Hallo,
es ist also passiert, mein „überraschend tiefgehöhlter“ Zahn (24er), der vor 2 Monaten repariert wurde, muckte durch Wärme/Kälteempfindlichkeit immer mehr auf -> ich bin seit heute wurzelbehandelt.
In 2 Wochen kommt dann die zweite Sitzung von insgesamt 3 Sitzungen; da das meine erste Wurzelbehandlung überhaupt ist, möchte ich mich vorab über diese Details bei Euch informieren:
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wird, auch wenn der Nerv raus ist, die 2. und 3. Sitzung für Memmen aushaltbar, also ohne Betäubung? (bitte ehrlich!)
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nur für den Fall das mir eine Krone vorgeschlagen wird, als Unterstützung des ‚toten Zahns‘: soll ich besser 6 Monate warten, oder es sofort machen lassen?
Gibt es Erfahrungswerte wann man sagt: ja, jetzt ist alles entzündungsfrei und bereit für eine Krone?
Für Erfahrungswerte zu den Fragen wäre ich Euch furchtbar dankbar!!
Grüsse,
Nicole
P.S. Danke Kai für Deine professionellen Postings, die sehr aufschlussreich sind!
Hallo Tortuga,
ein kurzer eigener Bericht:
Aufgrund einer Abszessbildung im Wurzelbereich eines Backenzahnes sollte dieser gezogen werden. Da ich bereits aufgrund dieser Vorgehensweise einen weiteren Zahn auf zahnärztlichen Rat eingebüsst hatte, der sich dann beim Ziehen als äußerst fest verankert herausstellte (mußte in vier Teile zerlegt werden, um entfernt werden zu können), lehnte ich diesmal ab und verlangte eine andere Behandlung. Wurzelspitzenresektion wurde in einer speziellen kieferchirurgischen Praxis durchgeführt - völlig schmerzfrei und problemlos. Lediglich nach dem Nachlassen der örtlichen Betäubung normaler Wundschmerz, der nach ca. 1/2 Tag - auch Dank der zur Sicherheit mit verordneten weiteren Schmerzpräparate.
Danach folgte eine umfangreiche Aufarbeitung der verbliebenen Wurzelkanäle. Diese müssen gründlich gereinigt und immer wieder mit entsprechenden Präparaten verfüllt werden, um die noch vorhandenen Keime in diesem Bereich vollständig abzutöten.
Wielange das dauert, kann man nicht genau vorhersagen, da es von der Anzahl und der Lage der Kanäle und dem Grad der Infektion abhängt (Fachleute bitte nicht lachen, war nur Betroffener). Bei keiner der Behandlungen war bei mir eine weitere Betäubung erforderlich. Alles lief in diesem Rahmen schmerzfrei ab.
Erst wenn der Zahnarzt (so er es denn kann) einschätzt, dass der Zahn jetzt bereit ist, muß die Krone drauf. Ich schreibe bewußt muß, denn meine damalige Zahnärztin hat mir das weder gesagt, noch hat sie den mühseelig aufgearbeiteten Zahn überkront.
Mir wurde fatalerweise eine Füllung verpaßt, was nach meinem heutigen Kenntnisstand eine eindeutige Fehlbehandlung ist.
Nach knapp zwei Jahren hatte ich dann an diesem kostspielig (für die Krankenkasse) behandelten Zahn eine beidseitige Fraktur. Der Zahn mußte also, obwohl er - fachgerecht überkront vorausgesetzt - zu retten gewesen wäre, letztendlich doch gezogen werden.
Durch die Wurzelspitzenresektion kommt es zu einer verminderten Versorgung des Zahnes mit den notwendigen Nährstoffen, der Zahn wird nach und nach poröser. Nur die Überkronung schützt vor dem vorzeitigen Zahnverlust.
Wichtig ist, dass Du Vertrauen zu Deinem Zahnarzt hast. Bei Zweifeln (wie gering die auch sein mögen) unbedingt eine zweite Meinung einholen, je früher desdo besser. Ruhig fragen, wie oft er Wurzelbehandlungen/Wurzelspitzenresektionen durchführt. Notfalls zu einer speziellen kieferchirurgischen Praxis überweisen lassen.
MfG BM
Hallo,
Servus Nicole,
In 2 Wochen kommt dann die zweite Sitzung von insgesamt 3
Sitzungen; da das meine erste Wurzelbehandlung überhaupt ist,
möchte ich mich vorab über diese Details bei Euch informieren:
- wird, auch wenn der Nerv raus ist, die 2. und 3. Sitzung
für Memmen aushaltbar, also ohne Betäubung? (bitte ehrlich!)
Warrum soll Dich hier einer anschwindeln? Wenn Du Schiß hast, laß Dir doch auf jeden Fall eine Anästhesie verpassen, beim 24 spürt man die Spritze doch überhaupt nicht.
- nur für den Fall das mir eine Krone vorgeschlagen wird, als
Unterstützung des ‚toten Zahns‘: soll ich besser 6 Monate
warten, oder es sofort machen lassen?
Die wissenschaftlichen Endodontologen empfehlen, die Krone bald zu machen. Es kommt halt schon darauf an, wie ‚tiefgehöhlt‘ der Zahn wirklich ist. Sonst kann man heute mit moderner Dentin Adhäsivtechnik schon eine zahnfarbene Composite-Füllung legen, die einem evtl. die Krone erspart. Das kommt aber darauf an, was von dem Zahn noch übrig ist, wenn die Wurzelbehandlung gemacht ist. Da kann man hier jetzt keine Volumenprozentsätze nennen, ab denen unbedingt eine Krone-, oder gar ein Stift UND eine Krone nötig wäre. Da bist Du schon auf die Einschätzung des Behandlers angewiesen.
Gibt es Erfahrungswerte wann man sagt: ja, jetzt ist alles
entzündungsfrei und bereit für eine Krone?
Ich habe früher immer ein halbes Jahr gewartet. Ergebnis: manche der Zähne sind in der Wartezeit zerbröselt, bei manchen haben sich die Bakterien an der provisorischen Füllung vorbei wieder nach unten geschlichen. Deshalb also: hic Rhodos, hic salta! Entweder man hat eine ordentliche Wurzelfüllung, dann hilft Warten auch nichts, oder man hat keine - dann muß man revidieren. Gürtel und Hosenträger sind nicht patientendienlich - höchstens seinem/ihrem Geldbeutel
), denn natürlich kann eine Wurzelbehandlung auch nach einem Jahr in die Hose gehen.
P.S. Danke Kai für Deine professionellen Postings, die sehr
aufschlussreich sind!
Grazie!
Kai