Zahl der MA in Bezug zum Umsatz ?

Guten Morgen Zusammen,

gibt es einen Schätzwert, der den Bezug zwischen der Anzahl der Mitarbeiter in einem Betrieb und dessen Jahresumsatz beschreibt ?

Beispiel:
Fa. 1 hat 150 MA und einen Jahresumsatz von 13 MIO EURO.
Macht pro MA 86.666,67 EURO. (Gut? Normal? Schlecht?)

Fa. 2 hat 20 MA und einen JAhreumsatz von 6 MIO EURO.
Macht hier pro MA 300.000 EURO (Gut? Normal? Schlecht?)

Muß ich differenzieren zwischen Dienstleister und produzierendes Gewerbe ?

Kann man denn überhaupt anhand von solchen Zahlen ablesen, ob die Firma krankt, oder einigermaßen gesund dasteht?

Die Antwort ist sehr wichtig für mich, denn ich möchte nicht unbedingt in eine desolate Firma wechseln.
Danke im Voraus.

Gruß Rudi

Guten Morgen Rudi,

gibt es einen Schätzwert, der den Bezug zwischen der Anzahl
der Mitarbeiter in einem Betrieb und dessen Jahresumsatz
beschreibt ?

Umsatzbezogen sicherlich nicht, und bezogen auf die Zahl der MA - ohne Berücksichtigung des Personalaufwandes, abhängig von den Gehältern - auch nichts mit ordentlicher Aussagekraft.

Personalaufwand bezogen auf Rohertrag würde ein grosso modo schon eher brauchbarer Wert sein - besser ists, wenn der Einfluss von overheads auch rausgenommen werden kann.

Das bleibt aber hypothetisch, weil Deine Arbeitgeber nicht ihre GuVen auf den Tisch legen werden.

In Deinen Beispielen ist es unwahrscheinlich, daß wesentliche Costs of Sale anfallen, sonst wäre das bereits arg eng.

Beispiel:
Fa. 1 hat 150 MA und einen Jahresumsatz von 13 MIO EURO.
Macht pro MA 86.666,67 EURO. (Gut? Normal? Schlecht?)

Bei IT- und Ingenieursgehältern: Tendenziell gefährdet. Dieser Umsatz deckt - wenn überhaupt - mit Mühe den Personalaufwand (einschließlich zurechenbarer overheads). Es kann besondere Effekte geben, wenn etwa der Umsatz deswegen gering ist, weil im Vorjahr ein Riesenprojekt abgeschlossen wurde und in diesem Jahr die Aktivitäten eine Weile keinen Umsatz gebracht haben, sondern Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen. Drei Jahre in Folge ist das mindeste, was Du zur groben Eliminierung solcher Effekte brauchst.

Möglich wäre hier auch die Arbeit an einem zukünftigen Projekt vor Rollout. Je nach Bedeutung kann man in dem mittelständischen Format, das Du beschreibst, jahrelang dran basteln, ohne groß Umsatz zu generieren, und es ist einer HGB-Bilanz nicht anzusehen, was da für ein Schatz angehäuft wird, der nach Markteinführung vielleicht jahrelang Umsätze aus „nichts“ generiert.

Fa. 2 hat 20 MA und einen JAhreumsatz von 6 MIO EURO.
Macht hier pro MA 300.000 EURO (Gut? Normal? Schlecht?)

Sieht auf den ersten Blick bei einer personalintensiven Produktion - mit den beschriebenen Einschränkungen - gut aus. Ohne allerdings zu wissen, in welchem Umfang Leistungen outgesourcet sind.

Muß ich differenzieren zwischen Dienstleister und
produzierendes Gewerbe ?

Gaaanz allgemein ist bei Dienstleistern produktiver Personalaufwand mal 2,5 bis eher 3 = Umsatz eine ordentliche Relation. Von den Produktionsverfahren her würde ich IT und teilweise Ingenieurwesen auch in die Kante rechnen, weil die zum Entwickeln notwendige Hardware im Vergleich zu einem Cracker bei BASF im Trinkgeldbereich liegt. Leiterplatten? Da weißt Du von den Produktionsverfahren mehr. Ist das da auch so, daß die Produktion nicht weit von Null kostet, wenn das Produkt einmal entwickelt ist?

Für das produzierende Gewerbe ist so gut wie keine Aussage möglich, weil die Produktionsverfahren, die aus dem Gross Benefit bedient werden müssen, in ganz unterschiedlicher Intensität gefahren werden können.

