Servus,
das giltet nicht bloß nach außen, sondern auch nach innen.
Es wird da versucht, an die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen als „Lebensauffassung“ anzuknüpfen, die bis vor ein-zwei Generationen insbesondere bei Arbeitnehmern der Unternehmen, die „ihre Leute“ ein bissel weniger schofel behandelten, selbstverständlich war: „Eisenbahner sein“ - „Postler sein“ - „Fernmelder sein“ - „Aniliner sein“ - „Beim Bosch sei“ - „Beim Benz sei“ - „Den Siemensschritt drauf haben“ - „in die Zacke gehen“ usw. usw. - (bei den Halbwüchsigen im Waldhof gabs zu Zeiten gepflegte Schlägereien „Flachglas gegen Zewa“); gleichzeitig soll damit auch das traditionelle Zugehörigkeitsgefühl, das letztlich aus der Zeit der Gründer-Patriarchen stammte, das mit vielen etwas vage bleibenden subjektiven Elementen durchsetzt war und vor allem in einem Punkt, nämlich der idealistischen Orientierung auf 100% Qualität, im letzten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts als kontraproduktiv, da unrentabel, erkannt wurde, durch ein klar formuliertes ergo überprüfbares und nach Schema 80:20 auch relativierbares System von „Werten“ ersetzt werden: Was nicht quantifizierbar ist, lässt sich nicht gut „qualitätsmanagen“. Also quantifiziern wer halt.
Alldieweil Ideologien wenigstens zwei Generationen später dran sind als ihre materiellen Träger, wird erst die Zukunft zeigen, was von den „Kulturen“ und - sit venia verbo - „Philosophien“ kommen wird. Bei den zuerst zitierten Staatsunternehmen kann man jetzt schon beobachten, dass es nicht so leicht ist, eine gewachsene „Kultur“ mal eben in den Schredder zu tun und durch eine artifiziell verordnete zu ersetzen: Da hat sich das bisher bloß als eine heillose Zerstörung geäußert, mit nicht besonders guten Folgen für die Ergebnisse der Arbeit.
Noch einer aus dem Nähkästchen: Mein Großvater war Monteur bei Maybach. Solange bei Maybach PKWs gebaut wurden, hat sich fast die ganze Belegschaft von Maybach über die Obsession von Karl Maybach lustig gemacht: Jedem war an seiner jeweiligen Position klar, dass der Wunsch von Karl Maybach, das beste Automobil der Welt zu bauen, kaufmännisch absurd war und dem Unternehmen wirtschaftlich keinen Erfolg bringen würde. Trotzdem galt unter den Monteuren, die die Maybach-PKWs auslieferten (ohne Karosserie, ohne Windschutzscheibe, in Pilotenmontur) die dauernde Wette, wer es schaffen würde, die Landstraße von Friedrichshafen bis Ulm (genau hundert Kilometer, heute B30) in einer Stunde zu packen - man kann sich vorstellen, wie da in den ungepflasterten Dorfdurchfahrten Hennen und Röcke flogen, wenn ein Maybach daherkam…: Plus ultra! - Angeblich gab es einzelne, die die Reisegeschwindigkeit von 100 km/h geschafft haben.
Wieauchimmer - ungefähr da wollen die „Firmenkulturen“ aus der Retorte hin. Ob sies schaffen werden, wird sich zeigen.
Schöne Grüße
MM