Yggdrasil (germ. Mythol.)

Hallo, Mythenkundige!
Frage 1:
Welche Bewandtnis hat es mit dem Welten-Eichhorn, das um den Stamm der Y. hinauf- und hinuntersaust?
Zusatzfrage: Dieses Eichhörnchen hat sicher einen Namen. Welchen?
Frage 2:
Welcher Autor (über Industrialisierung im 19.Jh., wissenschaftl.) hat zur Illustration seiner Thesen diese Vorstellung aus der germ. Mythologie verwendet? (Ich hab das mal gelesen und dann wieder vergessen, und jetzt wüsst ich es gern wieder.)
Dank und Gruß!
Hannes

Hallo, Mythenkundige!

Servus

Frage 1:
Welche Bewandtnis hat es mit dem Welten-Eichhorn, das um den
Stamm der Y. hinauf- und hinuntersaust?
Zusatzfrage: Dieses Eichhörnchen hat sicher einen Namen.
Welchen?

Das Eichhörnchen heißt Ratatöskr. Es klettert den Baum immer auf und ab zwischen Hräswelgr (der Adler) und Nidhöggr (der Drache) und stachelt die beiden gegeseitig auf.

Frage 2:
Welcher Autor (über Industrialisierung im 19.Jh.,
wissenschaftl.) hat zur Illustration seiner Thesen diese
Vorstellung aus der germ. Mythologie verwendet? (Ich hab das
mal gelesen und dann wieder vergessen, und jetzt wüsst ich es
gern wieder.)

Leider keine Ahnung…

Dank und Gruß!
Hannes

MfG
Christoph

Ratatöskr - ziemlich o.t.

Das Eichhörnchen heißt Ratatöskr. Es klettert den Baum immer
auf und ab zwischen Hräswelgr (der Adler) und Nidhöggr (der
Drache) und stachelt die beiden gegeseitig auf.

Ratatöskr war auch (neben Dr. Owlglass) Pseudonym des Simplicissimus-Dichters Hans Erich Blaich.

Rückblick auf Pfingsten

Behufs Verständigung und quasi als Friedensvermittler
Saßen verstiegene Sozi beisammen und dito Fortschrittler,
Wähnend, man könne mit Fleiß und etwas gutem Willen
Haß und Angst und blutende Wunden stillen;
Wähnend, man könne den hitzigen martialischen Phrasen
Durch den kühlen Hauch der Vernunft das Lebenslicht ausblasen;
Wähnend, man könne den qualmenden Pulver- und Bleimoloch vernichten
Und an seiner Statt einen taghellen Zukunftstempel errichten …

Der wahre Vaterlandsfreund und Nationalliberale
Versammelte sich inzwischen in einem Bräuhaussaale.
Man ließ sich lieber von der ehernen Gegenwart winken
Zu einem klar umrissenen, mannhaften Pfingstmaibocktrinken
Und fand an dem, was da ist, ein inniges Genügen,
Treuherzig mit Säbeln rasselnd, mit Mäulern und Deckelkrügen.

Ratatöskr

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Besten Dank für das Gedicht!
Teilst bitte noch mit, aus welcheM Jahr es stammt?
Gruß!
Hannes

Teilst bitte noch mit, aus welcheM Jahr es stammt?

1913 - man war gerade vor allem mit den Vorbereitungen zu den Feiern des 25. Thronjubiläums von Wilhelm „es ist erreicht“ Hohenzollern beschäftigt, dem Berliner Komplement der in Musils ‚Mann ohne Eigenschaften‘ so meisterhaft persiflierten Wiener ‚Parallelaktion‘. Ansonsten waren es hauptsächlich die Zeichner des ‚Simpl‘, die das Blut schon riechen konnten, etwa mit dem Bild eines Champagnerbesäufnisses befrackter, monokel- und ordensgeschmückter Herren - Untertitel: „Mon cher confrère, stoßen wir an auf den befruchtenden Haß der Völker! Es gibt doch noch gemeinsame Kulturinteressen!“ (E.Thöny 1913, ‚Französisch-deutsche Waffenindustrie‘). Oder Alfred Kubins visionäre Zeichnung „Vom jüngsten Tag“, ebenfalls 1913. Oder am 11.05.1914 (also knapp sieben Wochen vor dem Attentat von Sarajevo) Th.Th. Heines Zeichnung ‚Der alte und der neue Kriegsgott‘, die kontrastierend einem heroisch posierenden, klassisch gewandeten Ares einen Herrn im schwarzen Anzug gegenüberstellt, unterm linken Arm einen Geldsack, in der rechten Hand einen Revolver, der Kopf eine gut gefüllte Geldbörse…

Bezeichnende Indizien dafür, dass man in den Weltkrieg nicht quasi wider Willen ‚hineingeschliddert‘ ist. Wer die Augen offen hatte, konnte sehen, wo es langging. Merke: Satiriker (zu denen Kubin freilich nicht zu zählen ist) sind die wahren Propheten, weil sie stets vom schlechtestmöglichen Zukunftsszenario ausgehen …

Als es dann so weit war, knickte der ‚Simpl‘ allerdings genauso jämmerlich ein wie z.B. die deutsche Sozialdemokratie:

" An unsre Leser

Die Nummern 18 und 19, die schon vor der Mobilmachung in Druck gegangen waren, haben wir - soweit es sich ermöglichen ließ - zurückgehalten. Es geschah dies nicht aus Besorgnis vor irgendwelchen Zensurschwierigkeiten - zu solchen lag keinerlei Anlaß vor -, sondern lediglich aus dem Gefühl heraus, daß es in diesen Tagen der deutschen Erhebung eine Kritik innerpolitischer Vorgänge selbstverständlich nicht mehr gibt." usw. usf. …

Freundliche Grüße,
Ralf