Hallo,
ich muss mal ganz blöd nachfragen. Wozu braucht man Eigenkapital, wenn
man sich Geld leiht? Ausser dass man beweisen kann schon mal Geld
besessen zu hat - welchen Sinn hat es sonst?
Danke!
Hallo,
ich muss mal ganz blöd nachfragen. Wozu braucht man Eigenkapital, wenn
man sich Geld leiht? Ausser dass man beweisen kann schon mal Geld
besessen zu hat - welchen Sinn hat es sonst?
Danke!
Guten Tag Kristian,
Eigenkapital für ein Vorhaben erleichtert die Bezahlung, denn man
muss sich nicht alles leihen. Das hört sich so an wie eine nicht ganz so kluge Binsenweisheit. Die Wahrheit liegt aber noch ein kleines Stück tiefer. Eigenkapital ist für den Kreditgeber ein untrüglicher
Zeiger dafür, dass der Geldsuchende in der Vergangenheit - aus welchen
Gründen auch immer - in der Lage war, einen Geldbetrag entweder
anzusparen oder aber zumindest nicht - für den Fall, dass das Geld geerbt, geschenkt oder durch Glücksspiel erworben wurde - schnell
wieder zu verausgaben. Denn das Geld ist schlicht noch vorhanden.
Eine Grundvoraussetzung dafür, dass ein Geldgeber daran glauben kann,
sein eigenes Geld, dass er ausleiht, irgendwann wiederzusehen.
Deswegen heißt der Kredit auch Kredit (lat. credit = er glaubt).
Gruß
Günther
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Servus,
wenn man Geld leihen will, um etwas damit zu tun - z.B. für eine Kerzenziehmaschine, oder eine Sargdeckelfräsmaschine, oder einen Mercedes Sprinter oder sowas - wird bei vorhandenem Eigenkapital das Verhältnis von (möglicher) Ertragsfähigkeit zu Kapitaldienst ein wenig besser.
Auch wenn man Geld leihen will, um es zu konsumieren - z.B. für eine Wohnung - stellt sich dieser Effekt ein, wenn man als Ertrag die eingesparte Miete, im Fall Auto die eingesparte Monatskarte etc. ansetzt.
Bei optimalem Management und Abwesenheit aller Risiken ist 100% Fremdkapital manchmal eine gangbare Alternative. Sogar bei suboptimalem Management und vorhandenen Risiken war das früher Mal im Fall von Immobilien so - als man diese aus Banksicht noch nicht nach Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers, sondern nach Verwertbarkeit der Immobilie sehr großzügig bewerten konnte. Wegen einiger Veränderungen hinsichtlich Verwertbarkeit ist das heute im Regelfall vorbei.
Schöne Grüße
MM
Hallo Kristian,
nun ja, in der Regel ist der Anschaffungspreis einer Ware höher als ein späterer Verkaufspreis des dann gebrauchten Gegenstandes.
Wenn Eigenkapital mindestens in Höhe dieses Deltas einfließt, kann der Kreditgeber sicher sein, dass er - so er sich den Gegenstand als Sicherheit stellen lässt - ohne weiteren Aufwand seine Kreditsumme zurückerhält. Bei 100%-Finanzierung müssen deshalb auf jeden Fall weitere Sicherheiten gestellt oder zumindest deutlich erwartbar sein …
Grüße
Jürgen
Hallo Kristian,
wenn man eine Immobilie kauft, dann zahlt man für Notar, Grundsteuer und Provision schnell mal 5 - 10 % vom Kaufpreis. Bei einem schnellen Verkauf (z.B. wegen Liquiditätsmangel) kommen nochmals 5 - 15% Abschlag vom eigentlichen Immobilienwert dazu. Somit hat man schnell 10 - 25% vom Wert, den die Bank nicht mehr erlösen kann, wenn der Käufer doch nicht so liquide ist, wie ursprl. gedacht (eine kleine Arbeitslosigkeit kann einen schnell erwischen, auch als ArtDirector).
Somit sagen sich die Banken:
Übrigens:
Wer mehr als 60% des Immo-Werts finanzieren muss, benötigt oft ein 2. nachrangiges Darlehen.
Grüsse
Sven
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Eigenkapital haftet vorrangig, mindert also das Risiko des Kreditgebers. Viel EK ist also gut für die Bank.
Fremdkapital ist teuer, solange bei einer Investition die Gesamtkapitalrendite > Fremdkapitalverzinsung lohnt es sich, relaiv mehr FK einzusetzen da so die EK-Rendite prozentual steigt. Geringer EK-Einsatz ist also gut für den Investor. Das ist es in etwa, was die „Heuschrecken“ nach einem Unternehmenserwerb machen.
