Zahlungsfaehigkeit von Firma feststellen

Halloechen,

stellt euch mal vor ein Selbstaendiger bekommt einen Auftrag von einer Firma. Honorar zahlbar bei Ablieferung der kompletten Daten. Man hoert hier und da, dass die Firma immer spaet zahlt und evtl. in finanziellen Schwierigkeiten ist. Es handelt sich um eine GmbH. Dem Sepbstaendigen macht es nichts aus, wenn er oder sie
das Geld erst etwas spaeter bekommt aber macht sich Sorgen, dass die Firma pleite geht und gar kein Geld kommt. Vor allem weil der Selbstaendige noch andere Leute beauftragen muss und diese zahlen muss.

a) gibt es eine Meoglichkeit ueber Schufa oder aehnlicher Organisation herauszufinden wie es um die Zahlungsfaehigkeit der Firma steht?
b) ich weiss dass AGs ihre Bilanzen zu unterschiedlichen Terminen offen darlegen muessen. Wie ist das bei GmbHs?
c) kann sich der selbstaendige (keine GmbH und keine Fa sondern Privatperson und Wohnsitz ausserhalb der EU) absichern, dass die
Leute die fuer das Projekt arbeiten nicht ihn verklagen wenn er nicht zahlen kann weil er das Geld nicht bekommt?

Lieber MOD. Falls diese Anfrage hier falsch ist bitte Bescheid geben wo sie besser aufgehoben waere.

Gruss Matti

Hi Mattilda,

a) gibt es eine Meoglichkeit ueber Schufa oder aehnlicher
Organisation herauszufinden wie es um die Zahlungsfaehigkeit
der Firma steht?

Bankauskunft oder die diversen Auskunfteien wie Schufa, Bürgel etc. liefern solche Daten. Aber es sind immer Daten aus der Vergangenheit. Die Bewertung und die Rückschlüsse auf die Zukunft sind Aufgabe und Risiko des Unternehmers.

b) ich weiss dass AGs ihre Bilanzen zu unterschiedlichen
Terminen offen darlegen muessen. Wie ist das bei GmbHs?

Genau so. Aber auch diese Daten sind naturgemäß nicht aktuell. Selbst wenn das letzte Geschäftsjahr gebrummt hat, das jetzige könnte schon den Absturz bedeuten. Aber: das hängt IMHO von der Branche und von der Größe des Unternehmens ab.

c) kann sich der selbstaendige (keine GmbH und keine Fa
sondern Privatperson und Wohnsitz ausserhalb der EU)
absichern, dass die
Leute die fuer das Projekt arbeiten nicht ihn verklagen wenn
er nicht zahlen kann weil er das Geld nicht bekommt?

Meine Lieferanten interessiert es nicht, ob mein Kunde seine Rechnungen bei mir bezahlt. Die haben ihre Waren/Dienstleistungen auftragsgemäß geliefert und wollen ihr Geld, zumindest bei uns kleinen „Krautern“.
Kurz gesagt: wer die Musik bestellt, zahlt üblicherweise. Wer allerdings die ganz große Musik bestellt, muß seine Zahlungsfähigkeit vorher meistens ganz deutlich unter Beweis stellen.

Es gäbe natürlich die Möglichkeit, per Vorkasse zu liefern, was aber meist ausscheidet. Einer der sinnvollsten Wege scheint mir die Salami-Taktik. Das Projekt wird in einzelne sinnvolle Abschnitte gegliedert und bei Fertigstellung eines Abschnittes ist Zahltag.
Kommt kein Geld -> Ende der Vorstellung bis Geldeingang

Das Risiko eines Zahlungsausfalles läßt sich so zwar auch nicht komplett verhindern, aber es minimiert es deutlich. Der Lieferant, der seinerseits wiederum andere mit Arbeiten beauftragt, muß diese dann auch so portionieren.

Wenn ein potentieller Kunde allerdings permanent schwach auf der finanziellen Brust ist, dann ist die Annahme eines Auftrages zu überlegen.
Notfalls „nein“ sagen.

