Wozu haben wir Artikel

Hallo

Wozu sind eigentlich Artikel da ?

Würde es einen Informationsverlust geben, wenn man sie einfach weglassen würde. Klar es klingt dann „holperich“, aber würde wirklich was fehlen ?

Beispiel:
Wenn (die) Mutter mit (dem) Kind in (den) Park geht…

Gruß Andreas

Hi, interessante Frage, habe ich mir auch immer gestellt!

Die Fragestellung müßte aber eigentlich lauten, welche Interaktion gibt es zwischen z.B. gesellschaftlichen Erscheinungen und der Tatsache, wie konkret eine Sprache ist. Ob sie z.B. vermehrt morphosyntaktische Merkmale(denn die gingen hier nach deinem Vorschlag verloren, die Substantive unterscheiden sich im Deutschen nicht, bezogen auf z.B. den Kasus (außnahme Genitiv und alter Dativ) ) aufweist oder nicht, daß sie stark flektiert (Latein, Russisch) oder sogar nicht flektiert(agglutinierend wie Japanisch, Ungarisch)

Wie hängen also die Entwicklungen von Gesellschaft, Kultur und Sprache zusammen. Sind die Sprecher bestimmter Sprachen somit geeigneter, gewisse Dinge wie z.B. philosophische Zusammenhänge zu „ersinnen“. - Die Deutsche Sprache wird ja manchmal (fälschlicherweise?) als die Sprache der Philosophen bezeichnet, und in vielen anderen Sprachen stolpert man (als Beweis?) urplötzlich über ein Deutsches Wort philosophischen Inhalts - „Schadenfreude“ bei den Amis find ich witzig z.B.

Die Tatsache allein, daß Sprachen sich unterschiedlich entwickeln, ist doch klar und liegt in der Natur der Sache. Und daß somit eine Sprache Sachverhalte konkreter ausdrücken kann(Latein) oder Sachverhalte offen läßt(Informationsverlust bei sog. „Kalten Sprachen“ z.B. Japanisch) ist doch eigentlich auch klar.

So gesehen könnte man im Deutschen noch viel mehr weglassen…

Ciao, J.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich nix verstehn…
Hallo

Die Fragestellung müßte aber eigentlich lauten, welche
Interaktion gibt es zwischen z.B. gesellschaftlichen
Erscheinungen und der Tatsache, wie konkret eine Sprache ist.
Ob sie z.B. vermehrt morphosyntaktische Merkmale(denn die
gingen hier nach deinem Vorschlag verloren, die Substantive
unterscheiden sich im Deutschen nicht, bezogen auf z.B. den
Kasus (außnahme Genitiv und alter Dativ) ) aufweist oder
nicht, daß sie stark flektiert (Latein, Russisch) oder sogar
nicht flektiert(agglutinierend wie Japanisch, Ungarisch)

Sorry,

ich bin nur Deutscher und wenn auch akademisch verbildet, verstehe ich das ohne Wörterbuch beim besten Willen nicht :smile:

Nix für ungut

Andreas

Hallo Andreas,

das ist nix weiter als eine akademische Sprechblase des Inhalts „Wozu sind Artikel gut (unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen der Struktur einer Sprache und - aber das steht nicht in dem Zitat, sondern weiter unten - dem Weltbild/den Bedürfnissen ihrer Benutzer)“…

Das ist übrigens ein altes Thema der Übersetzungstheorie: Bilden verschiedene Sprachen ein und dieselbe Welt auf verschiedene Arten ab - oder stehen hinter verschiedenen Sprachen auch notwendigerweise unterschiedliche Realitäten bzw. Welt-Sichten? Was bedeutet es, wenn eine Sprache es sich leistet, auf eine bestimmte Information an einer bestimmten STelle zu verzichten, da sie an anderer Stelle bereits vorhanden ist (Russisch und Latein kommen ohne Artikel aus, denn sie liefern z.B. die Information „Akkusativ“ in der Endung des Substantivs), eine andere aber Information gleich an mehreren Stellen bereithält (Redundanz; Beispiel: Cogito, ergo sum - Ich denke, also bin ich: Das deutsche Personalpronomen „ich“ ist hier im Grunde redundant, da die Verbformen die Information: 1. Person Singular bereits enthalten) ??

Gruß
Aia
(die auch nicht auf solche Sprechblasen steht und jetzt ganz gespannt darauf ist, welche gesellschaftliche Realität sich hinter dem deutschen Artikel verbirgt)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Andreas!

Im Grunde sind die Artikel in der Tat ein Luxus, den sich die deutsche Sprache leistet. Man könnte sie gut weglassen, wie du sagst. Und man behält sie vermutlich nur aus sentimentalen Gründen bei, wie etwa auch die Großschreibung.

Es gibt aber auch einige Gründe, sie beizubehalten. Man kann z. B. durch die Artikel schneller erkennen, welche Rolle ein Nomen in seinem Satz spielt, also ob es das Subjekt, oder ein Objekt im Akkusativ, Dativ oder Genitiv darstellt. Der selbe Grund spricht auch für die Großschreibung, man kann gleich erkennen, welche Wörter Nomen sind, wenn man sie groß schreibt.

Die Artikel sind auch erst in historischer Zeit entstanden. Bis ins Althochdeutsche hinein, hatte die deutsche Sprache Flexionsendungen wie das Lateinische und Griechische.

Es hieß z. B.:
geba => heute: die Gaben
gebono => der Gaben
gebom => den Gaben.

Durch die „germanische Initialbetonung“, die den Akzent stets auf die erste Silbe legt, blieben die hinteren Silben unbetont, wurden abgeschwächt und verschwanden sogar. Aus „geba“ wurde Gabe; aus „gebono“ Gaben.

Damit verschwanden auch die den Kasus anzeigenden Endungen.
Diese wurden durch ein Demonstrativpronomen, was „der, die, das“ ursprünglich waren, - und es auch heute noch sein können, wenn wir sie betont sprechen: Du bist also DER Fahrer von DEM Wagen?!? – ersetzt. Es gab also offensichtlich bei den Sprechern ein Bedürfnis, die Kasus nach wie vor rasch zu erkennen; darum wurden sie nun durch die Artikel gekennzeichnet.

Dass bei den Artikel auf Grund der unterschiedlichen Geschlechter der deutschen Nomen eine „Unmenge“ von Deklinationsformen anfallen, erfreut die Ausländer, die ich unterrichte, besonders.;-}

Gruß Fritz