Wozu Rezeptpflicht?

Hi Experten,

Selbstmedikation heißt eine der vielen Ideen zur Kostendämpfung. Wenn ich dann sehe, was da alles auf dem Markt ist, komme ich ins Grübeln, warum manche Medikamente vom Arzt verschrieben werden müssen, andere hingegen von mir in beliebiger Menge verzehrt werden dürfen. Ich war immer der Meinung, es gebe keine Wirkung ohne Nebenwirkung, und nur der Arzt könne das beurteilen und dem entsprechend rezeptieren. Der Umkehrschluss - also ohne Nebenwirkung auch keine Wirkung - hat mich bislang davon abgehalten, mir Medikamente selbst zu verordnen - was nicht hilft, schadet vielleicht auch nicht, aber dann kann ich es gleich lassen.

Wer stellt denn nun sicher, dass der „mündige“ Patient nur seinem Geldbeutel schadet und nicht seiner Gesundheit? Und wozu gibt es die Rezeptpflicht überhaupt noch?

Danke für jede Antwort!

Guten Morgen!

Wer stellt denn nun sicher, dass der „mündige“ Patient nur
seinem Geldbeutel schadet und nicht seiner Gesundheit?

Sicherzustellen ist das überhaupt nicht. Bemerkst Du den Widerspruch in Deiner Frage? Einerseits der mündige Patient und andererseits die Frage, wer etwas sicherstellen soll. Der Patient selbst ist für sich verantwortlich, sonst niemand. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit ist nicht auf andere übertragbar.

Die Frage nach dem Sinn der Rezeptpflicht ist vergleichbar mit der Frage nach dem Sinn von Waffenerwerbsscheinen. Es gibt eben Dinge, die in Laienhand und ohne sachkundige Anleitung nur Schaden anrichten können.

Übrigens ist es unzutreffend, aus der freien Verkäuflichkeit eines Mittels auf dessen Unbedenklichkeit schließen zu wollen.

Gruß
Wolfgang

Hallo,
ob ein Medikament schaden kann oder nicht, beeinflußt nicht
vorrangig dessen Rezeptpflichtigkeit. Hier spielt es mehr
eine Rolle, ob ähnliche Medikamente bereits der Rezeptpflicht
unterliegen und ob der Pharmakonzern das Produkt nicht als
freie Apothekenware vertreiben will.
Auch läßt sich die Wirksamkeit eines Medikaments nicht an
seinen Nebenwirkungen bemessen. Wirksamkeit definiert sich
ja in Bezug auf ein bestimmtes Krankheitsbild, wenn dem mit
einfachen Mitteln begegnet werden kann, werden vermutlich
auch die Nebenwirkungen schwach ausfallen, obwohl das Mittel
hier hochwirksam ist.

Wer stellt denn nun sicher, dass der „mündige“ Patient nur
seinem Geldbeutel schadet und nicht seiner Gesundheit?

Ich sehe das Problem nicht mehr präsent, als bei vielen
alltäglichen Mitteln. Ohne entsprechende Vorkenntnis, kann
auch eine Mikrowelle Streß bereiten.

Und wozu gibt es die Rezeptpflicht überhaupt noch?

Sicher weil sich solche historisch gewachsenen Strukturen nur
langsam ändern lassen. Ich halte es auch für sinnvoll, so eine
Änderung langsam zu vollziehen. Die meisten leben ja momentan
noch im Glauben, alles nicht rezeptpflichtige sei harmlos.

Gruss
Enno

Hierzu Rezeptpflicht!! :wink:
Hier ist ein Artikel, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Vielleicht findest du ja dort die Antwort:

http://www.obere-apotheke.com/informationen/rezept.html

Gruß
Falke

hallo Falke,

es mag vom Ansatz ja gut gedacht sein, nur Beratung bekommt man nicht immer in der Apotheke. Gerade in meinem Wohnort habe ich ein excellentes Negativbeispiel, dass nur abgegeben und selbst auf Nachfrage meinerseits nicht beraten geschweige die Zusammensetzungen vom Apotheker herausgesucht werden. Das ist z.B. bei mir wegen hoher Lactoseunverträglichkeit wichtig.

