aber
den Prozentsatz ungeachtet der Haeufigkeit der Woerter wissen, dann
stellt sich die Frage, wo man die Grenze des Wortschatzes zieht, der
ja zwischen 5000 und 1 Mio. Woertern liegen kann, wie auch im
Deutschen, je nachdem, was man alles hinzuzaehlt.
Kurz: Es gibt keine einfache Antwort auf deine Frage.

Gruss, Tychi

Hm, das scheint mir ein bisschen hoch gegriffen. Meiner Kenntnis nach hat das Englische mit über 600 000 Wörtern den umfangreichsten Gesamtwortschatz, Deutsch liegt mit 300 000 - 400 000 Wörtern an vierter Stelle, Französisch umfasst lediglich ca. 100 000 Wörter.

Gruß, M.

Hallo M.

Na ja, wie gesagt, es kommt darauf an, was man zum Wortschatz zaehlt.
Der Duden listet so 120 000 Woerter. Aber beispielsweise das Wort
Bogoljubov-Transformation fehlt. Und so fehlen zahllose andere, die
nur sehr wenige Menschen kennen. Denke z.B. an die ganzen Begriffe
aus der Anatomie, die zwar meistenteils lateinisch, aber doch
Bestandteil des deutschen Wortschatzes geworden sind.
Durch die Hinzunahme der flektierten Formen verzehnfacht sich die
Wortzahl, ausgehend vom Nennwortschatz (Faktor 10 steht in dem
Wikipedia-Artikel). Leider weiss ich nicht mehr, wo ich die Zahl 1
Mio. aufgeschnappt habe.

Gruss, Tychi

Na ja, ich bin mir doch relativ sicher, dass sich Angaben zum Gesamtwortschatz auf die unflektierten Formen beziehen. Und klar sind die Grenzen unscharf (im Deutschen dürfte es besonders bei den Komposita schwierig werden), aber die genannten Zahlen habe ich nun mal schon häufiger gelesen.

Übrigens gibt es von Duden auch ein zehnbändiges Großwörterbuch mit über 200 000 Einträgen.

Gruß, M.

Hai, Wolfgang,

War es nicht Adenauer, dem man nachsagte, sein aktiver
Wortschatz habe nie die Zahl von 1.000 Worten überschritten?
Und die noch in rheinischer Mundart? Scheint also für das
Regieren von Deutschland auszureichen …

da fand ich Lübke aber noch’n Zahn schärfer, als Adenauer. Ich sach nur „Meine Damen und Herren, liebe Neger…“

Gruß
Sibylle

Eine allgemeine Ausikunft zur exjugoslawischen Sprachpolitik:
Milos Okuka: Eine Sprache - viele Erben. Sprachpolitik als Nationalisierungsinstrument in Exjugoslawien
http://www.wieser-verlag.com/Gesamt/Sachbuch/Eine_Sp…
(hinsichtlich des Wortschatzes kann ich leider nichts sagen)

Zum Deutschen: In Wikipedia gibt es einige brauchbare Auskünfte. Übrigens, die Qualität einer Sprache hängt nicht vom Umfang des Wortschatzes ab! Zur Verständigung oder Alltagskommunikation reichen 700 - 800 Wörter (siehe: Basic English, Basisdeutsch etc.).

Auf die Problematik von Kleinsprachen weist sehr gut lesbar Iso Camartin hin. Der Schriftsteller Hermann Broch erklärte, en passant, in seinem Text über die Problematik des Übersetzens die wesentlichen Unterschiede zwischen dem wortreichen Englisch und dem grammatikalisch komplexeren Deutsch.

HLH