Viele Autoren erwähnen beiläufig, daß sie von Hand schreiben. Danach tippen sie ab oder lassen nachtippen.
Wolf Schneider zum Beispiel schreibt mit „Deutsch für Profis“ ein ganzes Buch über das schreiben –und sagt an nur einer Stelle, er schreibe „natürlich“ von Hand. Ausgerechnet in diesem Buch findet er das keiner Erklärung wert.
Könnte vielleicht auch einfach sein, dass er lieber mit der Hand schreibt als am PC.
Oder es könnte auch sein, dass er sich, wenn er mit der Hand schreibt, sich nicht auf das tippen konzentrieren muss und so in einem besserem Schreibfluss ist.
Warum erstellt ein Grafiker oder Maler seine werke nicht auf dem PC mit allen Korrekturmöglichkeiten und druckt sie dann einfach aus?
Es gibt Autoren, die ihren Text sozusagen im Kopf ausformulieren und dann aufschreiben und anschließend kaum korrigieren. Diese dürften mit dem PC gut zurechtkommen.
dann gibt es die, für die das Schreiben selbst der kreative Prozess ist, die viel korrigieren, ändern, streichen, anmerken… dafür sind die heutigen Programme + Technik einfach noch nicht so gut geeignet.
Dann ist da noch die handwerkliche Seite der Schriftstellerei. Ein Ingenieur, der ein Möbel entwirft und dann per CNC- fräse herstellen lässt, ist deswegen noch kein Schreiner…
ich schreibe meine Texte mal per Hand, mal per Tastatur. Die Wahl richtet sich neben den offensichtlichen Kriterien (Zugänglichkeit des Computers usw.) für mich nach der Stimmung und der Textart. Per Hand zu schreiben ist ein die Kreativität fördernder meditativer Akt. Das Herumsauen in einer Kladde kann ein konstruktives Mittelstück zwischen dem kreativen Bauchkopfchaos und der nüchternen Form eines Textbildes sein. Wenn ich Gedichte schreibe, habe ich in dem Moment, in dem ich von der Kladde auf den Bildschirm übergehe, meist das kreative Sammeln abgeschlossen und beginne das formelle Ordnen.
Ein weiterer Grund, mit der Hand zu schreiben, ist der bewußte größere Aufwand - das macht Briefe und Textgeschenke persönlicher, intimer.
wenn ich kleine Standardsachen schreibe, wie z.B. Artikel hier, hacke ich die direkt in die Tastatur.
Wenn ich etwas größeres, für mich kreativeres schreibe, mach ich mir erst meine handschriftlichen Skitzen, und schnitz dann von Hand daran.
Das ist einfach alte Gewohnheit, aber auch weil ich auf dem Bildschirm nicht so einen Überblick hab, wie auf mehreren Seiten, die ich rings um mich verteilen kann.
Zumal ist das langsame Handschreiben angenehmer, weil die Gedanken besser fließen können, beim Tippen muß ich mich zu sehr aufs Tippen konzentrieren.
Wolf Schneider zum Beispiel schreibt mit „Deutsch für
Profis“ ein ganzes Buch über das schreiben –und
sagt an nur einer Stelle, er schreibe „natürlich“
von Hand. Ausgerechnet in diesem Buch findet er das keiner
Erklärung wert.
Hier in England wuerde man sagen weil das „posher“ ist. Da heisst soviel wie weil das inn und cool ist. Das ist natuerlich nur eine Vermutung und gehoert ans Ende der Liste der andern. Aus dem selben Grund aus dem der Herr Schneider per Hand schreibt, schreiben noch einige Autoren auf der alten Schreibmaschine, und vergessen nicht dier beilaeufig zu erwaehnen. Nein, nehmt mich nicht zu ernst, jeder darf per Hand schreiben wenn er moechte, ich find es bloss etwas komisch dass Wolf Schneider sagt dass er „natuerlich“ von Hand schreibt, mir geht diese ueberhebliche Attituede nicht. Man kann auch gute Buecher am Computer schreiben. Die meisten tun das meiner Meinung nach, weil das schneller geht und zum einfuegen und weglassen einfacher ist. Ich mach nicht mal mehr Notizen fuer Aufgaben auf Papier, weil ich tippen schneller und einfacher find.
Tschuessi
möglicherweise können sie einfach nicht schnell genug in die Tasten hauen. Übung macht den Meister, klar, und ein Autor/Schriftsteller müsste eigentlich irgendwann bei 350 Anschlägen/Minute angekommen sein.
Aber: dazu müsste er mal ‚Schreibmaschine gelernt‘ haben, und ohne asdfjklö bis zum Erbrechen kommt er mit dem Adlersuchsystem noch nicht mal bei 100/Minute an.
Ich glaube einfach nicht, dass das jemand durchgezogen hat (Ausnahmen wirds wohl geben).
Deshalb schreiben IMHO viele Autoren lieber mit der Hand und lassen dann abtippen.
Viele Grüße
Marlene
PS: was ich oben gesagt habe, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: ich schreibe so schnell, dass meine Finger fast so etwas wie ein Medium für mich sind. Es ist irgendwie so, dass meine Gedanken wie durch meine Finger fließen und ich sie fast im selben Moment schon formuliert auf dem Bildschirm sehe. Aber, wie gesagt, das ist jahrelange Übung. Schreiben auf der Tastatur ist für mich wie Meditation.
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Wolf Schneider ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Ältere Zeitgenossen dürften noch eher mit der Hand schreiben, andere haben die Schreibmaschine liebgewonnen und die jüngere Generation wird womöglich den Laptop nicht missen wollen. Selbst wenn irgendwann das „Voice Didaction“ ausgereift sein wird, wird es trotzdem AutorInnen geben, die auf das eigenhändige Tippen nicht verzichten wollen
So denke ich es mir zumindest.
Marco
PS: Wolf Schneider, „Unsere tägliche Desinformation“, STERN-Buch. - Kann’s nur empfehlen!