Ich antworte hier als Laie, nicht als Zahnarzt. Meine Meinung
ist folgende:
Servus Torsten,
wenn Du als Laie antwortest, wäre es gut, sich in einem ‚Experten‘-Forum auf die Dinge zu konzentrieren, von denen man den Ansatz einer Ahnung hat. Unbenommen bleibt Dir dabei das Recht, Meinungen einzubringen, wenn sie als solche zu erkennen sind.
Selten oder regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen - dabei handelt
es sich um zwei mögliche Strategien, wobei nicht generell
gesagt werden kann, welche Strategie die bessere ist. Es kommt
sehr auf individuelle Umstände an und natürlich auch darauf,
daß keine der beiden Strategien bis ins Extremste ausgereizt
wird.
Das sind viele Worte um eine banale Aussage, die da heißt: „Man kann es im Leben immer darauf ankommen lassen.“ So what?
Meiner Meinung nach kann es manchmal besser sein, noch etwas
zu warten, weil dann zum Beispiel von einem morschen Zahn noch
die besonders maroden Stückchen von selbst abgehen, während
diese sonst vielleicht wieder mit ankleistert würden und dann
vor sich hin müffeln würden.
Beim Auto (vielleicht verstehst Du davon etwas?) würdest Du also raten:
was rostet und korrodiert sollte man erst mal kaputtgehen lassen, weil es eh’ kaputt geht. Mit dem korrosionsresistenten Rest fängt man dann an, sich ein stabiles Auto bauen zu lassen. Der Vollständigkeit halber sollst Du noch wissen, daß es nicht vorkommt, daß Zahnärzte marode Stückchen des Zahnes wieder ankleistern.
Auch bezogen auf das ganze Gebiß halte ich es für möglich, daß
es sinnvoll ist, erst einmal einige Dinge zusammenkommen zu
lassen, um sie dann konzentriert und aufeinander abgestimmt
abzuarbeiten.
Diese Vorgehensweise empfehle ich dann auch für die innere Medizin. Leber ordentlich kaputtsaufen, Lunge und Herz mit Zigaretten auf Verträglichkeit testen und dann auf der Intensivstation den Sammelauftrag für die Transplantationsmediziner, möglichst zusammen mit der Patientenverfügung gegen die Apparatemedizin aus der Tasche ziehen.
Auch da ist es aber natürlich wichtig, den
richtigen Moment für den Gang zum Zahnarzt nicht zu verpassen.
Du solltest Dich wegen Deiner Versäumnisse also nicht zu sehr
kränken, denn es ist nicht erwiesen, daß der Abbau Deines
Gebisses sich dadurch beschleunigt hat. Daß jetzt vieles
gemacht werden muß, was in der Vergangenheit nicht gemacht
wurde, darf damit nicht verwechselt werden.
Bei der finanziellen Situation in vielen Arztpraxen (siehe
aktuelle Arztproteste) kann man es einem Arzt nicht verdenken,
wenn er zunächst einmal einen Vorschlag macht, der auch für
ihn wirtschaftlich reizvoll ist.
Woher weißt Du, daß gerade dieser 17000.- € Vorschlag der wirtschaftlich reizvolle ist? Vielleicht ist es auch die aufwand- und risikoarme Teilprothese, wo das Aufwand-Ertragsverhältnis gut ist.
Anhand des Vorschlages würde ich eigene Recherchen anstellen
(im Internet gibt es sehr viele Informationen zu
Behandlungsmöglichkeiten) und dann mit dem Zahnarzt über
Alternativen diskutieren. Dabei kannst Du bestimmt die Hälfte
der Kosten sparen.
Über Alternativen diskutieren,ist immer eine gute Idee. Aber wenn einem ein Ahnungsloser ‚im Internet‘ versprochen hat, daß man die Hälfte sparen kann, wird das kein so ganz gelöstes Gespräch werden.
Selbst wenn bei einem Zahn außer der Wurzel nicht mehr viel da
ist, kann mit Keramik noch sehr viel ausgebessert und wieder
aufgebaut werden. Hier sollte aber möglichst keine
Krankenkasse hineinreden. Was sie Dir erstattet, nimmt sie Dir
am Ende, wenn durch Vorgaben die Behandlung nicht richtig
stattfinden kann.
Hier steht in wenigen Zeilen soviel rettungsloser Schmarr’n, daß ich zu faul bin, inhaltlich darauf einzugehen.
Die Zahnwurzel ist das Wertvollste am Zahn.
Wenn die Zahnwurzeln nicht kaputt sind, lohnt sich jede
Alternative zum Ziehen von Zähnen.
Die Natur hätte sich bei der Entwicklung des Gebisses auf die Wurzeln beschränkt, wenn der Rest eh’ nix taugt. Konsequenterweise könnte man sich ja dann so im Alter von zwanzig ale Zähne abflexen lassen, damit man es in Zukunft nur noch mit den wertvollen Teilen der Zähne zu tun hat.
Glaubst Du, daß Deine Ratschläge wirklich weiterhelfen?
Gruß
Kai