Gut, es gibt natürlich auch andere Apotheken – aber von Beratungspflicht habe ich noch nie etwas bemerkt.
Gruss Chris

Hallo Christel,

Gut, es gibt natürlich auch andere Apotheken – aber von
Beratungspflicht habe ich noch nie etwas bemerkt.

such doch wirklich 'mal eine andere Apotheke auf. Die Beratungs-
p f l i c h t besteht ja nun tatsächlich. Gerade das ist ja das Problem vieler Apothekeninhaber. Gut beraten kann nur gutes Personal, das aber teuer und nicht leicht zu finden ist. Mindestens sollte aber der Inhaber gut Bescheid wissen, nach dem Du ja auch in jeder Apotheke fragen kannst, wenn Dir die angestellten Apotheker oder PTAs nicht kompetent erscheinen. Falls aber auch der nicht zu Deiner Zufriedenheit Auskunft gibt, solltest Du schnell die Apotheke wechseln und ihn nicht noch durch Deinen Einkauf für seine schlechte Leistung belohnen. Einige Kollegen denken heute, daß man mit kleinen „Geschenken“ (=Proben) oder Verkaufspreisen unter Einkaufspreisen Kunden anziehen kann und legen darauf ihr Hauptaugenmerk, anstatt sich selbst weiterzubilden oder Geld in Personal zu investieren (vorausgesetzt natürlich, daß in der Region überhaupt Personal zur Verfügung steht). Einen ersten Hinweis, ob der Apotheker selbst Interesse an Weiterbildung hat, kannst Du schon auf dem Türschild finden. Wenn er zusätzliche Ausbildungen hat, sollte da „Fachapotheker für Offizin-Pharmazie“ stehen. Weitere Zusatzbezeichnungen wie Gesundheitserziehung oder Ernährungsberatung kann man auch dort finden. So wie Du schreibst, wäre für Dich ein Kollege optimal, der sich auch in Ernährungsberatung weitergebildet hat. Vielleicht rufst Du ja auch die nächste Apothekerkammer an, um zu erfahren, wer in Deiner Nähe besondere Kenntnisse hat.
Schöne Grüße
Sabine

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Hallo Sabine,
deinen Beitrag finde ich Spitze und lasse ihn deshalb in meinem Antwort-Posting stehen.

Ich selbst weiss ja viel über Ernährung (gezwungenermaßen bei 54 Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten sowie etlichen anderen „Wehwehchen“). Darum bin ich immer stinkesauer, wenn ich mit Ärzten zu tun habe, die von Ernährung nicht mehr wissen, als das, was sie selbst essen.

Jeder Tierarzt hat im Studium sich um das Futter der Tiere zu kümmern – nur Menschenärzte haben keine Pflichtsemester für die Ernährung. Man kann schon froh sein, wenn eine internistische Fachpraxis sich zumindest einer Ernährungsberaterin bedient. Da habe ich aber auch schon horrende Sache gehört (z.B. ich selbst esse sehr viel Möhren roh, ca. 600 g am Tag. Dann bekam ich einen Computerausdruck, in dem von einer Überdosierung von Beta-Carotin gesprochen wurde. Auf meinen Hinweis, dass ich gar kein Fett zu mir nehme (komme nur auf 10 Fettpunkte am Tag) hiess es, der Darm produziere selber genug Fett und deshalb sei meine Karottenmenge gefährlich. Dies war die Aussage einer Ernährungsberaterin in einer Uni-Klinik).

Nun bin ich letztens sogar von einer Oekotrophologin nach einem 2 stündigen Gespräch für eine Kollegin gehalten wurden. Dies Lob musste ich natürlich zurückweisen, ich denke aber, jeder (!!!) kann sich schlaumachen, wenn er möchte.Ich schreibe ja schliesslich auch Lebensmittelfirmen an und erfrage genaue Nährstoffwerte bzw. zum Ausschliessen von Stoffen, die ich nicht darf. Von Nichts kommt mein Wissen nicht.

Zur Apotheke stimme ich dir zu, ich erwarte (!) eine kompetente Beratung, denn schliesslich muss ich diese monatlich mit ca. 1500 € an meiner Gesundung beteiligen. Ich persönlich kenne 1 Apothekerin, die auch noch Oekotrophologie studiert hat, sich und auch ihre angestellten Apothekerinnen regelmässig weiterbildet (werde mal schauen, ob sie die Zusatzausbildung irgendwo kundtut) Ihr hat man allerdings sehr, sehr übel mitgespielt, sie hatte mal eine Apotheke nur gepachtet von einer der größten. Nun bekam sie keine Pachtverlängerung- weil diese gut lief (auch dank der tollen Beratung, die sich herumgesprochen hat). Inzwischen sind 2 Jahre vergangen und sie baut eine neue Apotheke in der Nähe auf. Ich bewundere diese Frau und habe in einem Gespräch erfahren, dass alle alten Stammkunden zu ihr zurückgekommen sind. Ich denke, über Jahre wird sich nur Kompetenz auszahlen. Denn wenn ich nur nullachtfuffzehn möchte, kann ich auch in der Drogerie oder auch ohne Beratung im Internet kaufen.