Eigenkapital ist teurer (als FK), da EK vorrangig haftet muß es mehr Risiko tragen, also auch mehr Rendite erwirtschaften also muß man es wohl überlegt dosieren. Sofern nicht investiert, sondern bspw. ein Haus gekauft wird, gibt es zunächt mal keine Kapitalrendite sondern nur Cash-Abflüsse (jedenfalls für i.d.R. 20-30 Jahre). Die FK Zinsen fressen den Debitor dann schnell auf, wenn kein EK vorhanden ist, weil zwar nicht die Rendite leidet aber dafür der Cash-Flow. Will heißen: Das Gehalt reicht nicht für Lebenshaltung, Darlehensrückzahlung, Verzinsung etc. etc… Das führt dann schnell in die Illiquidität und zur oft gesehenen Zwangsversteigerung des Hauses. Wenig EK ist dann also schlecht für den Kreditnehmer und ggf. schlecht für die Bank.
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in der Regel ist der Anschaffungspreis einer Ware
höher als ein späterer Verkaufspreis des dann gebrauchten
Gegenstandes.
ja, das ist doch mal ein argument. danke. dann ist also auch für banken
der markt des produktes interessant. hat man ein schnäppchen bestehen
grössere chancen geld zu bekommen als in einem gesättigtem
marktverhältnis, oder?
- Eigenkapital haftet vorrangig, mindert also das Risiko des
Kreditgebers. Viel EK ist also gut für die Bank.
Die Theorie habe ich schon mal gehört. Interessanterweise gibt aber nicht die Höhe des Eigenkapitals sondern der Grad dessen Aufzehrung den Zeitpunkt der Insolvenz vor. Die Höhe des Eigenkapitals bestimmt also nicht das Risiko des Ausfalls sondern allenfalls den Eintrittszeitpunkt.
Gruß,
Christian
Nachdem wir hier ja selten BWL-Standardwerke verfassen und also gelegentlich eine Idee vereinfachen um die grundsätzlichen Zusammenhänge verständlich zu machen, darf man wohl behaupten, daß ceteris paribus, also gegeben ein bestimmter „EK-Verzehr“ (um das mal so zu nennen), mehr EK das Aufzehren desselben verzögert und also das Risiko zu einem bestimmten gegebenen Zeitpunkt mindert. Die Verzögerung einer Insolvenz kann dabei natürlich dieselbe unter Umständen schon bereits vermeiden.
Dabei handelt es sich nicht um eine Theorie, sondern um einen eher schlichten mathematischen Zusammenhang zwischen Bilanz und GuV. Von Ausfallrisiken war hier nicht die Rede bzw. Frage. Die Erfolgs- bzw. Mißerfolgswarscheinlichkeit hängt denn auch nicht primär oder gar einzig von der Kapitalrelation ab, wenngleich die über die GuV einen gelegentlich erheblichen Beitrag leistet (siehe meinen diesen Zusammenhang in aller Kürze/Vereinfachung anreißenden Punkt 3).
Ebenfalls Gruß
Oliver
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Ich glaube Ihr habt das Problem falsch gesehen. Die von Euch genannten Fakten sind glaube ich richtig (auch nachzulesen in jedem Lehrbuch für Bankkaufleute)
Die eigentliche Frage von Kristian war jedoch:
Ich will doch Geld von Bank haben, warum soll ich denen zeigen das ich schon Geld habe?
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Hallo Kristian,
die Argumente, dass man mit vorhandenem Eigenkapital schon mal beweisen hat, dass man auch geld ansparen kann sind schon richtig. Auch das man noch Reserven hat, wenn mal was schifgeht ist sicherlich richtig.
Für die Banken ist es jedoch viel wichtiger, dass sie immer weiss, dass sie das geliehene Geld auch im Falle einer Zwangsversteigerung wiederbekommt(fallst Du Deine Raten nicht mehr zahelen kannst). Da bei Zwangsversteigerungen der Preis oft unter dem bezahlten bzw. dem eigentlichen Marktpreis liegen wollen viele Banken nicht den gesamten Kaufpreis (plus die ganzen Nebenkosten) finanzieren. Ein Teil der Finanzierung soll deshalb mit Deinem eigenkapital abgedeckt werden.
Da viele junge Familien nach dem Berufstart noch kein Eigenkapital angespart haben können, haben einige Banken mittlerweile auch Angebote für Komplettfinanzierungen inklusive Nebenkosten aufgelegt. Die sind dann nur halt ein wenig teurer, da die Banken sich das höhere Risiko bezahlen lassen (bzw. das Geld auch teurer einkaufen).
Ein interessantes Angebot für solche Finanzierungen hat Dr.Klein unter http://www.drklein.de/baufinanzierung.html .
Gruß Schlarzi
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Hallo Kristian,
das hat vereinfacht zwei Gründe:
1.
Das EK ist der Beweis dafür, daß man in der Vergangenheit Geld sparen konnte (Konsumverzicht für EK-Bildung).
Die Wahrscheinlichkeit, daß man dies also auch in der Zukunft kann ist dann höher (Kunsumverzicht für Darlehensrückzahlung).
Das Risiko für den Kreditgeber wird geringer, das zur Finanzierung des Kaufpreises weniger Darlehen benötigt wird.
Die Bank belohnt den Kreditnehmer dafür mit besseren Zinskonditionen (Zins ist hier der Preis für das Risiko der Bank), wenn gewisse EK-Grenzen erreicht werden.
Schlagworte sind hier erstrangige und nachrangige Finanzierung.
Gruß
Jürgen
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