-ig ist nicht zig/zigst!
Hallo, Maja,
obwohl es einige richtige Ansätze und Antworten in diesem Faden gibt, krankt das hier noch an einer grunsätzlichen Verwirrung.
Die Adjektivbildesilbe „-ig“, die wir etwa verwenden, wenn wir aus Adverben wie
„gestern, morgen, heute, hier, dort“
Adjekive bilden wie
„gestrig, morgig, heutig, dortig, hiesig“.
Aber auch aus Nomen können wir so Adjektive machen, etwa so
„der Riese => riesig,
der Lump => lumpig,
der Rotz => rotzig,
der Putz => putzig,
der Eine => einzig“.
Dieses „-g“ wurde auch verwendet, als man aus wenig (= zum Weinen wenig!) die Intesivierung „winzig“ bildete.
- Allerdings ist die Ableitung nicht unumstritten
Die Endung „-zigste“ bei diesen kommt nur dadurch zustande, weil diese Adjektive vor dem „-ig“ ganz zufälligerweise ein „z“ haben, die aber von Wortstamm des Ursprungswortes haben: Putz, Rotz, etc.
Was ganz anderes ist das „zig“ und das „zigst-“ bei:
Da waren zig tausend Vögel. Das ist nun der zigste Artikel, den ich schreiben.
Diese zig/zigst ist eine Ableitung von „zehn“, die in den Zahlen von zwanzig (= zwei (Mal) zehn) bis neunzig (= neun (Mal) zehn).
Dazu:
_ zigst… (ugs.): steht anstelle einer nicht genau bekannten, aber als sehr hoch angesehenen Zahl:
das ist heute schon der zigste Anruf.
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001
zig [mhd. -zec, ahd. -zig, -zug, Endung der Zehnerzahlen von 20 bis 90, zu zehn u. eigtl. = Zehner, Zehnheit] (ugs.):
steht anstelle einer nicht genau bekannten, aber als sehr hoch angesehenen Zahl:
zig Leute; ich kenne sie schon zig Jahre; mit zig Sachen in die Kurve gehen.
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_
Dazu noch der Kluge:
_ -zig
Suffix (zur Bildung der Zehnerzahlen) Standardwortschatz (-), mhd. -zic, ahd. -zug, as. -tig Stammwort.
Aus g. *teg(u)- „Dekade“, auch in gt. tigjus Pl., anord. -tigr (-tugr, -teg), ae. -tig, afr. -tich. Diese Bildungsweise ist in den alten germanischen Sprachen nur bei den Zehnerzahlen von zwanzig bis sechzig üblich.
Das Element ist ein Wort für „Dekade“, weshalb diese Zahlwörter auch als Substantive behandelt werden (und das Gezählte im Genitiv Plural bei sich haben).
Die übrigen Zehnerzahlen werden gebildet: gt. auf -tehund, einschließlich taihuntehund „hundert“ (Analyse umstritten); anord. gleich wie „zwanzig - sechzig“ (bis anord. ellefo tigr „hundertzehn“, anord. hundraT „hundertzwanzig“); ae. hund- + -tig bis hundtwelftig „hundertzwanzig“; as. ant- + -da bis nigonda, hund „hundert“); ahd. -zo bis zehanzo „hundert“.
Ähnliche Dekadenwörter in lit. desimtìs, akslav. deseti. Im übrigen ist die Geschichte der Zehnerzahlen im einzelnen unklar und umstritten. Eine Darstellung mit reichhaltiger Bibliographie bei Szemerényi (1960).
Szemerényi (1960);
Bammesberger, A. in Brogaynyi/Krömmelbein (1986), 3-8;
Justus (1988), 521-541;
Seiler, H. J. FS Greenberg (1990), 187-208;
Ross/Berns (1992), 602-620. gemeingermanisch_
Gruß Fritz