Ausserdem habe ich als Privatversicherte festgestellt, dass zu Anfang teurer nicht auf Dauer teuer ist, weil sie auch klar sagt, wenn ein Medikament nicht zu meinen anderen passt und auch selbst beim Arzt nachfragt. Das kostet aber Zeit und ist sehr personalintensiv.

Dann war ich vor 3 Wochen in ihrer ehemaligen Apotheke, tja, kurz und schnippisch und arrogant, als wenn man als Kundin nur ein Dummchen ist. Ob sich das halten wird? Ich denke leider ja, weil sie sehr viel Laufkundschaft hat.

Ich plädiere dafür, dass die Ernährungslehre in allen medizinischen Studiengängen zur Pflicht wird, dass es jedermann möglich ist, eine kompetente Ernährungsberatung wahrzunehmen (private Kassen zahlen die nämlich nicht, auch wenn - wie in meinem Fall Cortisonbehandlung ein Ausbruch vieler Krankheiten auslöste). Ausserdem plädiere ich dafür, dass jedermann die Möglichkeit hat, an die entsprechende Literatur heranzukommen. Ich habe schon mit vielen Interessierten gesprochen - nur nicht jeder kann die Fachzeitschriften bezahlen.

Gerade vor ein paar Tagen hatte ich in meiner Dienststelle ein interessantes Blatt entdeckt - für das sich nur 1 Person ausser mir interessiert - der Abonnenent - und ich schwebe auf Wolke sieben, nun zu weiteren fundierten Kenntnissen zu kommen. Wie wurde mir gesagt, dass ist „Blödsinn, wer kann schon mit Begriffen wie Vitamin B, Phytofaktoren usw. umgehen. Das ist doch nur Fachchinesisch“. Das gibt mir dann immer die berühmte Gänsehaut - was erwarten wir dann von dem „Normal-Essenden?“

Auch wenn wir 2 über Nahrungsergänzungen unterschiedlicher Meinung sind - ich schätze immer sehr deine qualifizierten Ratschläge - nur mag ich mich nicht so sehr melden, weil ich mir meine Kenntnisse halt nur autodidaktisch beigebracht habe.

Also alles in allem - du bist Spitze und ich immer sehr neugierig auf deine Kommentare.

In diesem Sinne liebe Grüße Christel

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danke! owt

Beratungsproblem
Das Problem in vielen Apotheken ist, dass Pharmazeutisch-technische Assistenten/inen (PTA) am Verkauf und der Abgabe von Medikamenten beteiligt sind. Dies ist jedoch verboten, wird aber aus Gründen der Kostenersparnis leider allzuoft gemacht. Gerade in kleineren Apotheken mit nur 2 Angestellen ist dies anzutreffen.

Dass man von einem Lehrling keine Beratung bekommt, ist klar.

Trotzdem muss (!) immer ein studierter Pharmazeut in der Apotheke anwesend sein - und in der Regel ist dieser auch auf ein längeres Beratungsgespräch eingerichtet und bereit. Kann dies aus eigener Erfahrung sagen, weil vier Apotheker in meinem Bekanntenkreis sind! :wink:

Einfach mal fragen!

Gruß
Falke

Hallo Falke,

Das Problem in vielen Apotheken ist, dass
Pharmazeutisch-technische Assistenten/inen (PTA) am Verkauf
und der Abgabe von Medikamenten beteiligt sind. Dies ist
jedoch verboten, wird aber aus Gründen der Kostenersparnis
leider allzuoft gemacht. Gerade in kleineren Apotheken mit nur
2 Angestellen ist dies anzutreffen.

Hier verwechselst Du etwas. PTAs dürfen sehr wohl unter Aufsicht eines Apothekers Medikamente abgeben. Sie sind u.a. auch dafür ausgebildet. PKAs dürfen keine apotheken- oder rezeptpflichtigen Sachen verkaufen. Wahrscheinlich ist allerdings, daß ein Apotheker fundierter beraten kann als eine PTA. Da ein Apotheker aber immer in der Apotheke anwesend sein muß, steht er ja auch zur Beratung zur Verfügung, wenn die PTA nicht mehr weiterweiß.

Dass man von einem Lehrling keine Beratung bekommt, ist klar.

Da hast Du recht. Lehrlinge in der Apotheke gibt es aber nur zum Beruf der PKA, die dann auch nur Bonbons, Kosmetik oder so etwas verkaufen dürfen. Deren Aufgabe liegt aber auch auf dem Gebiet der Warenbewirtschaftung.

Schöne Grüße
Sabine

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Hey Sabine!

Mein Fehler ist mir heute morgen (unter der Dusche!!) sogar selber aufgefallen. Habe PTA und PKA verwechselt! Stimmt was du sagtest - so meinte ich es auch! :wink:)

Gruß
Falke