Wozu ist die Bibel gut?

Wissen und Glauben
Hallo Taju,

erst einmal vielen Dank für deine Antworten, die ich mit großem Interesse gelesen habe.

etwas liegt mir noch am Herzen anzumerken:

Also Deine Frage war nicht wozu ist Religionsunterricht gut, sondern
wozu die Bibel.

es wurde doch bedauernd festgestellt, wie wenig wir heutzutage über die Inhalte der Bibel wissen. Ist nicht der Religionsunterricht nachwievor eine der verbreitesten Möglichkeiten etwas über die Bibel zu erfahren? Meistens nehmen Erwachsene die Bibel erst wieder in die Hand, wenn ihre Kinder Fragen stellen.

Ich wundere mich über Deine Religionsunterrichtserfahrungen

Da habe ich gute und schlechte gemacht. Mir fällt vorallem auf (das gilt für meine Schulzeit aber auch für die meiner Kinder), dass gerade dieser Unterricht höchst unterschiedlich ausfällt, je nach Lehrer und trotz Lehrplan. Das hängt davon ab, wie Raum für Glauben bzw. Wissen geschaffen wird.

um das gleich klarzustellen (da ich den Eindruck habe, daß Du mich
hier in eine Ecke stellen willst, in die ich nicht gehöre): Ich bin
gegen Religionsunterricht an staatlichen Schulen.

Es wäre ein Armutszeugnis von mir Vorurteile gegen dich zu haben. :smile:
Warum bist du gegen Religionsunterricht?
Ich denke an das Buch von Konrad Lorenz, der über die Notwendigkeit von Traditionen für die Gesellschaft schrieb. Du (wie einige andere hier auch) hast für mich sehr nachvollziehbar argumentiert, wie wichtig Bibelwissen für unser Allgemeinwissen ist. Mit dem Religionsunterricht besteht die Chance eben dieses wichtige Wissen zu vermitteln.
Der Religionsunterricht (egal ob ev. oder kath.) ist renovierungsbedürftig aber nicht überflüssig, denn noch nie hat unsere nachkommende Generation soviel Orientierungshilfe gebraucht wie heute. Da könnten bei der Frage woher kommen wir und wo wollen wir hin so manche Stellen aus der Bibel interessant sein. So finde ich.

viele Grüße
grilla

Hallo Metapher,

An Römern gibt es da nichts besonders nennenswertes, von
Cicero abgesehen, …

Dass Du das sehr „speziell“ philosophisch siehst, wundert mich nicht sehr. Dennoch sind bei den Römern wohl noch andere zu sehen: Seneca, Marc Aurel, all die großen Geschichtsschreiber wie Plinius, um nur einen zu nennen. Und dann die Denkweise der Römer überhaupt: Diese mehr nüchterne, pragmatische Denkweise. Auch heißt es ja immer wieder, dass selbst in unserem Rechtsdenken und Staatsverständnis vieles auf dem der Römer - nicht der Griechen! - basiert. Ja, es ist schon großartig, was die Griechen damals so gedacht haben, aber die Römer sollte man da wohl nicht zu sehr übergehen.

Es ist vielmehr absolut gesichert,
daß die arabische Philosophie und Mathematik vorzüglich
mitmischte.

Es ist ohnehin interessant, dass solch ein Reich dann fast sang- und klanglos wieder verfällt. Wie kommt das? Wollte mich immer schon mal damit beschäftigen. „Der Niedergang eines Weltreichs“ heißt da wohl ein Buch von einem berühmten Arabienkenner Englands, ich meine, Bernard Lewis heißt er. Aber das nur nebenbei.

Hm - hier irrt der ansonsten geschätzte Helmut gewaltig. Es
bezieht sich lediglich auf die Aritoteles-Diskussion. An der
Auswirkung des Neuplatonismus auf die europäische
Geistesgeschichte haben die Araber keinen nennenswerten Anteil
gehabt.

Schon, schon - ich sagte auch nur, dass die Araber die Antike für uns „herübergerettet“ haben. Sicher wäre sie wohl auch sonst nicht in Vergessenheit geraten.

Ohne die „Bibel“ (und damit ist nicht das Buch gemeint), …

Was meinst Du denn dann? Die Bibel ist die einzige akzeptierbare Grundlage!?

… hätte es Giordano Bruno, Nikolaus von Kues, später Descartes,
Spinoza, Leibniz nicht gegeben - …

In der Tat: Bruno wäre nicht verbrannt worden

… und ohne die sind die
Naturwissenschaften schlecht denkbar …

Wie gesagt: Spekulation. Es ist ja auch schwer, so etwas neutral zu beurteilen. Aber angesichts der Widerstände (vorsichtig formuliert!) der Kirche, des Klerus gegen jedwede naturwissenschaftliche Denkweise und Arbeit, fällt es mir schwer, zu glauben, die Naturwissenschaft habe sich nur deshalb so in Europa entwickelt, weil hier das Christentum „herrschte“ - so behaupten ja durchaus viele! Ob man deswegen gleich in das Extrem verfallen muss wie Arno Schmidt, ist die andere Frage. Übrigens hat es wohl auch mal einen Papst gegeben, der sich mit Mathematik beschäftigt hat und dafür der Ketzerei oder Gotteslästerung angeklagt wurde - muss so im 12./13. Jhdt. gewesen sein.