Kann man denn überhaupt anhand von solchen Zahlen ablesen, ob
die Firma krankt, oder einigermaßen gesund dasteht?

Fazit: Kaum. Analysten schauen bei ihrer Kaffeesatzleserei auf die Umsatzwerte wie das Kaninchen auf die Schlange (oder eher umgekehrt…), aber das ändert nichts am Kaffeesatz. Für diese Aussage werde ich jetzt gleich im Forum öffentlich geköpft!

Die Antwort ist sehr wichtig für mich, denn ich möchte nicht
unbedingt in eine desolate Firma wechseln.

Vielleicht kannst Du aus den genannten Anhaltspunkten Fragen entwickeln, auf die Du nicht unbedingt eine sachliche Antwort kriegst, aber wenigstens eine eher sichere oder eher verblasene Reaktion.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

Danke für Antworten.
Muß aber noch mal nachhaken:

Bleiben wir doch mal bei

Fa. 1 hat 150 MA und einen Jahresumsatz von 13 MIO EURO.
Macht pro MA 86.666,67 EURO. (Gut? Normal? Schlecht?)

Hierbei handelt es sich um einen Dienstleister, der z.Z. stark expandiert und auch Aussenstellen aufbaut.
Auftragslage z.Z. „nur kleine Projekte…“
2/3 der Belegschaft Ingenieure.
Mein tiiiefes Bauchgefühl sagt mir: Hier stimmt doch was nicht…,
denn:
(„schneller Volumenanstieg kann zur Explosion führen…“
Hab ich schon miterlebt: Firma wächst innerhalb von ca. 2 Jahren von 22 MA auf stattliche 61 (!) MA und ist kurz nach der Einstellung des 61. MA insolvent.)

Bei IT- und Ingenieursgehältern: Tendenziell gefährdet. Dieser
Umsatz deckt - wenn überhaupt - mit Mühe den Personalaufwand…

…hm, so seh ich das auch, ohne Ahnung von BWL zu haben.

Möglich wäre hier auch die Arbeit an einem zukünftigen Projekt
vor Rollout. Je nach Bedeutung kann man in dem
mittelständischen Format, das Du beschreibst, jahrelang dran
basteln, ohne groß Umsatz zu generieren, und es ist einer
HGB-Bilanz nicht anzusehen, was da für ein Schatz angehäuft
wird, der nach Markteinführung vielleicht jahrelang Umsätze
aus „nichts“ generiert.

…glaub ich nicht, denn die Belegschaft ist sehr jung, also wenig Erfahrungswerte und die Branche ist hart. Automotiv. Da liegt das Know-How eher bei den Automobilfirmen und alteingesessenen Zuliefern.

Gaaanz allgemein ist bei Dienstleistern produktiver
Personalaufwand mal 2,5 bis eher 3 = Umsatz eine ordentliche
Relation…

Versteh ich nicht ganz.
Was bedeutet der Faktor 2,5 bis 3 ?

Muß man hier die Personalkosten rechnen ? Also z.B. Bruttoverdienst der MA im Durchschnitt:
5000.- x 1,5 = 7500.- Kosten für die Firma je MA.
7500.- x 150 (MA) *12 = 13,5MIO EURO p.a.
Jetzt mal 3 würde rnd. 40 MIO machen ?

Rudi

Hallo nochmal,

Bleiben wir doch mal bei

Fa. 1 hat 150 MA und einen Jahresumsatz von 13 MIO EURO.
Macht pro MA 86.666,67 EURO. (Gut? Normal? Schlecht?)

Hierbei handelt es sich um einen Dienstleister, der z.Z. stark
expandiert und auch Aussenstellen aufbaut.
Auftragslage z.Z. „nur kleine Projekte…“
2/3 der Belegschaft Ingenieure.
Mein tiiiefes Bauchgefühl sagt mir: Hier stimmt doch was
nicht…,
denn:
(„schneller Volumenanstieg kann zur Explosion führen…“
Hab ich schon miterlebt: Firma wächst innerhalb von ca. 2
Jahren von 22 MA auf stattliche 61 (!) MA und ist kurz nach
der Einstellung des 61. MA insolvent.)