Gruß Ulrich

Das ist keine Lüge sondern eine sachzwangreduzierte Ehrlichkeit. (Dieter Hildebrandt)

Sinn und Unsinn von Jahresabschlüssen
Hallo,

Bankauskunft oder die diversen Auskunfteien wie Schufa, Bürgel
etc. liefern solche Daten. Aber es sind immer Daten aus der
Vergangenheit. Die Bewertung und die Rückschlüsse auf die
Zukunft sind Aufgabe und Risiko des Unternehmers.

wenn ich mich nicht irre, dient die Veröffentlichung von Jahresabschlüssen nicht nur der Verwendung überflüssigen Papiers, sondern auch der Information von Anlegern, Lieferanten, Kreditgebern, Mitarbeitern usw. Sofern den veröffentlichten Material nichts zu entnehmen wäre, was eine Einschätzung über die Zukunftsaussichten lieferte, könnte man sich den Unsinn auch sparen.

Gruß
Christian

Hallo!

Auskünfte über Zahlungsfähigkeit etc. kann in Deutschland z. B. „Creditreform“ geben, und auch eventuell Tipps zum weiteren Vorgehen geben. Meines Wissens muss man für diese Auskünfte aber Mitglied sein.

Besteht die Möglichkeit dass der Importeur eine direkte oder indirekte Garantie über seine Bank bekommt?

http://www.helaba.de/hlb/generator/Si

Falls er seine Bank nicht einschalten möchte oder kann besteht die Möglichkeit über die Bank des Exporteurs ein Avalkredit zu bekommen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bankaval

Das dürfte in meinen Augen für den Exporteur mit die sicherste Lösung sein das Geld zu bekommen da eine Bank als Garantiegeber eingeschaltet ist.

Gruß Manulla

Blindes Vertrauen schadet aber auch.
Hi Christian,

wenn ich mich nicht irre, dient die Veröffentlichung von
Jahresabschlüssen nicht nur der Verwendung überflüssigen
Papiers, sondern auch der Information von Anlegern,

Du irrst keinesfalls. Aber gerade Anleger aus den dotcom-Hype Jahren wissen, daß Bilanzwerte eine äußerst leichtflüchtige Substanz sein können.

Sofern den
veröffentlichten Material nichts zu entnehmen wäre, was eine
Einschätzung über die Zukunftsaussichten lieferte, könnte man
sich den Unsinn auch sparen.

Ändert es etwas daran, daß es Daten aus der Vergangenheit sind? Es ändert auch nichts daran, daß es Daten sind, die der Interpretation bedürfen und daran, daß es viele Dinge gibt, die nicht in den Bilanzen und auch nicht in einer Auskunftei zu finden sind.

Es gibt Kunden, die lassen einen am langen Arm verhungern.
siehe: http://www.it-recht-kanzlei.de/index.php?id=%2Fview&…
http://www.presseportal.de/pm/54479/911709/intrum_ju…

In den allermeisten Fällen sind die Daten nützlich, da stimme ich dir zu. Ein vollständig blindes Vertrauen in eine Bilanz oder eine Auskunft jedoch kann sehr schmerzhaft werden, besonders für einen Krauter. Der hat naturgemäß kaum Möglichkeiten, sich zu wehren, von einer fehlenden finaziellen Ausstattung ganz zu schweigen (und ja, er sollte sie haben, ist aber auch nicht immer so).

In dem halben Jahr, in dem ein Bilanz (IIRC für uns Kleinbetriebe) erstellt werden soll, kann sehr viel geschehen. Wie schnell ist WorldCom in die Pleite gegangen?

Ob mit oder ohne Auskünfte, die Verantwortung liegt dennoch beim Unternehmer und er tut IMHO gut daran, sich nicht einfach blind auf die Angaben zu verlassen.

Gruß Ulrich

Das ist keine Lüge sondern eine sachzwangreduzierte Ehrlichkeit. (Dieter Hildebrandt)

Hallöchen,

wenn ich mich nicht irre, dient die Veröffentlichung von
Jahresabschlüssen nicht nur der Verwendung überflüssigen
Papiers, sondern auch der Information von Anlegern,

Du irrst keinesfalls. Aber gerade Anleger aus den dotcom-Hype
Jahren wissen, daß Bilanzwerte eine äußerst leichtflüchtige
Substanz sein können.

immer noch besser als nichts.

Ich bezog mich - nebenbei bemerkt - auf diesen Absatz und insbesondere auf den letzten Satz:
Bankauskunft oder die diversen Auskunfteien wie Schufa, Bürgel etc. liefern solche Daten. Aber es sind immer Daten aus der Vergangenheit. Die Bewertung und die Rückschlüsse auf die Zukunft sind Aufgabe und Risiko des Unternehmers.

Das ist eben nicht der Fall. Im übrigen ging Deine Antwort völlig an der Frage vorbei.

Gruß
Christian