Hallo, Andreas!
Im Grunde sind die Artikel in der Tat ein Luxus, den sich die deutsche Sprache leistet. Man könnte sie gut weglassen, wie du sagst. Und man behält sie vermutlich nur aus sentimentalen Gründen bei, wie etwa auch die Großschreibung.
Es gibt aber auch einige Gründe, sie beizubehalten. Man kann z. B. durch die Artikel schneller erkennen, welche Rolle ein Nomen in seinem Satz spielt, also ob es das Subjekt, oder ein Objekt im Akkusativ, Dativ oder Genitiv darstellt. Der selbe Grund spricht auch für die Großschreibung, man kann gleich erkennen, welche Wörter Nomen sind, wenn man sie groß schreibt.
Die Artikel sind auch erst in historischer Zeit entstanden. Bis ins Althochdeutsche hinein, hatte die deutsche Sprache Flexionsendungen wie das Lateinische und Griechische.
Es hieß z. B.:
geba => heute: die Gaben
gebono => der Gaben
gebom => den Gaben.
Durch die „germanische Initialbetonung“, die den Akzent stets auf die erste Silbe legt, blieben die hinteren Silben unbetont, wurden abgeschwächt und verschwanden sogar. Aus „geba“ wurde Gabe; aus „gebono“ Gaben.
Damit verschwanden auch die den Kasus anzeigenden Endungen.
Diese wurden durch ein Demonstrativpronomen, was „der, die, das“ ursprünglich waren, - und es auch heute noch sein können, wenn wir sie betont sprechen: Du bist also DER Fahrer von DEM Wagen?!? – ersetzt. Es gab also offensichtlich bei den Sprechern ein Bedürfnis, die Kasus nach wie vor rasch zu erkennen; darum wurden sie nun durch die Artikel gekennzeichnet.
Dass bei den Artikel auf Grund der unterschiedlichen Geschlechter der deutschen Nomen eine „Unmenge“ von Deklinationsformen anfallen, erfreut die Ausländer, die ich unterrichte, besonders.;-}
Gruß Fritz