Ja, kommt mir auch nicht unwahrscheinlich vor. Denkbar ist eine kürzliche Eingliederung in einen Konzern mit gefüllter Kriegskasse, der strategisch Marktanteile aufbauen will und sich das einiges kosten läßt. Wenn ein Mittelständler das macht, fragt sich schon, wie er das Tal der Tränen finanzieren will, das vor dem künftig erhofften Imperium durchschritten werden muß.

Gaaanz allgemein ist bei Dienstleistern produktiver
Personalaufwand mal 2,5 bis eher 3 = Umsatz eine ordentliche
Relation…

Versteh ich nicht ganz.
Was bedeutet der Faktor 2,5 bis 3 ?

Muß man hier die Personalkosten rechnen ? Also z.B.
Bruttoverdienst der MA im Durchschnitt:
5000.- x 1,5 = 7500.- Kosten für die Firma je MA.

Der genannte Faktor 2,5 - 3 setzt nur am Brutto incl. Arbeitgeberanteile und Unfallversicherung an. Deswegen nicht 1,5 (wo schon Ausfallzeiten und dergleichen auch drin stecken), sondern bloß 1,25 - dafür mal Anzahl der Monatsgehälter p.a. (13? 13,5?)

7500.- x 150 (MA) *12 = 13,5MIO EURO p.a.
Jetzt mal 3 würde rnd. 40 MIO machen ?

Wenn die 5.000 Brutto gerechnet über alle tatsächlich gegeben sind, hieße das 5.000 * 1,25 = 6.250
6.250 * 13 = 81.250
81.250 * 2,5 = 203.125
203.125 * 150 = 30,5 Mio.

Die würde ich schon als Messlatte anlegen. Sicher macht es etwas aus, daß das beschriebene Unternehmen den Vertrieb mit eigenen Angestellten besorgt, die auf diese Weise in den 150 drin stecken, ohne unmittelbar produktiv zu sein. Klar kann man, etwa um am Markt zu bleiben und das Ende eines Mitbewerbers abzuwarten, mit kleineren Margen leben, Standzeiten verlängern, vorübergehend auf Verzinsung des eingesetzten Kapitals verzichten etc. Oder eben, wie im beschriebenen Fall, vorübergehend ziemlich eng arbeiten, wenn man sicher ist, durch Expansion Bedetung zu gewinnen. In der Gegend von 20 würde ich aber (auch viel Gefühl dabei) die Grenze setzen, unterhalb der man sich mit Einschränkung/Aufgabe/Neuorientierung beschäftigen sollte.

Ich glaube, Automobilzulieferer selbst von Nischenprodukten hoher Qualität dürfen sich derzeit überhaupt nicht auf zukünftige positive Entwicklungen verlassen und teile Deine Skepsis. Ich habe in anderem Zusammenhang im Sommer 2002 ein paar Ingenieure und Informatiker von der Uzina Mecanica in Cugir (RU) kennen gelernt, die mit der Herstellung der Getriebe für (bisher nur) die A-Klasse beschäftigt sind. Sehr aufgeweckte und, soweit ich es beurteilen kann, recht gut qualifizierte Leute. Spitzengehalt rund 250 Euro im Monat…

Kurz: Für den von Dir beschriebenen Betrieb würde ich glaube ich nur eine persönlich unerträgliche Arbeitssituation aufs Spiel setzen.

Schöne Grüße

MM

Hab ich schon miterlebt: Firma wächst innerhalb von ca. 2
Jahren von 22 MA auf stattliche 61 (!) MA und ist kurz nach
der Einstellung des 61. MA insolvent.)

hi,

grenzkostenanalyse? bringt die neueinstellung mehr umsatz als mehrkosten? ganz einfache frage die zu klären ist. beispiel von unserem prof. war immer der bauer mit seinen knechten.

ein bauer hat einen hektar zu bewirtschaften, er hat nur hacken & spaten in der scheune. er stellt nun einen knecht nach dem anderen ein. bis zu einer bestimmten anzahl knechte (hektarzahl dividiert durch bearbeitbare fläche pro knecht und tag) lohnt sich der zuwachs. ab dem grenzwert kosten die knechte mehr als sie einbringen, sie zertrampeln die saat, behindern sich gegenseitig und im maximalen sind es mehr knechte als auf dem acker stehen können.

diese grenze zu finden ist für viele neue unternehmen sehr schwer, da es i.d.R. keine einfachen „knecht & hektar“ fälle sind…

mfg vom

showbee