in den letzten Tagen habe ich mir eher zufällig Börsenanalysen angelesen und bin dabei immer wieder auf Ausschlusserklärungen wie der folgenden gestossen:
Die veröffentlichten Informationen basieren auf allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten. Die hier geäußerten Meinungen über Märkte und Produkte sind unverbindlich. Sie stellen keine Aufforderung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf dar. Die Lektüre dieser Publikation kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Wir bitten Sie deshalb, sich an Ihren Anlageberater bei [jeweiliges Institut des Analysten] zu wenden.
Nun stelle ich mir dabei zwei Fragen:
Wozu sind dann diese Analysen sinnvoll, wenn sie unverbindlich sind?
Wenn ich den Rat befolge und mich an diesen Anlagebetreuer wende, wird er sich bei einem möglichen Kauf der analysierten Aktien nicht auf die Analys(t)en seines Hauses stützen?
1.Diese Analysen müßen unverbindlich sein, da jeder das vorliegende Zahlenmaterial anderes implizieren wird, ergo kann eine Analyse nie verbindlich sein, weil sie auch keinen direkten Einfluß auf den Börsenkurs hat.
2.Das ist zu erwarten. Aber diese Analysen werden sowieso nicht für Privatanleger geschrieben, sondern für Instituionelle Anleger, also Fonds, Versicherungen et cetera.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
1.Diese Analysen müßen unverbindlich sein, da jeder das
vorliegende Zahlenmaterial anderes implizieren wird, ergo kann
eine Analyse nie verbindlich sein, weil sie auch keinen
direkten Einfluß auf den Börsenkurs hat.
2.Das ist zu erwarten. Aber diese Analysen werden sowieso
nicht für Privatanleger geschrieben, sondern für
Instituionelle Anleger, also Fonds, Versicherungen et cetera.
Weshalb werden diese Analysen dann publiziert, wenn sie nur für Institutionen sind? In einer Talkrunde bei n-tv meinte Friedhelm Busch einmal u. a., diese Prognosen wären zuerst für die Kunden der herausgebenden Institution gedacht, und mit einer kleinen Verspätungen würden sie dann auch veröffentlich werden. So passiere es z. B., dass es vor der allgemeinen Veröffentlichung zu für Beobachter nicht immer verständliche Kursänderungen käme.
Diese Unverbindlichkeit der Analysen ist natürlich auch ein Schutz der Analysten, weil man die Daten in verschiedene Richtungen interpretieren kann, wenn sich jedoch ein Anlageberater an diesen orientiert, müsste seine Beratung ebenso unverbindlich - aber nicht kostenlos! - sein, und dann stellt sich für mich die Frage, inwieweit eine (solche) Anlageberatung von Nutzen ist.
Wozu sind dann diese Analysen sinnvoll, wenn sie
unverbindlich sind?
Für gar nix. Siehe dazu auch meinen Artikel zum Thema Fristigkeit. Gerade neulich gabs wieder mal die jährliche Untersuchung zum Thema Analystenempfehlungen. Wer diesen 2000 kritiklos gefolgt ist, hat, wenn ich mich recht entsinne, deutlich mehr verloren, als die Indices. So sollte es wohl nicht sein. Die Welt hat letztens (Archivsuche unter http://www.welt.de) an den Chart von EM.TV die Empfehlungen der verschiedenen Banken gedruck. Irre!
Typisches Indiz ist auch, daß Analysten Aktien herabstufen, wenn das entsprechende Unternehmen schlechte Daten bekanntgegeben hat. Dafür brauch ich keinen Analysten! Weiteres Indiz: es gibt deutlich mehr Kauf- als Verkaufsempfehlungen, auch in diesem Börsenjahr. Das ist verdächtig. Häufig wurden von den Banken auch Kaufempfehlungen - natürlich schlecht gelaufenen - Emissionen abgegeben. Die Vermutung, die von der Presse öfter mal unters Volk gestreut wird, daß die Analysen dazu dienen, sich vom eigenen Bestand zu etwas besseren Kursen (Kaufempfehlung --> Nachfrage --> höherer Kurs) zu trennen, liegt so fern nicht.
Die Unverbindlichkeit ist einfach nur ein Haftungsausschluß
Wenn ich den Rat befolge und mich an diesen Anlagebetreuer
wende, wird er sich bei einem möglichen Kauf der analysierten
Aktien nicht auf die Analys(t)en seines Hauses stützen?
Das kommt drauf an. Ein wirklich guter Berater vermag die Fähigkeiten der hausinternen Analyse-Teams bzw. der einzelnen Analysten schon einzuschätzen, so wie ich unsere Pappenheimer auch schon kenne. Der Vorteil bei hausinternen Analysen ist, daß sie in ausfürhlicher Form vorliegen. Somit kann der Berater auch nachvollziehen, warum diese oder jene Aktie empfohlen wurde, oder eben nicht.
Meine Meinung: Hör Dir die Empfehlungen an und dann fang an zu denken. Wenn Du nach gründlicher Überlegung zur gleichen Ansicht gelangst, wie der Analyst bzw. der Berater, dann handle entsprechend.
Betrachte Analysen und Empfehlungen also eher als Anregung, Dich mit einer bestimmten Aktie zu beschäftigen.
Gruß
Christian,
der mit seinem Ergebnis von -5% für dieses Jahr sehr zufrieden ist.
Die Analysen aus dem eigenen Hause hätten für -35% gesorgt. Eine Partizipierung an den eigenen Emissionen wäre auf -55% hinausgelaufen (grob geschätzt).
ich habe im Welt-Archiv unter dem Suchwort „em.tv“ zwar drei neuere Artikel zu EM.TV gefunden, aber nicht den von Dir genannten Chart und die entsprechenden Empfehlungen.
Auf n-tv gab’s in diesen Tagen einen Beitrag zur Macht der Analysten. Naja, wenn einem dort gesagt wird, man soll eben selbst genau schauen, wer der Analyst ist und welche Institution dahintersteckt, ist man doch schon ein wenig überfordert, schliesslich muss dann noch wissen, inwieweit Analyst/Institution zu vertrauen ist.
Über n-tv musste ich übrigens auch ein wenig schmunzeln. Gerade in der Zeit, in der die Kurse steil bergab gingen, wurde man nicht müde, nebenbei zu erwähnen, dass man ja schon bei den Hochkursen stets vor der Übertreibung gewarnt hätte. Ich kann mich jedenfalls nur daran erinnern, dass der Sender ebenso dem Trend folgte wie alle anderen.