wutanfälle

mein sohn ist fast 4 jahre alt und seit er ungefähr 2 jahre alt ist, hat er furchtbare wutanfälle. ähnlich wie dieses nette beispiel im supermarkt mit dem schreienden kind auf dem fußboden. bei meiner tochter (heute 6) gab es das auch. es war jedoch im normalen rahmen, d.h. ca. 15 minuten geschrei und getrampel und dann hatte es sich wieder gelegt. es war auch nach einem halben jahr vorbei. mein sohn kann 1 1/2 bis 2 stunden schreien. dann tritt er gegen türen, trampelt etc. meist ist er dann 2 tage heiser. auch verbote und drohungen nützen nichts. es gibt am tag oft 4 - 5 solcher anfälle. es fängt schon morgens an, wenn es um die kleidung geht, die er anziehen soll!und hört abends auf, wenn er ins bett muß. was kann man tun? meine nerven sind schon ziemlich überbelastet!
cadde

Hallo Cadde,

du hast nicht geschrieben wie du da drauf reagierst. Ich meine es wäre interessant zu hören wie so ein Wutanfall entsteht und wie er endet. Was machst du während desen? Was danach? Was macht dein Sohn danach?

Mein Sohn (mittlerweile 16!) hatte das als Kleinkind auch gemacht. Ich hatte ihn dann genommen, (auch deshalb damit er sich nicht verletzt) und habe ihn festgehalten. Ich habe nichts gesagt, nichts gemacht, einfach nur auf meinem Schoß gesetzt und festgehalten bis es vorbei war. OK, einfach war es nicht, weil er immer wieder versucht hat sich zu entreißen, Sack Flöhe zu halten wäre bestimmt einfacher gewesen …:smile: Das musste ich aber nur 3 Mal machen und danach nie mehr, wobei ich sagen muss dass der junge Mann augeprägten Willen hat (zum Glück) und wir auch danach sehr oft verbale Gefechte hatten, nur war das danach ein Klacks gegen einen richtigen Wutanfall :wink:.

Bei milderen *Wutattacken*, habe ich ihm den Wut „ausgeschüttelt“, das heisst an die Füsse genommen und hoch gehalten und geschüttelt. Das endete dann immer ins Gelächter, das hat ihm Spass gemacht und der Zorn war dann weg :smile:)

Falls du was drüber lesen möchtest, dann empfehle ich dir das Buch von Rudolf Dreikurs „Kinder lernen aus den Folgen“ und noch (huhu Vanessa, jetzt habe ich es rausgefunden :smile: „Kampfbeziehungen“ von Margot Jörgensen und Peter Schreiner.

Gute Nerven, viele Grüsse und einen schönen Sonntag,
Maja (die sich lebhaft dran erinnert :smile:

wie in dem artikel zuvor schon gesagt vermisse auch ich noch so ein zwei informationen und es ist bestimmt nicht richtig alle kinder über einen kamm zu scheren aber das eine möchte ich denn doch noch beisteuern:

nach meinen erfahrungen ist es oft so dass viele kinder nicht wirklich ausgelastet sind. sich geisig oder körperlich unterfordert fühlen. so auch im bekanntenkreis, seit dem der kleine auch 4 jahre alt regelmässig sport macht ist er wesentlich ausgeglichener. dieses ventiel hilft ihm wohl dabei seine übermotivation abzubauen. ähnlich verhält es sich mit ihm wenn man regelmässig mit ihm tobt. hier kann er dann seine „wut“ abbauen.

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Hi Cadde,
erstmal: andere kennen das auch. Meine beiden Soehne, jetzt 9 + 10 haben das nicht nur dreimal gemacht, sondern ueber Jahre hinweg. Sohn Nr. 1 hat dabei den Kopf auf den Boden gehauen, Sohn Nr. 2 setzte dem noch eins drauf und suchte scharfe Kanten zum Kopfstossen. Sohn Nr. 1 war relativ bald wieder auf dem Boden der Normalitaet, Sohn Nr. 2 konnte stundenlang durchhalten. Heute merkt man diesen Unterschied immer noch: der eine schreit mal kurz seine Wut raus und ist dann fuer fuenf Minuten nicht anzusprechen und dann wieder okay, der andere kann stundenlang schmollen und vor sich hingrubbeln. Die Idee mit dem Halten haben wir auch probiert. Und vieles mehr. Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist:

  1. Anfall vermeiden. Das heisst nicht, nachzugeben. Aber manchmal sieht man, wie so ein Wutanfall kommt und dann hilft es, wenn man schnell ablenkt. Ist der Anfall erstmal da, ist es fuer das Kind viel schwerer sich zu kontrollieren und wieder einzukriegen. Wir haben bei unserem Sohn auch gemerkt, dass er sich relativ schnell beruhigte, wenn wir ihm was zu essen oder trinken verabreichen konnten. Weshalb wir ihn auf Diabetes untersuchen liessen, was aber negativ war. Dann haben wir darauf geachtet, dass er leichter einen Wutanfall bekam, wenn er ein paar Stunden nichts gegessen hatte (morgens war immer toll bei uns, bis nach dem Fruehstueck). Vielleicht faellt ja sein Blutzucker schnell ab und dann wird er grantig. Also bei ersten Anzeichen, Obst geben oder einen Saft oder so, das verhinderte viel.
  2. Nicht berechenbar werden. Immer wieder mit Ueberraschungen aufwarten. Mal das mit dem zum Lachen bringen (da gibt’s viele Methoden). Weggehen (wenn’s sicher ist). Selbst schreien. Zu singen anfangen. Ernst sein und reden. Festhalten (da musste ich bei meinem Sohn aber immer ganz schoen was einstecken, er war stark).
    Und macht euch nichts draus, wenn es noch ein paar Jahre so geht. Auch das ist noch im Normalbereich (wenn auch keine schoenen Aussichten). Aber ich hab lange damit gekaempft, dass ich dachte, NUR UNSERER IST SO, und inzwischen bin ich schlauer. Die meisten Eltern luegen, wenn’s um das Verhalten ihrer Kinder geht.
    Mach’s gut und ich wuensch dir viel Kraft, das durchzustehen.
    tschuess,
    Bongani

hmm… ich habe 2 cholerische schwestern, die eine davon hat jetzt noch (33 j) wutanfälle mit schreien und stampfen. das hängt sicher mit dem temperament zusammen. trotzdem kann man ja lernen, mit seiner wut umzugehen, was mit 4 sicher erst anfänglich möglich sein kann - wenn überhaupt. aber wie die anderen schon schrieben: die umstände vor während und nach einem wutanfall sind auch wichtig. oder hat das kind vielleicht ein sprachhindernis (kann bestimmte laute nicht sprechen oder tut sich generell schwer?) das kann auch auslöser sein.
ich wünsche dir auf jeden fall gute nerven!!
viele grüße
cordula