Aber es ist zu bedenken, daß -
unterstützt durch die im Grunde revolutionäre Bewegung der
deutschen und spanischen Mystik - an den Universitäten der
Spätscholastik (Paris, Straßburg, Padua …) der Gedanke
erkämpft wurde, daß Erkenntnis und Wissenschaft auch ohne
theologische (und erst recht klerikale) Bezugnahme möglich
sei.

Zustimmung! Du sagst selbst: „… musste erkämpft werden …“. Wo also ist der Beitrag der Religion im Allgemeinen, des Christentums im Speziellen?

Das hatten die Griechen zwar auch bereits
(spätestens mit den Skeptikern und Sokrates), aber dort stand
das Individuum (und das individuelle Denken) nicht so im
Zentrum der Thematik.

War ja auch mehr als 1000 Jahre früher! Einfach eine Fortentwicklung. Welcher speziellen Einflüsse des Christentums bedarf es da?

Gruß, Stucki

… der wieder mal in die Rolle des krassen Religionskritikers verfallen ist …

Hallo,
Hallo,

Warum bist du gegen Religionsunterricht?
Ich denke an das Buch von Konrad Lorenz, der über die
Notwendigkeit von Traditionen für die Gesellschaft schrieb. Du
(wie einige andere hier auch) hast für mich sehr
nachvollziehbar argumentiert, wie wichtig Bibelwissen für
unser Allgemeinwissen ist. Mit dem Religionsunterricht besteht
die Chance eben dieses wichtige Wissen zu vermitteln.
Der Religionsunterricht (egal ob ev. oder kath.) ist
renovierungsbedürftig aber nicht überflüssig, denn noch nie
hat unsere nachkommende Generation soviel Orientierungshilfe
gebraucht wie heute. Da könnten bei der Frage woher kommen wir
und wo wollen wir hin so manche Stellen aus der Bibel
interessant sein. So finde ich.

Zumindest bin ich nicht glücklich mit dem Religionsunterricht in der derzeitigen Form, gebe aber sofort zu, daß ich kein alternatives Konzept haben.
Als „Frau der Kirche“ bin ich dagegen, weil der Religionsunterricht es den Kirchen zu einfach macht, sich einzubilden, die Menschen auch zu erreichen.
Sicherlich kann guter Religionsunterricht viel bieten: Neben der Wissensvermittlung auch die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit religiösen und anderen Themen, die sonst im SChulalltag zu kurz kommen würden.
Seine staatstragende Funktion hat der Religionsunterricht - durchaus im positiven Sinne - darin, daß er - auch - die Werte vermittelt, auf die dieser Staat letztlich aufgebaut ist. Symptomatisch ist da für mich immer noch ein Richter, der einen jugendlichen Straffälligen gefragt hat, was er im Religionsunterricht gelernt hat.
Aufgrund der weitgehenden Säkularisierung (vor allem ehem. DDR) jedoch hat der Religionsunterricht seine Plausibilität verloren. Ich denke, die Gesellschaft, so sie den Werte in Schulen vermitteln will, muß sich andere Formen als den RU überlegen, wenn sie ihre Werte vermitteln will. Dabei halte ich, daran siehst Du, daß ich keine Lösung habe, den LER-UNterricht Brandenburgs für eine schlechte Lösung, denn staatlich verantwortete Werte-Vermittlung widerspricht nicht nur dem Gebot weltanschaulicher Neutralität, sondern auch - m.E. - dem Erziehungsprivileg der Eltern.
Zur Bibel ist dann noch zu bemerken, daß ihr Bildungswert in der Regel nicht beachtet wird. Meine eigenen RU-Erfahrungen sahen so aus, daß ich zwar ständig über Sexualität, nie aber über die Bibel gesprochen habe:wink: Tatsächlich denke ich aber, daß sie eben zur Allgemeinbildung gehört, unabhängig davon, ob jemand darin auch Orientierung sieht. Gerade aber in den östlichen Bundesländern kann ihr Platz dann nicht mehr bzw. nicht nur im RU sein.

Dieses Thema geht aber weit über die Frage nach RU hinaus, sondern führt uns letztlich zur Verfassung und zur grundsätzlichen Frage, welche Werte diese Gesellschaft als grundlegend ansieht.

Grüße,
Taju

viele Grüße
grilla

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danke für´s interessante Posting :smile: o.T.
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