Servus Hans-Jürgen,
Laut Äußerung des Kiefernchirurgen
kommt so etwas öfter mal vor, weil die Säuberungsnadeln sehr
dünn und biegsam sind, damit sie durch die Kurven des Kanals
kommen.
Was ‚öfter‘ heißt, mag dahinstehen, aber es kommt gelegentlich vor. Je routinierter und besser ausgestattet ein Zahnarzt ist, desto seltener wird es vorkommen. Woanders (USA) gibt es eigene Spezialisten für Wurzelbehandlungen.
Wieso Kieferchirurg - war eine operative Entfernung der Wurzelspitze geplant?
Kann es auf Dauer gefährlich werden, wenn diese Stück
Metall für immer im Wurzelkanal bleibt?
Ja, kann es. Nicht so sehr, weil es ein Stück Metall ist. Das Metall ist auch nicht schlechter oder gefährlicher als eine Knochenschraube oder ein künstliches Hüftgelenk. Sondern weil es ja beim ‚Reinigen‘ des Wurzelkanals passiert ist. Das heißt, daß der Kanal jetzt noch ‚schmutzig‘ ist und alles infektiöse Material aus der Wurzel erst dann entfernt werden könnte, wenn die abgebrochene Instrumentenspitze entfernt ist.
Stimmt es, dass das nicht mehr entfernt werden kann ?
Nicht unbedingt. Es gibt Könner, die eine Chance haben, so ein Teil zu fassen und zu entfernen. In größeren Städten (von München weiß ich es, woanders vermute ich es) gibt es Zahnärzte, die sich auf Wurzelbehandlungen spezialisiert haben (Endodonten). Keiner davon wird es vermutlich zu Kassenpreisen tun.
Was kann man tun?
Der Kieferchirurg hätte darüber aufklären müssen, daß die Fraktur eines Wurzelkanalinstruments ein ‚unangenehmer Zwischenfall‘ ist und nicht so ohne weiteres übergangen werden kann. Er ist für die Einleitung der notwendigen Folgemaßnahmen zuständig und verantwortlich. Sollte er seine Aufklärungspflicht tatsächlich in der von Dir geschilderten Art vernachlässigt haben, hätte er sich strafbar gemacht. Das ist deswegen wichtig, weil er damit u.U. sein Nachbesserungsrecht einbüßt und möglicherweise für die Behandlungskosten woanders aufkommen müßte.
Jedenfalls wäre der beste Weg, den Zahn bald einem erfahrenen Endodonten (oder einer Uni-Klinik) vorzuführen. Ziel: Entfernung des Instrumentenrests, Wurzelbehandlung, evtl. baldige Überkronung.
Zweitbeste Lösung: ‚retrograder‘ Verschluß der Wurzel. Also: Operation - dabei Abtragen der Wurzelspitze und dichter Verschluß des Wurzelkanals ‚von hinten‘.
Erhaltungschancen sind dabei schlechter (die Bakterien bleiben ja drin). Die Maßnahme ist auch keine Kassenleistung. Sie wird am besten unter Benutzung eines OP-Mikroskopes vorgenommen.
Schlechteste Lösung: Ruck-Zuck, Zahnluck! Dazu muß ich nicht viel erklären.
Hoffe das hilft Dir. Gerne auch per PM.
Kai